Die 80er Jahre: Die besten surrealistischen Filme des Jahrzehnts II

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Surrealismus, Nummer zwei. Man kann durchaus die Behauptung vertreten, dass nach der goldenen Ära des surrealistischen Films der Surrealismus ziemlich tot war. Genuin surreal waren schon die Filme der ersten 80er-Liste kaum, viel eher Genrehybriden, Experimentalfilme oder vom Surrealismus inspirierte Werke. Das ist auch im zweiten Artikel kaum anders. Mit Jodorowskys Santa Sangre hat sich zumindest eine unbestreitbare Ikone des surrealen Kinos hineingemogelt, wenn auch mit einem Film, der die meiste Zeit über anderen Vorbildern huldigt. Abgesehen davon gibt es Surrealismus im Gewand des Bodyhorrors (Videodrome), Surrealismus im Gewand des Mystery (Angel Heart) und Surrealismus im Gewand des fantastischen Avantgardekinos (Alice). Ist das Genre tot? Vielleicht, aber die Frucht aus diesem Schoß ist äußerst lebendig.

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Die Ikonografie russischer Knast-Tattoos

Der russische Kriminalist Arkady Bronnikov fotografierte und untersuchte Jahre lang Tätowierungen von Gang-Membern. Vermutlich aus erkennungsdienstlichen Gründen. Zu einem Spezialisten für die Ikonografie dieser Art von Tattoos geworden, veröffentlicht Bronnikov nun ein Buch, das man auf fuel-design kaufen kann. Auf konbini.com (via) kann man reinblicken und ein paar Beispiele für ikonische Narrative finden. Die Bilder erzählen gewissermaßen vom Leben des Delinquenten: Vergehen, Strafmaß, Verurteilungen etc. In David Cronenbergs “Eastern Promises”, der um das Milieu der sogenannten Diebe im Gesetz (wory w sakone; russisch: воры в законе) kreist, wird in einer Szene (in Russisch) auf den narrativen Gehalt der Tätowierungen verwiesen. Dazu ein paar interessante facts:

Btw: Cronenberg, dessen ganzes Werk um Organik, Körperlichkeit und das Zusammenspiel von Physis und Psyche kreist, ist mit “Eastern Promises” auf der Oberfläche des Körper angekommen, nachdem er sich quasi durch den menschlichen Körper durchgearbeitet hat.

The Grand Sausage Pizza – Wenn Wes Anderson einen Porno drehen würde

Mir fällt auf die Schnelle kein anderer Regisseur ein, dessen Porno ich lieber sehen würde… Die Coens? Was gut ist für die Kunst, kann der Tod des Sexes sein. Sie würden nur das Nicht-Zustande-Kommen des Koitus dokumentieren, oder schlimmer: Maschine never-cum – Der Lerlauf. Christopher Nolan? Würde das Vorspiel drehen und dann in die Imagination eines der Protagonisten abdriften, wie er/sie sich erinnert an einen anderen Akt, mit jemand anderen, der/die sich erinnert an einen anderen Akt, mit jemand anderen der/ die sich erinnert an einen anderen Akt, mit jemand anderen … Paul Thomas Anderson? Würde das Zustandekommen des Aktes und alles, was währenddessen passiert beschreiben, aber nicht den Akt. (Boogie Nights) Lars von Trier? Check. Michael Bay? Standard Porno nur mit mehr Bukkake und zerfickten Städten und am Ende würde er eine sehr gute schlechte Erklärung dafür haben, warum riesige Roboter ejakulieren. Alfred Hitchcock? Würde den acht Millimeter Film aus “8mm” drehen. David Lynch? Würde Alfred Hitchcock aufnehmen, wie er den acht Millimeter Film aus “8mm” dreht. James Cameron? Würde eine stereokopische intravaginale Kamera erfinden und anfangen nur aus dieser, vaginalen Perspektive zu drehen, würde dann von Gaspar Noé überrascht und verprügelt werden, der dann seinerseits die Vergewaltigung von James Cameron aufnehmen und es schaffen würde, das als Kunst zu verkaufen. David Cronenberg? Würde die Penetration mit allen möglichen Gegenständen zulassen, insofern sie nicht fleischlich sind und dann den Zuschauer das Fleischliche in das Künstliche hineininterpretieren lassen. Tarkowski? Fände der Akt in einem Garten statt, würde er bei Bildern vom Garten verharren und dabei schaffen eine existenziell guten Fick mit sich im Wind bewegenden Baumzweigen und Blumen zu erzählen. Ingmar Bergmann? Würde den Akt erzählen lassen, wobei es unerheblich wäre, ob es jemand erzählt der aktiv dabei war, oder nur zugesehen hat, es wäre auf jeden Fall erotisch (Persona). Scorsese? Würde auf jeden Fall Sex drehen, aber entweder Jesus oder Mafialeute dabei zusehen und den Akt kommentieren lassen. Ja, also auf die Schnelle fällt mir wirklich kein besserer Regisseur dafür ein.

