Schlagwort-Archiv: Adoleszenz

boyhood

Turn into something beautiful – Boyhood von Richard Linklater

boyhood

Zu Beginn von Boyhood sehen wir den sechsjährigen Mason im Gras liegen und in den Himmel schauen, während Yellow von Coldplay erklingt. Dieses Bild repräsentiert wohl wie kein zweites die Attitüde sowie die Rezeption von Richard Linklaters Film. Es ist das Bild, das alle Kinoplakate schmückt, das jede Rezension, jede Kritik, jeden längeren Bericht begleitet; und tatsächlich ist es auch das Bild, das sich dem Zuschauer am stärksten einprägt. Und doch ist es innerhalb weniger Sekunden vorbei. Ein flüchtiger Moment, ein Augenblick, der keinen großen Pathos, keinen wahnwitzigen Symbolgehalt nach sich trägt; nur ein Augenblick im Leben eines Kindes, ein Augenblick, auf den in diesem Film noch viele weitere wunderschöne, erinnerungswürdige, banale und tiefgründige Augenblicke folgen werden.

Weiterlesen

Filmabriss: Stoker, Lore, Ginger & Rosa, Vielleicht lieber morgen

Mal wieder ein kleiner Überschlag an Filmen, die ich in den letzten Tagen, Wochen, Monaten gesehen habe. Was die vier Filme eint: Sie fallen allesamt irgendwie – mitunter auf sehr merkwürdige Weise – in den Bereich des Coming-of-Age Dramas: Teenagernöte, Teenagersorgen, Teenagergefühle… in allen vier Filmen relativ erfolgreich auf erfrischend klischeefreie Weise erzählt: So nutzt Stoker die Adoleszenz als Leinwand für einen düsteren Psychothriller, Lore setzt sich in ihr mit der deutschen Geschichte auseinander, Ginger & Rosa versucht sich gleich in einem universellen Generationenporträt der 60er Jahre, und last but not least entfaltet Vielleicht lieber Morgen auf dem Hintergrund einer rührenden Indie-Komödie die kraftvolle Erzählung eines Traumas und dessen Konsequenzen.

Weiterlesen

Der Lebensretter im Roggen – Zum Tode Jerome David Salingers

What really knocks me out is a book that, when you’re all done reading it, you wish the author that wrote it was a terrific friend of yours and you could call him up on the phone whenever you felt like it.

(Holden Caulfield)

Am 27. Januar 2010 ist Jerome David Salinger im Alter von 91 Jahren gestorben. Für einen Mann, der gerade mal einen Roman publiziert und nur 35 Kurzgeschichten veröffentlicht hat, der sich nach dem Welterfolg „Der Fänger im Roggen“ aus dem gesellschaftlichen und literarischen Leben praktisch komplett zurückgezogen hat, ist die Liste an Kondolenzen und Nachrufen in den letzten Tagen ungewöhnlich lang geworden. Scheinbar… Denn trotz des kleinen Oeuvres gilt J.D. Salinger als meistgelesener und meistbesprochener amerikanischer Autor der Nachkriegszeit. Und das liegt selbstverständlich am „Catcher in the rye“, an dieser legendär gewordenen jugendlichen Seelenschau. Ein Roman, der zu seiner Erscheinungszeit 1951 viel Häme und Kritik ausgesetzt war, der in einigen Ländern gar verboten wurde und es dennoch zu Weltruhm und zur festen Verankerung im literarischen Kanon der Gegenwartsliteratur geschafft hat.

Weiterlesen