Fantasyfilme und Märchen der 80er Jahre: Was sonst noch geschah…

…oder: Der ganze Rest. Ich habe ja schon in der ersten Fantasy-Retrospektive darauf hingewiesen, dass die 80er eine Dekade waren, in der Trash und gehobenes Niveau oft merkwürdige Melangen eingingen. Rein quantitativ betrachtet, wurden sie dann aber doch primär von eher zweifelhaften Fantasy-Werken dominiert. Das lag in erster Linie an dem ungeheuren Sword-and-Sorcery-Boom, der zu Beginn des Jahrzehnts aus dem barbarischen Boden brach und das Genre bis zum Ende der Dekade mit zahllosen muskelbepackten Recken (und Reckinnen) beglücken sollte. Und wer war dafür verantwortlich? Niemand geringeres als Arnold Schwarzenegger höchstpersönlich. Das Helden- und Krieger-Epos Conan der Barbar (1981) löste eine ganze Welle an meist doch ziemlich beschränkten Fantasy-Flicks aus, die Dank minimaler Budget-Anforderungen in Massen produziert wurden. Der Klassiker selbst kann dafür am wenigsten. Ich würde mich zwar hüten, die Verfilmung von Roward E. Howards Pulp-Novels über Conan den Cimmerier zu den besten Filmen der Epoche zu zählen, immerhin bietet dieser überdrehte, dumpfe Fantasy-Flick aber eine Menge Unterhaltungspotential, viel Raum zum Schmunzeln und die nötige Dosis überproportionierter Low-Budget-Action, um alles in allem verdammt viel Spaß zu machen.

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Hörenswertes Februar 2012: Errors, Tindersticks, Motorpsycho & Ståle Storløkken

Nachdem die letzten Hörenswert-Artikel von Rinko allein bestritten wurden, muss ich mich doch auch mal wieder zu Wort melden, allein schon, um auf diese drei wirklich spannenden Alben aufmerksam zu machen. Sowohl Motorpsycho in enger Zusammenarbeit mit Ståle Storløkken als auch die Tindersticks haben mit ihren aktuellen Outputs große Meisterwerke geschaffen, die bei meinen Best-Of des Jahres 2012 mit Sicherheit mehr als ein paar Worte mitzureden haben werden. Ergänzt werden die beiden Epen von ziemlich eigenwilligem, eigensinnigen Synthie/Ambient/Postrock von den Errors, die als musikalischer Anachronismus daherkommen und dennoch ein faszinierendes, wenn auch allzu eskapistisches Werk aus dem Hut zaubern. Achja, das Wetter heute nervt.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 80er: Wo bleibt “Die unendliche Geschichte”?

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Die Unendliche Geschichte wird hier nicht bei den besten Fantasyfilmen und Märchen der 80er Jahre auftauchen. Das bedeutet nicht, dass ich die Verfilmung von Michael Endes gleichnamigem Roman für einen miesen Film halte, keineswegs, aber es fehlt ihm doch ein gutes Stück, um in meinem cineastischen Kanon zu landen. Dabei standen die die Verfilmung dieses wundervollen Märchens im Jahr 1984 eigentlich unter einem guten Vorzeichen. Michael Endes Vorlage von 1979 gehört mit zu den besten fantastischen Romanen, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, Regisseur Wolfgang Petersen hatte drei Jahre zuvor mit Das Boot (1981) bewiesen, dass er sich perfekt darauf verstand Hollywood und europäisches Kino unter einen Hut zu bringen, mit Finanziers aus Deutschland und den USA gab es ein ordentliches Budget-Fundament für die Umsetzung der Märchenwelt Phantasiens und mit Limahl war für den Titelsong ein damals ziemlich populärer Musiker am Start. Also wie konnte es so weit kommen, dass selbst Michael Ende derart unglücklich war, dass er seinen Namen aus dem Film streichen ließ, dass zahllose Freunde der Vorlage unzufrieden, so wie ich mit dem Gefühl eines Stückes Kindheit beraubt zu sein, den Kinosaal verließen?

