Heilige Superhelden von Igor Scalisi Palminteri

Dass die Ikonographie der Superhelden im 20. und 21. Jahrhundert sowohl ästhetisch als auch strukturell sehr viel mit der Darstellung klassischer Heiligen-Ikonen gemein hat, dürfte jedem Freund der Marvel’schen und DC’schen Recken bekannt sein. Sei es die Märtyrer-Ästhetik eines Batman, die Erlöser-Metaphorik, die ihm vom Himmel gesandten Superman steckt, oder die “Große Macht, große Verantwortung”-Metaphorik des zum Helden mutierten Spider-Man. Superhelden gehören mit zu den signifikantesten, säkularreligiösen Erscheinungen des “Pop-Zeitalters”. Umso erstaunlicher, dass bisher noch niemand auf diese Idee gekommen ist: Der italienische Künstler   Igor Scalisi Palminteri bemalt Heiligenfiguren im Stil klassischer Comic-Helden und erschafft so eine gewaltige und zugleich ironisch gebrochene Bildästhetik der postmodernen, pop-modernen Heldenverehrung. Andererseits kann man diese großartigen Figuren auch einfach nur “nerdy” nennen…

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Magische, surreale Fotografien von Brian Oldham

Die fantastischen Fotografien des gerade mal 19 (!)  Jahre jungen Brian Oldham versprühen eine faszinierende Magie, irgendwo zwischen magischem Realismus, Ästhetizismus, Surrealismus und einer dekadenten, androgynen Fragilität, wie man sie aus dem Fin de Siècle kennt. Dabei sprengt Oldham Stereotypien und Klischees auf, wirft einen empathischen Blick auf die Schönheit der Welt und dekonstruiert diese gleichsam mit behutsam eingesetzten Illusionen. Weitere dieser großartigen Fotos findet ihr in seinem Flickr oder auf seiner Website.

via Visual News

Klassische Gemälde als Collagen aus Lifestyle-Magazinen

Der in Sau Paolo geborene, mittlerweile in Brooklyn lebende Künstler Vik Muniz erstellt faszinierende Reproduktionen berühmter, klassischer Gemälde aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Es ist ungemein faszinierend, wie die derzeit in der Galerie Xippas in Paris ausgestellten Collagen ins Detail gehen, wie sie Linie um Linie von solchen berühmten Gemälden wie Van Goghs Sternennacht (das hatten wir ja schon öfter hier als postmoderne Reproduktion) nachzeichnen, aus Text und Bild und Story Kunst bilden und zugleich in ein fragmentiertes, ironisches Spiel übergeben. Zweifellos große Collagen-Kunst, die auch den zweiten, dritten und vierten genaueren Blick wert ist.

via Flavorwire (wo es noch ein bisschen mehr zu sehen gibt)

Enzyklopädische Kunst von Julia Feld

Julia Feld entwirft wirklich großartige, faszinierende Kunstwerke aus Büchern. Unter dem Einband tummeln sich Räume, Objekte, Körper… das Literarische wird zur Bildenden Kunst, die Poesie zum handgearbeiteten, verschnörkelten Spiel. Schaut unbedingt auf ihrem Blog vorbei, wo es noch sooo viel mehr zu entdecken gibt.

Enzyklopädische Kunst von Julia Feld via pulmonaire

Chaos und Verführung: Sougwen Chungs Étude Op.2

Drucke von der kanadischen Künstlerin Sougwen Chung im Ghostly Store. Großartige, digitale Gemälde zwischen chaotischem Eskapismus, Erotik und vitalistischer Schönheit. Weitere Bilder auf Sougwen Chungs Website 

The form and composition of each piece are informed by textures and elements within an original series of graphite drawings. Elements are deconstructed and then sculpted in a 3D digital environment. The final pieces are a result of a multi-disciplinary approach to improvisation and experimentation.

via The Fox is black

Natürlich/unnatürlich/widernatürlich

Gesichter, die aus schrillen, dystopischen Landschaften entwachsen, Natur, die bewirtet und von sich selbst verzehrt und zerfressen wird und monumentale Tierskulpturen, die widernatürliche natürliche Formationen bilden. Der sizilianische Künstler Fulvio di Piazza hat den Surrealismus im Blut und den Schalk im Nacken.

via

Videogame-Charaktere als Farbholzschnitte

Der Künstler Jed Henry reinterpretiert klassiche Videospiel-Ikonen als faszinierende Bilder, die in traditionelle japanische Kunstwerke der Edo-Zeit zwischen Samurai und Kabuki erinnern. Um dabei den maximalen “Retro-Effekt” zu erzielen greift er auf klassiche Farbholzschnitt-Techniken zurück, wie sie unter anderem der berühmte japanische Künstler Katsushika Hokusai bei seinem ikonischen Kunstwerk Die große Welle vor Kanagawa (1830)  angewandt hat. Auf obigem Bild ist – man glaubt es kaum – der gute, alte, niedliche Kirby zu sehen. Das Video unten zeigt die Entstehung eines der Gemälde, die Adaption von Super Mario Kart als traditionelles Rikscha-Rennen.

