Die 80er Jahre: Die besten Kriegsfilme des Jahrzehnts (“Zivile Kriegsfilme”)

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Gute (Anti-)Kriegsfilme müssen nicht zwingend aktive Soldaten im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit haben. Das beweisen gleich alle fünf hier vertretenen Meisterwerke, die man mit Fug und Recht auch als “zivile Kriegsfilme” bezeichnen könnte. Ihre Protagonisten sind einfache Bürger (The Day after), ums Überleben kämpfende Kinder (Reich der Sonne), Radiomoderatoren (Good Morning Vietnam), Reporter (The Killing Fields) und traumatisierte Kriegsheimkehrer (Rambo). In der ein oder anderen Form finden aber alle auf Schlachtfeldern statt, seien es die Postmilitärischen oder die Ungesehenen an der Peripherie. Und ebenso wie die Protagonisten sind in diesem Fall auch die Genres vielfältig: Von der Tragikomödie über das große Melodram, über den Action-Flick bis zum annähernd dokumentarischen Kriegspanoptikum ist alles dabei.

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Poetisches für den Sonntag: Hyperrealistische Gemälde von István Sándorfi

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István Sándorfi, geboren 1948, gestorben 2007, war ein ungarischer Maler, der oft und gerne zu den Hyperrealisten gezählt hat, eine Kategorisierung, die – wie viele seiner Bilder zeigen – seinem spannenden Œuvre gerade mal im Ansatz gerecht wird. So nutzt Sándorfi die Möglichkeiten seines fotorealistischen Zeichenstils nicht bloß, um Realität übersteigert materialistisch abzubilden, sondern wagt immer wieder atemberaubende Schwenks in den Surrealismus, die Abstraktion, Dekonstruktion oder gar Düsterromantik. Und so oszillieren viele seiner Bilder gekonnt zwischen einem nahezu erdrückenden Realismus, traumwandlerischer Transzendenz und selbstreferenzieller Thematisierung des eigenen Schöpfungsprozesses: Mehr von ihm findet ihr unter anderem hier.

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via artfucksme

“Please applaud with Hands only” – Hinweistafeln aus den Kindertagen des Kinos

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Wenn man heutzutage ins Kino geht, kommt man vor Beginn des Films neben der Werbung und dem Trailerprogramm zumindest an zwei dezenten Hinweistafeln nicht vorbei: Zu einem wäre das “Handys aus!”, mittlerweile in teilweise rührenden, teilweise überraschend cleveren Kurzfilmen unter das Zuschauervolk gebracht. Und zum zweiten der obligatorische – im Ton meistens um einiges rauere – Imperativ “Denk nicht einmal im Traum daran, das Folgende mitzufilmen!”

In der Frühzeit des Kinos gab es weder Handys noch Kompaktkameras, mit denen man cineastisches Raubrittertum hätte begehen können. Dafür gab es allerdings übergroße, für den Kinobesuch offensichtlich nur bedingt geeignete Damenhüte, Fußgetrampel, das den Kinosaal zum Einsturz bringen konnte und zahllose Regenschirme, die in den Lichtspielhäusern vergessen wurden. Davon zeugen jedenfalls diese Kino-Tafeln aus dem frühen 20. Jahrhundert. Weitaus weniger penetrant als jedes “Langnese gibt es auch hier im Kino”, und ein freundliches “Good Night” deutet auch darauf hin, dass die Kinobetreiber anno dazumal weitaus freundlicher zu ihrem Publikum waren.

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The Great Martian War – Der Erste Weltkrieg als Krieg der Welten

Großartiges Viral vom History Channel zu “The Great Martian War”, eine Art History/SciFi-Mashup Mockumentary, in der die Alliierten im ersten Weltkrieg monströsen Alien-Tripods gegenübertreten.

On its 100th anniversary, The Great Martian War tells the story of the catastrophic events and unimaginable horrors of 1913-17, when Humankind was pitted against a savage Alien invasion.

