Schlagwort-Archiv: 30er

1930 – 1940

Zombiefilm-Abriss: The Returned, Ben & Mickey vs. the Dead, Mutants, World War Z, White Zombie

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Genau so schwer wie seine Protagonisten ist das Genre des Zombiefilms totzukriegen. Nach dem großen Revival der 00er Jahre und einer wahren Blütezeit an Remakes/Fortsetzungen/Neuerfindungen ist der Zombiefilm auch im Jahr 2014 quickuntot. Und ich habe das Gefühl, gerade in den ersten beiden Quartalen mehr Film rund um Zombies gesehen zu haben als im gesamten Jahr davor. Also ist es mal wieder an der Zeit einen klar fokussierten Filmabriss zu schreiben, unter den Tags: Zombies, Untote, Infizierte… Neben neuen Vertretern wie den klassischen Fantasyfilmfest-Flicks The Returned und Ben & Mickey vs. the Dead werfe ich einen kurzen Blick auf den schon etwas älteren französischen Horror Nouvelle Vague Mutants aus dem Jahr 2009 und den letztjährigen Hollywoodbeitrag zum Subgenre World War Z. Und da die Zeit gerade da ist, schadet es auch nichts, sich kurz mit dem Klassiker überhaupt auseinanderzusetzen. White Zombie aus dem Jahr 1932, der gemeinhin als der erste Zombiefilm überhaupt gehandelt wird.

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Kleiner philosophischer Exkurs: Edmund Husserl – Cartesianische Meditationen

Ich mache es schon wieder: Ich missbrauche das Blog hier für meine Prüfungsvorbereitungen. Jetzt aber wirklich zum letzten Mal, vorerst… versprochen. In zwei Wochen habe ich meine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung in Philosophie, danach schreibe ich noch meine Magisterarbeit fertig und dann folgt vermutlich erst einmal die große Leere. Naja, das ist vielleicht ein bisschen zu viel Pathos, aber eine gute Überleitung zu meinem ersten Prüfungsthema in Philosophie: Husserls Cartesianische Meditationen (1931), in denen der Godfather der Phänomenologie versucht, die Philosophie ganz allgemein zu einer Wissenschaft aus absoluter Begründung zurückzuführen. Ich werde in diesem Artikel versuchen, Husserls sehr kompakte und zugleich sehr komplexen Gedankengänge nachzuzeichnen, um anschließend – sozusagen als Fingerübung – ein wenig philosophische Kritik an seinem phänomenologischen Weg zu üben. Tatsächlich soll das Ganze dann auch für Leute interessant sein, die so gut wie kein philosophisches Vorwissen mitbringen, denn wenn sich ein Text für den Einstieg in den Fachbereich der Philosophie eignet, dann ist es – vielleicht noch neben Heideggers Was ist Metaphysik (1929) – dann ist es der hier niedergeschriebene Inhalt von Husserls Vorlesungsreihe in Frankreich…

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Aufklärung für Kinder von Walter Benjamin

Der Walter Benjamin war ein Guter, ein wirklich Guter. Dafür, dass sein Aura-Begriff von konservativen Kunst-Metaphysikern vollkommen überintrepretiert wird, kann er jedenfalls nicht, denn über Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (Partnerlink) hinaus hat er sich immer als kritischer Weiterführer aufgeklärter Gedanken im Geiste eines dialektischen Materialismus verstanden, ohne dabei jemals zu ideologisch zu werden. Ganz im Gegenteil: Benjamin gehörte zu den wenigen Anti-Ideologen, den differenzierten Beobachtern und Kritikern moderner Erscheinungen und ist damit auch in unserer heutigen postpostpostmodernen Zeit immer noch unendlich wertvoll. Ebenfalls in der Rolle des kritischen Aufklärers hat er von 1929 – 1932 in der Jugendstunde des Berliner Rundfunks aus seinen Texten gelesen.

Der Journalist Harald Wiese hat diese Texte wiederentdeckt und unterlegt mit eleganter Musik von Ulrich Mückenberger neu eingelesen. Das Ergebnis sind wunderbare philosophische Kleinode für Kinder und Jugendliche, die man aber auch sehr gut jenseits des 18. Lebensjahres genießen kann… Und das beste: Bei ubu gibt es das alles kostenlos als MP3s zum Downloaden und Hören.