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Die Kunst von Jeremy Geddes

Der Körper in der Kunst. Ich hab einfach ein Fable dafür. Zum Beispiel Kafkas physische Metamorphosen, seine Motivik des Verrats des Körpers am Geist, die Gravur der Haut  in der “Strafkolonie” , oder die überall anzutreffende Gestik. Oder Francis Bacons gemalte Deformierung der äußeren Physiognomie, wodurch Gesichter plötzlich aussehen wie Gedärme, das Innere nach außen gekehrt. Ganz zu schweigen von Cronenberg, in dessen Werk das Körperliche und Organische eine zentrale Stellung einnimmt, wenn nicht gar das Hauptmotiv darstellt und der mit Kafka viel gemein hat: die Metamorphose, der Verrat des Körpers, die Vulnerabilität. Auch in Jeremy Geddes Gemälden spielen Körper eine besondere, narrative Rolle.

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Filmabriss (2012er Recap III): Drive, Keyhole, Django Unchained, Cosmopolis

Joa… weiter gehts mit der Aufarbeitung des Kinojahres 2012: Die folgenden Reviews möchte ich dann mal unter dem Banner zusammenfassen: “Hipsters get, what hipsters want!” Sprich, Filme, die auf irgendeine Weise diesen Hipster-Link haben, sei es, weil sie sich besonders originell geben, sei es, weil sie besonders stylish sind, sei es weil sie als abstrakte Nerd-Kunstwerke daherkommen oder sei es einfach weil sie aus der Feder eines Hipster-Lieblings stammen. Das muss per se erst einmal kein Qualitätsmerkmal sein. Ein Film kann sehr wohl wie z.B. Drive voll im Trend liegen und dennoch über seine Zeit hinaus eine cineastische Wirkkraft entwickeln, ein Film kann wie Guy Maddins Keyhole als anspruchsvoller Ritt durch Genres daherkommen und trotzdem eine leere, nichtssagende Hülle bleiben. Filme können wie Tarantinos Django-Interpretation oder David Cronenbergs Cosmopolis ordentlich Namedropping betreiben und dennoch alle Erwartungen unterbieten, das Publikum unterwältigen. Und in jedem dieser Fälle ist selbstverständlich auch immer das jeweilige Gegenteil möglich. Welcher der folgenden Filme über Hipsters Liebling hinausreicht und welcher womöglich schnell vergessen gehört, erfahrt ihr in den Rezensionen nach dem Klick.

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Die 80er Jahre: Die besten Horrorfilme des Jahrzehnts II

Nachdem bei der letzten Horror-Retrospektive primär brav gruseliges bis episches Horrorkino dran war, drehen die nun auftauchenden Horrorfilme deutlich an den Daumenschrauben. Gleich zwei Index-Kandidaten, die damals der BPjM zum Opfer fielen, stehen heute auf dem Programm: Die Mörderischen Träume in A Nightmare on Elm Street und die wandelnden Toten in Day of the Dead waren offensichtlich zu viel für die prüden Sittenwächter von einst. Unblutiger und Traditioneller geht es dagegen in dem Gothic-Horror-Schinken Die Braut zu, während Fright Night sich munter vergnügt in der 80er Trash- und Mainstream-Ecke ausbreitet. Und Body- sowie Monsterhorror war in den 80ern natürlich auch noch ein großes Thema, in diesem Rückblick vertreten durch die so verschiedenen – und doch gleichermaßen polarisierenden – Regisseure David Cronenberg und Chuck Russell, die mit Die Fliege und The Blob auf unterschiedliche Art das Monströse zum Widerspiegel des menschlichen Scheiterns werden lassen.

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Die 90er Jahre: Die extremen, polarisierenden und kontroversen Filme des Jahrzehnts II

Hier kommt sie, die zweite Ladung der provozierenden und extremen Filme der 90er Jahre. Düstere Destruktionen der amerikanischen Gesellschaft in Gummo, eine verstörende Mischung von Sex und Gewalt in David Cronenbergs Crash, politischer Aktivismus im verschwörungstheoretischen Gewand von Oliver Stone in JFK – Tatort Dallas, bewusster Dilettantismus und die Reduktion des Filmischen auf das Notwendige bis hin zur vollkommenen inszenatorischen Nacktheit bei Lars von Triers Idioten und schließlich Perdita Durango, der Mitreiter auf der Welle des Tarantinoesken Kinos, der mit seiner zugespitzten, ungebrochenen Sympathie für die gewalttätigen Protagonisten aus dem Gangsterkino der 90er heraussticht.

