Hörenswertes, Herbst: Castanets, Swans, Electric Wizard, …And you will know us by the trail of dead

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Sorry Leute. Seht es ein. Der Sommer ist vorbei, der Punk ist tot und der Pop riecht schlecht. Anbei sende ich euch trotzdem ein paar kalte Grüße, serviert von (Schenkt ihm endlich die Aufmerksamkeit, die er verdient) Raymond Raposa aka Castanets, den  auf ihrem eigenen Trip hängengebliebenen (wenn es möglich wäre, würde ich eure Musik ficken!) Swans, den nach wie vor umtriebigen (Wo liegt meine Bongh?) Electric Wizard und den Seite360-Dauergästen (sorry, aber verdammt seid ihr alt geworden!) …And you will know us by the trail of dead. Das wird ein guter Herbst…

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Bizarre Stickkunst von Alaina Varrone

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Wenn ich gefragt werde, welches Kunsthandwerk ich am ehesten mit alten Großmuttchen verbinde, die gemütlich im Sessel sitzen, Katze links, Kamillentee rechts… ähmm ja, ihr wisst schon worauf das hinauslaufen soll. Mehr noch als Stricken und Häkeln – die Dank des Urban Knitting mittlerweile wieder cool sind- verbinden die meisten Leute meiner Generation Stickereien mit biederem Kunsthandwerk ohne kreativen Charme und avantgardistische Note. Dass es anders geht….. ganz anders… wirklich, wirklich, wirklich anders… beweist Alaina Varrone mit ihren bizarren Stickereien: Mal erotisch stilisiert, mal schon fast profan sexuell, und dann plötzlich ziemlich grotesk, gerne auch ein wenig verstörend, immer mit dem Klischee des Perversen und Pornografischen flirtend ohne dabei jemals zu platt zu werden. Andersartig sind sie fast alle, NSFW und R-Rated auch in vielen Fällen… aber Gott sind die dabei großartig. Handwerkskunst, die nichts – aber auch rein gar nichts – mit Handwerkskunst zu tun hat und einfach pures Bizarreriengold.

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Alaina Varrone via Beautiful Decay

 

What A Fuck!? – Lars von Triers Nymphomaniac I

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Mit dem Nymphomaniac Zweiteiler kommt Lars von Triers so genannte Depressions-Trilogie zu einem Abschluss. Da es bei dem Dogma95-Initiator und Festival-Provokateur zuletzt nicht mehr unter existenzieller menschlicher Tragödie oder gleich dem Weltuntergang ging, durfte man gespannt sein, wie der letzte große Epiker des Arthaus-Kinos das Thema Sex auf die Leinwand bringen würde. Dass es pornographisch werden konnte war praktisch vorprogrammiert, nicht zuletzt auch weil Lars von Trier bereits mit seinen früheren Filmen, wie Idioten, Porno-Arthaus-Erfahrung sammeln durfte. Ebenso schien es vorprogrammiert, dass Sex von Trier nur als Leinwand dient, auf der er wieder einmal eine existenzielle, gewaltig gewalttätige, an den Rand des Ertragbaren gehende Geschichte zeichnen würde. Und nachdem die ersten Filmplakate das Licht der Welt erblickt hatten, auf denen der gesamte Cast in eindeutig orgastischer Pose zu sehen war, durfte erwartet werden, dass Lars von Trier auch in Nymphomaniac wieder zu allen möglichen, unmöglichen Mitteln der Provokationskunst greifen würde… Düster, tragisch, pornographisch, provokant, existenziell und gewaltig… das waren die Vorzeichen von Nymph()maniac (nur echt mit Klammer-O)… und Lars von Trier, der Schelm? Der hat uns alle ganz schön in die Irre geführt.

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Die 80er Jahre: Die besten Thriller des Jahrzehnts III

Wir werden international in unserer dritten 80er Thriller-Retrospektive. War der letzte Artikel noch von amerikanischen Genre-Beiträgen geprägt, beweisen nun Frankreich, Japan und Australien, dass auch sie ihr Publikum in Atem halten können. Mit Todesstille demonstriert Phillip Noyce eindringlich, wie viel sich aus einer minimalistischen Disposition und den richtigen Spannungsmomenten herausholen lässt, mit seinem Alterswerk Auf Liebe und Tod verbeugt sich François Truffaut mit einem Augenzwinkern vor dem Film Noir und den Krimis der Nouvelle Vague, während der ebenfalls aus Frankreich stammende Le Prix du Danger weit Richtung Zukunft weist und als besserer Running Man unter Beweis stellt, wie sich eine Science Fiction Dystopie realistisch und zeitnah, gegenwärtig erzählen lässt. Und dann gibt es natürlich noch Takeshi Kitano mit Violent Cop, der bereits in den 80ern wusste, wie sich Crime, Drama und abartige Komik perfekt kombinieren lassen. Ergänzt wird das Quartett durch den amerikanischen Romance-Krimi The Big Easy, der sich mit Charme und einer tollen Geschichte ins Herz seines Publikums spielt. Nach dem Klick gehts los…

