Deutschrap und so #26: Casper – Der Druck steigt

Ob dass denn jetzt noch Hip Hop sei, hat man sich gefragt. Ob das nicht einfach nur altbackener Crossover im vermeintlich frischen Düstergewand sei, hat man sich gefragt. Ob dieser Casper nicht einfach mit Emo, Pop und Mainstream flirtet, hat man sich gefragt. Und dieser deutsch-amerikanische Rapper hat – das Album XOXO kommentierend – den Fragenden so wütend einen dogmatischen Knochen hingeworfen…

Wir hatten im Studio viele kleine Zettel hängen. Regel 1: ‚Crossover ist der Feind‘. Alles, was auch nur annähernd nach Crossover erinnerte, haben wir sofort weggeschmissen. Regel 2: ‚Wie-Vergleiche sind verboten‘. Dieses Rappertum wollten wir komplett entfernen.

…dass man sich gar nicht mehr traute mit einem selbstbewussten “Jein” zu antworten. An dieser Stelle sei dieses “Jein” – Caspers Trotzhaltung zum Trotz, Hah! – nachgeliefert. Natürlich ist Der Druck steigt kein klassischer Hip Hop, aber mit seinem aggressiven Sprechgesang stark im ursprünglichen Rap-Gedanken verwurzelt. Natürlich steht der Song mit seinen Samples, seinen harten Gitarren, seinem Pathos, seinem Wechsel aus Metal-Geshoute und Hip Hop Lines in der Traditionslinie des Crossovers. Aber um dieses Jein zu vervollständigen, nicht nur der Opener, sondern das gesamte Album, ist soviel mehr: Die Nachdenklichkeit der Hamburger Schule im Gepäck, den Wut des Punk in den Knochen, die Attitude des Metals in den Beinen, die Monumentalität des Postrock im Herzen, ja sogar den Lidschatten des Emos in den Augen… und dennoch weit entfernt von jeglichem sinnbefreiten Remix, vom unselbständigen Eklektizismus und von der postmodernen Langeweile. Casper macht – und das sollte einmal deutlich honoriert werden – trotz aller Wurzeln, trotz aller Anleihen etwas vollkommen Neues.

Und so seien alle Rezensenten, Feuilletonisten – und der Musiker selbst – verstanden, wenn sie sich nicht trauen, das Ergebnis Hip Hop, Crossover, Indie oder sonstwie zu nennen. Postrap wäre vielleicht eine ganz gute Kategorie – Schubladen rocken halt doch! -, bei Post Emo Hip Hop Core könnte man das ganze mit einem kleinen Augenzwinkern auch einordnen… ich bleibe dann doch beim Deutschrap, denn sonst könnte ich diesen fantastischen Song in dieser Serie nicht posten. Und das wiederum würde ich mir nicht verzeihen.

PS.: Falls hier gerade ein paar PeDüBerLeiGIDA-Deppen hereinstolpern, weil sie sich fragen, was für ein großartiges Hip Hop Werk sie bei ihrem letzten Sonntagsspaziergang begleitet hat, sei denen der keine Frage offen lassende Kommentar des Interpreten selbst entgegengeschmettert:

immer wieder höre ich, dass die pegida-leute »der druck steigt« auf ihren sogenannten abendspaziergängen spielen. grundsätzlich freue ich mich natürlich über jeden, der meine musik mag und hört, aber hiervon möchte ich mich eindeutig distanzieren. denn es ist ja zum glück so: »der druck steigt« tatsächlich, aber nicht so, wie pegida sich das vorstellt. überall in deutschland regt sich widerstand – gegen pegida und ihre ideologie. für ein faires und tolerantes miteinander der ethnien und religionen. kein mensch ist illegal! schreibt und singt eure eigenen lieder, meine bekommt ihr nicht.

Verpisst euch!

Feinste Line: “Der Druck steigt, Atem blockiert. / Wir scheitern immer schöner, sind Versager mit Stil! / Haben nicht viel! Ausgenommen, Leitfiguren. Auf davon! / Sind nicht schön, sind nicht reich, wird harter Kampf da rauszukommen!”

Hörenswertes Herbst 2013: Travis, Nine Inch Nails, MGMT, Moderat,The Field,Casper, Darkside

Somme, Sonne, Kaktus ist leider vorbei. Schlecht für das Gemüt, schlecht für das Immunsystem, gut für die Musikliebhaber. Der Herbst gehört schon traditionell zu den Monaten mit einer enormen Veröffentlichungswelle an interessanten Alben, auch wenn aus purer Faulheit ein paar Alben aus dem Spätsommer reingerutscht sind, aber mal ganz ehrlich: Travis waren doch schon immer eine Herbst-Band, der grummelige Industrial von NIN was für verregnete Scheißtage, MGMT haben schon lange die Schnauze voll von ihren Party-Hits und Moderat waren ja schon immer eher die Melancholiker unter den Berliner Elektronikern. Bei all dem Anflug von Schwermut hat sich Casper zum Glück für den Aufbruch entschieden und geht mir großen Elan seinen Weg als Freidenker weiter.

