Schlagwort-Archiv: Anekdoten

Die 90er Jahre: Die besten Progressive Rock Alben des Jahrzehnts I

Nachdem Rinko sich in Hip Hop Nischen herumgetrieben hat, wird es mal wieder Zeit für etwas populärere Genres (*hüstel). Dass Progressive Rock eigentlich ziemlich out of date ist, wahrscheinlich Zeit seines Bestehens out of date war, muss wohl nicht extra betont werden. Dürfte jeder wissen. Anyway, aktuelle und auch länger andauernde Trends sollten im Kanon keine Rolle spielen, und unabhängig von seinem Low Coolness-Faktor hat der Progressive Rock (oder Prog wie die Babyblauen liebevoll sagen) in den 90ern eine Menge toller Werke zwischen selbstverliebter Frickelei und bombastischem Monumentalismus abgeworfen. So begeistert Frank Zappa mit einem epischen Live-Doppelalbum, das auch  als einsteigerfreundliches Spätwerk funktioniert, King Crimson gelingt mit Thrak das kaum erwartete Comeback und mit Anekdoten, Porcupine Tree und The Gathering schießen die Progressive Rock Bands einer neuen Generation aus dem Boden. Die großen Unbekannten in dieser Runde bilden die Schweden Landberk, die mit atmosphärischem und trippigen Folk Post-Progressive begeistern.

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Gesuchtes und Gefundenes – Rezension zu Siegfried Lenz’ "Fundbüro" (2003)

Dank seines Romans „Deutschstunde“ zählt Siegfried Lenz mit zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. In einer nie moralisierenden, aber ethisch trotzdem konkreten Erzählweise setzte er sich oft explizit mit den Folgen des Nationalsozialismus und der Problematik der Konformität und Uniformität in der Bundesrepublik nach 1945 auseinander. Und trotz dieses immens wichtigen Beitrages zur Vergangenheitsbewältigung sind es keineswegs die großen Romane, die ihn so besonders machen: Nein, es sind die kleinen Erzählungen und Novellen, die alltäglichen Beobachtungen und Anekdoten, die nur scheinbar trivial sind, und in Wirklichkeit tief hinab in die Ängste und Sorgen der Menschen blicken lassen. In diesen Geschichten gelingt es Lenz immer, gesellschaftliche Probleme zu thematisieren, jedoch nie mit dem Blick des Zynikers oder gnadenlosen Realisten, stattdessen mit viel Herzenswärme, Sympathie für alle seine Figuren und einer großen Portion Hoffnung, die jedem seiner kleineren, zurückhaltenden Werke immanent ist. Und eben genau in diese Sparte fällt auch der 2003 veröffentlichte Roman „Fundbüro“.

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