3D-Illusionen von Ramon Bruin

Mit viel zeichnerischem Können, einem genauen fotografischen Blick und der raffinierten Anordnung von zweidimensionaler Zeichnung und dem Medium Papier im dreidimensionalen Raum gelingen dem Künstler Ramon Bruin herausragende Bilder, die geschickt Dreidimensionalität vorgaukeln und mit den Sehgewohnheiten des Betrachters Schabernack treiben. Natürlich ist das alles herrlich metamedial, selbstreferenziell und so weiter… vor allem aber auch verdammt schön anzuschauen und auf großartige Weise dem künstlerischen Spieltrieb folgend.

Weitere 3D-Zeichnungen von Ramon Bruin via thaeger

Poetisches für den Sonntag: Gedruckte Skulpturen von Eric Van Straaten

Dass 3D-Drucker als Schnittstelle zwischen digitaler und analoger Welt seit mindestens einem Jahr DAS Thema überhaupt sind, muss wohl nicht extra betont werden. Ebenso wenig, dass immer mehr Digital Artists dieses neue Spiel- und Werkzeug für sich entdecken. Eric Van Straaten nutzt es für wunderbar verspielte, entzückende und zugleich grotesk verschnörkelte 3D-Skulpturen, die Decadence mit Pop mit Disney mit Art déco mit Lolita-Fantasy-Romantik kreuzen. Schick.

via

Zerstörte Romantik – American Tapestry von Chad Wys

Der Künstler Chad Wys ergründet klassisch romantische Gemälde von harmonischen Landschaften und würdevolle impressionistische Porträts vergangener Zeiten, um sie kurz darauf filigran zu dekonstruieren. Seine amerikanischen Wandteppiche sind ein düsterer Abgesang auf die destruktive Ästhetik der Postmoderne und eine brutale Sezierung von historischem Glanz, erhabener Schönheit und putzigem Kitsch. Deconstruction at its best und der beste Beweis dafür, dass die Postmoderne trotz aller Abgesänge noch lange nicht tot ist. Weitere düstere Dekonstruktionen findet ihr in Chad Wys’ Portfolio.

via

Nintendo Controller Art…

…oder besser gesagt “Nintendo Controller Cable Art”. Die gibt es von der Künstlerin Erika Iris in Princeton New Jersey zu bestaunen. Die obere Plastik heißt “Ghost in the Machine: Goomba” und kostet schlappe 2000$ Auf Iris’ Website gibt es noch ein paar weitere Fotos ihrer intelligenten meta-medialen Ausstellungsobjekte, unter anderem auch Filmdiven, die aus alten 8mm Filmbändern gebastelt wurden. Hinsurfen lohnt sich…

Link via Neatorama

Träumen Rehe von wildlebenden Schafen?

Ich schließe mich dann erst einmal der Meinung des Nachbarblogs an: Diese fantastischen Zeichnungen von Matthias Holz wirken auf den Rezipienten tatsächlich so, als sei er direkt in die Traumwelt eines Tieres hineinkatapultiert worden. Fliegende Rehe, vom Sein losgelöste Bären und polymorphe Geschöpfe, die gleich mehrere Tierarten in sich vereinen. Gerade so als hätte Salvador Dali versucht Wild Life Episoden in seine surrealen Bilder einzuarbeiten; ein poetischer, auch ein weniger skurriler Ausflug in die natürlichen Träume natürlicher Geschöpfe, ein animalischer Surrealismus, der nichts mit dem “Survival of the Fittest” gemein hat, sondern stattdessen Tiere als sensible, zarte und auch ästhetisch selbstbewusste Lebewesen abbildet. Schaut euch unbedingt auch die anderen Biler in Mattias Holz’ Galerie an.

via i-ref

Ausstellung in Berlin: BIOS – Konzepte des Lebens in der zeitgenössischen Skulptur

