Books on Tape: Literatur im Elektroschrott

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Books on Tape ist ein spannendes Projekt von Woody Leslie, bei dem aus den Resten obsolet gewordener Technik Buchcover hergestellt wurden. Ist natürlich ein Fest für jeden Bibliophilen: “Seht her! Während eure ehemals modernen Datenträger heute nur noch Schrott sind, besteht das klassische Medium Buch fort, kann sich den Bits und Bytes Müll gar zu Nutze machen, um in neuem Glanz zu erstrahlen!” Ich bin ja echt alles andere als ein Tech-Verachter… und das Papier möglicherweise irgendwann in naher/ferner Zukunft komplett von digitalen Datenträgern abgelöst wird halte ich sowohl für wahrscheinlich als auch durchaus erstrebenswert… kurz innehalten und dem traditionellen Buch Ehre erweisen, kann trotzdem nicht schaden, vor allem, wenn es so künstlerisch wie hier umgesetzt ist.

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Books on Tape via Book Patrol

The British Library veröffentlicht Tonnen von Bildern auf Flickr

Über 65.000 Bücher vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Über eine Million Scans, alle urheberrechtsfrei: Fotografien, Buchillustrationen, Grafiken… die gerade auf Flickr veröffentlichten Scans der British Library haben durchaus das Zeug zu einer der größten Bilder-Fundgruben im Internet zu werden, zumal offensichtlich zusätzlich geplant ist, eine Oberfläche zu veröffentlichen, auf der User die Bilder kommentieren und ihren Inhalt beschreiben können. Ein großartiges Geschenk für das Internet und zudem ein weiterer wichtiger Schritt, um dieses zu einem gigantischen Archiv der menschlichen Kultur werden zu lassen:

We have released over a million images onto Flickr Commons for anyone to use, remix and repurpose. These images were taken from the pages of 17th, 18th and 19th century books digitised by Microsoft who then generously gifted the scanned images to us, allowing us to release them back into the Public Domain.

A Million First Steps + The British Library Flickr via Creative Review

A Drone in the New York Public Library

Sehr schöne von Morgan Holzer mit einer Drohne gemachte Aufnahmen aus der New York Public Library. Der Geek in mir jubelt und mein Bibliophilenherz frohlockt…

Certainly every time I set foot in this building I am reminded what a joy it is working here. I get to interact with people who are game for anything; people who understand that the library is a place to foster innovation and are willing to engage new audiences in crazy ways like flying a drone through a landmarked building.

Flying a Drone Around the Stephen A. Schwarzman Building via Book Patrol

Menschen, die in Bibliotheken schlafen

Zeit für ein wenig  Bibliophilen-Content, auch wenn dieser auf den ersten Blick gar nicht als solcher scheinen mag. People Sleeping in Libraries ist jedoch ein großartiges Flickr-Set, das einfach mal unter Beweis stellt, was für tolle Orte Bibliotheken sein können: Still, beinahe intim, gemütlich; und es gibt kaum einen besseren Schlafplatz als zwischen tausenden von Büchern. Während meiner Zivildienstzeit – lang ist es her – habe ich übrigens auch wegen komischer Arbeitszeiten und viel zu langem Weg nach Hause – gerne auf die Gemütlichkeit eines Schlafplatzes in der städtischen Bibliothek zurückgegriffen. Bibliophile Plätze können gleich in mehrfacher Hinsicht Leben retten…

People Sleeping in Libraries via my modern metropolis

Was für ein Bücher- und Lesetyp bist du?

Sommerzeit, Bücherzeit: Und wie jedes Jahr erneut die Konfrontation mit dem Paradox, dass ausgerechnet die strahlende Sonne dazu einlädt, sich hinter einem richtig guten, bevorzugt fetten, Schmöker zu verstecken, um nachher begeistert von der großartigen Urlaubslektüre zu erzählen. Wenn schon ein untätiger Tag am Strand/See/Campingplatz, dann wenigstens mit ein bisschen geistiger/kreativer Stimulans, die immer noch die beste Realitätsflucht liefert und den Urlaub auch konsequent Urlaub vom Real Life werden lässt. Nach dem Klick folgt eine dazu perfekt passende Infografik von Laura E. Kelly, in der sich so ziemlich jeder Leser und Bücherfreund bzw. -Feind wiederentdecken sollte. Ich bin wohl eher so ein Book abusing Typ. Ich liebe vor allem den Inhalt, liebe eigentlich auch das Material, dieses muss dann aber doch bei meinen Leseexzessen weitaus mehr leiden, als es verdient hätte. Wer mir mal ein Buch ausgeliehen hat, kann leider viel zu oft ein Lied davon singen. Daher an diese Stelle auch eine – wirklich ernstgemeinte – Entschuldigung an alle Bibliotheken, Bücher-Entleiher und Bibliophilen dieser Welt, die sich angesichts von Knickspuren, Seitenabnutzungen etc. wegen mir die Hände über dem Kopf zusammenschlagen mussten. Und jetzt schnell weiter im Programm…

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Errata corrige – Bücherpanoramen

Beeindruckende Installationen der Künstlerin Ekaterina Panikanova: Errata corrigere, zu deutsch “Korrekturverzeichnis” ist eine Sammlung fantastischer Bookshell-Konzepte, in denen die offenen und aneinandergereihten Bücher zur Leinwand für verspielte Skizzierungen, Zeichnungen und Collagen werden. Da lacht das Bibliophilen-Herz, da freut sich die Dekonstruktivisten-Leber, da genießt das Ästheten-Auge und da jauchzt das Remixer-Hirn.

