Schlagwort-Archiv: 10er

1910 – 1920 und 2010 – 2020

Walhalla Rising – Ein Annäherungsversuch

Nicolas Winding Refn, bekannt geworden durch die im kriminellen Milieu angesiedelte Pusher-Triogie, bietet mit seinem neuen Film Walhalla Rising ein visuelles Erlebnis von meditativer Tragweite, die nicht mal durch die Darstellung roher, körperlicher Gewalt unterlaufen werden kann. Bereits mit seinem Film Bronson aus dem Jahr 2008 malte Refn eine wahnsinnige Poesie der Gewalt auf die Leinwand. In Walhalla Rising schlägt er zwar andere Töne an, dennoch entbehrt der Film nicht einer gewissen Rauschhaftigkeit, auch wenn sie sich gemächlicher gebärdet.

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Pfingstkultur>

Das fünfzig Tage nach Ostern gefeierte Pfingsten ist im Gegensatz zu Ostern und Weihnachten in seiner kulturellen Verwertung immer noch sehr stark mit den traditionellen christlichen Brauchtümen verknüpft und wurde nur sehr gering von der Folklore geschweige denn vom Pop beeinflusst. Es zelebriert die Ankunft des heiligen Geistes nach dem Tod Christi und gilt damit als Ursprungs- und Gründungsfest der christlichen Religion.

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

(Apg. 2, 1-4)

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Rezension zu Anathema – "We're here because we're here"

Vor langer, langer Zeit in einem weit weit entfernten Land lebte eine junge Musikkapelle, die sich Anathema nannte. Anathema wie Kirchenbann, wie Exkommunikation, wie die Verfluchung vor Gott und dessen irdischen Vertretern. So wie sie sich nannten, so klang auch ihre Musik, die sie von Dorf zu Dorf ziehend den Menschen präsentierten. Da mischten sich harte Doom-Metal und Gothic-Klänge, da wurde gelitten, gestorben und dämonisiert. Da wurde das Dunkle in der Welt beschworen. Doch dann eines schönen Tages entdeckte ihr Schreiber Danny Cavanagh auf der Reise eine kleine Höhle namens Artrock, in der unglaubliche Schätze verborgen lagen: Dort zu finden waren psychedelische Farben, Schatzkisten voller epischer Hymnen und vertrackter Takte. Danny zog es in diese Höhle, ebenso den Rest der Band, und als sie wieder herauskamen, sollte nichts mehr so sein wie früher. Anathema hatten sich verändert…

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Brumm und Blech – Die Krautrockikonen Faust veröffentlichen ein neues Album

Alle Jahre wieder… Wenn es eine Krautrockformation gibt, die die Wirren der Zeit überstanden hat, dann Faust. Seit fast 40 Jahren mit wechselndem Gesicht und unterschiedlicher Besetzung veröffentlichen die deutschen Progressive- und Avantgarde-Urgesteine Album um Album. “Faust is Last” heißt der neuste von Joachim Irmler und seinen Mannen komponierte Streich. Faust sind die Letzten? Die letzten Überlebenden? Die letzten Avantgardisten? Die Letzten, die den Krautrockhimmel bevölkern, das tote Genre irgendwie am Leben halten? Mäßigung ist hier jedenfalls nicht angesagt: Nicht im Titel, nicht im Artwork – das eine offene geröntge Hand ziehrt – und auch nicht in der Musik, die sich auf 2CDs wie ein Mahlstrom der Avantgardegeschichte über den Hörer wälzt.

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Animated Short der Woche: Kafkas "Ein Landarzt"

Kongenial wird hier eine der schönsten Kafka-Erzählungen animiert, eine Erzählung die selbst Kafka für gelungen hielt, scheiterte er doch sonst stets an seinem eigenen Anspruch. Dem Traumhaften und Surrealen des Textes wird Gestalt verliehen und die Japanische Sprache unterstreicht nochmal die groteske Note. Ein Anime aus einer anderen Welt.

Teil 1

Teil 2

Franz Kafka: Ein Landarzt (Kafka: Inaka Isha. Japan 2007)

Drehbuch, Animation, Produktion: Koji Yamamura

Laufzeit: 20 Minuten

http://www.imdb.com/name/nm0945520/

Die Ankunft des Romantikers in der Moderne – Zu Hermann Hesses "Demian" (1919)

Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören. Der Vogel fliegt zu Gott. Der Gott heißt Abraxas.

(Max Demian)

Hermann Hesse: Prediger, Selbstfindungsguru, Wanderautor, Heimatbewegungsapostel, Weltflüchtling, Nobelpreisträger, Hippieikone, der Schweizer liebster Autor, den die Deutschen gerne für sich beanspruchen und, und, und… Expressionist? Man mag sich verwundert die Augen reiben, mag diese Beschreibung doch so gar nicht zu dem Mann mit den vielen Gesichtern passen. Aber denken wir uns kurz ins Jahr 1918 zurück. Der Erste Weltkrieg ist vorbei. Hesse hat sich als Pazifist eine Menge Feinde gemacht, Deutschland liegt in Trümmern und die Konservativen, Militaristen und Sozialisten bekriegen sich. Hermann Hesse wechselt sein Gesicht, konsequenter, als er es je zuvor getan hat oder später tun sollte, Hermann Hesse wird Emil Sinclair.

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Kanon einer pathetischen Generation!? – Kurt Pinthus Anthologie "Menschheitsdämmerung"

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut

In allen Lüften hallt es wie Geschrei.

Dachdecker stürzen ab und gehen entzwei,

Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen

An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.

Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.

Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

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