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Buchtipp: “Im Würgegriff des Wanderfalken” von Martin Gotti Gottschild

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Martin “Gotti” Gottschild, die schnauzbärtige Hälfte der Action-Lesungs-Reihe Tiere streicheln Menschen, hat in Berlin schon länger Erfolg und Kultstatus. Im Rest der Republik wird noch daran gearbeitet – mit ausgiebigen Tourneen, selbst in abgelegene Städte wie Kassel.

Wer sich allerdings in dem ganzen Wahnwitz der Lesungen und Gotti-Assoziationsketten bisher nicht mehr zurecht fand und überreizt nach Hause ging, kann nun die Abenteuer des Berliners in Buchform noch einmal nachlesen und seiner eigenen Aufmerksamkeitsspanne anpassen.

Absurde 70er-Jahre-Dias – mit herrlich bekloppten Kommentaren versehen das Finale jeder “Tiere streicheln Menschen”-Show – krönen auch das 196 Seiten umfassende neue Gotti-Werk “Im Würgegriff des Wanderfalken”. Das Material dafür sammelt der Autor tatsächlich liebevoll auf Flohmärkten zusammen. So bekommen wunderbar missglückte Schnappschüsse oder tragikomische Partyfotos doch noch ihre letzte Würde, oder zumindest etwas Relevanz.

Die Frage, wie weit Tragödie und Gottis absurder Humor sich mit dem Privatmenschen vermischen lassen, kann zwar auch die Buchform nicht klären, die Realität hat die Satire aber ohnehin längst abgehängt. Es hilft also nur noch der Sprung ins komplett Absurde als Weltflucht. Im Würgegriff des Wanderfalken ist mit skizzenhaften Stories über Freaks, Familie und Großstadtwahnsinn ein wunderbarer Wegweiser in die Abgründe der dunklen Seite des Gehirns.

Babo weiß nicht wer der Dada ist

Noch bis Sonntag (15.2.14) in der arte-mediathek. Es gab schon bessere “Durch-die-Nachts”, es gab aber auch schon welche die ich ausgemacht und welche die ich gar nicht erst geschaut hab. Hafti schien mir insgesamt ein wenig unenspannt. Das Format ist aber auch keines in denen Künstler wie Haftbefehl glänzen können. Auch Polak war irgendwie unausgeschlafen. Es kam kein wirkliches Gespräch auf, nur ein paar wichtige Sätze über Depressionen, an die Polak und auch Haftbefehls Vater litten.

Literarische Auslese: Rebecca Black, Friday

Eine neue Ausgabe unserer Serie “Die literarische Auslese” ist online. Diesmal lesen wir den Dadaistischen Liedtext “Friday” von Rebecca Black, welcher exclusiv für uns von Dr. Plor ins deutsche übersetzt wurde.
Am besten genießt man zuerst den Orginal-Song:

Und dann die literarische Auslese:

Hörenswertes: Februar 2011 (III)

Einen kleinen Februarnachschlag haben wir noch: Die Hamburger Faust Formation erfreut wieder einmal mit solidem Krautrock zwischen Noise und Industrialsounds, Julia Hülsmann stellt erneut unter Beweis, warum sie zu den größten Jazzpianisten unserer Zeit gehört, Those Dancing Days bringen die Ärsche zum Wackeln und The Twilight Singers präsentieren erneut großartigen Indie Rock, der vor allem von Greg Dullis unnachahmlicher Stimme lebt. Außerdem Hype-Pop von den Vaccines, nervösen Post-Punk von Ghost of Tom Joad und neue deutsche Kabarett- und Liedermacherkunst von Rainald Grebe, der mittlerweile mit dem Orchester der Versöhnung unterwegs ist.

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Musikjahr 2010 – Ein Nachschlag aus der Heimat

Jau… das Musikjahr ist zu Ende, die Musikveröffentlichungen wurden nochmal überflogen, die Bestenlisten wurden ausgewertet, die Kanons erstellt. Wir haben ihr trotzdem noch einen kleinen Nachschlag… und zwar komplett aus deutschen Landen. Denn neben den wie immer kassenträchtigen Neuveröffentlichungen von Wir sind Helden und Reinhard Mey und den erst seit neustem – aber auch wenig überraschend – kassenträchtigen Alben von Tocotronic und Unheilig gab es auch so manches unabhängige Kleinod. In dem ein oder anderen Falle so unabhängig, das es beinahe komplett übersehen wurde. Kristof Schreuf, Hans Unstern und Bratze: Deren drei eher am Rand des deutschen Musikbetriebs stattgefundenen neuen Alben soll hier nachträglich ein wenig Gerechtigkeit widerfahren…

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Schlingensief-Retrospektive III: Talk 2000

Deutschland 1997. Die Talkshows des Privatfernsehens boomen: Hans Meisner, Ilona Christen, Andreas Türck… es nimmt kein Ende. Wie Pilze schießen sie aus dem Boden: Lauter, aggressiver, hektischer… Und Christoph Schlingensief ist der Meinung, dass jeder, wirklich jeder eine Talkshow moderieren kann. Um das zu beweisen, nistet er sich im Keller der Berliner Volksbühne ein, lädt Gäste und Freunde, Prominente und Leute von der Straße und fabriziert acht Sendungen seines ganz eigenen Trashformates: Talk 2000; Zurück zum Privaten…

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Die 00er Jahre: Die besten Tragikomödien des Jahrzehnts I

Falls die Genre- und Gattungspräferenzen der 00er Retrospektiven noch unklar waren, sollten sie so langsam Kontur gewinnen. Nach der äußerst dünnen Action- und Komödienausbeute bekommen die tragikomischen Filme, die Dramödien und Tragikomödien mit einem lachenden und weinenden Auge gleich zwei Artikel spendiert. Vieles  Gutes hat uns aus diesem Genre im vergangenen Jahrzehnt erreicht, sowohl aus den USA als auch vom Rest der Welt. Man durfte lachen, man durfte weinen, man durfte hervorragende Filme genießen. Die ersten mal bitter mal komischen Werke folgen auf den Fuß. Teil 2 wird so schnell wie möglich nachgereicht.

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