Aufklärung für Kinder von Walter Benjamin (MP3s) via Ruhrbarone

Update or Die! – A History of Horror with Mark Gatiss

Dokumentarische Cineasten-Awesomeness fürs Wochenende: Im großartigen BBC-Dreiteiler A History of Horror (2010) beleuchtet und feiert Hollywood-Darsteller Mark Gatiss die Geschichte des Horrorfilms. So kümmert er sich im ersten Teil Frankenstein goes to Hollywood um die goldene Ära des US-Horrorkinos, widmet sich in Teil 2 Home Counties Horror den britischen Hammer-Films, um dann schließlich im finalen, dritten Teil The American Scream einen Blick auf die New Hollywood Horrorfilme der 60er und 70er Jahre zu werfen. Pflichtfutter für alle Cineasten und Genre-Freunde.

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The Book Reader of the Future… of the Past

So haben sich die Zukunftsforscher des Jahres 1935 also unsere heutigen Lesegewohnheiten vorgestellt… Mittels eines Mikrofilms werden die einzelnen Seiten auf einen Bildschirm projiziert, der sich gemütlich mittels Angel auf die Kopfhaltung des Lesers einstellen lässt. Geblättert wird freilich auch mittels Fernbedienung… Also besonders mobil ist das zwar nicht, komfortabel scheint es aber durchaus zu sein.

via Retronaut

Trailerprogramm: 4:44 Last Day on Earth, Brave, Wonder Women, Angry Birds Space, Comic-Con, The Moth Diaries, Bully, People in Motion, Movie

4:44 Last Day on Earth [Abel Ferrara]

Wie schon wieder Weltuntergang? Schon wieder von der ruhigeren, kunstfilmigeren Art? Nicht schlimm: Ich liebe Apokalypsen, ich liebe poetische Weltuntergänge und ich liebe fantastische Geschichten, die sich als Parabel auf universelle menschliche und gesellschaftliche Zusammenhänge eignen. Der Trailer rockt auf jeden Fall schon mal. Und das beste habe ich noch gar nicht gesagt. Der geteaserte 4:44 Last Day on Earth stammt von Abel Ferrara, dem womöglich am meisten unterschätzten Regisseur des 90er Jahre Kinos. Der Abel Ferrara, der für Meisterwerke wie Bad Lieutenant (1992), King of New York (1990) und Das Begräbnis (1996) verantwortlich ist und damit bei unseren besten Filmen der 90er Jahre gleich mehrmals vertreten ist. Okay, der hat zwar in den letzten Jahren weniger mit großartigen Filmen von sich reden gemacht, aber wenn die fertige Apokalypse hält, was dieser herausragende Trailer verspricht, dann ist der Mann wieder voll im Rennen. (via)

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Die 80er Jahre: Die besten Fantasyfilme und Märchen des Jahrzehnts III

Für unsere letzte Fantasy-Retrospektive wagen wir noch einmal den Blick in die Traumfabrik: Mit Spielbergs E.T., Reitmans Ghostbusters und Marshalls Big zeigt Hollywood, wie sich große Mainstream-Fantasy mit gehobener Qualität produzieren lässt. Für das Big Budget Independent-Kino ist aber auch noch genug Platz, und wer könnte dieses in den 80er Jahren besser vertreten als der Meister des Emo Grusels Tim Beetlejuice Burton höchstpersönlich? Der bekommt auch gleich noch Konkurrenz durch die wunderbare, sträflich unterbewertete Klassiker-Fortsetzung Return to Oz. Und wenn es etwas europäischer, arthausiger und anspruchsvoller sein soll… Wim Wenders poetisches Fantasy-Drama Der Himmel über Berlin und das neuseeländische Düster-Epos The Navigator sorgen für die notwendige Abwechslung zum amerikanischen Bombast-Programm. Egal ob Studio-Produkt oder unabhängiges Kunstwerk, sehenswert sind alle hier genannten Filme, auch wenn wir im Anschluss gerne wieder über die ein oder andere Nennung (und Nicht-Nennung) streiten können.

