Jeanne Moreau in der Szene, die sie unsterblich machte

Die Szene stammt aus „Ascenseur pour l’échafaud“ („Fahrstuhl zu Schafott“) von Louis Malle aus dem Jahre 1958. Miles Davis hat die Musik zum Film improvisiert, wenn ich mich recht erinnere. Man sieht hier auch eine Szenerie, in der Moreau über eine befahrene Straße geht, völlig desinteressiert ob der Autos, unerreichbar, unberührbar, unzerstörbar. Diese Szene wurde dann von David Fincher 1999 in „Fight Club“ mit Helena Bonham Carter als Marla Singer geremixed.

Jeanne Moreau * 23. Januar 1928 – 31. Juli 2017

Über Terrence Malicks Poesie des Voiceover

Terrence Malick: The Art of Voiceover from Kevin B. Lee on Vimeo.

Terrence Malick gilt als Poet des Kinos, der sich für seine Werke Zeit lässt. In den letzten vierzig Jahren hat er sieben Filme gemacht. Rainer Werner Fassbinder hat mal sieben Filme in einem Jahr geschafft, glaube ich. Malicks Gebrauch des Voiceover trägt unzweifelhaft zu seinen filmischen Erzählungen bei. Aber auch andere filmästhetische Griffe bewirken diesen Zauber seiner Werke. Ich bin richtig verliebt in die Kameraführung, die die Bewegtheit seiner Figuren wiedergibt. Herkömmliches (Popcorn-) Kino handelt oft nur Ideen ab, die in Szene gesetzt werden, was wirklich cool sein kann, Christopher Nolans “Inception” zum Beispiel, der total Hitchcock-mäßig montiert ist (“Dial M for Murder”). Malick ist eher an der Dynamik menschlicher Psyche interessiert, am Bewusstseinsstrom. Er dokumentiert menschliche Haltungen zu Liebesbeziehungen und deren Zerfallen, erzählt fast schon phänomenologisch über Scham, Angst, Krieg, Freiheit, Tod. Dabei gewinnt man den Eindruck, dass es nie die Figuren sind, die erzählen, sondern immer Malick. Man könnte als Regisseur verschiedene Charaktere als Individuen sprechen lassen und ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen und somit die Unsicherheit und Irrationalität von Aussagen, die alle wahrhaftig sein wollen, darstellen. Malick macht das auch, aber immer ist es seine “Stimme”, immer ist er dazwischen, lässt die Figuren immer seine Sklaven sein, die stets nach seiner Pfeife tanzen. Die beweglichen Kamerafahrten im Zusammenhang mit den Bewegungen der Figuren sind immer inszenierter Tanz. Und er selbst ist der bewegte Beweger. Er entblößt damit das “Autor-Sein”, das “Gott-Sein” und versetzt die Wahrheit (des Films) in den Bereich gemachter Fiktionalität. Die Poesie seiner Werke besteht in dieser Bewegungskunst und Kunst der Bewegtheit, in diesen gefühlten, lebendigen Augenblicken. Kein Wunder, dass er mit seinen visionären Bildern irgendwann ziemlich sakral geworden ist (“Tree of Life”). Die Wahrheit, die er uns zeigen möchte, ist die Aktualität von Emotionen. War es nicht Zach Braff, der in seinem “Garden State” gesagt hat, dass der Schmerz/ das Gefühl das Einzige ist, was real ist? Oder Trent Reznor: “I focus on the pain, the only thing that´s real.” (Im Gegenzug hat David Fincher/ Chuck Palahniuk in “Fight Club” die Emotion weg-erklärt und die Idee des Anarchismus abgefeiert.) Alles hier ist in Bewegung und spricht. Und in diesem Sinne ist Malicks Werk eben nicht das Abhandeln und Weglegen von Ideen, sondern der Hinweis, dass diese Bewegtheit nie aufhören wird, dass es keinen Halt gibt, sondern nur uns und unsere konstruierten Annahmen und Sätze, an die wir uns so gerne halten wollen.

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Musikvideo der Woche: Justin Timberlake feat. Jay-Z – Suit and Tie

An dieser Stelle könnte nun das neue Video von Tyler, The Creator stehen oder viele andere sehr gelungene Musikvideos. Die kleinen Schweinchen von der Gema verhindern das allerdings mal wieder gekonnt und machen sich mal wieder für kulturelle Förderung verdient. Gönnen wir also dem ominösen Überwachungsapparat seinen Erfolg und freuen uns trotzdem über ein schönes Schwarz-Weiß Video von Justin Timberlake, der hier zusammen mit Hip Hop Mogul Jay-Z stylishen 40er Flair aufleben lässt. David Fincher (Zodiac,Sieben,The Social Network) kann übrigens auch nicht-verstörende Musikvideos drehen und war für diese geschmackvollen Aufnahmen verantwortlich.

