Schlagwort-Archiv: 11’09’01 September 11

9/11 und der Humor – Sick Jokes, Satire und die Suche nach der ironischen Distanz

Jetzt muss ich doch noch einmal kurz ein Thema aufgreifen, das von Spiegel Online unter dem Titel Humor nach 9/11 aufgeworfen wurde… Die Frage ist, wie sehr – oder besser noch, wie gekonnt – wurden mittlerweile eigentlich die Terroranschläge vom 11. September in Comedy und Satire verarbeitet? Dabei attestiert Autor Stefan Kuzmany den großen Humorschaffenden eine gewisse Hilflosigkeit, jedoch nicht ohne auf die humoristische Front im Internet einzugehen:

Den kommerziellen Medien war die globale Internetgemeinde da schon weit voraus – wenn auch nicht unbedingt besonders geschmackvoll.

Das würde ich erst einmal so unterschreiben. Die deutsche wie die amerikanische Comedylandschaft hat sich nach 9/11 ja vornehmlich zurückgehalten, während im Internet platte, provokante – manchmal auch gelungene – Gags wie die Pilze aus dem Boden geschossen sind. Weiterlesen

Kurzfilm der Woche: 11’09″01 – September 11: Segment Burkina Faso – Kinder auf der Jagd nach Osama Bin Laden

Aus gegebenem Anlass… Ein kleiner Junge begibt sich zusammen mit seinen Freunden in Burkina Faso auf die Jagd nach einem vermeintlichen Osama Bin Laden, um das ausgelobte Kopfgeld für die Schule und seine kranke Mutter einzusetzen. Leider nur mit französischen Untertiteln… aber dennoch mehr als sehenswert.

11’09″01 – September 11: Segment Burkina Faso (2002)

Regie: Idrissa Ouédraogo

Darsteller: Lionel Zizréel Guire, René Aimé Bassinga

 

Die 00er Jahre: Die besten Episodenfilme und Composite Films des Jahrzehnts

Wir haben auf unserem Weg durch die Kinodekade klar abgegrenzte Genres wie Tragikomödien, Erotikfilme, Thriller und Horrorfilme hinter uns gebracht, aber auch mit  diffusen Kategorisierungen wie Tarantinoeske Filme gearbeitet. Jetzt wirds wieder ein wenig knifflig. Die Genrekategorisierung “Episodenfilm” ist hinreichend bekannt, scheint jedoch ein allzu enges Korsett für so manches cineastisches Werk zu sein. Der klassische Episodenfilm nämlich – wie zum Beispiel Intolerance von D.W. Griffith (1916) – besteht aus in sich geschlossenen Episoden, die durch ein alles verbindendes Thema zusammen gehalten werden. Nun ist aber gerade das postmoderne Kino, was Episodenkonstellationen betrifft, gerne verspielt und alles andere als stringent. Durchgesetzt haben sich hier episodische Prinzipien, die keine kleinen abgeschlosssenen Teilhandlungen erzählen, sondern diese ineinander verzahnen, parallelisieren,  darin wild umher springen oder gar klassische Chronologien komplett aufbrechen. Als Wegfeiler seien nur Robert Altmans Short Cuts von 1993 und Quentin Tarantinos Pulp Fiction von 1994 genannt und es wird offensichtlich, wie unterschiedlich sich Kurzgeschichten jeweils in einem Film anordnen lassen.

Die englische Sprache bietet hierfür den Begriff des “Composite Films” an, der Filme bezeichnet die trotz ihrer Episodenhaftigkeit dicht gewebt sind, und aus deren einzelnen kleinen Plots sich komplexe Gesamtstrukturen bilden. Die deutsche Filmkritik und Theorie arbeitet hier noch öfter etwas ungelenk mit Begriffen wie Ensemble Drama, Sittengemälde oder verzichtet gleich vollkommen auf eine eindeutige Kategorisierung. Wir wollen an der Stelle mit den beiden Begriffen Composite Film und Episodenfilm arbeiten, denn bei den besten Filmen der Dekade finden sich sowohl klar strukturierte, aus einzelnen voneinander getrennten Segmenten bestehende Werke als auch eng ineinander verzahnte Filmkompositionen. Mitunter parallel erzählt (im 2000er Drama Timecode sogar zeitgleich im echtzeitlichsten Sinne des Wortes), mitunter in durchgeschüttelter Chronologie, mitunter scheinbar ohne klare Linie. Und damit wollen wir die Theorie auch Theorie sein lassen. Es folgen die besten vielschichtigen, mehrstimmigen, zusammengesetzten , fragmentierten, komponierten und arrangierten Werke des Jahrzehnts… wie immer nach dem Klick.

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