So, jetzt muss ich doch noch ein paar Worte zur Ausstellung BIOS verlieren, die derzeit im Georg-Kolbe-Museum in Berlin zu sehen ist. Um ehrlich zu sein war ich schon am Eröffnungstag, am 26. August da, weniger ob des feuilletonistischen Eifers als viel mehr aus Zufall. Mein Bruder, der für ein paar Tage in Berlin zu Besuch war, wollte unbedingt noch etwas Beeindruckendes sehen und die Ankündigung des Museums versprach einen ganz guten Querschnitt aus meiner kulturellen Leidenschaft und seinem medizinischen Interesse. Der Tagestipp in irgendeinem Berliner Stadtmagazin gab schließlich den entscheidenden Ausschlag und was soll ich sagen? Es hat sich wirklich, wirklich, wirklich gelohnt. Die Ausstellung hat in ihrer Gesamtheit einen großen Eindruck bei mir hinterlassen und bevor ich groß ins Fabulieren komme, schicke ich gleich vorweg: Leute, wenn ihr irgendwie die Möglichkeit dazu habt, geht dahin! Es lohnt sich für jeden, der Interesse an aktueller Plastik, Anthropologie und wissenschaftlicher Kunst hat… aber auch für jeden, der mal wieder eine kleine, kulturell legitimierte Geisterbahnfahrt erleben möchte.

weiterlesen

Betörend futuristische Maschinenmenschen – Body Paintings von Michael Rosner

Ich habe das Gefühl, dass der eigentlich zeitlose Topos des Maschinenmenschen, der in den 80ern durch Filme wie Blade Runner eine kleine Renaissance erlebte, im Grunde genommen aber bis zur Düsterromantik zurückreicht (zum Beispiel bei E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann (1816)) gerade wieder voll im Trend ist. Kein Wunder, lässt sich doch nur bei wenigen Motiven so wunderbar der Humanismus in Kontrast zu Utopie und Dystopie eines Übermenschen setzen, eines perfekten Hybriden aus Natürlichkeit und Künstlichkeit, aus unheimlicher, maschineller Perfektion und formvollendeter Sinnlichkeit.

Diese Dichotomien bringt auch der amerikanische Body Artist Michael Rosner grandios auf den Punkt, wenn er halbnackte Menschen als betörende, gottgleiche Maschinen-Wesen in Szene setzt. Die daraus entstehenden, lebenden Skulpturen atmen ebenso Sinnlichkeit wie einen futuristischen Grusel, sind betörend, erotisch, mystifiziert und oszillieren zwischen maschineller Sakralität, hypnotischer Schönheit, düsterem Sex-Appeal und dystopischem Horror. Viele weiteren dieser unmenschlichen, gottgleichen Menschmaschinen – fotografiert von  Tim Engle - findet ihr in Rosners Eye Level Studio. Hinsurfen lohnt sich.

Menschmaschinen Body Art via Visual News

In der Freiheit gefangene Körper

Das vom holländischen Design Kollektiv Dutch Invertuals entwickelte und von Raw Color für die Dutch Design Week umgesetzte Projekt Invertuals 3 ist eine abstrakte Auseinandersetzung mit Grenzen und Gefahren der individuellen Freiheit. Menschliche Körper sind in ihrer eigenen, in weißer Unschuld gefärbten, Blase als Unberührbare eingesperrt. Ihre Bewegungen scheinen wie eine Suche nach dem Sinn, das verzweifelte Ringen nach etwas Greifbaren in dem indifferenten, glasigen Nebel. Und dabei sind es immer der Selbstverlust, die Selbstaufgabe, die als greifbare Gefahr im endlosen, abstrakten Raum als Gefahr offensichtlich werden. Großer Symbolismus, eindringlich pointierter Minimalismus und wundervolle, ausdrucksstarke Performance- und Bildkunst.

Dutch Invertuals are responding to the prevailing spirit of uncertainty and the downside of freedom. Through research and experiment, the group of designers translated the theme of vulnerability to contemporary designs.
Raw Color created the photo-series for this years exhibition expressing each participants vulnerability.