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Hörenswertes, Januar 2014: Sunn O))) & Ulver, Blank Realm, A Silver Mt. Zion, Xiu Xiu, Dum Dum Girls, Billie Joe and Norah Jones

Das Jahr 2014 startet groß… richtig groß. Bereits der Januar kann es locker fast im Alleingang mit 2013 aufnehmen und ich komme gerade gar nicht hinterher beim Reinhören in die ganzen fantastischen Alben, die hier durch den Stream rauschen. Und fuck ja, ich weiß, es ist schon Februar… und dann hat sich hierher auch noch mit Billie Joe und Norah Jones ein 2013er Output verirrt. Der hat mir den letzten Monat allerdings – trotz ein wenig zu braver Befriedung des Everly Brothers Klassikers “Songs our Daddy taught us” – mehr als einmal versüßt hat. Ansonsten gibt es in diesem Hörenswert-Artikel allerdings nichts aus der 13er Dose: Stattdessen neue Postrock-Highlights der Silver Mt. Zion, düstere Drone-Reisen in der Sunn O))) & Ulver Kollaboration, konfusen Retro Indie/Psychedelic-Rock von Blank Realm, Anti-Pop von Xiu Xiu und Pro-Pop von den Dum Dum Girls.

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Only God Forgives: Ein offener Brief an Nicolas Winding Refn

Nein, lieber Herr Refn, wirkliche Freunde werden wir in diesem Leben wohl nicht mehr. Dabei will ich Ihnen nicht einmal vorwerfen, dass sie der wohl überbewertetste Regisseur unserer Tage sind. Schließlich können sie dafür nun wirklich nichts, oder? Okay, die ein oder andere ästhetizistische Hipster-Masturbation haben Sie in ihren letzten Filmen schon verbrochen, von kalkulierter Jagd nach Stimmvieh (bei der Wahl um den größten lebenden Regisseur) ist das dennoch weit entfernt. Nein, ich nehme Ihnen den Hype um sie wirklich nicht übel, im Grunde genommen mag ich Ihre Filme ja auch: Den düsteren transzendentalen Trip, Valhalla Rising, der ist wirklich großes Kino, das Slow Motion Actiondrama Drive, ja auch das hat seine Momente… und ja, auch die Pusher-Filme und Bronson sind düstere Action-Bastarde, in denen verdammt viel Kreativität steckt. Ich glaube Ihnen sofort, dass sie mit Herzblut dabei sind und ihre Filme tatsächlich – ohne jede Kalkulation – anders erzählen wollen. Aber um Gottes Willen, müssen sie dabei immer so dick auftragen? Müssen sie dabei immer so sehr den Style- und Design-Göttern huldigen, sich derart in ihren glänzenden und zugleich schmutzigen Bildern verlieren, dass sie drumherum vollkommen vergessen, irgendetwas mit Substanz zu erzählen?

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Poetisches für den Sonntag: Günter Brus – Selbstbemalung

Der österreichische Künstler Günter Brus gelangte vom Expressionismus beeinflusst über die informelle Malerei französischer Prägung in den 60er Jahren schließlich zur Aktionskunst, in der er sich intensiv dem eigenen Körper als Leinwand, Kunstobjekt und Kunstwerk an und für sich widmete. Genau in diesen Zeitraum fällt auch seine beeindruckende Selbstbemalung, eine ganze Serie von künstlerischen Aktionen, bei denen er sich selbst zur Leinwand machte und dieses Framing zugleich auf nahezu brutale Weise aufbrach. Es ist mehr als beeindruckend, wie Brus in seiner Körperzeichnung jede Versuchung der egomanischen, narzistischen Kunst umschifft, indem er sich weniger zum Kunstwerk stilisiert, als viel mehr den physischen und psychischen Bruch des Künstlers bei der Kunstproduktion ins Zentrum rückt, indem die Selbstbemalung zur Selbstzerstörung und zur Dekonstruktion des kunstschaffenden Ichs wird. Durch die Auflösung des Framings wird so die Fragilität der Künstlerseele und die destruktive Kraft der Kunstproduktion offenbar.