With powerful and detailed First World War parallels, The Great Martian War fuses sci-fi fantasy with specialist factual history to explore the real-world tragedies and unique horror of World War One.

via Interweb

Und dann war da noch der erste dokumentierte Gruppen-Selfie in der Geschichte der Menschheit…

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…Aufgenommen auf einem New Yorker Dach im Jahre 1920. Zu sehen sind fünf Männer, die sich selbst fotografieren, gehalten wird die Kamera von Joseph Byron auf der linken und Ben Falk auf der rechten Seite. Selfies waren damals offensichtlich kein One-Man- und auch kein One-Hand-Job, sondern erforderten Geduld und – nicht zu unterschätzen – Muskelkraft, wie auf dem am selben Tag entstandenen “Behind-the-Selfie”-Foto zu erkennen ist. Beide Bilder gehören zur Kollektion des Museum of the City of New York, und es dürfte sich dabei zumindest um den ersten dokumentierten Gruppenselfie handeln, der zugleich in Verbindung mit seiner Aufzeichnung des Aufzeichnungsprozesses  ein famoses Dokument der schon früh vorhandenen Selbstreflexion der fotografischen Zunft ist. (via)

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Um den ersten tatsächlichen Selfie handelt es sich dabei allerdings nicht. Die Ehre, für diesen verantwortlich zu sein, gebührt dem Fotografen Robert Cornelius und seinem Selbstporträt aus dem Jahr 1839. Eine ganze Minute musste der Künstler still sitzen, um sich auf dem Lichtfilm und in der Geschichte der narzisstischen Fotografie zu verewigen (via).

via Gothamist

Aus den Schützengräben… Ein WWI-Magazin von britischen Soldaten (1916)

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Bei der Public Domain Review findet sich derzeit ein Magazin über den Ersten Weltkrieg aus dem Jahr 1916, vollgepackt mit Texten und Illustrationen von britischen Soldaten. Die in relativ geringen Dosen vorhandene Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gräuel des Krieges (stattdessen gibt es eher lexikalische Einträge und einige sogar recht vergnügte Zeichnungen) lässt darauf schließen, dass bei der Publikation der eklektischen Sammelschrift das ein oder andere Mal die Schere beteiligt war, um diese nicht zum Motivationskiller im noch andauernden Krieg werden zu lassen. Dennoch und gerade deswegen ein beeindruckendes Dokument über die Auseinandersetzung des “kleinen Mannes” mit dem Leben an der Front.

Made in the Trenches: a WW1 Magazine Created by Soldiers (1916)

Die Evolution des Greenscreens

Wieder einmal ein hervorragender Beitrag von Filmmaker IQ, die erneut unter Beweis stellen, dass sie Infotainment einfach draufhaben. Im Gegensatz zu ähnlichen Webvideo-Formaten begrenzt sich ihre Geschichte des Greenscreens auch nicht auf einen fünf Minuten Schnipsel, sondern wird in – dem Thema vollkommen angemessenen – gut gefüllten, informativen 17 Minuten erzählt. Ein sehenswerter Ritt durch die FX- und Filmgeschichte mit schöner Schlusspointe. Sehenswert!

Go inside the history of the travelling mattes (now called chromakey) and learn the history of visual trickery used by filmmakers from the earliest filmmakers through to the modern day.


via filmszene

James Joyce liest Ulysses

Bookmark für später…  Die Buchhändlerin und Verlegerin Sylvia Beach verfrachtete 1924 James Joyce in ein Tonstudio, wo er eine Passage aus seinem Mammutwerk Ulysses vorlesen durfte. In ihren Memoiren schrieb sie dazu:

Joyce had chosen the speech in the Aeolus episode, the only passage that could be lifted out of Ulysses, he said, and the only one that was ‘declamatory’ and therefore suitable for recital. He had made up his mind, he told me, that this would be his only reading from Ulysses.

I have an idea that it was not for declamatory reasons alone that he chose this passage from Aeolus. I believe that it expressed something he wanted said and preserved in his own voice. As it rings out–’he lifted his voice above it boldly’–it is more, one feels, than mere oratory.

Ich mag Ulysses übrigens tatsächlich… wirklich… Natürlich ist das auch so ein Poser-Buch, das sich selbstverliebte Bildungsbürger ins Regal stellen. Zusätzlich ist es aber neben Manns Doktor Faustus und der Illuminatus-Trilogie einfach mal der beste Roman, der im 20. Jahrhundert geschrieben wurde.


via Kotzendes Einhorn und Open Culture

Musikvideo der Woche: Animal Collective – Applesauce

Ui, den habe ich wegen meiner Auszeit übersehen. Gaspar Noé war für diesen Clip verantwortlich und hat sich von dem 68-Kurzfilm ” “N:O:T:H:I:N:G” inspirieren lassen.