Invertuals 3 via benhammer

Links fürs Wochenende

Schießen Sie nicht auf den Pappkameraden

Großartiger Essay über Mythos und Wirklichkeit der “Political Correctness”. Ließe sich so auch in vielerlei Hinsicht auf den unsäglichen Begriff des “Gutmenschen” übertragen:

Dass „Neger“ eine üble Bezeichnung ist, weil sie bis zum Hals im Bodensatz einer langen Kolonialgeschichte aus Unterdrückung, Versklavung und Ermordung steht, konnte man 1990 schon wissen. Weil es aber plötzlich „PC“ gibt, darf man richtig „inkorrekt“ noch länger so tun, als wisse man davon nichts. Denn „politisch inkorrekt“ funktioniert wie ein Schutzanzug, der gegen das Wissen vom „falsch“ und eine dahingehende Kritik imprägniert. Trickreicherweise sieht der Schutzanzug aus wie das Gewand eines Märtyrers: Seht her, ich traue mich „noch“, „Klartext“ zu reden!

Top 20 Iconic Movie Posters

Gesammelt und kommentiert vom Creative Bloq. Zu Wort kommen Designer, Künstler und Cineasten, die ikonische Filmplakate wie das zu Ghostbusters oder Pulp Fiction analysieren, historisch einordnen oder schlicht und ergreifend abfeiern.

My Kiez is my Castle

Über die mitunter absurde, mitunter aber vor allem auch einfach beängstigende Abneigung der Berliner Kiez-Bewohner gegenüber Touristen.

Halluzinationsgefahr

Über den Amoklauf von Aurora wurde ja eigentlich schon mehr als genug berichtet. Bert Rebhandl betrachtet die Geschehnisse um die “The Dark Knight Rises”-Premiere, den Schrecken und die Reaktionen der Presse noch einmal aus einer anderen, lesens- und beachtenswerten Perspektive.

Edzard Ernst -”Little H”

Der renomierte und gegen die Esoterik kampferprobte Professor für Alternativmedizin Edzard Ernst äußerst sich zu der #Camgate-Geschichte (Schmutzige Methoden der sanften Medizin), bei der es vor allem darum ging, dass ein Blogger – gesponsort von homöopathischen Unternehmen – im Netz auf diversen Websites ordentlich gegen Homöopathie-Kritiker und Alternativmedizin-Skeptiker schoss. So dreckig diese ganze Geschichte auch ist, so habe ich doch das Gefühl, dass von ihr vor allem die positive Auswirkung ausgeht, dass sich auch Leute, die zuvor nicht in dem Thema drin waren, kritisch mit der Homöopathie auseinandersetzen, die einfach mal mit zu den nervigsten pseudowissenschaftlichen Erscheinungen unserer Zeit gehört. Eine deutsche Übersetzung des Textes gibt es bei Psiram.

Judging a Book by its Cover

Eine Sechsjährige errät anhand der Covergestaltung, wovon berühmte  Werke der Weltliteratur wie Der große Gatsby oder Clockwork Orange handeln könnten. So schreibt sie über Hermann Hesses Steppenwolf:

“That looks VERY CREEPY!!!” (My daughter insisted that there be three, exactly three exclamation points). “It looks like it would be scary and very very strange and about creepy things. The story is about a very very hairy eagle who hangs out with fancy ladies.”

Oswald the Elephan (Browsergame)

Lust auf ein wirklich stressiges, unglaublich schön anzusehendes Abusing Game? Dann ist Oswald the Elephant das Richtige.

Zelda Mystery of Solarus DX (Freeware-Game)

Fanmade Fortsetzung des grandiosen, grandiosen, grandiosen SNES-Zelda A Link to the Past (1991). Das Game, das sich grafisch und spielerisch stark an den 16-Bit-Klassiker anlehnt,  gibt es schon eine ganze Weile, wurde aber erst vor kurzem ins Englische übersetzt und ist daher dankenswerterweise nun auch für alle nicht französisch sprechenden Zeldafreaks in seiner ganzen Pracht genießbar.

Video Game Tourism

Tolles junges Videospiel-Blog, das den feuilletonistischen Weg einschlägt. Videospiele werden als Kunstform, als ästhetisches Erlebnis analysiert und dargestellt.

VGT ist ein Ort, an dem über Computerspiele geschrieben wird – und zwar so, wie wir es gerne auch in arrivierten Medien sehen würden. Computerspiele sind nicht nur ein sehr populäres Massenmedium, sondern möglicherweise auch die Kunstform des 21. Jahrhunderts. Denn schon im August 2008 machte es zumindest die EU-Kommission offiziell: Computer- und Videospiele sind Kulturgut, in dessen Erhaltung und Förderung auch öffentliche Mittel fließen sollen.

rrrrrrroll

Tumblr, in dem sich alles dreht. Mehr muss dazu eigentlich nicht gesagt werden.