Weitere Bilder von Jed Henry via Killscreendaily

3D-Notizblockzeichnungen von Nagai Hideyuki

Ich schiebe der Super-Mario-Street-Art mal gleich noch weitere beeindruckende 3D-Kunstwerke hinterher. In diesem Fall von dem japanischen Künstler Nagai Hideyuki (der erschreckend junge 21 Jahre alt ist), in diesem Fall angefertigt auf Notizblöcken. So skizziert und rough Bilder auch mögen müssen, die Fotos sowie das Entstehungs-Video nach dem Klick beweisen, dass da verdammt viel Arbeit dahinter steckt.

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Links fürs Wochenende

Das weltweit schwerste Sudoku…

…entwickelt von einem finnischen Mathematiker. Habe mich selbst noch nicht rangetraut, auch wenn ich Sudokus so grundsätzlich eigentlich sehr mag, auch und insbesondere die richtig schweren. Siehe dazu auch, Bericht vom Daily Telegraph: World’s hardest sudoku: can you crack it?

No Surprises? Der große Radiohead-Coveralbum-Showdown

Uli vergleicht bei Auftouren das OK-Computer-Tributalbum OKX (2007) von Stereogum (Download-Link) mit dem aktuellen OK-Computer-Tributalbum A Tribute To OK Computer (2012), das vom Musikexpress herausgegeben wurde.

21/22

Ausdeutungen des Balotelli-Jubels konnte man in der Süddeutschen, der Welt und der taz lesen. Keiner der Exegeten ist auf Cantona gekommen, um Balotelli einzuordnen. Das ist nicht verwunderlich, denn sie haben alle drei etwas anderes im Blick: dass Balotelli schwarz ist. Dass er so gejubelt hat, ist ihnen immer auch Zeichen seines Schwarz-Seins.

Liebling, ich habe ein Viral kreiert – Wie konnte das passieren?

Jannis von Netzfeuilleton fragt sich, wie sein Video Gratis-BILD Unboxing zum viralen Hit auf YouTube mit über 100.000 Visits werden konnte.

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Plants vs. Zombies online (Browsergame)

Zwar nur die gekürzte, dafür aber kostenlose Version des großartigen, großartigen, großartigen (Oh mein Gott, ist das großartig!) Tower-Defense-Games für PC und diverse Mobile Devices. Wer es noch nicht gespielt hat, sollte das jetzt ganz dringend nachholen. Eines der besten, lustigsten und putzigsten Strategiespiele der letzten zweitausend Jahre.

Warum Musik Angst einflößen kann

Was wäre ein Gruselfilm ohne schaurige Musik? – Forscher präsentieren nun eine Erklärung, warum uns beispielsweise die Musik bei der Duschszene des Hitchcock-Thrillers „Psycho“ einen Schauer über den Rücken jagt.

How I watch Movies

Infografik, über den Unterschied cineastischer Sehgewohnheiten zwischen Kinovorführung und Computer-Konsum. Traurig, aber allzu oft wahr.

UNDERGROUND NEW YORK PUBLIC LIBRARY

Bilder von lesenden Menschen in der New Yorker U-Bahn

The IRL-Fetish

Sehr cooler Artikel über den Real Life, bzw. Offline-Fetisch, über die permanente Gegenüberstellung von echtem Leben und digitaler Sphäre, sowie über den Stolz, mit dem viele “Offliner” ihr “wahres Leben” präsentieren:

In great part, the reason is that we have been taught to mistakenly view online as meaning not offline. The notion of the offline as real and authentic is a recent invention, corresponding with the rise of the online. If we can fix this false separation and view the digital and physical as enmeshed, we will understand that what we do while connected is inseparable from what we do when disconnected. That is, disconnection from the smartphone and social media isn’t really disconnection at all: The logic of social media follows us long after we log out. There was and is no offline; it is a lusted-after fetish object that some claim special ability to attain, and it has always been a phantom.

How Accurately Does Hollywood Age Actors?

Fotostrecke des Slate-Magazins über die Diskrepanz zwischen der “künstlerischen Alterung” von Darstellern in Hollywoodfilmen und ihrem tatsächlichen Alterungsprozess. So haben die Star Trek Schöpfer von 1967 nicht im Geringsten bedacht, wie James T. Kirk William Shatner im Alter in die Breite gehen könnte, überraschend gut getroffen dagegen sind die Protagonisten aus Back to the Future.

The Art of Danger and Suspense

Im wahrsten Sinne des Wortes spannende Fotos bei Creative Review: Glas, scharfe Kanten, fatale Winkel… Die Gefahr der Verletzung ist in jedes einzelne dieser Bilder eingeschrieben.

Letztes Jahr auf Seite360:

Weiter geht es mit den musikalischen 90er-Retrospektiven, weiter geht es im Speziellen mit dem besten Alternative Rock des Jahrzehnts. Ebenfalls Richtung 90er schielt die Betrachtung sämtlicher Kuriosita der Zelda-Reihe, seien es die grauenhaften CD-I-Games oder die groteske Zeichentrickserie. Ebenfalls etwas kurios aber darüber hinaus erfolgreich: Die Suche nach historischen Allegorien in der Harry-Potter-Reihe.