So wurde die Aktion spätestens bei ihren folgenden Ausgeburten Selbstverstümmelung, Starrkrampf, Tranfusion und Tortur zu einer Thematisierung des selbstverletzenden Verhaltens, das einer jeden Kunstschöpfung innewohnt. Der Künstler schneidet ein Stück seines eigenen Fleischs heraus, um es als Kunstwerk der Öffentlichkeit darzubieten. Diese ist um das Werk bereichert, der Künstler indes hat ein Stück von sich selbst unwiederruflich für immer verloren…

Ausschnitte aus “Das Kapital” und “Mein Kampf” musikalisiert

Gibt es etwas großartigeres als Adaptionen literarischer Werke in ein Medium, in das diese Werke so überhaupt nicht zu passen scheinen? Anton Wassiljew hat es getan: Ausschnitte aus “Mein Kampf” und “Das Kapital” als algorithmische Kompositionen, irgendwo zwischen Coding und entfesselter Atonalität. Das ganze fällt dann wohl in den Bereich der Neuen neuen neuen Musik, bei der  ich nie so ganz mitkomme, deren Ausgeburten ich aber immer höchst spannend finde:

“das kapital” study

in dem stück habe ich »das kapital« von k. marx sampleweise vertont. jedes wort aus dem ersten band des kapital ist in eine gleitkommazahl übersetzt, also in ein sample. und zwar so, dass die wörter “arbeit” und “geld” mit der amplitude 1.0 markiert werden. der rest bekommt einen zufälligen wert zwischen -0.1 und 0.1. so entsteht das leise rauschen.
im ersten band des kapital gibt es 286784 wörter. das wort “arbeit” kommt 1270 mal vor und das wort “geld” 423 mal.

Mein Kampf – das lied ohne worte

die ascii-werte des textes wurden in tonhöhen, dauern und lautstärken übersetzt:
buchstaben –> die höhere schicht
punkte, kommas usw. –> die mittlere schicht
leerzeichen –> ganz tiefe töne
anführungszeichen –> lange töne

via Kulturtechno

High Frame Rate – Gimmick oder Zukunft der Bildtechnik?

Vor drei Jahren habe ich hier zwei Artikel veröffentlicht, in denen ich mich mit der 3D-Technik auseinandergesetzt habe, die Dank Avatar damals einen enormen Popularitätsschub erlebte. So wie James Camerons Science Fiction Blockbuster quasi die Geburtsstunde einer New Wave of 3D-Cinema war, könnte nun auch Der Hobbit von Peter Jackson die Geburtsstunde einer vollkommen neuen Bildtechnik sein. High Frame Rate ist das Zauberwort: 48 Bilder pro Sekunde, doppelt so viele wie im gewohnten Kino. Die Verfechter dieser Technik versprechen fantastische, so niemals gesehene Bilder, eine enorme Verbesserung der 3D-Technik und mit beidem verbunden eine Immersion, die sich deutlich von allen vorherigen cineastischen Erlebnissen abhebt. Die Kritiker und Skeptiker lästern über Soap- und Theaterfeeling, machen Witze über Benny-Hill-Effekte und sehen in der neuen Technik, ähnlich wie zuvor beim 3D, nichts weiter als ein überflüssiges Gimmick, das zudem der Immersion eher abträglich ist. Nachdem meine Eindrücke vom Hobbit (Kritik folgt) und der neuen Technik noch ziemlich frisch sind, bietet es sich doch an, das ganze HFR-Ding genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich versuche dabei thesenartig vorzugehen, allein schon weil sich ein wirklich endgültiges Urteil wegen der Frische des Prinzips verbietet. Dabei will ich sowohl auf die Technik als solche, als auch deren Wirkung auf die Zuschauer und nicht zuletzt auch auf deren Potential und Zukunft eingehen. Wie immer natürlich absolut objektiv, dabei höchst subjektiv gefärbt und komplett unvoreingenommen voreingenommen…

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Weihnachtsstimmung VII: Olivier Messiaen – Vingt regards sur l’enfant-Jésus

Weihnachtsmusik… spezielle Weihnachtsmusik… Weihnachtsmusik, wie sie sein soll; fernab von jedem “Last Christmas”-Generve, jeder “Jingle Bells”-Niedlichkeit und jedem “Stille Nacht, Heilige Nacht”-Kitsch. Vingt Regards sur l’Enfant Jésus (1944) von Olivier Messiaen gilt laut Wikipedia als eine der wichtigsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts. In seinen 20 Blicken auf das Jesus-Kind spielt der Avangardist mit dem Menschlichen und dem Göttlichen, variiert Themen und Motive und erschafft so ein eindrucksvolles Klangerlebnis auf dem Klavier. Heraus kommt nach den Worten des Komponisten ein “Komplex von Klängen, bestimmt für ständige Variation, als Folge abstrakt präexistent, dabei sehr konkret und leicht an seinen Farben zu erkennen.” Oder, um es kurz zu fassen: Einfach wundervolle, hochkomplexe und dennoch sehr empathische und mitreißende Musik.

