Schlagwort-Archiv: Alltagskultur

…Und dann war da noch die 150 Jahre alte Mausefalle, die noch einmal ein Mäuseleben vernichten durfte.

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So geschehen im Museum of English Rural Life (MERL), dass neben vielen anderen Gegenständen der englischen Alltagsgeschichte unter anderem eine sehr alte, aber ganz offensichtlich immer noch funktionstüchtige Mausefalle beherbergt. Obwohl sich in der aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts stammenden Apparatur nicht viel mehr als eine Staubschicht befand, war sie offensichtlich doch verlockend genug, dass sich im Jahr 2016 eine Waldmaus darin verirren und auch darin verenden konnte. Bewiesen ist nun auf jeden Fall der großspurige Aufdruck der Falle: “Will last a lifetime.”

Die Kuratoren überlegen derzeit noch, wie sie mit dem modernen Opfer der klassischen Falle umgehen sollen. Neben einer würdevollen Bestattung besteht auch die Option, die Maus zu präparieren und als permanentes Feature in der Falle zu belassen. Meine Empfehlung, wenn sich das Tier schon so selbstlos für den Kulturbetrieb opfert…

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155-year old mouse trap claims its latest victim via I fucking love science

Lesetipp am Rande: Mausetod! Die Kulturgeschichte der Mausefalle (Amazon-Partnerlink)

Zettelwerk

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Das Zettelwerk, ein studentisches Projekt der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, sammelt, archiviert und digitalisiert alles, was die bundesrepublikanische Zettelwirtschaft hergibt, oder genauer gesagt Alltagsdrucksachen, worunter unter anderem folgender Papierkram fällt:

“Abholscheine, Abziehbilder, Akten, Andachtszettel, Ansichtskarten, Anzeigen, Arzneirezepte, Aufkleber, Ausweise, Autogrammkarten, Banderolen, Banknoten, Beiblätter, Beleg, Bierdeckel, Briefe, Briefmarken, Briefumschläge, Einschlagpapiere, Eintrittskarten, Etiketten, Faltblätter, Flugblätter, Flyer, Formulare, Garantiescheine, Gebrauchsanleitungen, Geldscheine, Handzettel, Kalenderblätter, Karten, Kassenbons, Kaufbelege, Kontoauszüge, Krankheitsschein, Lebensmittelmarken, Lesezeichen, Liedzettel, Listen, Lose, Marken, Mitgliedsausweise, Notizzettel, Plakate, Pläne, Postkarten, Preisschilder, Programmhefte, Quittungen, Reparaturscheine, Rezepte, Scheine, Speisekarten, Tanzkarten, Telegramme, Tickets, Tischkarten, Urkunden, Verpackungen, Visitenkarte, Wahlzettel, Wartemarken, Werbemittel, Werbezettel, Zertifikate, Zustellungsbelege …”

Ich finde ja solche Projekte generell großartig und predige immer gerne, dass wir viel mehr Analoges, was so unser Alltag hergibt, digital archivieren sollten… allein schon als Dienst gegenüber zukünftigen Historikergenerationen. Also dann: Mal sehen was meine Zettelwirtschaft noch so hergibt.

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Zettelwerk via nerddrugs

By the way: Hier wohne ich…

…und um das mit euch vernünftig teilen zu können, habe ich die Tage die erste richtig böse YouTube-Urheberrechtsverletzung meines Lebens begangen und ganz dreist diesen tollen Beitrag vom Heimatjournal aus der Mediathek gerippt und auf YouTube hochgeladen. Mal sehen, was der RBB dazu sagt, ob das lange online bleibt und ob der Seite360-Kanal nun zum ersten Mal geflaggt wird. Bis dahin, let me introduce the Kaskelkiez in Berlin.

Kluge Worte von Ranga Yogeshwar

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Als Nachklang zur Sonnenfinsternis heute morgen und auch darüber hinaus voll ins Schwarze treffend. Ranga Yogeshwar über unverhältnismäßige Panikmache und erdrückende Schutzbrillen:

Unsere Gesellschaft wird zunehmend von Angstszenarien geprägt. Bei der anstehenden Sonnenfinsternis füllen vielfältige Warnungen die Schlagzeilen: Niemals in die Sonne schauen!! Nur mit Schutzbrille. Die Energieversorger warnen:“ Droht uns jetzt der Strom-Blackout?“. Schulkinder dürfen nicht vor die Tür, Eltern sind besorgt. Unsere Medien warnen so sehr, dass die Sonnenfinsternis zur herannahenden Bedrohung wird. Schade!
Gestern habe ich ein kleines Video erstellt um all jenen, die keine Spezialbrille kaufen konnten, eine Alternative zu bieten: Mit einer Handy-Kamera. (Siehe Facebook-Beitrag) Prompt reagierten manche Medien erneut mit Angst: Fachredakteure schreiben mich an und fragen: Verbrennt da nicht die Handy-Kamera?
Offensichtlich scheinen unsere Medien aus der Spirale der ewigen Panikmache nicht mehr herauszufinden, dabei sind die Sorgen überzogen (…)

–> Weiterlesen auf Facebook

Malbuch für Erwachsene…

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Deprimierendes Ausmalvergnügen für die nahende/bestehende/überwundene Midife-Crisis: Im Coloring Book for Grown Ups von Ryan Hunter und Taige Jensen findet sich die Möglichkeit für eine kreative Auseinandersetzung mit all den Lebenslügen und bitteren Wahrheiten, mit denen man sich irgendwann in seinem Erwachsenenleben konfrontiert sieht. Das Teil (Coloring for Grown-Ups: The Adult Activity Book) wandert jetzt sowas von in meinen Einkaufswagen. Eine deutsche Übersetzunggibt es auch bei Amazon. Und jetzt bitte alle einmal deprimiert sein…

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Coloring for Grown Ups via The Wall Breakers

Alles aussteigen: Ein S-Bahnhof und die Wende

Sehr schöner Alltags-Dokumentarfilm von Arpad Bondy aus dem Jahre 1995 über den S-Bahnhof Oranienburg. Diese aus dem Leben gegriffenen Dokumentarfilme aus den 90er Jahren, ohne nervige Off-Stimme, ohne übertriebenen Emotion-Trigger-Bullshit sieht man heutzutage leider selbst in den Öffentlich Rechtlichen kaum noch…

Der S-Bahnhof Oranienburg ist seit der Wiedervereinigung wieder am Gesamtnetz. Vor der Wende war er das Ende eines S-Bahn-Teilstücks vier Stationen nach der Mauer. Der Bericht zeigt die Geschichten seiner Bediensteten und Fahrgäste sozusagen nach dem (Gleis)anschluss an die Bundesrepublik: die Rotkreuzschwester vom Bahnhofsdienst und die Obdachlosen, die Pommesfrau und der Blumenhändler als die neuen Unternehmer nach der Wende, der eifrige Wagenputzer und der wütende Malergeselle, die Bundesgrenzschützer in neuer Funktion als Aufsichtspersonal, u.a.


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Die Bank das unbekannte Wesen

Die so genannten Modified Social Benches des dänischen Künstlers Jeppe Hein entwickeln durch Verformungen, ungewöhnliche Winkel un den Aufbruch der bekannten Objektsstruktur beinahe so etwas wie ein Eigenleben. Jede einzelne dieser faszinierenden Körper scheint eine Geschichte zu erzählen, scheint sein eigenes soziales Narrativ zu generieren und die Menschen einzuladen eben an jenem teilzunehmen. Nicht der Mensch kreiert das Objekt, das Objekt kreiert den Menschen…

Weitere Bilder auf Kuriositas und Laughing Squid