Errata corrigere via colossal

From Within A Book

Bibliophile Kunst können wir hier eigentlich nie genug haben… Emma Taylor kreiert aus Bücherseiten wunderschöne, unglaublich detaillierte Figuren und Szenarien, die den Betrachter aus dem Papier heraus scheinbar direkt anspringen und in die visuellen Geschichten hineinziehen. In ihrem persönlichen Etsy-Shop verkauft sie einige der so entstandenen Kunstwerke, die sich ebenfalls in ihrem Tumblr bewundern lassen.

From Within A Book via Visual News

Lumio: Beleuchtung im Buchformat

Groß, einfach nur groß ist diese handliche Lampe, die sich wie ein Buch öffnen lässt und sowohl als größere Taschenlampe als auch statische Beleuchtung praktischen Nutzen und Design perfekt verbindet. Das Ganze ist mehr als nur eine Designstudie, sondern auch gleich ein Kickstarter-Projekt, das – wen wundert es – mittlerweile das angestrebte Finanzierungsziel locker übertrumpft und derzeit bereits über 150.000$ angesammelt hat. Die perfekte Lichtquelle für Bücherliebhaber wie mich und auch über den bibliophilen Touch hinaus einfach mal eine grandiose Idee.


Lumio: Kickstarterprojekt via Colossal

The Book That Can’t Wait

Dem Bibliophilen in mir, der eben nicht nur den literarischen Inhalt sondern auch die mediale Materialität an Büchern schätzt, blutet dabei schon ein wenig das Herz, auch wenn das Konzept dahinter genial ist: Das argentinische Verlagshaus  Eterna Cadencia hat ein Buch geschaffen, das mit einer speziellen Tinte produziert wurde, die sich peu à peu auflöst, sobald sie zum ersten Mal mit Licht in Berührung gekommen ist. Das Ergebnis ist ein Buch mit einer Haltbarkeit von ungefähr zwei Monaten, während sich sein Inhalt sukzessive verflüchtigt. Ziel des Ganzen ist es natürlich, insbesondere jungen Autoren die Chance zu geben, eben nicht nach dem Kauf monatelang im Regal zu stehen, sondern tatsächlich gelesen und wahrgenommen zu werden. El Libro Que No Puede Esperar, das Buch, das nicht warten kann: Tolle Idee, schicke Umsetzung… aber kaufen könnte ich mir so etwas nie.

via Kotzendes Einhorn

RGB Clorspace Atlas

Das ist eigentlich so was für die Designer hier, ich finde es gerade trotzdem todschick. Die New Yorker Designerin/Künstlerin Tauba Auerbach hat den RGB Farbraum komplett in ein analoges Buch gebannt. Da mein Verständnis für derlei Farbdesign-Spielereien irgendwo bei Goethes Farbenlehre aufhört, verstumme ich an dieser Stelle beeindruckt und lasse die Bilder und das Konzeptvideo für sich sprechen.

via Designboom

Ex Libris: Gemälde von James McGrath

Oh ja, es ist definitiv mal wieder an der Zeit für große, epische Bibliophilie-Kunst. Die Bücher-Gemälde von James McGrath sind wunderbare, verzückende, beinahe barocke Literaturlandschafts-Impressionen. Verspielt, verschnörkelt und zugleich einfach so herrlich naiv, romantisch und monumental, dass es mir als Bibliophiler richtig warm ums Herz wird. Schaut euch unbedingt auch die anderen Gemälde auf James McGraths Website an!

Ex Libris: Paintings by James McGrath via Faith is Torment

Enzyklopädische Kunst von Julia Feld

Julia Feld entwirft wirklich großartige, faszinierende Kunstwerke aus Büchern. Unter dem Einband tummeln sich Räume, Objekte, Körper… das Literarische wird zur Bildenden Kunst, die Poesie zum handgearbeiteten, verschnörkelten Spiel. Schaut unbedingt auf ihrem Blog vorbei, wo es noch sooo viel mehr zu entdecken gibt.

Enzyklopädische Kunst von Julia Feld via pulmonaire

Ein surfendes Lesezeichen

Ein verlassenes Zimmer, ein zurückgelassenes Buch, ein Lesezeichen, das sich zwischen die Seiten klammert… plötzlich springen die Fenster auf, ein Sturm weht durch den Raum, das Buch wird aufgewirbelt, das Lesezeichen wird von seinem sicheren Platz geworfen… und beginnt zwischen den Seiten zu surfen. Gott sei Dank wurde dieses Szenario in  Much Better Now von Salon Alpin nicht überdreht und geeky umgesetzt sondern viel mehr poetisch, geradezu zauberhaft. Wenn ich so etwas sehe, wird mir jedenfalls wieder schmerzlich bewusst, wie sehr die Animationsschmiede Pixar gerade Gefahr läuft ihren Zauber zu verlieren (den Dreamworks btw. schon vor langer Zeit verloren hat). Es wäre wirklich mal an der Zeit für eine Wachablösung.

A bookmark is stuck in a forgotten book that is one day knocked over by wind. It experiences its environment by surfing the pages that turn in to ocean-waves, enjoying the ride of its life. As the book cover closes light reveals new challenges.

production: Salon Alpin
direction / script / animation: Philipp Comarella, Simon Griesser
sound / music: Silvio Canazei
gaffer: Thomas Welz
animation: Christoph “Kris” Staber

Nach dem Klick folgen noch die Making Ofs…

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