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Tuning In – A Film about Karlheinz Stockhausen


Dokumentation von Barrie Gavin aus dem Jahr 1982. Für später vorgemerkt… Blog quasi mal wieder als erweiterte Lesezeichenliste missbraucht.

via 

Open Set Number Two by Roland Quelven – Isabel Pérez del Pulgar

Düster / minimalistisch / surrealistisch / hedonistisch / okkult / satanisch / erotisch / beklemmend. Ich musste ziemlich spontan an Sed non satiata aus Charles Baudelaires Les Fleurs du mal (1857) denken:

Seltsame Gottheit, düster wie die Nacht,
Drin Moschus- und Havannaduft sich mischen,
Fremdartig Werk des Grossen, Zauberischen,
Hexe aus Ebenholz, Kind schwarzer Mitternacht.

Der Trank von deinem Mund hat süssen Opiums Macht.
Zu dir in Zügen langen, träumerischen
Die Wünsche ziehn. Dein schwarzes Aug’ inzwischen
Stillt der Zisterne gleich den Durst, den es entfacht.

In diesen Augen, Seufzern deiner Seele,
O Mitleidlose, deine Flammen hehle;
Ich bin nicht Styx, dich neunmal zu umfahrn,

Und kann nicht gleichen, zügellose Dirne,
Zu brechen deine Kraft, zu bleichen deine Stirne
Im Schlamme deines Betts, Proserpinan.

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Godspeed You! Black Emperor – ‘ALLELUJAH! DON’T BEND! ASCEND! (Stream)

Echt ma’! Das Teil ist schon seit neun Tagen im Stream und ich habe es immer noch nicht richtig angehört, geschweige denn gebloggt. Heute werde ich beides ändern. Zehn Jahre nach ihrem letzten Album veröffentlichen die Postrock-Götter (ist so) GY!BE mit ’ALLELUJAH! DON’T BEND! ASCEND! endlich, endlich, endlich neues Material. Vier Tracks, wovon zwei für kanadische Verhältnisse lachhaft kurz sind und zwei sich ganz klassisch der 20 Minuten Marke nähern. Ein verrauschtes Foto auf dem Front-Cover und viele offene Spekulationen, wie man auf solche Kompositionstitel kommt. Jepp. So und nicht anders soll es sein.


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Hörenswertes Herbst 2012 II: Converge, Swans, The Mountain Goats, Dinosaur Jr, Portico Quartet

Lauter gute alte Freunde…

So kann der zweite Hörenswert-Artikel für den Herbst zusammengefasst werden. Ihr wisst schon, die Typen, die man einfach schon immer mochte, die man aber irgendwie trotzdem eine Zeit lang gar nicht mehr auf dem Plan hatte. Und dann sind sie plötzlich wieder da. Man freut sich, quatscht mit ihnen, feiert mit ihnen, und so plötzlich wie sie gekommen sind verschwinden sie auch wieder. Aber zumindest lassen sie ein gutes Gefühl zurück. Vielleicht denkt man sich sogar: “Ja, die könnte ich bei Gelegenheit mal wieder anrufen.” , und vergisst sie dann doch wieder ein wenig… zumindest bis zur nächsten großartigen Zusammenkunft.

John Darnielle sorgt mit den Mountain Goats für gemütliche amerikanische Lagerfeuerstimmung, Dinosaur Jr lassen an die guten alten Zeiten zurückdenken, als alles noch irgendwie easy war, die Swans dagegen erinnern einen daran, dass es immer noch ein Stück abgehobener geht und mit dem Portico Quartet kann man sich schlicht und ergreifend wohlfühlen, wenn auch auf sehr spezielle Weise. Achja, und dann gibt es natürlich Converge, die wieder einmal keine Ruhe, kein Punkt und kein Komma kennen und dich blutend auf dem angesengten Wohnzimmerteppich liegen lassen. “Bis zum nächsten Mal!” ruft man ihnen dennoch fröhlich hinterher, während man einen ausgeschlagenen Zahn ausspuckt und die blauen Flecken zählt. So ist das eben mit guten Freunden…

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Hörenswertes Herbst 2012: The XX, Animal Collective,The Hirsch Effekt, Grizzly Bear, Muse

Die Blätter fallen,

fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten …

(Rainer Maria Rilke)

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