Schlagwort-Archiv: 40er

1940 – 1950

Die 80er Jahre: Die besten Kriegsfilme des Jahrzehnts (“Zivile Kriegsfilme”)

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Gute (Anti-)Kriegsfilme müssen nicht zwingend aktive Soldaten im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit haben. Das beweisen gleich alle fünf hier vertretenen Meisterwerke, die man mit Fug und Recht auch als “zivile Kriegsfilme” bezeichnen könnte. Ihre Protagonisten sind einfache Bürger (The Day after), ums Überleben kämpfende Kinder (Reich der Sonne), Radiomoderatoren (Good Morning Vietnam), Reporter (The Killing Fields) und traumatisierte Kriegsheimkehrer (Rambo). In der ein oder anderen Form finden aber alle auf Schlachtfeldern statt, seien es die Postmilitärischen oder die Ungesehenen an der Peripherie. Und ebenso wie die Protagonisten sind in diesem Fall auch die Genres vielfältig: Von der Tragikomödie über das große Melodram, über den Action-Flick bis zum annähernd dokumentarischen Kriegspanoptikum ist alles dabei.

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Musikvideo der Woche: Justin Timberlake feat. Jay-Z – Suit and Tie

An dieser Stelle könnte nun das neue Video von Tyler, The Creator stehen oder viele andere sehr gelungene Musikvideos. Die kleinen Schweinchen von der Gema verhindern das allerdings mal wieder gekonnt und machen sich mal wieder für kulturelle Förderung verdient. Gönnen wir also dem ominösen Überwachungsapparat seinen Erfolg und freuen uns trotzdem über ein schönes Schwarz-Weiß Video von Justin Timberlake, der hier zusammen mit Hip Hop Mogul Jay-Z stylishen 40er Flair aufleben lässt. David Fincher (Zodiac,Sieben,The Social Network) kann übrigens auch nicht-verstörende Musikvideos drehen und war für diese geschmackvollen Aufnahmen verantwortlich.

Justin Timberlake feat. Jay-Z – Suit and Tie

Regie:David Fincher

Album:The 20/20 Experience

Weihnachtsstimmung VII: Olivier Messiaen – Vingt regards sur l’enfant-Jésus

Weihnachtsmusik… spezielle Weihnachtsmusik… Weihnachtsmusik, wie sie sein soll; fernab von jedem “Last Christmas”-Generve, jeder “Jingle Bells”-Niedlichkeit und jedem “Stille Nacht, Heilige Nacht”-Kitsch. Vingt Regards sur l’Enfant Jésus (1944) von Olivier Messiaen gilt laut Wikipedia als eine der wichtigsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts. In seinen 20 Blicken auf das Jesus-Kind spielt der Avangardist mit dem Menschlichen und dem Göttlichen, variiert Themen und Motive und erschafft so ein eindrucksvolles Klangerlebnis auf dem Klavier. Heraus kommt nach den Worten des Komponisten ein “Komplex von Klängen, bestimmt für ständige Variation, als Folge abstrakt präexistent, dabei sehr konkret und leicht an seinen Farben zu erkennen.” Oder, um es kurz zu fassen: Einfach wundervolle, hochkomplexe und dennoch sehr empathische und mitreißende Musik.

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Die 80er Jahre: Die besten Science Fiction Filme des Jahrzehnts V

Zurück in die Zukunft… die Letzte. Waren die Vorgänger-Artikel noch alle ziemlich bunt durchmischt, heterogen in ihrer Filmauswahl, so bewegen wir uns nun auf doch relativ homogenen, familienaffinen Parkett. Die großen Independent- und Arthaus-Geschütze werden in der letzten 80er Jahre Science Fiction Retrospektive nicht mehr aufgefahren. Stattdessen gibt es viel Kuschel- und Wohlfühl-Fiction dem nostalgischen Fantasy-Trip Der Flug des Navigators, spannende genreübergreifende Action/Comedy-Unterhaltung in Zurück in die Zukunft 1 und 2, lässigen anachronistischen Disney-Quark in Tron und visionären Sci-Fi-Optimismus in Star Trek II – Der Zorn des Khan. Die einzig düstere Note setzt die pessimistische, Literaturverfilmung 1984… und mit dieser, nach wie vor brandaktuellen Dystopie landen wir wieder sanft in der Gegenwart und können uns anderen Genres widmen.