Justin Timberlake feat. Jay-Z – Suit and Tie

Regie:David Fincher

Album:The 20/20 Experience

Trent Reznor & Atticus Ross – The Girl With The Dragon Tattoo (Six Songs Download)

Uff, ich finde ja diese Millenium-Romane von Stieg Larrson reichlich mau, aber David Fincher hat nun “Verblendung”  a.k.a. The Girl With The Dragon Tattoo nochmal neu verfilmt und Trent Reznor & Atticus Ross arbeiten nach The Social Network ein zweites Mal mit dem Ausnahme-Regisseur (The Fight Club, Zodiac, Benjamin Button)  zusammen.  Wie man es von Reznor gewohnt ist, gibt es einen schönen Free Download mit nicht weniger als sechs Songs vom bald erscheinenden Soundtrack-Album. “The Girl With The Dragon Tattoo” startet in Deutschland am 12.01.2012, der Soundtrack ist digital ab Mittwoch erhältlich und physisch am 27.12.2012.

Free Download

Trailerprogramm: The Girl with the Dragon Tattoo, Attack the Block, Urbanized, Luck, The Grey, ZOMBINLADEN

The Girl with the Dragon Tattoo [David Fincher]

Seitdem es David Fincher sogar geschafft hat, die Geschichte eines Internet Start-Ups mitreißend zu erzählen, hat er bei mir so etwas wie Narrenfreiheit. Ich vertraue ihm… fast blind. Und auch wenn ich überhaupt kein Fan dieses nordischen Thrillerkonzepts à la Stieg Larsson bin, so scheint The Girl with the Dragon Tattoo mein Vorschussvertrauen nicht zu enttäuschen. Wirkt schön düster, dicht und vor allem mit permanenter Spannung aufgeladen. Wie gesagt, ich kenne weder die Vorlage noch deren erste filmische Umsetzung. Ich freue mich aber definitiv auf diese Interpretation des Fight-Club-Regisseurs.

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The Girl with the Dragon Tattoo – Kanadisches Filmplakat + Trailer

Nachdem wir uns an anderer Stelle bereits auf David Finchers Remake des schwedischen Thrillers “The Girl with the Dragon Tattoo” – eine Verfilmung von Stieg Larssons Roman Vergeltung – gefreut haben, gibt es den Trailer nun auch in unverwackelt und schick. Und dazu auch gleich noch das erste interationale Artwork-Poster via Slashfilm (zugespielt von einem Leser, also ohne Gewähr für Echtheit), das schon wie der Trailer eine ziemlich düstere Ausrichtung verspricht… Das könnte echt verdammt gut werden.

Trent Reznor und Karen O. covern Led Zeppelin für David Finchers Verfilmung von Stieg Larssons Verblendung (The Girl with the Dragon Tattoo)

Überlange Überschrift für epische Kollaborations-Polygamie von ihrer schönsten Seite: Trent Reznor (Nine Inch Nails) der zusammen mit Atticus Ross schon für The Social Network einen Oscar für die beste Filmmusik für sich verbuchen konnte und Karen O., Frontfrau der Yeah Yeah Yeahs, deren liebreizende Musik unter anderem in der wunderschönen Fantasyadaption Where the wild things are zu vernehmen war, kollaborieren für den Soundtrack von “The Girl with the Dragon Tatoo”. Und dieser stammt von niemandem geringeren als David Fincher. Um den traumhaften Künstlerreigen zu vervollständigen: Die beiden spielen nicht irgendein Lied, sondern covern “Immigrant Song” von Led Zeppelin.

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Die besten Filme der 90er: Gedanken zu David Finchers “Fight Club”

Normalerweise werden an dieser Stelle ja Filme ausgelagert, die ich eher nicht so prall fand. Filme, die meiner Meinung nach eben gerade nicht zu den besten Filmen der 90er gehören, für deren Abwesenheit ich aber vermeintlich irgendeine Form der Rechtfertigung abgeben muss. Das ist in diesem Fall anders. Fight Club gehört nicht nur zu den besten Filmen der 90er Jahre sondern steht auch in meiner Alltime-Best-Of-List ziemlich weit oben. Dass ich mit dieser Meinung nicht alleine stehe, beweisen verschiedenste Umfragen zu den besten Filmen aller Zeiten, bei denen Fight Club regelmäßig weit vorne rangiert… vollkommen zurecht. Der Grund für diesen “Sonderartikel” ist ähnlich wie bei der Analyse von American Beauty ein anderer: Es gibt anscheinend ein Rezeptionsgefälle, das Fight Club nicht nur zu einem der besten sondern vor allem auch missverstandensten Filme aller Zeiten macht. Und eben genau jenes Missverständnis sorgt ironischerweise erst dafür, dass er so viele Anhänger für sich vereinen kann.

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Update: The Social Network – 5 Tracks zum Free Download

Update: Da Trent Reznor letzte Nacht tatsächlich den Oscar für Beste Filmmusik bekam, hole ich den Artikel vom letzten Jahr wieder nach oben.

