Betörend futuristische Maschinenmenschen – Body Paintings von Michael Rosner

Ich habe das Gefühl, dass der eigentlich zeitlose Topos des Maschinenmenschen, der in den 80ern durch Filme wie Blade Runner eine kleine Renaissance erlebte, im Grunde genommen aber bis zur Düsterromantik zurückreicht (zum Beispiel bei E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann (1816)) gerade wieder voll im Trend ist. Kein Wunder, lässt sich doch nur bei wenigen Motiven so wunderbar der Humanismus in Kontrast zu Utopie und Dystopie eines Übermenschen setzen, eines perfekten Hybriden aus Natürlichkeit und Künstlichkeit, aus unheimlicher, maschineller Perfektion und formvollendeter Sinnlichkeit.

Diese Dichotomien bringt auch der amerikanische Body Artist Michael Rosner grandios auf den Punkt, wenn er halbnackte Menschen als betörende, gottgleiche Maschinen-Wesen in Szene setzt. Die daraus entstehenden, lebenden Skulpturen atmen ebenso Sinnlichkeit wie einen futuristischen Grusel, sind betörend, erotisch, mystifiziert und oszillieren zwischen maschineller Sakralität, hypnotischer Schönheit, düsterem Sex-Appeal und dystopischem Horror. Viele weiteren dieser unmenschlichen, gottgleichen Menschmaschinen – fotografiert von  Tim Engle - findet ihr in Rosners Eye Level Studio. Hinsurfen lohnt sich.

Menschmaschinen Body Art via Visual News

In der Freiheit gefangene Körper

Das vom holländischen Design Kollektiv Dutch Invertuals entwickelte und von Raw Color für die Dutch Design Week umgesetzte Projekt Invertuals 3 ist eine abstrakte Auseinandersetzung mit Grenzen und Gefahren der individuellen Freiheit. Menschliche Körper sind in ihrer eigenen, in weißer Unschuld gefärbten, Blase als Unberührbare eingesperrt. Ihre Bewegungen scheinen wie eine Suche nach dem Sinn, das verzweifelte Ringen nach etwas Greifbaren in dem indifferenten, glasigen Nebel. Und dabei sind es immer der Selbstverlust, die Selbstaufgabe, die als greifbare Gefahr im endlosen, abstrakten Raum als Gefahr offensichtlich werden. Großer Symbolismus, eindringlich pointierter Minimalismus und wundervolle, ausdrucksstarke Performance- und Bildkunst.

Dutch Invertuals are responding to the prevailing spirit of uncertainty and the downside of freedom. Through research and experiment, the group of designers translated the theme of vulnerability to contemporary designs.
Raw Color created the photo-series for this years exhibition expressing each participants vulnerability.

Invertuals 3 via benhammer

Links fürs Wochenende

Schießen Sie nicht auf den Pappkameraden

Großartiger Essay über Mythos und Wirklichkeit der “Political Correctness”. Ließe sich so auch in vielerlei Hinsicht auf den unsäglichen Begriff des “Gutmenschen” übertragen:

Dass „Neger“ eine üble Bezeichnung ist, weil sie bis zum Hals im Bodensatz einer langen Kolonialgeschichte aus Unterdrückung, Versklavung und Ermordung steht, konnte man 1990 schon wissen. Weil es aber plötzlich „PC“ gibt, darf man richtig „inkorrekt“ noch länger so tun, als wisse man davon nichts. Denn „politisch inkorrekt“ funktioniert wie ein Schutzanzug, der gegen das Wissen vom „falsch“ und eine dahingehende Kritik imprägniert. Trickreicherweise sieht der Schutzanzug aus wie das Gewand eines Märtyrers: Seht her, ich traue mich „noch“, „Klartext“ zu reden!

Top 20 Iconic Movie Posters

Gesammelt und kommentiert vom Creative Bloq. Zu Wort kommen Designer, Künstler und Cineasten, die ikonische Filmplakate wie das zu Ghostbusters oder Pulp Fiction analysieren, historisch einordnen oder schlicht und ergreifend abfeiern.

My Kiez is my Castle

Über die mitunter absurde, mitunter aber vor allem auch einfach beängstigende Abneigung der Berliner Kiez-Bewohner gegenüber Touristen.