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Happy Birthday François Truffaut

Der Humanist und Romantiker, der leichtfüßige Geschichtenerzähler der Nouvelle Vague, François Truffaut (* 1932; † 1984) würde heute seinen 80. Geburtstag begehen. Surreale Verfremdungen, wie sie bei Louis Malle zu finden sind, und abstrakte Selbstreferenzen à la Jean-Luc Godard lagen Truffaut nicht, stattdessen verstand er sich wie kein zweiter Regisseur der neuen Welle des französischen Kinos darauf, unterhaltsame, spannende und dennoch anspruchsvolle Geschichten zu erzählen, immer mit einem Bein in Hollywood, mit dem anderen in den Traditionen der westlichen Philosophie, der Aufklärung, des Realismus und des magischen Idealismus stehend. Ich glaube, ich habe an der ein oder anderen Stelle hier schon erwähnt, wie sehr ich die Nouvelle Vague liebe und wie sehr mir ebenso Truffaut am Herzen liegt. Ganz gleich, ob das fesselnde Sozialdrama Sie küssten und sie schlugen ihn (1959), die wunderbare Tragikomödie über Liebe und Freundschaft Jules und Jim (1962), die psychedelische Science Fiction Dystopie Fahrenheit 451 (1966) – die nebenbei gesagt tausendmal besser ist als die überschätzte literarische Vorlage von Ray Bradbury -, das humanistische Lehrstück Der Wolfsjunge (1969) oder das cinephile Epos Die amerikanische Nacht (1973)… Truffaut ist einfach einer der größten, bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts.

via Google, die einen netten kleinen Doodle für den großen Regisseur eingerichtet haben.

Zum zehnten Todestag von Astrid Lindgren…

Die Brüder Löwenherz > Mio mein Mio > Ronja Räubertochter > Pippi Langstrumpf > Michel > Wir Kinder aus Bullerbü…

…zumindest meiner Meinung nach. Ich denke, ich kann auch ziemlich gut verorten, warum ich das so sehe. Astrid Lindgren war auf jeden Fall eine große Autorin, eine der talentiertesten, empathischsten und poetischsten Kinderbuchautoren des 20. Jahrhunderts und weit darüber hinaus. Die 1907 geborene und 2002 gestorbene Erzählerin hat mit ihren Büchern – und zum großen Teil auch deren Verfilmungen – das gesamte Jahrhundert geprägt. Kaum ein Kind, dass nicht schon mal von Pippi Langstrumpf (1945) und deren Verfilmungen aus den späten 60ern und frühen 70ern gehört hat, kaum ein “Lausbub” der sich nicht Michel aus Lönneberga (seit 1963) zum Vorbild genommen hat, und kaum jemand der nicht mit Wir Kinder aus Bullerbü (1947) wunderbar nostalgische Moment durchlebt, unabhängig davon, ob diese wunderbaren Erzählungen tatsächlich seine eigene Kindheit widergespiegelt haben.

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Star Wars Uncut (Director’s Cut online)

Über das emmy-prämierte Star Wars Uncut Projekt, das die Weltraumsaga aus Fan-Interpretationen neu zusammen geschnipselt im großartigen Fragment-Look präsentiert, habe ich vor einiger Zeit schon mal was gepostet. Daher an dieser Stelle nur kurz der Hinweis, dass das wirklich tolle Teil von Casey Pugh nun in voller Länge auf Vimeo hochgeladen wurde. Unbedingt anschauen.

In 2009, thousands of Internet users were asked to remake “Star Wars: A New Hope” into a fan film, 15 seconds at a time. Contributors were allowed to recreate scenes from Star Wars however they wanted. Within just a few months SWU grew into a wild success. The creativity that poured into the project was unimaginable.

via eayz

Die 90er Jahre: Die besten Progressive Metal Alben des Jahrzehnts II

Sorry @ all und vor allem sorry an Rinko: Einmal geht es noch durch die Prog-Hölle. Der Progressive Metal hat wohl vor allem das Problem, dass er nie populär, nie trendy war und damals in den 90ern in seiner “Frühphase” bereits antiquiert wirkte. Kein Wunder: Der Progressive Rock hatte zwar seine kurze Hochphase in den 70ern, wurde aber schnell zur Blaupause für pathetischen, anstrengenden, selbstverliebten Rock N Roll ohne coole Attitüde. Der Punk als Quasi-Gegenbewegung zog an seiner Antipode dementsprechend schnell vorbei, setzte Trends und verbannte die Progger auf die hinteren Bänke der Musikgeschichte. Dort wurde dann insbesondere in den 80ern eine Menge musikalischer Müll verbrochen. Auch der Metal gewann in den 90ern sukzessive den Ruf alles andere als cool zu sein: Eher überholt, konservativ, dogmatisch… Die trendbewussten Kids wanderten zum Hip Hop, die Geeks gaben sich dem Grunge und später immer mehr der elektronischen Musik hin. Logisch, dass die Fusionierung zweier eher unpopulärer Genres nichts weiter als ein weiteres unpopuläres Subgenre hervorbringen konnte, zumal der Progressive Metal bereits damals – wie schon im ersten Teil erwähnt – im Vergleich zum Extreme und Avantgarde Metal ziemlich brav und bieder klang. Anyway… er hatte seine Perlen. Vielleicht nicht als Trendsetter, vielleicht nicht als schicke Profilierungsmucke, aber allemal zum Genuss zu Hause oder aber auch auf diversen Metal-Festivals (zusammen mit den anderen Outsidern). Hier kommen sie: Noch einmal Proto-Prog-Pathetisches von Dream Theater, Düster-Pathetisches von Opeth, Pathetisch-Pathetisches von Symphony X und Ayreon sowie verquast Groovy-Pathetisches vom Liquid Tension Experiment und Pain of Salvation.