Bald erscheint der neue Film von David Fincher, einstmals Hollywoods Visionär und Querdenker im Bereich Mainstream-Kino. Diesen Titel hat er durch maue Filme mittlerweile an Chris Nolan abgeben müssen, und ob sein neues Werk über Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nicht doch arg der Zensurschere zum Opfer fällt, darf gespannt abgewartet werden. Zumindest der Blick auf den Score, für den Fincher seinen Intimus Trent Reznor gewinnen konnte, lässt wieder mehr Düsternis erwarten. weiterlesen

Oscar 2011: The Social Network

The Social Network ( David Fincher)

(USA, 2010)

“The World Is Your`s. Der Film “Scarface” von Brian de Palma zeigte eindringlich den Aufstieg und Fall eines Mannes, der mehr erreicht als er sich je als unbekannter Niemand erträumte, dafür Freundschaften skrupellos beendet und letztendlich doch einsam stirbt. Facebook Mitbegründer Mark Zuckerberg ist weder tot , noch dealt er mit Kokain. Er hat für sich eine Droge gefunden, die ihm mehr zu bedeuten scheint, als  ein soziales Umfeld und der Harvard Abschluss: Anerkennung und einen sozialen Status, der es ihm ermöglicht exklusiv zu sein und nebenbei die Leute auszusperren, von denen er einst geschmäht wurde. Laut Eigenaussage lebt der gerade 26 Jahre Multi-Milliadär in einem kleinem Appartment. Wo Hip Hop Millionäre Schlösser erbauen lassen, will Zuckerberg nur eines, weiter  expandieren. Was der Grund für diese seltsam anmutende Manie ist, versucht David Fincher in seinem Film “The Social Network” anhand der Buchvorlage “”The Accidental Billionaires” von  Ben Mezrich zu skizzieren. weiterlesen

Die 90er Jahre: Die besten Science Fiction Filme des Jahrzehnts I

Viel Sehenswertes ist im Weltraum der 90er Jahre nicht geschehen. Dafür wie schon bei den besten Science Fiction Filmen der 00er umsomehr auf einer (potentiell) zukünftigen Erde. Das mag vor allem mit einem erneuten Endzeit- und Dystopienhype des ausgehenden 20. Jahrhunderts zusammenhängen (übrigens ganz ähnlich dem des ausgehenden 19. Jahrhunderts). Jedenfalls war der Blick in die Zukunft, den viele Filmmacher in den 90ern wagten, oft ein kritischer, skeptischer, einer, der relevante Themen der 90er aufgriff und in ein mögliches – von düsteres bis buntes – 21. Jahrhundert transformierte. Jedenfalls waren die gelungenen Prophezeiungen zahlreich genug vertreten, dass das Science Fiction Genre zwei Artikel spendiert bekommt… Den ersten Teil gibt es direkt hier…

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Die 90er Jahre: Die besten Thriller des Jahrzehnts II

Nachdem das Actionkino der 90er Jahre sehr von den USA dominiert war, wird es bei den Thrillern weitaus internationaler und bunter. Und wenn man sich in den 00er Jahren fragen durfte “Ja wo sind denn die guten Thriller?” so gibt es in den 90ern die volle Dröhnung Spannendes und Mitreißendes aus der Crime-Welt. Das hier ist Teil 2, weitere werden folgen.

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Die 90er Jahre: Die besten Thriller des Jahrzehnts I – Serienkillerfilme

Die 90er Jahre waren ein ausuferndes Jahrzehnt für Thriller und Krimis. Neben den klassischen Crime-Stoffen war es vor allem der Serienkillerfilm, der einen zweiten Frühling erlebte. Natürlich sind auch hier die Genregrenzen oft fließend: Viele der hier genannten Filme könnten ebenso gut in der Horrorecke stehen; von den unzähligen – oft pubertären – Slasherrevivals heben sie sich aber deutlich sowohl in ihren Ausgangspunkten als auch Umsetzungen ab. Ein perfekter Serienkillerfilm arrangiert psychologische Tiefgründigkeit mit ganz realem physischen Terror, sucht nach Motiven und Ursachen, ermittelt ebenso akribisch, wie er akribisch tötet und schafft dabei eine unheilschwangere, düstere Atmosphäre. So werden die guten dieser Filme nicht zum bloßen Thriller sondern zum komplexen Persönlichkeits- und Gesellschaftsporträt, wenn nicht gar zu brutalen, düsteren und apokalyptischen Anthropologien.

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Die 00er Jahre: Die besten Thriller und Actionfilme des Jahrzehnts

Jetzt kommts dicke… Keine ästhetische Erotik mehr, kein romantisches Schmachten und Säuseln. In diesem Artikel stehen voll und ganz die Thriller und Actionfilme des Jahrzehnts im Mittelpunkt. Adrenalin- und testosteronschwanger, spannend, schnell, knallhart, actionreich, manchmal auch verzwickt und komplex aber immer aufregend und mitreißend. Wer den ein oder anderen Reißer vermisst, der kann damit beruhigt werden, dass so mancher Actioneer-Bastard noch in weiteren Artikeln berücksichtigt wird. Was an der Auflistung aber bereits deutlich wird: Das traditionelle, puristische, reine Actionkino hatte in der letzten Dekade nicht gerade seine Hochzeit. Dafür aber umso mehr der Thriller, der sowohl postmodern dekonstruktivistisch als auch zynisch als auch hochdramatisch daher kam. Ladies and Gentlemen, die besten Thriller und Actionfilme des Jahrzehnts. Proudly presented by seite360…

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