Errata corrige – Bücherpanoramen

Beeindruckende Installationen der Künstlerin Ekaterina Panikanova: Errata corrigere, zu deutsch “Korrekturverzeichnis” ist eine Sammlung fantastischer Bookshell-Konzepte, in denen die offenen und aneinandergereihten Bücher zur Leinwand für verspielte Skizzierungen, Zeichnungen und Collagen werden. Da lacht das Bibliophilen-Herz, da freut sich die Dekonstruktivisten-Leber, da genießt das Ästheten-Auge und da jauchzt das Remixer-Hirn.

Errata corrigere via colossal

Shadow Dancing by Diet Wiegman

Am Mittwoch habe ich meine mündliche Prüfung und bin dann erst einmal fertig mit philosophischen Gedankenverrenkungen. Aber was kleines fachbezogenes muss ich dann doch noch hier reinhauen: Wir sind mal wieder bei der platonischen Höhle, in die wir uns für die Befriedigung ästhetischer Gelüste nur allzu gerne begeben. Diet Wiegman bastelt an un für sich schon großartige Trash-Art, die aber erst durch ihre tanzenden Schatten zum vollkommenen platonischen Kunstwerk wird. An die Wand projiziert verstecken sich die anamorphen Kreaturen hinter wundervollen, traumhaften Kunst-Epigonien. Würde auch zu dem ganzen nietzscheanischen Thema von dionysischem Abgrund und apollinischer Verzückung passen… Meine Favoriten sind die Venus und der David, wobei der Michael Jackson Epigone auch ziemlich cool ist. Weitere dieser faszinierenden Schattentänze gibt es auf Wiegmanns Blog zu bestaunen, für weitere Informationen lohnt es sich ebenso, zu alafoto zu surfen.


Diet Wiegman via colossal

Art infiltrated by Video Game Sprites

Vincent Van Goghs Sternennacht und Die große Welle vor Kanagawa werden von Videospiel-Charakteren überrannt. Hoffentlich kommt da demnächst noch ein bisschen mehr, denn diese beiden Kunst/Game-Mashups von Noah Gibbs alias SirNosh können sich echt sehen lassen.

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Sculpture Surgeries by Cao Hui

Arghhh… ist das jetzt Prokrastination oder ein wichtiges Abarbeiten von favorisierten Feeds? Egal, die gr0ßartigen, sezierten Skulpturen von Cao Hui muss ich gerade einfach an dieser Stelle posten. Genau jetzt! Denn ähnlich wie auf den Bildern fühlt sich auch mein Kopf derzeit an, nachdem ich mich die letzten Tage mit Nietzsche, Husserl, Waldenfels, Gehirnen im Tank und postmodernen Moderne-Interpretationen auseinandergesetzt habe: Seziert, verschoben, dissoziiert… und nächste Woche dann hoffentlich wieder frei. Wo ist ein Skalpell?

via whokilledbambi?

From Within A Book

Bibliophile Kunst können wir hier eigentlich nie genug haben… Emma Taylor kreiert aus Bücherseiten wunderschöne, unglaublich detaillierte Figuren und Szenarien, die den Betrachter aus dem Papier heraus scheinbar direkt anspringen und in die visuellen Geschichten hineinziehen. In ihrem persönlichen Etsy-Shop verkauft sie einige der so entstandenen Kunstwerke, die sich ebenfalls in ihrem Tumblr bewundern lassen.

From Within A Book via Visual News

Papier-Anatomien von Lisa Nilsson

Großartige Quilling-Arbeiten der Papierkünstlerin Lisa Nilsson, fotografiert von John Polak. Für das Quilling-Verfahren – nicht zu verwechseln mit der traditionellen amerikanischen Quillarbeit – gibt es tatsächlich keine deutsche Übersetzung und ich kann mich auch nicht erinnern, hierzulande schon ähnliches erspäht zu haben. Beim Quilling wird Papier geschnitten, gerollt und zusammengeführt. Heraus kommen bei Lisa Nilsson auf diese Weise herausragende anatomische Studien, die durch Detailversessenheit, kalte transzendentale Romantik und eine obskure Form von Supranaturalismus glänzen. Irgendwo zwischen Jugendstil, Renaissance und expressivem Körperkult… auf jeden Fall ungemein verzaubernd und in ihrer Sprödigkeit betörend.

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Gekritzelte Superhelden-Dekonstruktionen von Hardy Hinrichs

Der spielerische, postmodern verspielte Umgang mit klassischen Ikonen ist ja per se schon mal großartig. Und wenn dann auch noch ein gewisser Nerd-Faktor mit ins Spiel kommt, ist definitiv die Grenze zur Genialität überschritten. So geschehen bei Hardy Hinrichs, der Superhelden des 20. Jahrhunderts aus ihrem pathetischen Comic-Ambiente herausreißt und in einen neuen, im besten Sinne des Wortes kindlich naiven Kontext rückt. Seine liebevoll gekritzelten Superheroes sind weniger Weltenretter und Rächer im Kampf gegen das Böse als viel mehr niedliche Kleinkinderfantasien, deren Diskrepanz zwischen Ambition und zeichnerischer Wirklichkeit gar einen leicht melancholischen Hauch versprüht. Übergroße Köpfe, süße Gesten, Kaffeeflecken… und schon ist die entzückende Trivialität hinter jedem Heldenmut entlarvt. Ganz fantastisch!