Halluzinationsgefahr

Über den Amoklauf von Aurora wurde ja eigentlich schon mehr als genug berichtet. Bert Rebhandl betrachtet die Geschehnisse um die “The Dark Knight Rises”-Premiere, den Schrecken und die Reaktionen der Presse noch einmal aus einer anderen, lesens- und beachtenswerten Perspektive.

Edzard Ernst -”Little H”

Der renomierte und gegen die Esoterik kampferprobte Professor für Alternativmedizin Edzard Ernst äußerst sich zu der #Camgate-Geschichte (Schmutzige Methoden der sanften Medizin), bei der es vor allem darum ging, dass ein Blogger – gesponsort von homöopathischen Unternehmen – im Netz auf diversen Websites ordentlich gegen Homöopathie-Kritiker und Alternativmedizin-Skeptiker schoss. So dreckig diese ganze Geschichte auch ist, so habe ich doch das Gefühl, dass von ihr vor allem die positive Auswirkung ausgeht, dass sich auch Leute, die zuvor nicht in dem Thema drin waren, kritisch mit der Homöopathie auseinandersetzen, die einfach mal mit zu den nervigsten pseudowissenschaftlichen Erscheinungen unserer Zeit gehört. Eine deutsche Übersetzung des Textes gibt es bei Psiram.

Judging a Book by its Cover

Eine Sechsjährige errät anhand der Covergestaltung, wovon berühmte  Werke der Weltliteratur wie Der große Gatsby oder Clockwork Orange handeln könnten. So schreibt sie über Hermann Hesses Steppenwolf:

“That looks VERY CREEPY!!!” (My daughter insisted that there be three, exactly three exclamation points). “It looks like it would be scary and very very strange and about creepy things. The story is about a very very hairy eagle who hangs out with fancy ladies.”

Oswald the Elephan (Browsergame)

Lust auf ein wirklich stressiges, unglaublich schön anzusehendes Abusing Game? Dann ist Oswald the Elephant das Richtige.

Zelda Mystery of Solarus DX (Freeware-Game)

Fanmade Fortsetzung des grandiosen, grandiosen, grandiosen SNES-Zelda A Link to the Past (1991). Das Game, das sich grafisch und spielerisch stark an den 16-Bit-Klassiker anlehnt,  gibt es schon eine ganze Weile, wurde aber erst vor kurzem ins Englische übersetzt und ist daher dankenswerterweise nun auch für alle nicht französisch sprechenden Zeldafreaks in seiner ganzen Pracht genießbar.

Video Game Tourism

Tolles junges Videospiel-Blog, das den feuilletonistischen Weg einschlägt. Videospiele werden als Kunstform, als ästhetisches Erlebnis analysiert und dargestellt.

VGT ist ein Ort, an dem über Computerspiele geschrieben wird – und zwar so, wie wir es gerne auch in arrivierten Medien sehen würden. Computerspiele sind nicht nur ein sehr populäres Massenmedium, sondern möglicherweise auch die Kunstform des 21. Jahrhunderts. Denn schon im August 2008 machte es zumindest die EU-Kommission offiziell: Computer- und Videospiele sind Kulturgut, in dessen Erhaltung und Förderung auch öffentliche Mittel fließen sollen.

rrrrrrroll

Tumblr, in dem sich alles dreht. Mehr muss dazu eigentlich nicht gesagt werden.

Letztes Jahr auf Seite360:

Marcus begibt sich in die Soundcloud und gräbt mit Shlohmo, Nocow und Downliners Sekt hörenswerte Musik hervor. Die Darbietung von Wagners Siegfried-Idyll durch das Israel Chamber Orchestra in Bayreuth ist ein netter, kleiner feuilletonistischer Aufreger für das sonst weit klaffende Sommerloch. Ebenfalls aus dem Sommerloch reißt uns die erschreckende Nachricht vom Tod von Amy Winehouse, der Rinko einen kleinen Nachruf widmet. Ein wenig Nostalgie ist auch wieder am Start: Die besten Alternative Rock Alben der 90er entführen in diesem Fall zurück in die gute alte Zeit.