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Poetisches für den Sonntag: Filmküsse

Im Grunde genommen besitzen Filmküsse selten ein poetisches Moment, insbesondere die aus der Hollywood-Ecke. Gerade bei den großen Blockbustern gehören sie sogar mit zum Funktionalsten, was die dramaturgische Technik zu bieten hat. Auch wenn der Hays Code bzw. Production Code 1967 offiziell abgeschafft wurde und Küsse im Film seitdem weitaus expliziter, weniger verschämt und bieder inszeniert werden, steht dieses cineastische Stilmittel auch heute noch in den meisten Filmen primär unter dem Scheffel der Dramaturgie: Es gibt die initiierenden (wenn sich das im Zentrum des Films stehende Paar zum ersten Mal küsst) und die finalisierenden Küsse (wenn dies zum letzten Mal geschieht), mitunter auch die dunklen und dramatischen Küsse (zum Beispiel wenn ein Betrug vollzogen wird)… aber fast nie die, die einen ästhetischen Selbstzweck verfolgen. Einer der wenigen Filmemacher, die sich mit dem Filmkuss außerhalb der cineastischen Normen beschäftigten, war Andy Warhol, der mit Kiss (1963) einen 50minütigen Experimentalfilm inhaltlich vollkommen in den Dienst des oralen Liebesspiels stellte.

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Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts VI

Zwei Rückblicke zu den besten deutschen Alben der 90er habe ich noch in petto. Im vorletzten Teil unserer Retrospektive dominiert wieder die deutschsprachige Musik… aber nicht nur. Ganz ohne Vocals kommen die Doom Jazzer von Bohren & der Club of Gore aus, die bereits vor ihrem Meisterwerk Black Earth die Schönheit der Stille entdecken, während The Notwist für den gewissen angelsächsischen Touch sorgen. Deutschpunk darf natürlich nicht vergessen werden, in diesem Fall vertreten durch Slime, die amtlichen 80er Punk Rock von der Straße zelebrieren, diesen aber mit Metal und Noise gehörig in die Mangel nehmen. Auch die Boxhamsters spielen keineswegs klassischen Deutschpunk und schielen stattdessen lieber Richtung Hamburger Schule und Postrock-Euphorie mit Pop-Attitüde. So etwas wie die Hamburger Vorschule (ähmmm) gibt es dann auch noch, und zwar von der grandiosen, prophetischen Kolossalen Jugend. Und wirklich klassische deutsche Musik hat der Barde Konstantin Wecker im Gepäck, wenn er auf famose Weise Berthold Brecht interpetiert.

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Poetisches für den Sonntag: Mythologische Frauenfotografien von Madame Yevonde

Wunderschöne, betörende und bezaubernde, mitunter aber auch ironisch überspitzte Bilder der Fotografin Yevonde Cumbers Middleton alias Madame Yevonde (*1893; † 1975). Diese fotografierte in den 30er Jahren Frauen der gehobenen Gesellschaft in der Verkleidung griechischer und römischer Gottheiten. Nicht nur der Blick für Eleganz und Schönheit sondern auch das Spiel mit den Möglichkeiten der frühen Farbfotografie zeichnen die dabei entstandenen Bilder aus. Ein echtes fotografisch-poetisches Schmankerl, das trotz seines gehobenen Alters nichts an Faszination eingebüßt hat.

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Keaton Musice Typewriter: Wunderschöne Notenschreibmaschine aus den 50ern

Der Music Typewriter von Keaton ist ein großartige – ungemein ästhetische – Schreibmaschine, die extra für das Erstellen von Notenblättern entwickelt wurde. 1936 wurde sie zum ersten Mal als Patent angemeldet (damals noch mit nur 14 Tasten) und über das gesamte 20. Jahrhundert hinweg weiter entwickelt. So gab es 1953 ein weiteres Patent mit 33 Tasten, das in den 50ern auch in Produktion ging und für 225$ das Stück verkauft wurde. Richtig durchsetzen konnte sich die Maschine für Komponisten und Musiklehrende allerdings nicht. Nach CBS existieren gerade mal ein Dutzend der wunderschönen Musicwriter, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass Komponisten des 20. Jahrhunderts es bevorzugten die Notifikation traditionell handschriftlich vorzunehmen. Weitere Bilder gibt es nach dem Klick, weitere Informationen in der ETCetera (PDF-Dokument)

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Die 90er Jahre: Die besten Dokumentarfilme des Jahrzehnts I

Wie schon in der 00er-Filmretrospektive können wir uns, nachdem wir den fiktionalen Stoff hinter uns gebracht haben, der Realität widmen. Es gab einige großartige Dokumentarfilme in den 90er Jahren, aber ich befürchte auch hier habe ich Nachholbedarf. Die zwölf Filme, die jetzt – und im anschließenden zweiten Teil – folgen sind es aber allesamt wert gesehen zu werden. Es geht hinab in die Tiefen und Untiefen der deutschen Filmgeschichte, festgehalten in einem künstlerischen und menschlichen Porträt Leni Riefenstahls, weit hinein in die Befindlichkeiten Amerikas: Legendäre Boxkämpfe beim Rumble in the Jungle, legendäre Comickunst und Exzentrik von Robert Crumb, legendäre Filmgeschichte bei Francis Ford Coppolas Reise in die Hearts of the Darkness… und daneben gibt es auch noch einen Blick auf die kleinen großen Momente, die Glocken aus der Tiefe des russischen Glaubens und Aberglaubens und die Amerikanischen Träume, die an der harten, kapitalistischen Realität scheitern.