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Update or Die! – A History of Horror with Mark Gatiss

Dokumentarische Cineasten-Awesomeness fürs Wochenende: Im großartigen BBC-Dreiteiler A History of Horror (2010) beleuchtet und feiert Hollywood-Darsteller Mark Gatiss die Geschichte des Horrorfilms. So kümmert er sich im ersten Teil Frankenstein goes to Hollywood um die goldene Ära des US-Horrorkinos, widmet sich in Teil 2 Home Counties Horror den britischen Hammer-Films, um dann schließlich im finalen, dritten Teil The American Scream einen Blick auf die New Hollywood Horrorfilme der 60er und 70er Jahre zu werfen. Pflichtfutter für alle Cineasten und Genre-Freunde.

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Update or Die! – The Story of Menstruation (Disney-Aufklärungsfilm von 1946)

Im Jahr 1946 produzierte Disney mit The Story of Menstruation einen Aufklärungsfilm für US-Schulen, der die Herausforderungen junger Mädchen zu Beginn der Pubertät zum Thema hatte. Vordergründig ging es natürlich um die Veränderungen des weiblichen Körpers, im Besonderen um die beginnende Menstruation. Tatsächlich war der Film aber neben dem Marketing für die Damenbinde Kotex von Kimberly-Clark – die den Film mitproduzierten – eine saubere, brave, eben disney-konforme Auseinandersetzung mit der Pubertät: Hygienisch rein, asexuell und skrupellos das patriarchische Gesellschaftsbild der 40er und 50er Jahre kolportierend. Janice Delaney schrieb dazu:

„In der Welt von Disney ist die Regelblutung nicht blutrot, sondern schneeweiß. Die Zeichnungen einer Vagina gleichen eher dem Querschnitt eines Spülbeckens als dem Inneren und Äußeren eines weiblichen Körpers. Es gibt kein Hymen, keine Klitoris und keine Schamlippen; der ganze Fokus liegt auf dem kleinen Nest und seiner potentiellen Schleimhaut. Obwohl Disney und Kimberly-Clark zu Sport während der Periode raten, sind die Sport treibenden Zeichentrickmädchen (die wie Disneys Cinderella aussehen) ohne Füße dargestellt; Fahrräder bewegen sich wundersam die Straße hinunter, ohne von der Fahrerin irgendwie durch Muskel- oder Geisteskraft gelenkt zu werden. Wenig später gibt es ein Happy End mit einer Szene, die eine mit Lippenstift geschminkte Braut zeigt, unmittelbar gefolgt von einer Szene einer mit Lippenstift geschminkten Mutter mit Baby.“

J. Delaney, M. J. Lupton, E. Toth: The Curse. A Cultural History of Menstruation (1988) (via)

Besser kann man es nicht ausdrücken… Und trotzdem ist es auch irgendwie eine Freude, diesen hoffnungslos naiven, schrecklich reaktionären und fast schon realsatirisch braven, antiqierten Aufklärungsfilm von einst zu sehen.

via

TV-Tabus 1949

Ein kleiner Guide aus dem Jahre 1949 darüber, was junge Frauen im Fernsehen tunlichst zu unterlassen haben…

Television may still be as they say, in its infancy – but it’s a remarklaby healthy baby, and the censors are beginning to worry about its morals. Television Taboos (things lush young actresses mustn’t do) are on the increase. For instance, TV gals can’t show too much legs or bust. They can’t be seen in flimsy lace dainties. They can’t wear too tight sweaters. And as for kissing – it must be dignified and cool. If the smooching gets as hot as the picture at right, you’ll find your TV screen blank. The too-torrid lovers will be blacked out!

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Trailerprogramm: 4:44 Last Day on Earth, Brave, Wonder Women, Angry Birds Space, Comic-Con, The Moth Diaries, Bully, People in Motion, Movie

4:44 Last Day on Earth [Abel Ferrara]

Wie schon wieder Weltuntergang? Schon wieder von der ruhigeren, kunstfilmigeren Art? Nicht schlimm: Ich liebe Apokalypsen, ich liebe poetische Weltuntergänge und ich liebe fantastische Geschichten, die sich als Parabel auf universelle menschliche und gesellschaftliche Zusammenhänge eignen. Der Trailer rockt auf jeden Fall schon mal. Und das beste habe ich noch gar nicht gesagt. Der geteaserte 4:44 Last Day on Earth stammt von Abel Ferrara, dem womöglich am meisten unterschätzten Regisseur des 90er Jahre Kinos. Der Abel Ferrara, der für Meisterwerke wie Bad Lieutenant (1992), King of New York (1990) und Das Begräbnis (1996) verantwortlich ist und damit bei unseren besten Filmen der 90er Jahre gleich mehrmals vertreten ist. Okay, der hat zwar in den letzten Jahren weniger mit großartigen Filmen von sich reden gemacht, aber wenn die fertige Apokalypse hält, was dieser herausragende Trailer verspricht, dann ist der Mann wieder voll im Rennen. (via)

