Die 90er Jahre: Die besten Crossover Alben des Jahrzehnts

Rinko will sich endlich den musikalischen 80er Jahren widmen und ist dafür schon fleißig am LP-Sammeln. So wie er im Moment über New Wave und Postpunk philosophiert und mir dabei irgendwelche Bandnamen an den Kopf wirft, die ich noch nie gehört habe, kann es eigentlich nicht mehr lange dauern, bis die musikalische Aufarbeitung meines Geburtsjahrzehnts hier auf Seite360 stattfindet. Als in den 90ern musikalisch sozialisierter Hörer habe ich mit dem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts allerdings noch nicht ganz abgeschlossen. Und während Rinko sich in die Untiefen von No Future, Glam, Synthie und Postpost-irgendwas begibt, will ich zumindest noch ein paar Genres würdigen, auf deren Aufarbeitung er bisher in unserer 90er Retrospektive verzichtet hat. Wobei der Genre-Begriff im Falle des Crossover etwas diffus ist. Tatsächlich ist diese Bezeichnung für die Vorreiter des Nu Metal, für die ersten, die Rap, Rock, Funk und Metal zusammenmixten, primär eine deutsche Erscheinung. In den USA wurden die folgenden Bands stattdessen gerne dem Funk-Rock, dem Rapcore oder anderen Genrehybriden zugeordnet. Hierzulande dagegen sind wir mit genau jenem Crossover-Begriff groß geworden, nicht nur Dank deutscher Bands wie H-Blockxx oder Such a Surge, sondern auch Dank vieler Bands aus Übersee, denen wir dieses Label – stolz etwas neues musikalisches zu entdecken – aufgedrückt haben. Im Folgenden widme ich mich den besten Alben des klassischen Crossover, wie er Anfang/Mitte der 90er Jahre geboren wurde und ebenso schnell wieder in der Versenkung verschwunden ist, um diversen Core- und Nu-Metal-Labels Platz zu machen. Es war nicht alles golden in diesem mixwütigen Genre, ein paar herausragende, spannende Hybrid-Alben sind trotzdem dabei rumgekommen.

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Hörenswertes Herbst 2012: The XX, Animal Collective,The Hirsch Effekt, Grizzly Bear, Muse

Die Blätter fallen,

fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten …

(Rainer Maria Rilke)

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Serj Tankian – Harakiri

Na dann, mal reinhören ob der System of a Down Frontmann nach seinen bombastischen Musical-Auflügen mit dem heute veröffentlichten Album Harakiri was wirklich Neues erzählen kann. Erster Eindruck: Kommt gut, wirkt aber mit seiner Besinnung auf die Crossover-Roots weitaus konservativer als die letzten Veröffentlichungen Tankians.

Serj Tankian – Harakiri (Stream) via KROQ

Hörenswertes April 2012: The Shins, The Mars Volta, Meshuggah, Les Discrets

Okay… ich stolpere mal wieder den aktuellen Veröffentlichungen hinterher. Und daher gibt es auch bei diesem Hörenswert-Artikel nur Material, das irgendwie so März 2012 ist. Macht aber nichts, da die kurzrezensierten Alben allemal hörenswert und zudem mit prominenten Namen besetzt sind. The Shins schielen schon mal Richtung Sommer, Meshuggah bolzen Richtung Herbst und Winter und The Mars Volta sind sowieso wieder komplett abgehoben irgendwo da oben im Weltraum. Etwas gediegener und für ein letztes Auskosten der Wintergefühle empfehlen sich die französischen Shoegazer Les Discrets, indem sie mit sphärischen, dunklen und mysteriösen Klängen ein letztes Mal gegen die Frühlingssonne rebellieren.

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Die 90er Jahre: Die besten Sludge Metal Alben des Jahrzehnts

Während dem klasisschen Doom-Metal der 90er etwas sehr Erhabenes, Zeitloses, Universelles bis Transzendentales innewohnt, ist der Nischen-Bastard Sludge von allem metaphysischen Ballast gereinigt: Klar, Doom Metal ist in seiner Schwere, Dichte, Langsamkeit und Transzendenz nicht von dieser Welt, beinahe sakral, religiös. Was ihm aber definitiv fehlt, sind der Groove und der ordentliche Asskick. Der Sludge Metal hat beides im Überfluss zu bieten: Doom Metal kombiniert mit fetten Hardcore-Anleihen, einmal durch den Stoner-Fleischwolf gedreht und ordentlich im staubigen Wüstensand gebadet. Sludge ist der gefallene Stiefsohn des Doom Metal, der dreckige und räudige kleine Bruder, der sich einen Scheiß um Depressionen kümmert und stattdessen lieber mit satter Psychedelic-Note, viel Zynismus und Trockenheit alles niederwalzt, was irgendwie an Erhabenheit übrig ist. Nicht die subtilste Art von Musik, aber in ihrer konsequenten Genresprengung stilprägend für diverse Drone- und Avantgarde Metal Bands der 90er und 00er Jahre. Die besten Alben der Nische der Nische der Nische, die besten Werke dieses kleinen, verzogenen Doom-Abkömmlings präsentieren wir nach dem Klick.