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Die 90er Jahre: Die besten Drogenfilme des Jahrzehnts

Wir unterbrechen die 90er Komödienretrospektive für ein kleines Subgenre, das in den 90ern jedoch omnipräsent war. Drogen waren der Pop dieses Jahrzehnts. Auf die eher düsteren 80er folgte eine hedonistische Dekade, in der möglichst lange, euphorisch und ekstatisch gefeiert wurde. Ectasy wurde schnell zur Modedroge Nr 1 und ebenso wie sich LSD auf das Wirken vieler Filmemacher der 60er auswirkte, hatten andere bewusstseinserweiternte Mittel Einfluss auf die 90er, in denen der sogenannte bleiche und ungesunde Heroin-Chic es sogar dank Models wie Kate Moss auf die Laufstege dieser Welt schaffte. Auch auf dem Plakat von Trainsspotting schaut uns ein kotzbleicher Ewan McGregor entgegen. Doch genau wie es in den Kriegsfilmen der Dekade nur selten wirkliche Gewinner gab, sind auch die hier nominierten Filme kein affirmatives Statement für Drogen, sondern zeigen gleichberechtigt sowohl ihre bewusstseinfördernde als auch destruktive Kraft.

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Kurzfilm der Woche: From the Drain

Heute mal so richtig retro: Der absurde Kurzfilm “From the Drain” von 1969 (Budget: 500$) gehört zu den ersten filmischen Gehversuchen David Cronenbergs. Mit beängstigend feingeistiger Musik in dunklen Schwarzweiß-Aufnahmen erzählt. Irgendwie schön, irgendwie experimentell, irgendwie bizarr, irgendwie gruselig, irgendwie spröde und alles in allem sehr speziell…

From The Drain (Kanada, 1967)

Regie: David Cronenberg

Darsteller: Mort Ritts, Stefan Nosko

Laufzeit: 14 Minuten

 

Die 90er Jahre: Die besten Science Fiction Filme des Jahrzehnts II

Und zum Zweiten: Futuristisches und Endzeitliches aus den 90er Jahren. Auch hier finden wir in erster Linie die selbe apokalyptische Stimmung wie schon bei der ersten 90er Science Fiction Retrospektive. Aber auch viel Virtuelles und Scheinbares, einen echten Popcornblockbuster, Abseitiges japanisches Kino und nicht zuletzt ein ganz klassisches episches Schlachtenspektakel mitten im Weltraum…

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Die 00er Jahre: Die besten surrealen Filme und die besten Mystery Filme des Jahrzehnts

Im Zuge des “The sixth Sense”-Erfolges 1999 erlebte das US-Mystery-Kino zu Beginn des neuen Jahrtausends eine wahre Blütezeit. Zahllose Filme schossen aus dem Boden, meistens mit sich allzu sehr ähnelnder Struktur: Seltsame, irreal erscheinende Ereignisse, eine dunkle diffuse Atmosphäre und schließlich gegen Ende ein vermeintlicher Mindfuck, der die mysteriösen Ereignisse aufklärte. Das Genrekino rieb sich mehr und mehr selbst an seinen abgedroschenen Strukturen auf und statt wirklich interessanter Variationen bekam man zu guter Letzt immer das Gleiche zu sehen (Wodurch schon bei Beginn des x-ten Mysterystreifens eigentlich nur noch die Frage im Raum stand: “Gibt es eine psychologische Erklärung oder eine durch übersinnliche, übernatürliche Phänomene?”) Gott sei Dank gab es auch erwähnenswerte Ausnahmen; und diese bewegten sich fast vollständig abseits dieser vielbetretenen Pfade: Filme die verschrobener waren, mysteriöser, merkwürdiger, diffuser und vor allem surrealer…

Und damit wäre auch schon der Link zum zweiten wesentlichen Genre gesetzt, das in diesem Artikel Erwähnung findet: Dem surrealen Kino. weiterlesen

Die 00er Jahre: Die besten Thriller und Actionfilme des Jahrzehnts

Jetzt kommts dicke… Keine ästhetische Erotik mehr, kein romantisches Schmachten und Säuseln. In diesem Artikel stehen voll und ganz die Thriller und Actionfilme des Jahrzehnts im Mittelpunkt. Adrenalin- und testosteronschwanger, spannend, schnell, knallhart, actionreich, manchmal auch verzwickt und komplex aber immer aufregend und mitreißend. Wer den ein oder anderen Reißer vermisst, der kann damit beruhigt werden, dass so mancher Actioneer-Bastard noch in weiteren Artikeln berücksichtigt wird. Was an der Auflistung aber bereits deutlich wird: Das traditionelle, puristische, reine Actionkino hatte in der letzten Dekade nicht gerade seine Hochzeit. Dafür aber umso mehr der Thriller, der sowohl postmodern dekonstruktivistisch als auch zynisch als auch hochdramatisch daher kam. Ladies and Gentlemen, die besten Thriller und Actionfilme des Jahrzehnts. Proudly presented by seite360…

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Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Siebente: David Cronenbergs "Videodrome" (1983)

In den 70ern war Cronenberg ein wichtiger Vertreter des Venereal Horrors, des geschlechtlichen Thrills und schrieb mit Filmen wie „Shivers“ und „Rabid“ Horrorfilmgeschichte. Schon hier kündigte sich sein großes Thema an: Die menschliche Organik und der Verrat des Körpers am Geist. In „Videodrome“ zeigt er in einer explizit verdinglichten Feedbackschleife die Auswirkungen von Fernsehen auf den menschlichen Geist und Körper. weiterlesen