Ex Libris: Gemälde von James McGrath

Oh ja, es ist definitiv mal wieder an der Zeit für große, epische Bibliophilie-Kunst. Die Bücher-Gemälde von James McGrath sind wunderbare, verzückende, beinahe barocke Literaturlandschafts-Impressionen. Verspielt, verschnörkelt und zugleich einfach so herrlich naiv, romantisch und monumental, dass es mir als Bibliophiler richtig warm ums Herz wird. Schaut euch unbedingt auch die anderen Gemälde auf James McGraths Website an!

Ex Libris: Paintings by James McGrath via Faith is Torment

Lädierte Pokemon von Justin White

Ich bin ja definitiv zu alt, um Pokemon in meiner Kindheit mitgemacht zu haben. Das hat mich allerdings nicht davon abgehalten, mich damals mit der Anime-Serie, den Spielen und dem ganzen Merchandising-Hype drumherum auseinanderzusetzen. Meine Quintessenz als spießiger Erwachsener: Pokemon ist schon so etwas wie die Kinderversion eines Hahnen- oder Hundekampfes. Unschuldige, eigentlich friedliebende Tiere werden von überehrgeizigen Kids eingefangen und in gigantischen Arenen zu brutalen Kämpfen gezwungen. Insofern fangen Justin Whites verspielte Grafiken schon ganz gut das amoralische Moment und den Sadismus ein, der in dieser Franchise verdeckt bis offen propagiert wird.

Natürlich könnte ich jetzt noch über die ganzen Marktmechanismen lästern, die hinter dem Konzept stecken, musste ich doch während meines Zivildiensts immer wieder feststellen, wie Grundschulkinder ordentlich Geld in Sammelkarten etc. investiert haben und beim Feilschen um Pikachu und Konsorten echte marktwirtschaftliche Erbarmungslosigkeit unter Beweis stellten. Aber andererseits hatten wir in unserer Kindheit halt die Panini-Sammelkarten, Murmeln und Stickeralben… und die waren so rein kapitalismustechnisch auch nicht viel anderes. Jetzt aber genug vom Fabulieren: Mein Lieblings-Pokemon war immer Bisasam und diese Bilder sind einfach awesome.

Busted Pokemon by Justin White via Who killed Bambi?

Hypnotische Fotografien von Maria Sardani

Die gerade mal 18 Jahre alte (Verdammt, warum müssen diese Genies alle so jung sein?) Maria Sardani präsentiert in ihrem Portfolio ungemein poetische, kraftvolle und hypnotische Fotos zwischen Magischem Realismus, fragilen Impressionen und hypnotischem Surrealismus. Weitere Bilder findet ihr in ihrem  Flickr oder DeviantArt-Profil.

via

Wein-Porträts von Amelia Fais Harnas

Jepp, das gefällt mir weitaus besser als die vor einiger Zeit hier gepostete Kaffee- und Bier-Kunst. Die Künstlerin Amelia Fais Harnas kreiert wunderschöne Porträts aus Rotweinflecken: Verspielt, dekadent, gewitzt und mit dem richtigen Genuss-Faktor ausgestattet. So wie stilverliebte hochkulturelle bildende Kunst, die sich nicht allzu ernst nimmt, eben sein sollte. Schön.

Wein-Porträts von Amelia Fais Harnas via ignant

Heilige Superhelden von Igor Scalisi Palminteri

Dass die Ikonographie der Superhelden im 20. und 21. Jahrhundert sowohl ästhetisch als auch strukturell sehr viel mit der Darstellung klassischer Heiligen-Ikonen gemein hat, dürfte jedem Freund der Marvel’schen und DC’schen Recken bekannt sein. Sei es die Märtyrer-Ästhetik eines Batman, die Erlöser-Metaphorik, die ihm vom Himmel gesandten Superman steckt, oder die “Große Macht, große Verantwortung”-Metaphorik des zum Helden mutierten Spider-Man. Superhelden gehören mit zu den signifikantesten, säkularreligiösen Erscheinungen des “Pop-Zeitalters”. Umso erstaunlicher, dass bisher noch niemand auf diese Idee gekommen ist: Der italienische Künstler   Igor Scalisi Palminteri bemalt Heiligenfiguren im Stil klassischer Comic-Helden und erschafft so eine gewaltige und zugleich ironisch gebrochene Bildästhetik der postmodernen, pop-modernen Heldenverehrung. Andererseits kann man diese großartigen Figuren auch einfach nur “nerdy” nennen…