Animal Collective –  Applesauce (2013)


Regie: Gaspar Noé
Album: Centipede Hz

Mach’s gut Reinhard Lakomy…

Als Bundesrepublikaner habe ich Reinhard Lakomy als Kind leider (!) nie kennen gelernt. Und dieses Ausrufezeichen hinter dem “leider” darf an der Stelle ruhig multipliziert werden. Denn seitdem ich Dank DDR-sozialisierter Freunde – und deren Kinder – mit den Geschichten und Liedern Lakomys, insbesondere dem Traumzauberbaum, in Kontakt gekommen bin, werde ich das Gefühl nicht los, da als Kind einiges an Zauber und Schönheit verpasst zu haben. Der großartige Liedermacher und Geschichtenerzähler ist jetzt im Alter von 67 Jahren verstorben. Und ob man etwas aus Kindertagen vermissen kann, was man in Kindertagen nie gekannt hat, ist eine Frage, die ich Dank ihm eindeutig mit ‘Ja!’ beantworten kann. Mach’s gut Reinhard, du wirst fehlen.

Der Traumzauberbaum komplett (geogefickt, und daher leider nur  für alle die mit Proxy unterwegs sind)

Kleiner philosophischer Exkurs: Edmund Husserl – Cartesianische Meditationen

Ich mache es schon wieder: Ich missbrauche das Blog hier für meine Prüfungsvorbereitungen. Jetzt aber wirklich zum letzten Mal, vorerst… versprochen. In zwei Wochen habe ich meine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung in Philosophie, danach schreibe ich noch meine Magisterarbeit fertig und dann folgt vermutlich erst einmal die große Leere. Naja, das ist vielleicht ein bisschen zu viel Pathos, aber eine gute Überleitung zu meinem ersten Prüfungsthema in Philosophie: Husserls Cartesianische Meditationen (1931), in denen der Godfather der Phänomenologie versucht, die Philosophie ganz allgemein zu einer Wissenschaft aus absoluter Begründung zurückzuführen. Ich werde in diesem Artikel versuchen, Husserls sehr kompakte und zugleich sehr komplexen Gedankengänge nachzuzeichnen, um anschließend – sozusagen als Fingerübung – ein wenig philosophische Kritik an seinem phänomenologischen Weg zu üben. Tatsächlich soll das Ganze dann auch für Leute interessant sein, die so gut wie kein philosophisches Vorwissen mitbringen, denn wenn sich ein Text für den Einstieg in den Fachbereich der Philosophie eignet, dann ist es – vielleicht noch neben Heideggers Was ist Metaphysik (1929) – dann ist es der hier niedergeschriebene Inhalt von Husserls Vorlesungsreihe in Frankreich…

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All Your History: Nintendo

Genau, das war’s. All your history are belong to us mit der wahrlich epischen Geschichte Nintendos: Von den Anfängen bis heute, von den früheren Arcade-Hits bis zur Wii U. Sieben Folgen à zehn Minuten… Ich habe das jetzt schon seit ner ganzen Woche im Browser geöffnet und immer noch nicht komplett gesehen (obwohl das bis jetzt gesehene wirklich fantastisch ist). In diesem Sinne: Für mich als erweitertes Lesezeichen, für euch als dicke Empfehlung: The History of Nintendo in knapp über einer Stunde. Sollte wohl jeder gesehen haben, der sich in der Videospielgeschichte zurechtfinden will…

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Fallen Astronaut: Denkmal für gefallene Raumfahrer auf dem Mond

Als Gedenken an alle Astronauten und Kosmonauten, die ihr Leben bei der Erkundung des Weltraums gaben, entwarf der Künstler Paul Van Hoeydonck zu Beginn der 70er Jahre eine 8,5 cm große Aluminiumsskulptur, die einen “gefallenen” Weltraumreisenden darstellt. Die kleine Statuette, die laut Wikipedia sowohl gender- als auch rassenneutral gestaltet ist, gehörte mit zum Bordinventar der Apollo 15 Mission von 1971 und wurde von dieser zusammen mit einer Metallplatte, auf der die Namen der Gedachten verewigt sind, auf dem Mond zurückgelassen. Damit ist diese kleine Figur das bis dato einzige menschliche Kunstwerk auf dem Mond und darüber hinaus das einzige Kunstwerk, das speziell für die Repräsentation der Menschheit im Universum angefertigt wurde.