Letztes Jahr auf Seite360:

Marcus begibt sich in die Soundcloud und gräbt mit Shlohmo, Nocow und Downliners Sekt hörenswerte Musik hervor. Die Darbietung von Wagners Siegfried-Idyll durch das Israel Chamber Orchestra in Bayreuth ist ein netter, kleiner feuilletonistischer Aufreger für das sonst weit klaffende Sommerloch. Ebenfalls aus dem Sommerloch reißt uns die erschreckende Nachricht vom Tod von Amy Winehouse, der Rinko einen kleinen Nachruf widmet. Ein wenig Nostalgie ist auch wieder am Start: Die besten Alternative Rock Alben der 90er entführen in diesem Fall zurück in die gute alte Zeit.

Ex Libris: Gemälde von James McGrath

Oh ja, es ist definitiv mal wieder an der Zeit für große, epische Bibliophilie-Kunst. Die Bücher-Gemälde von James McGrath sind wunderbare, verzückende, beinahe barocke Literaturlandschafts-Impressionen. Verspielt, verschnörkelt und zugleich einfach so herrlich naiv, romantisch und monumental, dass es mir als Bibliophiler richtig warm ums Herz wird. Schaut euch unbedingt auch die anderen Gemälde auf James McGraths Website an!

Ex Libris: Paintings by James McGrath via Faith is Torment

Lädierte Pokemon von Justin White

Ich bin ja definitiv zu alt, um Pokemon in meiner Kindheit mitgemacht zu haben. Das hat mich allerdings nicht davon abgehalten, mich damals mit der Anime-Serie, den Spielen und dem ganzen Merchandising-Hype drumherum auseinanderzusetzen. Meine Quintessenz als spießiger Erwachsener: Pokemon ist schon so etwas wie die Kinderversion eines Hahnen- oder Hundekampfes. Unschuldige, eigentlich friedliebende Tiere werden von überehrgeizigen Kids eingefangen und in gigantischen Arenen zu brutalen Kämpfen gezwungen. Insofern fangen Justin Whites verspielte Grafiken schon ganz gut das amoralische Moment und den Sadismus ein, der in dieser Franchise verdeckt bis offen propagiert wird.

Natürlich könnte ich jetzt noch über die ganzen Marktmechanismen lästern, die hinter dem Konzept stecken, musste ich doch während meines Zivildiensts immer wieder feststellen, wie Grundschulkinder ordentlich Geld in Sammelkarten etc. investiert haben und beim Feilschen um Pikachu und Konsorten echte marktwirtschaftliche Erbarmungslosigkeit unter Beweis stellten. Aber andererseits hatten wir in unserer Kindheit halt die Panini-Sammelkarten, Murmeln und Stickeralben… und die waren so rein kapitalismustechnisch auch nicht viel anderes. Jetzt aber genug vom Fabulieren: Mein Lieblings-Pokemon war immer Bisasam und diese Bilder sind einfach awesome.

Busted Pokemon by Justin White via Who killed Bambi?

Hypnotische Fotografien von Maria Sardani

Die gerade mal 18 Jahre alte (Verdammt, warum müssen diese Genies alle so jung sein?) Maria Sardani präsentiert in ihrem Portfolio ungemein poetische, kraftvolle und hypnotische Fotos zwischen Magischem Realismus, fragilen Impressionen und hypnotischem Surrealismus. Weitere Bilder findet ihr in ihrem  Flickr oder DeviantArt-Profil.

via

Wein-Porträts von Amelia Fais Harnas

Jepp, das gefällt mir weitaus besser als die vor einiger Zeit hier gepostete Kaffee- und Bier-Kunst. Die Künstlerin Amelia Fais Harnas kreiert wunderschöne Porträts aus Rotweinflecken: Verspielt, dekadent, gewitzt und mit dem richtigen Genuss-Faktor ausgestattet. So wie stilverliebte hochkulturelle bildende Kunst, die sich nicht allzu ernst nimmt, eben sein sollte. Schön.

Wein-Porträts von Amelia Fais Harnas via ignant