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Poetisches für den Sonntag: Edvard Munchs “Der Schrei” als Animated Short

Sebastian Cosor hat einen kleinen, wunderschönen Animated Short zu der Hintergrundgeschichte von Edvard Munchs Der Schrei (1893) gebastelt. Unterlegt mit dem Gesang von Clare Torry aus dem Pink Floyd Song The Great Gig in the Sky (1973) sind zwei Männer zu sehen, die sich über die Angst vor dem Tod unterhalten, während aus dem Hintergrund der berühmte Schrei der Natur auftaucht, halb verzweifelt, halb tanzend den Dialog der beiden begleitet. Zurück geht diese Interpretation auf die Hintergründe der von 1893 bis 1910 gezeichneten, proto-expressionistischen Schrei-Bilder, die im Rahmen der Serie Fries des Lebens entstanden. Unter eine graphische Fassung des Werkes schrieb Munch übrigens in deutsch „Ich fühlte das große Geschrei durch die Natur.“, ein Verweis auf das in seinem Tagebuch festgehaltene Gedicht Schrei von 1892:

Ich ging des Weges entlang, mit zwei Freunden,
die Sonne ging unter,
ich fühlte einen Anflug von Wehmut –
Der Himmel wurde plötzlich blutrot.
Ich hielt an, lehnte mich an den Zaun
– todmatt –
sah über die flammenden Wolken,
wie Blut und Schwert
über den blauschwarzen Fjord und die Stadt –
Meine Freunde gingen weiter – ich stand da,
zitternd vor Angst –
und ich fühlte einen enormen unendlichen Schrei
durch die Natur -

via Kotzendes Einhorn

Die 90er Jahre: Die besten Progressive Metal Alben des Jahrzehnts I

Achja… der Progressive Metal: Die Verbindung von klassischem Prog und Heavy Metal hat sich tatsächlich erst Ende der 80er Jahre etablieren können und anschließend Dank Bands wie Dream Theater die gesamten 90er Jahre mal mehr mal weniger erfolgreich beglückt. Dabei wirkte diese Nische des Metal damals schon merkwürdig antiquiert, nicht zuletzt auch weil die 90er Jahre die Geburtstunde des Extreme und Avantgarde Metal bedeuteten, gegen den der Progressive Metal schon ein wenig traditionell – beinahe konservativ – daherkommt. Aber große Werke hat er nichtsdestotrotz hervorgebracht: Natürlich Klassiker wie Psychotic Waltz, Threshold und wahrscheinlich am prominentesten Dream Theater, aber auch so manche Ausreißer aus anderen Genres, wie Devin Townsend, der mit Biomech dem Industrial Speed Metal den Rücken kehrte, oder aber auch Agalloch, die Gothic Metal mit Folk und Postrock ergänzten und die etwas in Vergessenheit geratenen Voivod, die mit der Fusion von Prog und Post Punk selbst in dieser Nische einen gewissen Sonderstatus innehatten. Auch dieses Mal reichen die Highlights für zwei Artikel, und die erste Fuhre folgt nach dem Klick.

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David Lynch in Four Movements – A Tribute

Zwanzig Minuten pure David Lynch Exegese von Richard Vezina, der bereits mit der großartigen Kubrick-Retrospektive A Stanley Kubrick Odyssey einen herausragenden, cinephilen Supercut produziert hat:

I created this personal tribute to David Lynch’s movies a long time ago and never pubished it before. In order to cover all his films, I recently added scenes from Inland Empire. I wish to share this video with David Lynch’s fans and other cinephiles.

