Und dann war da noch der erste dokumentierte Gruppen-Selfie in der Geschichte der Menschheit…

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…Aufgenommen auf einem New Yorker Dach im Jahre 1920. Zu sehen sind fünf Männer, die sich selbst fotografieren, gehalten wird die Kamera von Joseph Byron auf der linken und Ben Falk auf der rechten Seite. Selfies waren damals offensichtlich kein One-Man- und auch kein One-Hand-Job, sondern erforderten Geduld und – nicht zu unterschätzen – Muskelkraft, wie auf dem am selben Tag entstandenen “Behind-the-Selfie”-Foto zu erkennen ist. Beide Bilder gehören zur Kollektion des Museum of the City of New York, und es dürfte sich dabei zumindest um den ersten dokumentierten Gruppenselfie handeln, der zugleich in Verbindung mit seiner Aufzeichnung des Aufzeichnungsprozesses  ein famoses Dokument der schon früh vorhandenen Selbstreflexion der fotografischen Zunft ist. (via)

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Um den ersten tatsächlichen Selfie handelt es sich dabei allerdings nicht. Die Ehre, für diesen verantwortlich zu sein, gebührt dem Fotografen Robert Cornelius und seinem Selbstporträt aus dem Jahr 1839. Eine ganze Minute musste der Künstler still sitzen, um sich auf dem Lichtfilm und in der Geschichte der narzisstischen Fotografie zu verewigen (via).

via Gothamist

Kleiner philosophischer Exkurs: Edmund Husserl – Cartesianische Meditationen

Ich mache es schon wieder: Ich missbrauche das Blog hier für meine Prüfungsvorbereitungen. Jetzt aber wirklich zum letzten Mal, vorerst… versprochen. In zwei Wochen habe ich meine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung in Philosophie, danach schreibe ich noch meine Magisterarbeit fertig und dann folgt vermutlich erst einmal die große Leere. Naja, das ist vielleicht ein bisschen zu viel Pathos, aber eine gute Überleitung zu meinem ersten Prüfungsthema in Philosophie: Husserls Cartesianische Meditationen (1931), in denen der Godfather der Phänomenologie versucht, die Philosophie ganz allgemein zu einer Wissenschaft aus absoluter Begründung zurückzuführen. Ich werde in diesem Artikel versuchen, Husserls sehr kompakte und zugleich sehr komplexen Gedankengänge nachzuzeichnen, um anschließend – sozusagen als Fingerübung – ein wenig philosophische Kritik an seinem phänomenologischen Weg zu üben. Tatsächlich soll das Ganze dann auch für Leute interessant sein, die so gut wie kein philosophisches Vorwissen mitbringen, denn wenn sich ein Text für den Einstieg in den Fachbereich der Philosophie eignet, dann ist es – vielleicht noch neben Heideggers Was ist Metaphysik (1929) – dann ist es der hier niedergeschriebene Inhalt von Husserls Vorlesungsreihe in Frankreich…

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The most expensive shot in silent film history

Ladies and Gentlemen, sie sehen eine gif’d Szene aus Buster Keatons Der General (1926). Dieser ist nicht nur einer der teuersten Filme der Stummfilmära, sondern besitzt darüber hinaus mit diesen paar Sekunden eine der teuersten Szenen der Filmgeschichte überhaupt: Es handelt sich nämlich bei der in die Tiefe stürzenden Lokomotive keineswegs um ein Modell, sondern um eine echte Dampflok. Zudem wurde eigens für die Inszenierung des Unfalls eine 70 Fuß lange Eisenbahnbrücke konstruiert, nur um im besagten Moment wieder gesprengt zu werden. Selbstredend, dass die gesamte Szene nur ein einziges Mal gedreht werden konnte.

Über 3000 Schaulustige waren beim Dreh dabei, um zuzuschauen, wie rund $ 42.000 – das entspricht heute ungefähr $ 575.000 – für eine einzige kurze Szene, die vermutlich teuerste der Stummfilmgeschichte, im wahrsten Sinne des Wortes verpulvert wurden. Ausgezahlt hat sich diese Gigantomanie übrigens nicht: Der Film fiel bei Kritik und Publikum durch, um erst Jahre später wieder ausgegraben und schließlich – verdientermaßen – als epochale Stummfilmkomödie gefeiert zu werden.

