Catcontent aus dem Japan des 19. Jahrhunderts

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Als der Buddhismus im Japan des fünften Jahrhunderts zum Importschlager wurde, hatte er nicht nur tiefgreifende philosophische Gedanken zum Sein und Nicht-Sein im Gepäck, sondern zusätzlich flauschige Unterstützung an Bord. Katzen wurden von der fernöstlichen Religion ganz bewusst eingesetzt, um die fragilen Schriftstücke vor Mäusen und anderem Ungeziefer zu schützen. In Folge dessen erlebten Katzen einen wahren Siegeszug im Land der aufgehenden Sonne, sowohl als effektive Hauswächter, als auch als niedliche Weggefährten und nicht zuletzt auch als mystische Glücksbringer.

Die bekannteste Ausgeburt des japanischen Katzenkults dürfte Maneki-neko sein, der aufrecht sitzende, winkende Glücksbringer aus der Familie der Felidae. Aus dem Japan der Meiji-Zeit (19. Jahrhundert) gibt es die Legende einer zahmen Katze, die ihre Besitzerin eine Geisha – urplötzlich – als diese die Toilette aufsuchen wollte, anfiel, anfauchte, biss und kratzte. Die von den Schreien aufgeschreckten Besitzer der Geisha reagierten unmittelbar, indem sie dem scheinbar tollwütig gewordenen Tier in heller Panik köpften. Der abgeschlagene Kopf der Katze flog in hohem Bogen zu der Toilette, auf die die Geisha sich hatte setzen wollen, und biss in dieser im Sterben einer Giftschlange den Kopf ab, die dort gelauert hatte und die Geisha wohl in die ewigen Jagdgründe befördert hätte, wäre die Katze nicht gewesen.

Dem Kult um die Katzen Japans widmet nun das Shoto Museum of Art in Shibuya eine Ausstellung, in der Katzenbilder des 19. Jahrhunderts präsentiert werden. Und so weit sind diese mythologischen und zugleich niedlichen Kreationen vom heutigen Catcontent gar nicht entfernt. Der Name der Ausstellung ist  ねこ・猫・ネコ , eine Zusammenstellung drei verschiedener Schreibweisen für Katzen, und stattfinden wird sie vom 5. April bis zum 18. Mai. (via Spoon & Tamago)

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Why The Walking Dead sucks… a little bit

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Also dann… Auf zum Walking Dead Rant! Beim zweiten Artikel dieser Art ist es vielleicht ein bisschen verfrüht von einem Running Gag – oder einer sich etablierenden Tradition – zu sprechen, aber die Parallelen sind schon gegeben: Auch bei Game of Thrones hatte ich nach der dritten Staffel das Bedürfnis meine, teils negativ gefärbten, Gefühle zu der overhypten Serie niederzuschreiben, auch damals kam die Serie dabei alles andere als gut weg. Auch bei Game of Thrones war ich irgendwie genervt davon, dass diese Serie von so ziemlich jedem in allen nur erdenklichen Tönen gelobt wurde, auch bei Game of Thrones schien Nitpicking ein probates Mittel, um die Serie einfach mal auseinander zu nehmen… und auch bei Game of Thrones bin ich trotz zahlloser Kritikpunkte  dran geblieben, habe tapfer durchgehalten und sogar ne Menge Spaß gehabt. Ja, ich stehe nach wie vor dazu: Game of Thrones suckt… zumindest ein bisschen, und, naja, was soll ich sagen: The Walking Dead auch. Nach vier Staffeln, teils lahmer, teils konfuser, teils einfach nur dummer Zombie-Action, muss ich jetzt einfach mal meinen ähnlich schmeckenden Senf zu der derzeit erfolgreichsten US-Serie abgeben. Here we are, different TV-Show, same Shit, same Outcome: Irgendwie habe ich Spaß bei der TV-Umsetzung des (wirklich genialen) Comics The Walking Dead, irgendwie mag ich die Serie, und zugleich gibt es bei dieser Serie unfassbar viel, was mir gehörig auf die Nerven geht.  Achtung, Spoiler, inklusive Staffel 4, ahead: Why The Walking Dead sucks… zumindest ein bisschen.