Music : Angelo Badalamenti/David Lynch : Questions In A World Of Blue, The Pink Room, Into The Night, Mysteries of Love
Vocal : Julee Cruise

Films:
Inland Empire, Mulholland Dr., The Straight Story, Lost Highway, Fire Walk with Me, Twin Peaks, Wild at Heart, Blue Velvet, Dune, The Elephant Man, Eraserhead, The Grandmother, The Alphabet, Pretty as a Picture: The Art of David Lynch, Blue Velvet – Mysteries of Love: Documentary

via Dangerous Minds

Happy Birthday Marianne Faithfull

Eine der schönsten, verrauchten und drogengestählerten Stimmen des internationalen Rock- & Pop-Business wird heute 65 Jahre alt. Marianne Faithfull, die in den 60ern vor allem als Geliebte von Mick Jagger und Sängerin von dessen Songs bekannt wurde, wandelte in den 70ern und 80ern im Heroin-Chic (und ging zugleich durch die Heroin-Hölle) und ist auch Dank der Arbeit mit populären Musikern in den 90ern und 00ern (u.a. Pulp, Patrick Wolf und Metallica) bis heute als Musikerin im Gedächtnis geblieben. Nebenbei hat sie sich als Darstellerin einen Namen gemacht, unter anderem im 2007 gefeierten Irina Palm. Ihr neustes Album Horses and High Heels wurde im Januar dieses Jahres veröffentlicht. Happy Birthday und auf weitere musikalische, vokale und darstellerische Großtaten…

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Christmas Content: Das Star Wars Holiday Special

Okay… genau genommen, handelt es sich beim Star Wars Holiday Special (1978) nicht um direkten Weihnachtscontent. Im Mittelpunkt dieses speziell fürs Fernsehen produzierten Krieg der Sterne Spin-Offs steht der obskure Tag des Lebens, ein Feiertag der nur von Wookies zelebriert wird und deren scheinbaren Weihnachtsersatz darstellt. Das Skript zu dieser absurden Zweckentfremdung des Star Wars Kosmos stammt tatsächlich von George Lucas himself, der allerdings damals bereits mit den Dreharbeiten zu Das Imperium schlägt zurück (1980) beschäftigt war und so die Regie und Produktion vertrauensvoll in andere Hände legte. Der Rest ist Geschichte: George Lucas war nicht nur enttäuscht sondern geradezu erschüttert von dem Ergebnis und versucht seitdem – obwohl das Special mit einer Recihweite von 18 Millionen Haushalten ziemlich erfolgreich war – eine Weiterverbreitung des Space/Sitcom/Musical-Flicks zu verhindern. Das Teil hat einen regelrechten Kultstatus entwickelt und wird auf Bootleg-Börsen zu horrenden Summen gehandelt.

Here we go: Über 90 Minuten Fremdscham pur und eine ordentliche Zertrümmerung des Star Wars Mythos, lange bevor es Jar Jaaargh Binks und Darth Vaders “Noooooo!” gab. Nach dem Klick – ebenfalls sehr empfehlenswert – Doug Walkers Review dieser grauenhaften Kuriosität aus der Star Wars Galaxie…

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Musikvideo der Woche: Air – Playground Love

Eine blutjunge Kirsten Dunst in dem wunderschönen und melancholischen Video zu Playground Love, wo Kaugummi eine prominente Nebenrolle spielt.

Air – Playground Love (1998)

Regie: Roman Coppola

Album: The Virgin Suicides (Soundtrack)

Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts V

Rinko hat in insgesamt vier Artikeln ja ganz schön gewütet in der deutschen Musiklandschaft der 90er Jahre. Ein paar kleine Perlen hat er mir aber dennoch übrig gelassen. Und so setze ich erstmal meine Unterschrift unter die meisten von ihm genannten Alben (außer Rammstein) und trage meinen Teil zu den besten deutschen Alben der 90er Jahre bei. Und wenn Rinko sich schon zu den Till Lindemanns bekennt, darf ich hier auch gegen alle möglichen Bedenken der Geschmackspolizei zwei Bands erwähnen, die wohl für viele 80er Jahrgänge lange gleichbedeutend mit “deutschsprachiger Musik” überhaupt waren. Jepp, auch die Mainstream-Punkrocker Die Toten Hosen und Die Ärzte haben in den 90ern verdammt starke Alben aufgenommen, die hier ohne Scham genannt werden dürfen. Daneben gibt es wunderbar e- und u-musikalisches von den Einstürzenden Neubauten, die von Rinko bereits erwähnt wurden sowie zum Krautrock der alten Schule formerly known as Avantgarde. In den 90ern vertreten durch die nicht tot zu kriegenden Faust. Und dann gibt es auch noch Jazzkantine sowie Such a Surge, die – trotz gelegentlicher Kritikerhäme – mit amtlichem Crossover begeistern können und – wie könnte man ihn vergessen – Reinhard Mey, der mit Flaschenpost mit einem nachdenklichen und bescheidenen Statement daherkommt und dabei angenehm reflektiert und unkitschig klingt.

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