Weitere Infos zum Film (wiki) via FF-Tumblr

Aufklärung für Kinder von Walter Benjamin

Der Walter Benjamin war ein Guter, ein wirklich Guter. Dafür, dass sein Aura-Begriff von konservativen Kunst-Metaphysikern vollkommen überintrepretiert wird, kann er jedenfalls nicht, denn über Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (Partnerlink) hinaus hat er sich immer als kritischer Weiterführer aufgeklärter Gedanken im Geiste eines dialektischen Materialismus verstanden, ohne dabei jemals zu ideologisch zu werden. Ganz im Gegenteil: Benjamin gehörte zu den wenigen Anti-Ideologen, den differenzierten Beobachtern und Kritikern moderner Erscheinungen und ist damit auch in unserer heutigen postpostpostmodernen Zeit immer noch unendlich wertvoll. Ebenfalls in der Rolle des kritischen Aufklärers hat er von 1929 – 1932 in der Jugendstunde des Berliner Rundfunks aus seinen Texten gelesen.

Der Journalist Harald Wiese hat diese Texte wiederentdeckt und unterlegt mit eleganter Musik von Ulrich Mückenberger neu eingelesen. Das Ergebnis sind wunderbare philosophische Kleinode für Kinder und Jugendliche, die man aber auch sehr gut jenseits des 18. Lebensjahres genießen kann… Und das beste: Bei ubu gibt es das alles kostenlos als MP3s zum Downloaden und Hören.

Aufklärung für Kinder von Walter Benjamin (MP3s) via Ruhrbarone

Update or Die! – Ein Stummfilm erklärt Albert Einsteins Relativitätstheorie

Ein fasznierender Infotainment-Prototyp aus dem Jahr 1923:  Nachdem der deutsche Regisseur Hanns-Walter Kornblum einen eher zwiespältig rezipierten Film über Albert Einsteins Relativitätstheorie gedreht hatte, nahmen sich die Fleischer-Studios des Themas an und inszenierten mit The Einstein Theory of Relativity (1923) einen zwanzigminütigen Erklärbär-Film, der trotz seines “eingeschränkten” Stummfilm-Formats und der eher putzigen Animationen schon verdammt viele Elemente der auch heute noch sehr populären Infotainment-Nische aufweist. Weitere Informationen zu dieser äußerst charmanten Dokumentation findet ihr drüben bei Astrodicticum simplex.

via Clockworker

Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts VI

Zwei Rückblicke zu den besten deutschen Alben der 90er habe ich noch in petto. Im vorletzten Teil unserer Retrospektive dominiert wieder die deutschsprachige Musik… aber nicht nur. Ganz ohne Vocals kommen die Doom Jazzer von Bohren & der Club of Gore aus, die bereits vor ihrem Meisterwerk Black Earth die Schönheit der Stille entdecken, während The Notwist für den gewissen angelsächsischen Touch sorgen. Deutschpunk darf natürlich nicht vergessen werden, in diesem Fall vertreten durch Slime, die amtlichen 80er Punk Rock von der Straße zelebrieren, diesen aber mit Metal und Noise gehörig in die Mangel nehmen. Auch die Boxhamsters spielen keineswegs klassischen Deutschpunk und schielen stattdessen lieber Richtung Hamburger Schule und Postrock-Euphorie mit Pop-Attitüde. So etwas wie die Hamburger Vorschule (ähmmm) gibt es dann auch noch, und zwar von der grandiosen, prophetischen Kolossalen Jugend. Und wirklich klassische deutsche Musik hat der Barde Konstantin Wecker im Gepäck, wenn er auf famose Weise Berthold Brecht interpetiert.

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Halloween-Content: Schon ne Idee für das abendliche/nächtliche Filmprogramm?

…Wenn nicht, empfehle ich einen Besuch in der Videothek eures Vertrauens und verweise dabei schnell auf die Seite360-Empfehlungen der Besten Horrorfilme der 00er Jahre, sowie der besten Horrorfilme der 90er Jahre (Teil1, Teil2). Was natürlich auch immer geht, sind klassiche oder aktuelle Zombiefilme, und zur Not können auch mehr oder weniger gute Slasher für den notwendigen Thrill sorgen.

Einer der besten Horrorfilme aller Zeiten ist übrigens nach wie vor Das Cabinet des Dr. Caligari (1920), der trotz seines gehobenen Alters und obwohl er “nur” ein Stummfilm ist, auch heute noch Gänsehaut erzeugen kann. Den gibt es erfreulicherweise auch in ganzer Länge auf youtube zu sehen.