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“It’s better to burn out than to fade away”…

schrieb Kurt heute vor zwanzig Jahren in seinen Abschiedsbrief. Da ich eine ältere Cousine hatte, die mir MTV  und smells like teen spirit zeigte, der im Grunde Nirvanas schwächster Song ist, bekam ich das alles am Rande mit. Entdeckt habe ich sie erst viel später. Dennoch schwebt das erste Aufeinandertreffen von mir und Nirvana in einem heiligen Schein der Kindheit. Gewisse Songs der Band lassen mich dieses Gefühl der Unschuld und heilen Welt noch heute empfinden. Als ich sie dann für mich entdeckte verliebte ich mich unsterblich, also wirklich so richtig, in das Unplugged-Album. Das ist so eines dieser drei Inselalben. Wie großartig Cobain als Mensch war, erfährt man bei der Lektüre seines posthum veröffentlichten Tagebuches, in welchem auch klar wird, dass  ihr fame ziemlich viel mit Glück zu tun hatte. Es gibt da so ein paar Stellen, in denen Kurt darauf hinweist, dass die Band einige ihrer Melodien von anderen Bands abgekupfert hätten und er die ganze Hysterie nicht verstünde. Das Riesenglück verwandelte sich in ein Riesenunglück. Nur verblasst ist Kurt nicht, er sollte recht behalten. He knew, he was right.

Klassische Kartentricks von Ricky Jay

Gerade bei Zauberkunst gilt meiner Meinung nach immer noch die Devise “Less is more”. Und diese ‘simplen’ Kartentricks stellen einfach mal jeden “Durch die chinesische Mauer Gang” und jedes verschwundene Flugzeug von David Copperfield, proudly supported by Special f/x in den Schatten. Einfach, weil sich in diesem Understatement am besten unter Beweis stellt, wie leicht sich das menschliche Auge täuschen lässt, und wie viel Spaß man beim angestrengten Blick auf die Hände eines Bühnenzauberers haben kann. Und btw. ist Mr. Jay – wenn auch oft nur wie in Magnolia in kleinen Nebenrollen zu sehen – ein herausragender Schauspieler, der weiß, wie man sein Publikum um den Finger wickelt.

via I heart Chaos

If the Moon were only 1 Pixel…

moon1Nicht die erste dieser Visualisierungen der Größe und vor allem Leere unseres Sonnensystems, bzw. des gesamten Kosmos. Ich kann davon aber auch einfach nicht genug bekommen. Es macht durchaus Sinn, sich hin und wieder ins Bewusstsein zu rufen, wie klein und unbedeutend unsere Erde doch angesichts des riesigen sie umschließenden Raumes ist. Und wenn das ganze dann noch so trocken und lakonisch kommentiert wird wie bei Josh Worth, macht es sogar erstaunlich viel Spaß, sich unbedeutend und verloren im Nichts zu fühlen…

If the Moon were only 1 Pixel via Kottke

Around the World…

Und noch ein bisschen GoPro Action: Das hier zu sehende Video hat Jonas Ginter aus Bremen mit insgesamt 6 der kleinen Kameras aufgenommen. Herausgekommen ist ein ziemlich cooles 360° Video, das die Welt zu einem Mini-Planeten krümmt, den man mal so eben bretternd umkreisen kann. Leute echt jetzt, das neue Design gefällt mir gerade so gut, dass ich es noch ein bisschen mit awesome “Trivialcontent” füllen möchte. Gediegene Gedanken kommen dann zurück, sobald meine Laune wieder etwas schlechter ist.