Porträts der Masse

Der kalifornische Künstler Alan Craig gestaltet Bilder, indem er Menschenströme auflaufen lässt und diese so arrangiert, dass daraus faszinierende Porträts bekannter Ikonen entstehen. Aus Porträt-Vorlagen entstehen dadurch dynamische und fragile, monumentale und zugleich minimalistische Skizzierungen ikonographischer Menschengesichter. Unglaublich schön.

Aan Craig @ Vinings Gallery via Fubiz

Dreidimensionale Zeichnungen von Robin Kosnas

In seiner Reihe Cloud of Lines versucht sich der Budapester Künstler Robin Kosnas an der Verschmelzung von zweidimensionaler und dreidimensionaler Kunst, von Malerei und Plastik sowie Digitalem und Analogen. Dass die Ergebnisse beeindruckend sind, lässt sich wohl bereits am oberen Bild (Nip in the bud) zweilsohne erkennen, aber auch der Schöpfungsprozess an und für sich ist bereits faszinierend:

Kosnas zeichnet sämtliche feine Linien, die schließlich die menschlichen Körper bilden, per Hand. Mittels Motion Tracking wird dieses Free Hand Drawing digitalisiert und anschließend wiederum mittels Laser in Glas gebrannt. Traditionelle künstlerische Handarbeit geht den Weg über ein digitales Medium, um schließlich dreidimensional in ein haptisches Medium wieder eingeschrieben zu werden… Vielleicht wirken gerade deswegen die entstandenen menschlichen Körper so organisch und zugleich so fremd, irgendwie distanziert und dennoch ganz nah am Menschen. Bei My Modern Met erzählt Kosnas in einem kurzen Interview mehr zu seinen Inspirationen und dem Schöpfungsprozess. Lesenswert.

My constant inspiration is the hectic, crazy world we live in. And of course the subtle beauty that is hidden and waits to be discovered. The concept behind “Nip in the Bud” revolves around the ruthless nature of consumerism. The fetus in the womb is being consumed by us: the consumers of present day. Even if unintentionally, but we do destroy our future with the harum scarum behavior of our societies.

Cloud of Lines by Robin Kosnas

Vincent Van Goghs “Sternennacht” als beeindruckender Domino-Effekt

Die Domino-Künstlerin FlippyCat hat eine gigantische Domino-Konstruktion errichtet, die in ihrem Fall die Entstehung des post-impressionistischen Gemäldes Sternennacht (1889) von Vincent Van Gogh nachzeichnet. Die Eckdaten sind an und für sich schon mehr als beeindruckend: 7.067 Domino-Steine, 11 Stunden Arbeit, akribische Video-Dokumentation des Aufbaus… Was das ganze Projekt aber wirklich zum Meisterwerk werden lässt, ist die Tatsache, dass die Steine am Ende des Prozesses nicht einfach fallen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes die Entstehung des Bildes nachzeichnen: Von der Grundierung des Hintergrunds bis zur expressiven Linienführung der Wolken und Sterne ist in dem Sturz sämtlicher Steine der Arbeitsprozess Van Goghs widergespiegelt. Ein Juwel des verspielten Kultur-Remix und die schönste Hommage, die man sich für dieses Gemälde vorstellen kann.

via

Kranke Figurationen von Olivier de Sagazan

Puh… da bewirbt sich jemand für die Regie der kommenden Tool oder Nine Inch Nails Videos… oder für das Art-Design des kommenden Lynch-Streifens… oder für einen Innenarchitekten-Job direkt in der Hölle. Sowohl Bilder als auch Videos von Olivier de Sagazan sind zutiefst verstörende Trips in die Abgründe des menschlichen Individuums: Destruktive, dekonstruktive Metamorphosen, Bodyhorror zwischen Verfall und Mutation, zwischen Ästhetik des Hässlichen und surrealer, pathologischer Selbstentortung. Ist das jetzt poetisch oder einfach nur böse? Faszinierend ist es allemal.

Weitere Werke von Olivier de Sagazan via Robotmafia

The Hobbit in der Sowjetunion (1976)

Ein großartiger kulturhistorischer Leckerbissen wurde die Tage mal wieder vom Retronauten hervorgekramt. 1976 erschien in der Sowjetunion die russische Übersetzung von J.R.R. Tolkiens The Hobbit or There and Back Again (1937), unterlegt mit wunderbaren Illustrationen von M. Belomlinskij. Demnächst kommt dann ja auch Peter Jacksons “The Hobbit” in die Kinos und wird mit Sicherheit ein großer, bunter und mitreißender Fantasy-Blockbuster. So originell illustriert wie in der damaligen russischen Variante wird er indes mit Sicherheit nicht sein.

Weitere Bilder des “sowjetischen” Hobbit beim Retronauten