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Links fürs Wochenende

Terroranschläge und Doppelstandards in alle Richtungen

Bester Artikel zur (medialen) Reaktion auf den Terroranschlag in Norwegen (oder war es jetzt doch ein Attentat? Hängt das von der Identität des Täters ab). Ali von zoon politicon zeigt den Hysterikern, Gehässigen und Bigotten, wie eine differenzierte Analyse der Geschehnisse (und deren Rezeption) auszusehen hat.

Kunst aus der Webcam

Interview mit dem Fotografen Jens Sundheim, der als Traveller rund um den Globus reist und sich von verschiedensten Live-Webcams fotografieren lässt.

30 Jahre MS-DOS

Heise erinnert an das wunderbare, minimalistische Betriebssystem, das weder grafisches Interface noch Multitasking-Optionen benötigte, um seine Benutzer zu verzaubern.

Pseudonymintoleranz

Interessanter Kommentar der Ennomane – als Betroffene – zu der Pseudonym vs. Klarnamen Debatte auf Google+. Sowohl im Bezug auf das Spiel mit Identitäten und Neukonzeptionierungen der eigenen Persönlichkeit im Netz als auch auf Redefreiheit und das Recht anonym zu sein.

Captain America and His Non-Struggles Against the Holocaust and Racism

(…) Most of this is due to its setting in World War II and that it’s an origin story focused on the creation of a hero. But even with those two factors as a given, the movie takes great care to steer clear of anything even remotely controversial. Even the gravitas of Nazi evil is mostly pushed aside by the fictional HYDRA, a rogue Nazi science unit that breaks off from the Third Reich and even targets it as one of its enemies. Rogers recruits African- and Asian-American members for his team, but the racial prejudices that both men would have surely endured are never mentioned in the movie. (…)

Letztes Jahr auf Seite360:

Endlich mal wieder Kanonisierungs-Futter für die 00er-Filmnerds: Dieses Mal sind die besten Science Fiction Filme sowie die besten Zeichentrickfilme des Jahrzehnts an der Reihe. Außerdem gibt es noch eine schnieke Rezension zu Church with no magic von PVT und einen Lobgesang auf Christopher Nolans Inception. Das Wetter ist besser als 2011 (was nicht besonders schwierig ist) und so hängen wir weiter im Sommerloch und am Strand, den angesagten Cafés und den düsteren Clubs rum.

Harry Potter, Hitler und Appeasement: Der Zauberlehrling und das britische Trauma

Nicht mehr lange… Bald ist es so weit. Wenn Mitte Juli mit Harry Potter and the Deathly Hollows 2 der endgültig letzte Film über Hogwarts, Harry Potter und Lord Voldemort in den Kinos anläuft, wird damit eine Fantasyserie beendet, die Leser und Kinogänger in den letzten zehn Jahren permanent in Atem hielt. Die Erlebnisse des Schülers, Zauberlehrlings und Auserwählten sind bereits jetzt schon so etwas wie Literaturgeschichte, haben eine riesige Fankultur um sich versammelt, Autorin J.K. Rowling reich gemacht und zahllose Untersuchungen des Phänomens provoziert. Die Mythologie, die Religion, die klassischen Fantasy-Bezüge… Dabei lässt sich Harry Potter problemlos (und mit viel Spaß) ganz konkret beinahe zeitgenössisch lesen: Nämlich als Verarbeitung eines großen britischen Traumas der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Vom europäischen Schicksalsjahr 1914 über die Deutschlandpolitik der 30er Jahre, den Zweiten Weltkrieg bis hin zu 1945 und dem Schlussstrich unter die Verwirrungen der europäischen “Moderne”. Harry Potter und Lord Voldemort, Großbritannien und Adolf Hitler, Appeasement und Krieg… Parallelen und Analogien: Spoiler ahead!

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