via Daddygotthisgunloaded

43 Cartoon-Intros in 5 Minuten

Nette Spielerei vom ACJW Ensemble der Carnegie Hall und der Kornharber Brown Produktionsschmiede: 43 Zeichentrick-Intros, von Klassikern wie dem Pink Panther bis hin zu neuen Serien von Avatar bis Family Guy, innerhalb von 5 Minuten klassisch runtergespielt. Zeichentrick-Highlights im Performance-Video geben mal mehr, meist weniger dezente Hinweise darauf, um welches Intro es sich gerade handelt. Klar, irgendwie ein bisschen… naja… belanglos, aber gerade im Moment ist mir auch … naja… irgendwie ein bisschen… nach Sachen, bei denen ich einfach nur “nett” denke…

via Clockworker

Walking backwards through Tokyo… backwards

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Wundervolles Video von Grégoire Olivereau, in dem ein Mann rückwärts durch die vollen Straßen Tokios wandelt… und abgespielt wird die Aufzeichnung wiederum rückwärts, wodurch der einsame Wanderer wie die einzige Person wirkt, die sich vorwärts bewegt. Eine durch und durch beeindruckende Auseinandersetzung mit der Rolle des Individuums in der überfüllten, postmodernen Großstadt.

Dabei ist dieses Video nur ein kleiner Ausschnitt des Projekts Tokyo Reverse, das in seiner vollen Länge einen 9-Stünder (!) darstellt. Das Gesamtwerk ist Teil der Slow-TV-Bewegung, die in einer Zeit, die von hektischen YouTube Einminütern dominiert wird, wieder auf die Kunst der Langsamkeit setzen will (Hier der entsprechende Artikel der bbc dazu)… 9 Stunden rückwärts durch Tokio taumeln? Damit dürfte dem Anspruch dieser – btw. großartigen Bewegung – mehr als nur Genüge getan sein.

Tokyo Reverse (Extraits) via Colossal

Die 80er Jahre: Die besten Thriller des Jahrzehnts IV

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80er Thriller-Retrospektive No. 4: Dieses Mal wird es elegant, es wird knisternd und es wird düster… richtig düster. Neben den ganzen, mitunter viel zu glatten Hollywood-Thrillern dieser Dekade, haben sich die 80er nämlich durchaus auch als Jahrzehnt des Independent-Thrillers hervorgetan. Und während die Traumfabrik, auch wenn es um Mord geht, ihre selbstzensierenden Standards hat, darf es im Indie-Bereich ruhig etwas abnormer und abartiger zugehen. So sorgten sowohl Blue Velvet als auch Henry – Portrait of a Serial Killer in ihrer Heimat für einige Kontroversen, letzterer wurde hierzulande sogar auf den Index gesetzt. Auch Hitcher, der Highway Killer hat eine bewegende BPjM-Geschichte, inklusive zahlloser Schnittvariationen hinter sich. Auf andere Weise aus dem Rahmen fallen der französische Genrebeitrag Diva, der seine klassische Krimi-Handlung mit zahllosen Zitaten, Referenzen und skurrilen Intermezzi aufsprengt, sowie Leben und Sterben in L.A., der den Kampf “gut gegen böse” als Kampf “böse gegen böse” inszeniert, dabei aber nie vergisst, spannendes Genrekino zu sein.

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Ohrwurm: Bart Davenport – Fuck Fame

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Schönes Wetter, toller Urlaub, frisch verliebt. Ja, mir scheint momentan ziemlich die Sonne aus dem Arsch und auch wenn Fuck Fame wie ein runtergerotzter Streetpunk-Song klingt, ist das hier wunderschöner White Man`s Soul, der The Smiths mit Funk verbindet.

Das Album “Physical World” ist gerade raus und ihr dürft das gerne hören. Auch wenn man keinen Urlaub hat oder nicht verliebt ist. Echt jetzt!

Todd Terje – It`s Album Time (NPR)

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Gestern hat uns mit Frankie Knuckles eine Legende verlassen. Das bedeutet aber zum Glück nicht das Ende von großartiger House- Musik, und wie geil die sein kann hat uns letztes Jahr “Inspector Nose” gezeigt. Todd Terje ist der Mann der Stunde und sein Debüt-Album wird gerade auf NPR gestreamt. Viel Spaß!

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