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Magische, surreale Fotografien von Brian Oldham

Die fantastischen Fotografien des gerade mal 19 (!)  Jahre jungen Brian Oldham versprühen eine faszinierende Magie, irgendwo zwischen magischem Realismus, Ästhetizismus, Surrealismus und einer dekadenten, androgynen Fragilität, wie man sie aus dem Fin de Siècle kennt. Dabei sprengt Oldham Stereotypien und Klischees auf, wirft einen empathischen Blick auf die Schönheit der Welt und dekonstruiert diese gleichsam mit behutsam eingesetzten Illusionen. Weitere dieser großartigen Fotos findet ihr in seinem Flickr oder auf seiner Website.

via Visual News

Klassische Gemälde als Collagen aus Lifestyle-Magazinen

Der in Sau Paolo geborene, mittlerweile in Brooklyn lebende Künstler Vik Muniz erstellt faszinierende Reproduktionen berühmter, klassischer Gemälde aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Es ist ungemein faszinierend, wie die derzeit in der Galerie Xippas in Paris ausgestellten Collagen ins Detail gehen, wie sie Linie um Linie von solchen berühmten Gemälden wie Van Goghs Sternennacht (das hatten wir ja schon öfter hier als postmoderne Reproduktion) nachzeichnen, aus Text und Bild und Story Kunst bilden und zugleich in ein fragmentiertes, ironisches Spiel übergeben. Zweifellos große Collagen-Kunst, die auch den zweiten, dritten und vierten genaueren Blick wert ist.

via Flavorwire (wo es noch ein bisschen mehr zu sehen gibt)

Enzyklopädische Kunst von Julia Feld

Julia Feld entwirft wirklich großartige, faszinierende Kunstwerke aus Büchern. Unter dem Einband tummeln sich Räume, Objekte, Körper… das Literarische wird zur Bildenden Kunst, die Poesie zum handgearbeiteten, verschnörkelten Spiel. Schaut unbedingt auf ihrem Blog vorbei, wo es noch sooo viel mehr zu entdecken gibt.

Enzyklopädische Kunst von Julia Feld via pulmonaire

Chaos und Verführung: Sougwen Chungs Étude Op.2

Drucke von der kanadischen Künstlerin Sougwen Chung im Ghostly Store. Großartige, digitale Gemälde zwischen chaotischem Eskapismus, Erotik und vitalistischer Schönheit. Weitere Bilder auf Sougwen Chungs Website 

The form and composition of each piece are informed by textures and elements within an original series of graphite drawings. Elements are deconstructed and then sculpted in a 3D digital environment. The final pieces are a result of a multi-disciplinary approach to improvisation and experimentation.

via The Fox is black

Natürlich/unnatürlich/widernatürlich

Gesichter, die aus schrillen, dystopischen Landschaften entwachsen, Natur, die bewirtet und von sich selbst verzehrt und zerfressen wird und monumentale Tierskulpturen, die widernatürliche natürliche Formationen bilden. Der sizilianische Künstler Fulvio di Piazza hat den Surrealismus im Blut und den Schalk im Nacken.

via

Videogame-Charaktere als Farbholzschnitte

Der Künstler Jed Henry reinterpretiert klassiche Videospiel-Ikonen als faszinierende Bilder, die in traditionelle japanische Kunstwerke der Edo-Zeit zwischen Samurai und Kabuki erinnern. Um dabei den maximalen “Retro-Effekt” zu erzielen greift er auf klassiche Farbholzschnitt-Techniken zurück, wie sie unter anderem der berühmte japanische Künstler Katsushika Hokusai bei seinem ikonischen Kunstwerk Die große Welle vor Kanagawa (1830)  angewandt hat. Auf obigem Bild ist – man glaubt es kaum – der gute, alte, niedliche Kirby zu sehen. Das Video unten zeigt die Entstehung eines der Gemälde, die Adaption von Super Mario Kart als traditionelles Rikscha-Rennen.

Weitere Bilder von Jed Henry via Killscreendaily