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Die 90er Jahre: Die besten Gothic Metal Alben des Jahrzehnts II

Wie im ersten Teil versprochen, entfernen wir uns nun ein wenig von den ganz ganz klassischen Gothic Metal Roots und beobachten vor allem Mitte und Ende der 90er Jahre ein Aufbrechen und offensives Zertrümmern des eigentlichen Genres. Die Zutaten der Schubladensprengung reichen dabei von Industrial über melodischen Death Metal über Progressive Rock bis hin zu Ambient und Postrock. Manche Bands kamen auch genau aus jenen Ecken und nahmen wie Crematory oder Theatre of Tragedy nur einen Umweg über den Gothic Metal, um zu ihrem ganz eigenen Sound zu gelangen. Andere sagten dem Metal komplett lebewohl und wanderten wie The Gathering Richtung Progressive oder wie Paradise Lost Richtung Pop ab. Und wieder andere, wie Marilyn Manson und Moonspell sind alles andere als leicht einzuordnen. Bleibt natürlich die Frage, ob dann eine Subkategorie wie Gothic Metal überhaupt gerechtfertigt ist… Naja, so lange sich unter ihr so großartige, auf Samplern perfekt zusammen funktionierende Bands, Alben und Songs subsumieren lassen, dann definitiv ja. Der Beweis folgt auf den Pferdefuß nach dem Klick.

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Die 90er Jahre: Die besten Melodic Death Metal Alben des Jahrzehnts II

Nachdem es im ersten Teil vor allem darum ging, die Pioniere und Wegbereiter des Genres auszuloten, werfe ich an dieser Stelle einen Blick auf die Bands, die sich durch Melodie, Pathos aber auch avantgardistische Experimente weit von den Ursprüngen des Death Metal entfernt haben… mitunter so weit, dass nicht mehr eindeutig zu klären ist, ob sie sich überhaupt noch in den tödlichen Doublebass-Regionen des ursprünglichen Genres befinden. Für diesen eklektischen Stilwandel gäbe es dann auch mehr als genug Bezeichnungen: Gothic Death Metal, Symphonic Death Metal, Progressive Death Metal, und so weiter und so fort. Um nicht den Überblick zu verlieren gönne ich mir an dieser Stelle aber wieder die eine oder andere Bezeichnungsunschärfe und packe alles zum Melodic Death Metal, was zwischen dem High Speed- und Dampfwalzen-Sound, den gutturalen Growls und dem wütenden Geshoute des klassischen Death, sowie dem Epischen, Melodischen und Hymnischen des in den 90ern aufgekommenen Melodic Death oszilliert. Ein bisschen pauschal mitunter, aber letzten Endes geht es doch um die Musik. Und diese passt Dank ihrer Größehärtebreite ohne Zweifel in das Genre…

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Die 90er Jahre: Die besten Death Metal Alben des Jahrzehnts I

Tja, dem Thrash Metal ist der Übergang  in die 90er Jahre und die schrittweise Modernisierung vorzüglich gelungen. Bei einem flüchtigen Blick auf das “extreme” Genre des Death Metal könnte man schnell, allzu schnell, gewillt sein, diesem genau das Gegenteil zu attestieren. Die Pioniere des Genres wie Posessed, Slaughter oder Celtic Frost hatten in den 90ern Sendepause, neue Bands machten sich relativ rar, und viele Pioniere wanderten zu anderen Metal-Spielarten ab. Aber man findet sie eben doch, auch in den 90ern: Die Todesboten, die das Genre noch nicht beerdigen wollten und es stattdessen mit frischen Sounds zwischen Elektronik, Progressivität und Melodie aufpolierten und das Banner der tödlichen Härte erfolgreich in der Dekade platzierten. Neben den Melodic Deathern (die hier noch einen eigenen Artikel spendiert bekommen), waren es vor allem die Progressoren und Techniker, die dem Death Metal nach den 80ern zu neuem Glanz verhalfen: Carcass, Suffocation, Entombed, Death… ihr Sound gibt sich nicht mit bloßer Härte zufrieden, sondern will auch immer ausfallen, auffallen und neben dem Tod auch so etwas wie Vitalität finden, während Morbid Angel mit ihrem schweren, doomigen Sound tief unter die Erde eines Friedhofs graben. Death Metal: Tiefe Growls, dunkle Landschaften und mechanische  Härte… Die erste Portion gibt es nach dem Klick.

