Deutschrap und so #30: Afrob – Reimemonster feat. Ferris MC

Oh Baby ja, verdammt nochmal ja!!! Ist das ein verdammter Klassiker des Deutschen Hip Hop oder was? Das Sirenensignal am Anfang des Tracks hätte es gar nicht gebraucht, um das hier wohl zu dem Hit von 1999 und zum absoluten Tanzboden-Killer zu machen. Sehr schön übrigens auch die Reaktion von Ferris MC, der beim Beats for Life nur noch ungläubig ins Publikum starrte, als eine komplett euphorisierte Menge jede Zeile des Songs auswendig konnte und damit klar machte, dass eine neue Zeitrechnung im der deutschen Musikhistorie begonnen hatte.

Afrobs leicht heisere Stimme und Ferris MC krächziges Organ harmonieren jedenfalls perfekt, und es ist einfach toll, wie sich die beiden auf dem geilen DJ Thomilla-Beat längst zum Kult gewordene Lines wie “Jo, macht euch locker, denn dieser Sound haut euch vom Hocker/Sowas habt ihr nie gesehen, sowas machen Hip-Hopper” um die Ohren hauen. Jepp, gehe ich mit…denn damals war Indie-Rock (mal wieder) am Boden und Nu Metal erst noch auf dem Sprung der nächste dominante Sound der Jugendkultur zu sein.

Deutschrap und so #6: DJ Tomekk und Grandmaster Flash – 1, 2, 3, Rhymes Galore

Wie gesagt grob chronologisch…ein Jahr bevor Dynamite Deluxe mit “Wie Jetzt” unsere Aufmerksamkeit bekommt, erscheint DJ Tomekks “1,2,3, Rhymes Galore”, dessen Hook, gerappt vom quietschigen Flavor Flav, auch instant zu nem weirden Ohrwurm wird: “1,2,3 from New York to Germany”. Bei diesem Track habe ich zum ersten mal das Gefühl, dass HipHop was Großes ist. Diese Kollabo mit den beiden von Public Enemy, Afrob, MC Rene, das Amerikanische vereint mit dem Deutschen, das dynamische Video, schnelle Schnitte, das Malen, das Breaken der B-boys, Scratchen, Auflegen, Zeitraffer … brachten Hip Hop als das rüber, was es für Hiphopper war, ein Movement, eine lebendige Kultur voller Energie, ein Lebensgefühl. So zumindest sieht sich Hip Hop gerne selbst. Auf jeden Fall war es viel einladender als das, was den deutschen Jugendlichen in den Neunzigern vorgereimt wurde. Neunziger Rap-acts sind geschniegelte, abgerundete Produkte, bereitgemacht für den Konsum. Das hier aber zieht einen regelrecht hinein, vermittelt den Eindruck, dass man daran teilhaben könnte, was natürlich an der Videoästhetik liegt. Kurz: Die Musikindustrie hinter Hip Hop ist in diesem Track durch eine ästhetisierte Ideologie (Spaß, Breakdance, Graffiti) unsichtbar gemacht worden.

Am coolsten finde ich tatsächlich den Part von Rene, die schräge Stimme, der Flow, der Singsang, das war ungewöhnlich. Er wird ja dann später Mixery Raw Deluxe auf VIVA moderieren und, ich weiß nicht warum, in Auseinandersetzungen geraten mit Azad, Savas und Eko Fresh, unter der seine Karriere leiden wird. In den letzten Jahren hat Savas in Interviews wiederholt die Vermutung geäußert, dass er Renes Karriere beendet hätte. Ich glaube viel mehr, dass die neue Musik, die immer lauter aus Berlin herausdrängt, ein authentischeres*, echtes und dadurch lukrativeres Angebot gemacht hat. Die haben halt, mehr oder weniger, gesprochen wie wir und King Kool Savas hat dieses Sprechen mit Technik, Witz und einem Flow kombiniert, dem man sich nicht entziehen konnte. Das echte Berlin was calling. Im Video ist übrigens auch Specter zu sehen, der dann später mit Spaiche und Halil das Label Aggro Berlin gründen wird, welches sich diese Streetattitude zu eigen macht. Ein wichtiger Schritt in der deutschen Rapgeschichte.