What A Fuck!? – Lars von Triers Nymphomaniac I

nymphomaniac

Mit dem Nymphomaniac Zweiteiler kommt Lars von Triers so genannte Depressions-Trilogie zu einem Abschluss. Da es bei dem Dogma95-Initiator und Festival-Provokateur zuletzt nicht mehr unter existenzieller menschlicher Tragödie oder gleich dem Weltuntergang ging, durfte man gespannt sein, wie der letzte große Epiker des Arthaus-Kinos das Thema Sex auf die Leinwand bringen würde. Dass es pornographisch werden konnte war praktisch vorprogrammiert, nicht zuletzt auch weil Lars von Trier bereits mit seinen früheren Filmen, wie Idioten, Porno-Arthaus-Erfahrung sammeln durfte. Ebenso schien es vorprogrammiert, dass Sex von Trier nur als Leinwand dient, auf der er wieder einmal eine existenzielle, gewaltig gewalttätige, an den Rand des Ertragbaren gehende Geschichte zeichnen würde. Und nachdem die ersten Filmplakate das Licht der Welt erblickt hatten, auf denen der gesamte Cast in eindeutig orgastischer Pose zu sehen war, durfte erwartet werden, dass Lars von Trier auch in Nymphomaniac wieder zu allen möglichen, unmöglichen Mitteln der Provokationskunst greifen würde… Düster, tragisch, pornographisch, provokant, existenziell und gewaltig… das waren die Vorzeichen von Nymph()maniac (nur echt mit Klammer-O)… und Lars von Trier, der Schelm? Der hat uns alle ganz schön in die Irre geführt.

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Die 80er Jahre: Die besten Epen und Historienfilme des Jahrzehnts III

Einen über Episches und Historisches aus den 80ern habe ich noch, auch dieses mal mit gewisser Schubladen- und Kategorien-Unschärfe. Natürlich ist Highlander dann doch auch ziemlich viel Fantasy-, Action- und Blockbuster-Kino. Natürlich ist Fitzcarraldo auch irgendwie Abenteuerfilm und Drama. Natürlich kann man über die Historizität von Am Anfang war das Feuer streiten. Und natürlich ist Au revoir, les enfants in erster Linie eine Tragödie historischen Ausmaßes gespiegelt in einem sehr persönlichen Kindheitsporträt. Zumindest auf das epische Moment von Die Bounty können wir uns einigen, oder? Auch wenn sich da natürlich wiederum eine Diskussion über die Qualität von Roger Donaldsons Historienepos anbietet. Well, ohne Streit wäre es ja auch ziemlich langweilig.

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Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Sechste: Robert Altmans "The Player" (1992)

Normalerweise beleuchten Meta-Filme den kreativen Schaffungsprozess: Klassiker des selbstreflexiven Kinos nutzen den Blick der Regisseure, der Crew oder gar des Rezipienten, um die Möglichkeiten des Films auszuloten, aufzuzeigen und in kreisförmigen Bewegungen zu ihrer Ader zurückzuführen. Aber das Konzept des Films als Kunst, als Erweiterung des Geistes und als Medium zwischen Realität und Fiktion wird dabei konstant aufrecht erhalten. Mit seinem 1992er Film „The Player“ beschreitet Robert Altman einen anderen Weg: Film als Produkt, Film als Kommerz, Film als Tod der Kreativität. Willkommen in Hollywood. The Player ist ein zynischer Abgesang auf die Mechanismen des Big Business und die Ohnmacht der daran beteiligten Künstler.

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Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Fünfte: Francois Truffauts „Die amerikanische Nacht” (1973)

Francois Truffaut gehörte schon immer zu den Leichtgewichten der Nouvelle Vague. Wenn ein Louis Malle bei „Die Liebenden“ eine Dreiecksbeziehung in eine schwere Tragödie münden und am Ende die wahre Liebe in einem pathetischen Ausklang gewinnen lässt, inszeniert Truffaut seine Menage a Trois in „Jules und Jim“ als leichtfüßige Tragikomödie mit viel Savoir Vivre. Wo bei Jean-Luc Godard sich surreale Phantastereien ihren Weg bahnen und das Kino gar für tot erklärt wird, da macht Truffaut keinen Hehl aus seiner Begeisterung für amerikanische Vorbilder und generiert liebevolle Komödien wie „Schießen sie auf den Pianisten“ und Appelle an die Menschlichkeit wie „Der Wolfsjunge“ . Truffaut ist das warmherzige Epizentrum des avantgardistischen Kinos aus Frankreich… und dann gibt es auch noch „Die amerikanische Nacht“, den selbstreflexiven, leichtfüßigen Kontrapunkt zu Godards „Le meprís“ und eine Liebeserklärung an das Kino und seine Schaffenden an und für sich.

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Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Erste: Federico Fellinis „Achteinhalb“ (1963)

Da Rob Marshall das Publikum mit seiner Musicalverfilmung „Nine“ das Publikum offensichtlich zu Tode langweilt, fühle ich mich dazu gezwungen daran zu erinnern, woher Marshall den Stoff zu seinem Film-Musical bezog und warum dieser Stoff so unendlich viel schöner, besser und wahrer ist. Die Rede ist von Fellinis Film „Achteinhalb“, einem Klassiker des selbstreflexiven (1) Kinos. 1963 erschienen, noch immer diskutiert und großartig, wurde der Film bereits 1982 verwurstelt und tauchte als „Nine“ am Broadway auf und auch schnell wieder unter. So ist Marshalls „Nine“ der Aufguss eines Aufgusses. Willkommen in Hollywood! Darum soll es in diesem Artikel jedoch nicht gehen. Es geht um das verspielt-intellektuelle und wunderschöne Kunstkino Europas der sechziger Jahre. weiterlesen