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Die 90er Jahre: Die besten Thrash Metal Alben des Jahrzehnts II

Bei unserer Metal-Retrospektive kommt mir meine musikalische Sozialisation sehr zu Gute. Von Anfang bis Ende der Dekade – als ich dann schließlich Postrock, Progressive und Indie für mich entdeckte – bin ich eigentlich ziemlich konstant zwischen Punk Rock Hörer und Metalhead gependelt. Das führte dann auch irgendwie dazu, dass ich einfach mal alles erleben musste, was die beiden Genres hergaben. Anhören war das mindeste, egal welches Subgenre, egal aus welchem Land und egal in welcher Kategorie. Der EMP-Katalog, der alles vom Mainstream bis zum Underground bot, gab mir viele Anregungen, eine Zeit lang war die Rock Hard meine Bibel… und als das Internet schließlich vorsichtig in mein Leben trat, waren es gleich als erstes die Musikseiten, die ich nach neuem (und altem) Stoff durchwühlte. Thrash Metal war dabei schon so etwas wie mein Favourite Genre, einfach weil er zu der damaligen Zeit im Vergleich zu Power Metal, True Metal oder Black Metal das meiste Groove- und Rock-Potential bot… und eben auch die Härte, die man als jugendlicher Rebell (*ähmmm) einfach erwartet.

So viel zur Vorrede: Nach dem Klick gibt es Episches von Annihilator, Mainstreamiges von Sepultura, Avantgardistisches von Prong, Groovendes von Machine Head und Pantera und erstaunlich experimentierfreudiger, modernisierter Teutonen Metal von Kreator. Hörenswert sind diese Thrash-Alben jedenfalls alle… auch heute noch.

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Die 90er Jahre: Die besten Thrash Metal Alben des Jahrzehnts I

Neben dem Heavy Metal ist der Thrash wohl das schwermetallene Genre, das am weitesten in die 80er Jahre zurückreicht. Von den Größen der Bay Area Scene blieb in den 90er Jahren freilich nicht viel übrig. Metallica wanderten zum Heavy und schließlich Alternative Rock ab, Testament versuchten sich ebenfalls in dunkleren Heavy Metal Tönen und Exodus lebten irgendwo, irgendwie so langsam weiter vor sich hin, ohne im Genre noch Großes zu reißen. Retrospektiv betrachtet war es vielleicht sogar besser so. Denn an die Stelle der alten Haudegen rückten neue Propheten des prügelnden Sounds. In Brasilien, den USA aber auch in Deutschland wurde die Härte des Thrash sukzessive  mit Groove und Tribal-Sounds ergänzt. Neo Thrash war eine lange Zeit das Schlagwort für diesen Trend, später auch Groove Metal, sogar zu Proto Nu Metal ließen sich wenige hinreißen. Daher sei mir so manche Genre-Unschärfe in diesem Best-Of verziehen. Denn auch wenn Sepultura, Ministry und Fear Factory alles andere als klassische Thrasher sind, so erfüllt ihre Musik doch die wichtigsten Kriterien: Sie knallt, ist schnell, verflucht hart und bricht dem Metal so manchen Zacken aus der Krone. Und ein paar Klassiker wie Slayer, Anthrax und Overkill haben sich dann schließlich auch noch, in gewohnt gehobener Qualität, in das 90er Thrash Metal Programm eingeschlichen…

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Hörenswertes Juli 2011: Boris, John Tejada, Jakko Jakszyk, Robert Fripp & Mel Collins (A King Crimson ProjeKct)

Ja Freunde… es ist Sommer. Das Wetter beschissen, der Urlaub in weiter Ferne, die Stimmung trübe, und wir hinken Dank schreiberischem Sommerloch in unserer Hörenswert-Section mal wieder um einen ganzen Monat zurück… Doch es naht Erlösung, in Form von experimentellen, düsteren, verlockend avantgardistischen und vor allem ‘ähmmm’ progressiven Klängen. So rocken sich Boris zuerst durch einen klassisch progressiven Avantgarde/Drone/Metal-Whatever-Kosmos, um kurz darauf die progressiven Töne in geheimnisumwitterten progressiven Ambient-Klängen zu finden. John Tejada entdeckt das progressive Element in minimalistischen Electro-Sounds, während Robert Fripp in seinem King Crimson ProjecKt zusammen mit Jakko Jakszyk und Mel Collins das Progressive in, nunja, klassischem Progressive Rock auslotet. Wenn’s schon nichts zu Feiern gibt, dann wenigstens genug satte, verwobene Klänge, um andächtig vor den Lautsprechern zu knien. Und der Sommer wird ohnehin komplett überbewertet…

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