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Neues aus dem Hinterland: Casper – Im Ascheregen (Video)

Casper ist wieder da und die neue Single bläst mal ganz ordentlich. Post-Rock,Country,Blues, Hip Hop zu einem mitreißenden Pop-Song zu verarbeiten verdient Respekt und steigert natürlich die Vorfreude auf das neue Album Hinterland.

Kraftclub: “Mit K” (Albumsnippet)

Um Kraftclub wird momanten ja schon ein ziemlicher Hype veranstaltet, den ich ehrlich gesagt nicht so wirklich nachvollziehen kann, doch das ist ja kein Grund euch das Albumsnippet vorzuenthalten. “Mit K” klingt nach diesem Eindruck wie Berliner Pop Mitte der 00er, aber ironischerweise heißt ein Song “Ich will nicht nach Berlin”. Casper ist jedenfalls ganz dicke mit den Chemnitzern und der weiß ja wie man Hypes entfacht und überlebt.

Durch die Nacht mit Lena und Casper…

Für alle, die es gestern verpasst haben, hier nochmal schnell nachgereicht und eingebettet. Rinko sagt, dass er es “übertrieben langweilig und die Vorberichtserstattung tendenziös” fand. Ich bin gerade am schauen und finde es auch eher so meehh… gerade weil es irgendwie nicht die geringste Chemie zwischen Casper und Lena gibt. Naja, was soll’s. Für ein Frühstücksprogramm allemal ausreichend.

Zwei unterschiedliche Vertreter der aktuellen Musikszene treffen im nächtlichen Berlin aufeinander. Casper, der Hip-Hopper, und das freche Fräuleinwunder Lena Meyer-Landrut malen über den Dächern der Hauptstadt, klettern durch transparente Wolkenstädte im Kunstmuseum “Hamburger Bahnhof” und stellen sich den investigativen Fragen von Musikstudenten.
Sie backen gemeinsam Torten in einer trendigen Kreuzberger Konditorei, spielen unterirdisches Schwarzlicht-Minigolf und verpflegen sich mit Currywurst in Neukölln. Doch bringt sie diese Berliner Nacht voller Abwechslung einander näher? Casper, der sich auf einen vergnüglichen Abend gefreut hat, muss erkennen, dass Lena es ihm nicht leichtmachen will. Beim Karaoke in Friedrichshain sind aber beide schließlich in ihrem Element – die letzte Chance dieser Nacht, doch noch einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Durch die Nacht mit Casper, Lena und Rufus Wainwright

Fernsehen? Das ist doch soooo Casting-Show und Scripted Reality. Heute abend wird es allerdings richtig spannend, wenn der deutsche  Newcomer 2011 auf Raabs Casting-Produkt Lena trifft, die der Spiegel zum Fräulein-Wunder der Nation kürte und die seitdem mit arroganten Auftreten und Diven-Getue nervt. Wie man den Berichten auf Visions und Spex entnehmen kann, war der abend mit Madame für Casper nur mit Alk zu ertragen und schaut man sich die Ausschnitte an, möchte man es ihm nur allzu gerne glauben. Wesentlich ruhiger und harmonischer ist hingegen die Dokumentation “Prima Donna” auf 3Sat, die sich dem exzentrischen Songwriter Rufus Wainwright widmet und Super 8 Aufnahmen aus seiner Kindheit aber auch neues Filmmaterial zeigt, sowie Interviews mit der Familie. Wer sich nun partout nicht entscheiden kann, da die die Sendungen im TV fast zeitgleich laufen : Die Arte-Sendung gibt es danach noch ein paar Tage als Stream.

Durch die Nacht mit Casper und Lena

Samstag, 7.Januar

arte, um 23.50 Uhr

 

Prima Donna!

Samstag, 7. Januar 2012,

3Sat, um 23.35 Uhr

Links fürs Wochenende

Postmoderne, Peinlichkeiten und die allmächtige Ironie

Nina Pauer untersucht für die ZEIT unter dem Titel “Wenn Ironie zum Zwang wird” die Mechanismen der Peinlichkeit und Ironie im postmodernen Diskurs und macht einen Schlenker von aktuellen Casting-Shows zum 80er- und 90er Trash-Revival. Dies veranlasst Lukas Heinser zu einer ziemlich interessanten, ausführlichen und angenehm abschweifenden Antwort unter dem Titel Auf der Straße zur Ironie-Hölle.

Einer zum Reden

Interview von Verena Reygers mit dem Hip Hop Hoffnungsträger Casper:

Casper gilt im HipHop-Kosmos als braver Rapper. Deswegen wollen Frauen nach den Konzerten auch nur eins: ihm ihre Lebensgeschichte erzählen

Video Games then and now

Schöne Zusammenstellung vom Retronauten, in der Klassiker der Videospielgeschichte mit ihren aktuellen Äquivalenten verglichen werden.