Filmrollen zu Alfred Hitchcocks frühestem erhaltenen Film “The white Shadow” gefunden…

Neuseeland* – Rechtzeitig zum 112. Geburtstag von Alfred Hitchcock haben Filmarchivisten drei Rollen mit einem der ersten Filme des Meister der Suspense gefunden. Darauf enthalten sind Aufnahmen des Films The White Shadow (1924), an dem Alfred Hitchcock als Drehbuchautor, Regieassistent und Cutter maßgeblich mitarbeitete. Wie der Hollywood Reporter berichtet handelt es sich bei dem potentiell ersten erhaltenen Hitchcock-Werk um ein britisches Melodram, in dessem Zentrum der Konflikt zweier Frauen steht. Beide werden gespielt von Betty Compson, die sowohl die “gute” als auch die “böse” Schwester verkörpert.

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Die 90er Jahre: Die besten Tragikomödien des Jahrzehnts III

Ja… wir haben noch ein paar Tragikomödien, die das cineastische Jahrzehnt der 90er entscheidend mitgeprägt haben und auch heute noch unbedingt sehenswert sind. Wie schon die letzten Male aufgefallen sein dürfte, ist in diesem Genre vieles möglich: mal kippt es fast komplett zur Tragödie um, mal obsiegt das Lachen eindeutig, mal hält es die Waage und ein anderes Mal flirtet es mit surrealen, grotesken Momenten. So jedenfalls in der australischen Farce Bad Boy Bubby und Woody Allens sarkastischem Biopic Harry außer sich. Friedvoller, traditioneller geht es dagegen in den humanistischen Tragikomödien Grüne Tomaten und EDtv zu, auch wenn diese beiden ebenso eine ordentlich gesellschaftskritische Komponente besitzen. Diese spielt ohnehin in fast allen Filmen dieses Artikels eine Rolle. Egal ob als sarkastische Vorstadtsatire wie in Happiness oder als schillernde Auseinandersetzung mit Transgender-Topoi wie bei Priscilla – Königin der Wüste. Die besten Tragikomödien sind eben auch oft politisch oder zumindest gesellschaftskritisch motiviert, jedoch ohne, dass sie von ihren Themen inhaltlich erschlagen werden…

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Die ersten Jahre des Films – Teil 2: Die ersten inszenierten Geschichten

Nachdem wir nun die ersten – eher von der Faszination der technischen Machbarkeit dominierten – Jahre hinter uns haben, stellt sich die Frage:
“… und warum noch gleich lohnte sich der Blick in die ersten Jahre des Films?”
Die Filme selbst sind meist nicht besonders spannend, die Komik ist platt, die technischen Aspekte kaum mehr faszinierend. Und die ersten künstlerisch anspruchsvollen Filme wurden erst in den nächsten Jahren gedreht. Das wirklich Spannende daran, ist die Entwicklung drum herum. Die Etablierung der verschiedenen Filmdepartments, und vor allem die gesellschaftlichen Aspekte.

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Die 90er Jahre: Die besten Tragikomödien des Jahrzehnts I

So, sechs Komödienretrospektiven haben wir hinter uns gebracht (Parodien, Grotesken, Slacker, bitte, bitte, bitte…). Wenden wir uns nun der gekonnten Mischung aus Tragik und Komik zu. Wie schon bei den Komödien aufgefallen, ist es gar nicht so leicht das Genre der Tragikomödie einzugrenzen. Gelungene Komödien bieten immer auch tragische Momente, große Dramen haben auch oft genug ihre komischen Seiten. Und was sich dann genau dazwischen abspielt, ist eben oft auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und Empfindens. Egal, diese Filme bieten – jeder für sich – genug fürs Herz, für die Sinne, zum Schmunzeln, manchmal auch zum Lachen und selbstverständlich zum Weinen. Komisch schön, tragisch schön, einfach nur schön… die besten des Jahrzehnts. Mit einem Lächeln und einer Träne Teil 1…

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Die 90er Jahre: Die besten Komödien des Jahrzehnts VI

Auf ein Letztes… Einmal noch treten die Komödien zum Stelldichein an. Danach können wir uns wieder anderen Genres widmen. Aber zuvor wird es noch einmal lustig: Mit einer deftigen Modesatire von Robert Altman, einer albernen James Bond Parodie mit Mr. Cool himself Bill Murray, gediegener und intelligenter Woody Allen Unterhaltung im Doppelpack, pechschwarzem Humor von der Insel und einer gewagten Comedyhommage unserer Dauergäste, den Coen-Brothers.

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