Spannend ist dabei nicht zuletzt, dass sich dies natürlich auch auf Materialität und Symbolik des Werkes auswirkt. Gerade letztere war vom Künstler sogar weiter intendiert als bei der späteren, tatsächlichen Verwendung. Van Hoeydonck glaubte ein Symbol für die Menschheit im Allgemeinen zu entwerfen und nicht bloß eine “Grabesfigur” für die gestorbenen Raumfahrer. Von der “eingeschränkten” Verwendung erfuhr er erst später. Aber auch ohne diese universelle Intention funktioniert die kleine Figur perfekt als schlichte, zurückhaltende und universelle Referenz auf die großen, menschlichen Ambitionen (und im Subtext auch auf das damit verbundene Scheitern). Nur Schade, dass die Statue schließlich auch ihre Einzigartigkeit eingebüßt hat: Auf Wunsch des National Air and Space Museum stellte Van Hoeydonck 1972 ein Replik der Figur her, die heutzutage dort besichtigt werden kann. Walter Benjamin bemühend, erreicht dieses freilich niemals die Aura des Originals, dessen Platz auf dem Mond als Paratext/Kontext integrativer Bestandteil des kleinen Kunstwerks ist.

via pewpewpew

Für das bedingungslose cineastische Grundeinkommen

Gigantische Sammlung verschiedenster, kostenlos online verfügbarer, Filme bei Open Culture. Bei den grob nach Genres sortierten über 500 Filmen findet man unter anderem unentbehrliche Klassiker wie Tarkowskis Stalker (1979), Hiroshima, mon amour (1959) von Alain Resnais, Monty Python’s And Now For Something Completely Different (1971) oder tonnenweise Hitchcock-Filme. Manche der Links führen ins Leere, weil der Content mittlerweile doch einige Copyright-Issues hatte, das meiste läuft aber. Und bei diesem dissoziativen, schizophrenen Wetter kann man wohl nicht viel anderes machen, als großartige Filme vergangener Zeiten zu genießen. Also hinsurfen und den nächsten Filmabend klar machen!

via kotzendes Einhorn

Teen Spirit – Dokumentation über amerikanische Teenagerfilme auf Arte+7

Rinko hat gestern auf eine ziemlich interessante ARTE-Doku mit dem Titel “Teen Spirit” aufmerksam gemacht. Passt an dieser Stelle natürlich perfekt rein, nicht nur, weil wir vor kurzem den besten Teenager-Filmen der 80er Jahre ganze drei Artikel gewidmet haben, sondern auch als Ergänzung zum The Kids aren’t allright-Filmabend. Umso besser, dass das Teil – so wie es sich gehört – heute morgen bei ARTE+7 aufgetaucht ist, wo es die kommenden sieben Tage genossen werden kann. Anschauen!

Das amerikanische Genre der Teeniemovies hat der Pubertät, dieser Zeit des körperlichen und geistigen Umbruchs, eine Ausdrucksmöglichkeit verliehen. Die Filme sind gekennzeichnet durch eigene Codes, eine bestimmte Sprache und Struktur sowie leicht identifizier- und übertragbare Handlungsorte. Ein Teeniemovie bietet Momente des reinen Vergnügens, verleitet zum kritischem Nachdenken, löst Lachsalven aus und regt zum Träumen an.
Den zentralen Kern der meisten Teeniemovies bildet Verlangen – das sexuelle, aber auch das nach Emanzipation – und Frustration – man fühlt sich von den Eltern unverstanden, schafft den Übergang zum Erwachsenwerden nicht. Häufig muten die Filme wie eine Anhäufung von dummen Streichen und Albernheiten an, die meist jedoch gut ausgehen und weder Karikatur noch Übertreibung scheuen. Aber unter dem Strich haben sie auch eine Moral: Sie erklären, was es konkret bedeutet, in Amerika als Junge oder als Mädchen, mit weißer oder schwarzer Hautfarbe, reich oder arm geboren worden zu sein.
Eine Dokumentation zur Entdeckung eines faszinierenden, komplexen Genres mit seinen zahlreichen ästhetischen, gesellschaftlichen und politischen Verästelungen. Was ist über Amerika zu erfahren, wenn man sich seine Jugendlichen ansieht? Und vor allem: Warum kann sich die ganze Welt mit ihnen identifizieren?

(Frankreich, 2009, 52mn)


Teen Spirit auf ARTE+7