Vorher gründlich googeln: Wie die Filmarbeit wahrgenommen wird

Es fällt ja nicht allzu schwer, über die Dunkelheit zu klagen, die hinter den gleißenden Scheinwerfern herrscht. Gelegentlich richtet dann aber doch mal jemand die Kamera in die schattigeren Bereiche und zeigt, dass nicht alles nur so toll ist wie angehende Top-Models und Superstars sich das vorstellen. Das geschah bislang zwar eher selten, in diesem bereits auslaufenden Jahr aber schon mehrmals, weshalb ich versucht bin, einen Trend darin sehen zu wollen …

Das totale Archiv

Spannender, mehrteiliger kulturwissenschaftlicher Essay von Johannes Kreidler, der nach eigener Aussage von einer Fachzeitschrift für Musik und Ästhetik “als “stalinistisch”, “medienfaschistisch” und “neoliberal” abgelehnt” wurde.

Allgemeine Feststellungen zur Buchsituation

Müssen wir uns Sorgen darüber machen, dass Sascha Lobo mittlerweile Stammgast bei unseren Links fürs Wochenende ist? Nicht so lange er so hervorragende, pointierte Artikel schreibt. Dieses Mal im eigenen – leider immer etwas verwaisten – Blog zum Thema E-Books und Verlage in Deutschland.

Banalitäten versteht man nur in der Muttersprache

Ein gut gelaunter, selbstbewusster Dieter Thomas Heck verteidigt den Schlager, die deutsche Sprache in der Musik und sein gesamtes Lebenswerk.

Lemmings Returns (Flashgame)

Großartige Browservariante des klassischen Lemmings. Nur zeichnen und löschen, um die suizidalen Grünschöpfe zum Ausgang zu begleiten. Rockt.

Letztes Jahr auf Seite360:

Mit einem Blick auf die Vorreiter des Genres beginnt unsere Nu-Metal-Retrospektive (die dann wieder ziemlich ins Stocken geraten ist). Marcus lernt, was während einer Zombie-Attacke zu tun ist, Florian geniesst passend zu Halloween die Black Francis Variante von Paul Wegeners Golem und rezensiert die besten Filme der 00er Jahre für Musikliebhaber.

Hörenswertes Juli 2011 (II): Casper, Little Dragon,The Cool Kids

Das passiert wochenlang nichts und dann kommt gleich der Doppelschlag. Flo hat mit Düster-Werken vorgelegt, die man ja eigentlich erst im Herbst so richtig goutieren möchte, aber bei diesem komplett ins Wasser gefallenen Sommer macht SunShine-Pop auch nicht mehr viel wett. Und so grollt das Tief Casper mit Explosions In The Sky Samples herbei, kommt nochmal kurz der Sommer mit Little Dragon zurück und die Cool Kids droppen Beats wie die nächsten Regentropfen, yo.

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Casper – Splash 2011 (Stream)

Casper geht ja momentan mit seinem Album XOXO sowohl bei den Kritikern als auch in den Charts ziemlich steil. Die Anzahl der Hater (“Grauenhafte Emotexte auf Silbermond-Niveau”) ist ungefähr genauso groß wie seine Fanboys, die sowas wie den Retter des deutschen Hip Hop in ihm sehen. Wer sich von den Livequalitäten von Casper überzeugen möchte kann dies in der ZDF Mediathek tun, in der sein kompletter Auftritt vom Splash als Stream bereit steht.

Stream

Casper

Das Album ist das Lebewohl einer ganzen Generation von Perspektivlosigkeit, Stress und Resignation. Musik zum Fesselnsprengen, Aufbegehren sich Freibrechen. Caspers Album bedeutet das Loslösen, Brechen und Neuschreiben von alten Regeln. Es ist das letzte Aufbäumen und der erste Hoffnungsschimmer. Ein Neuanfang mit dem Bewusstsein für das, was hinter einem liegt. Der Aufbruch zu neuen Ufern. Casper will das zurückholen, was ihm und seiner Generation gehört — denn er ist einer von ihnen.

(Jan Wehn, April 2011)

 

Die 90er Jahre: Die besten Fantasyfilme und Märchen des Jahrzehnts

Man kann es drehen und wenden wie man will… Die 00er Retrospektiven waren der Publikumsmagnet auf Seite360 im vergangenen Jahr. Und da sie nebenbei sowohl beim Stammpublikum als auch neuen Besuchern hervorragend ankamen, haben wir uns gedacht: Joa… es gibt ja noch so einige Filmjahrzehnte, die sich hervorragend kanonisieren lassen. Also räumen wir – wenn wir schon mit den 00ern angefangen haben – das Feld gleich von hinten auf. Los gehts mit den 90ern, und wie schon bei den 00ern beginnen wir mit den besten Fantasyfilmen dieses Jahrzehnts.

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