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Zum zehnten Todestag von Astrid Lindgren…

Die Brüder Löwenherz > Mio mein Mio > Ronja Räubertochter > Pippi Langstrumpf > Michel > Wir Kinder aus Bullerbü…

…zumindest meiner Meinung nach. Ich denke, ich kann auch ziemlich gut verorten, warum ich das so sehe. Astrid Lindgren war auf jeden Fall eine große Autorin, eine der talentiertesten, empathischsten und poetischsten Kinderbuchautoren des 20. Jahrhunderts und weit darüber hinaus. Die 1907 geborene und 2002 gestorbene Erzählerin hat mit ihren Büchern – und zum großen Teil auch deren Verfilmungen – das gesamte Jahrhundert geprägt. Kaum ein Kind, dass nicht schon mal von Pippi Langstrumpf (1945) und deren Verfilmungen aus den späten 60ern und frühen 70ern gehört hat, kaum ein “Lausbub” der sich nicht Michel aus Lönneberga (seit 1963) zum Vorbild genommen hat, und kaum jemand der nicht mit Wir Kinder aus Bullerbü (1947) wunderbar nostalgische Moment durchlebt, unabhängig davon, ob diese wunderbaren Erzählungen tatsächlich seine eigene Kindheit widergespiegelt haben.

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Poetisches für den Sonntag: Filmküsse

Im Grunde genommen besitzen Filmküsse selten ein poetisches Moment, insbesondere die aus der Hollywood-Ecke. Gerade bei den großen Blockbustern gehören sie sogar mit zum Funktionalsten, was die dramaturgische Technik zu bieten hat. Auch wenn der Hays Code bzw. Production Code 1967 offiziell abgeschafft wurde und Küsse im Film seitdem weitaus expliziter, weniger verschämt und bieder inszeniert werden, steht dieses cineastische Stilmittel auch heute noch in den meisten Filmen primär unter dem Scheffel der Dramaturgie: Es gibt die initiierenden (wenn sich das im Zentrum des Films stehende Paar zum ersten Mal küsst) und die finalisierenden Küsse (wenn dies zum letzten Mal geschieht), mitunter auch die dunklen und dramatischen Küsse (zum Beispiel wenn ein Betrug vollzogen wird)… aber fast nie die, die einen ästhetischen Selbstzweck verfolgen. Einer der wenigen Filmemacher, die sich mit dem Filmkuss außerhalb der cineastischen Normen beschäftigten, war Andy Warhol, der mit Kiss (1963) einen 50minütigen Experimentalfilm inhaltlich vollkommen in den Dienst des oralen Liebesspiels stellte.

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Frohes neues Jahr und Happy Public Domain Day

Heute ist der Public Domain Day und damit werden die Werke von Künstlern, die über 70 Jahre tot sind, öffentliches Gemeingut. Im Falle 2012 betrifft es gleich zwei der mir liebsten modernen Autoren. Sowohl James Joyce als auch Virginia Woolf befinden sich ab sofort in öffentlicher Hand, gerade bei Ersterem mehr als erfreulich, da dessen Enkel wohl einige hässliche Copyright-Geschichten am laufen hatte. Außerdem befreit werden unter anderem der französische Philosoph Henri Bergson (yeah!) sowie Wilhelm II (WTF?). Eine unvollständige Liste neuer zukünftiger Public Domain Autoren findet ihr hier.

Public Domain Day is January 1st of every year. If you live in Europe, January 1st 2012 would be the day when the works of Louis Brandeis, James Joyce, Virginia Woolf, and hundreds of others ranging from James Frazer to El Lissitzky to Rabindranath Tagore emerge into the public domain1 — where they are freely available for anyone to use, republish, translate or transform. You could copy, share, or make a digital library of their articles and books. Your school could create an interactive volume of El Lissitzky’s designs, or publish that cheap educational edition of Woolf’s Mrs Dalloway. You could translate Joyce’s Ulysses into other languages, produce a multimedia annotation for his novel Finnegan’s Wake, or even make a new film based on his collected works. Or you could just send a copy to a friend — without asking permission or violating the law. To quote Justice Brandeis:

“[T]he noblest of human productions — knowledge, truths ascertained, conceptions, and ideas — become, after voluntary communication to others, free as the air to common use.”