Superhero by Hardy Hinrichs via thaeger

Fotorealistische Surrealismen von Jeremy Geddes

Im Grunde genommen stehe ich gar nicht so sehr auf fotorealistische Malereien. Wenn sie aber derart fantastisch surreale Bilderwelten erschaffen, wie dies die Ölzeichnungen von Jeremy Geddes tun, dann passt auch die Imitation des Fotografischen perfekt zur Intention und zum Inhalt: Irreales verloren im fotografisch Realen, Fantastisches eingezeichnet in den klaren Blick auf die Wirklichkeit, ein Traum im Traum im Traum… Großer Supranaturalismus.

Weitere von Geddes herausragenden Zeichnungen gab es unter dem Titel Exhale in der Jonathan LeVine Gallery in New York zu sehen.

Zeichnungen von Jeremy Geddes via zanthi

Fallen Astronaut: Denkmal für gefallene Raumfahrer auf dem Mond

Als Gedenken an alle Astronauten und Kosmonauten, die ihr Leben bei der Erkundung des Weltraums gaben, entwarf der Künstler Paul Van Hoeydonck zu Beginn der 70er Jahre eine 8,5 cm große Aluminiumsskulptur, die einen “gefallenen” Weltraumreisenden darstellt. Die kleine Statuette, die laut Wikipedia sowohl gender- als auch rassenneutral gestaltet ist, gehörte mit zum Bordinventar der Apollo 15 Mission von 1971 und wurde von dieser zusammen mit einer Metallplatte, auf der die Namen der Gedachten verewigt sind, auf dem Mond zurückgelassen. Damit ist diese kleine Figur das bis dato einzige menschliche Kunstwerk auf dem Mond und darüber hinaus das einzige Kunstwerk, das speziell für die Repräsentation der Menschheit im Universum angefertigt wurde.

Spannend ist dabei nicht zuletzt, dass sich dies natürlich auch auf Materialität und Symbolik des Werkes auswirkt. Gerade letztere war vom Künstler sogar weiter intendiert als bei der späteren, tatsächlichen Verwendung. Van Hoeydonck glaubte ein Symbol für die Menschheit im Allgemeinen zu entwerfen und nicht bloß eine “Grabesfigur” für die gestorbenen Raumfahrer. Von der “eingeschränkten” Verwendung erfuhr er erst später. Aber auch ohne diese universelle Intention funktioniert die kleine Figur perfekt als schlichte, zurückhaltende und universelle Referenz auf die großen, menschlichen Ambitionen (und im Subtext auch auf das damit verbundene Scheitern). Nur Schade, dass die Statue schließlich auch ihre Einzigartigkeit eingebüßt hat: Auf Wunsch des National Air and Space Museum stellte Van Hoeydonck 1972 ein Replik der Figur her, die heutzutage dort besichtigt werden kann. Walter Benjamin bemühend, erreicht dieses freilich niemals die Aura des Originals, dessen Platz auf dem Mond als Paratext/Kontext integrativer Bestandteil des kleinen Kunstwerks ist.

via pewpewpew

Pilz-Illustrationen

Gehört in den Bereich einer spezifischen Form von temporärer Kunst, die mir immer wieder ein Schaudern über den Rücken jagt.  Corey Corcoran illustriert Pilze von einer Größe von 15 – 20 cm: Kunst die darauf angelegt ist, mit ihrem Medium irgendwann zu verenden, Kunst die radikal den Gesetzen der Natur unterliegt, Kunst die einfach nur ungemein mitreißend ist und allein schon durch ihre Beschaffenheit nachdenklich stimmt.

via

James Dean als bildender Künstler

Was viele nicht wissen – und was ich bis vor kurzem auch nicht wusste -, James Dean war nicht nur ein herausragender Schauspieler, Sex-Symbol und Ikone einer ganzen Generation, sondern darüber hinaus auch ein herausragender bildender Künstler. So offenbarte sich das künstlerische Talent Jimmys wohl schon in sehr jungen Jahren, als er als Schüler unter anderem Tonfiguren mit bloßen Händen formte. Später entwarf er dann als Mitglied der Miller Playhouse Theatre Guild Kulissen in Los Angeles und bekam dort sogar den Posten des Bühnenmanagers. Beim Retronauten und Dangerous Minds wurden gerade ein paar der Skizzen, Entwürfe und Zeichnungen Deans zusammengestellt und darunter befinden sich wirklich ganz hervorragende Arbeiten, die auf ein breit gefächertes Talent schließen lassen. Nicht nur für Fans des Rebel without a cause sehenswert.

James Dean: Drawings / Art of James Dean

3D-Illusionen von Ramon Bruin

Mit viel zeichnerischem Können, einem genauen fotografischen Blick und der raffinierten Anordnung von zweidimensionaler Zeichnung und dem Medium Papier im dreidimensionalen Raum gelingen dem Künstler Ramon Bruin herausragende Bilder, die geschickt Dreidimensionalität vorgaukeln und mit den Sehgewohnheiten des Betrachters Schabernack treiben. Natürlich ist das alles herrlich metamedial, selbstreferenziell und so weiter… vor allem aber auch verdammt schön anzuschauen und auf großartige Weise dem künstlerischen Spieltrieb folgend.

Weitere 3D-Zeichnungen von Ramon Bruin via thaeger