Public Domain Day 2012 via Nerdcore

Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts VI

Zwei Rückblicke zu den besten deutschen Alben der 90er habe ich noch in petto. Im vorletzten Teil unserer Retrospektive dominiert wieder die deutschsprachige Musik… aber nicht nur. Ganz ohne Vocals kommen die Doom Jazzer von Bohren & der Club of Gore aus, die bereits vor ihrem Meisterwerk Black Earth die Schönheit der Stille entdecken, während The Notwist für den gewissen angelsächsischen Touch sorgen. Deutschpunk darf natürlich nicht vergessen werden, in diesem Fall vertreten durch Slime, die amtlichen 80er Punk Rock von der Straße zelebrieren, diesen aber mit Metal und Noise gehörig in die Mangel nehmen. Auch die Boxhamsters spielen keineswegs klassischen Deutschpunk und schielen stattdessen lieber Richtung Hamburger Schule und Postrock-Euphorie mit Pop-Attitüde. So etwas wie die Hamburger Vorschule (ähmmm) gibt es dann auch noch, und zwar von der grandiosen, prophetischen Kolossalen Jugend. Und wirklich klassische deutsche Musik hat der Barde Konstantin Wecker im Gepäck, wenn er auf famose Weise Berthold Brecht interpetiert.

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Poetisches für den Sonntag: Pablo Picasso zeichnet ohne Leinwand

Als der Fotograf und Light Painting Künstler Gjon Mili den berühmten modernen Maler Pablo Picasso 1949 in dessen Atelier besuchte, zeigte er ihm, wie sich mit Licht und einer Langzeitbelichtung durch die Kamera, dynamische Fotografien von Zeichnungen in der Luft kreieren lassen. Die bei Picassos Lichtzeichnungen entstandenen Fotos gehören mit zum Schönsten und Poetischsten, was die Light Painting Landschaft zu bieten hat. Beim Retronauten gibt es verschiedene dieser Fotos in Farbe zu bestaunen.

Dass das Arbeiten “ohne Leinwand” für Picasso mehr als nur ein Spiel war, beweisen auch die unteren Ausschnitte des Dokumentarfilms Bezoek aan Picasso (1949) von Paul Haesaerts. Dieser filmte den modernen Künstler beim Auftragen von Farbe auf Glasplatten, so dass es auch hier scheint, als würden die Bilder im Nichts entstehen. Die selbe Idee wurde auch von Henri-Georges Clouzot in dem Film Le mystère Picasso (1956) aufgegriffen. In diesem ist die Entstehung von Kunstwerken zu sehen, die unmittelbar nach der Dokumentation ihrer Schöpfung zerstört wurden und die somit nur auf Film erhalten sind. Zeichnungen ins nichts, ohne ein Medium der klassischen bildenden Künste, einzig und allein für die Kamera… eine wunderbar poetische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Kunst im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit.

Die 90er Jahre: Die besten Filmdramen des Jahrzehnts V

90er Filmdrama die Fünfte… Auch dieses Mal geht es auf eine Reise durch Länder und deren Mentalitäten. Im ersten Teil der Drei Farben Blau sucht Krzysztof Kieślowski in Frankreich nach dem Motiv der Freiheit und findet es in einer ästhetizierten Entwicklungsgeschichte. In Hitlerjunge Salomon sucht Agnieszka Holland nach den Gesichtern der Deutschen im Nationalsozialismus gesehen durch die Augen eines Juden, und in den beiden Independent-Dramen My private Idaho und Good Will Hunting versucht Gus Van Sant, sich den Außenseitern der amerikanischen Gesellschaft anzunähern. Gesellschaftliche Strukturen werden auch in Festen und Wiedersehen in Howards End aufgedeckt, in Rote Laterne führt die Unterdrückung des Ichs direkt in die Katastrophe und in Ein Herz im Winter gibt es trotz aller Fremd- und Selbstgeißelung doch wieder so etwas wie Hoffnung. Große Dramen vom Indie-Kino bis zum Historienepos, nach dem Klick.

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