Kurzfilm der Woche: Im Internetcafé gestrandete, obdachlose Japaner

Eindringlicher Kurzdokumentarfilm über Japaner, die sich keine Miete leisten können und daher im Internetcafé leben. Der Film ist ein Teil der Reihe Japans Disposable Workers von Shiho Fukada.

via boing boing

GHOSTS – Fotoausstellung in Berlin

ghosts

Fotograf und Seite360-Buddy Johannes (der nicht unerheblich beim aktuellen Design unseres Blogs mitgeholfen und in der Vergangenheit auch den ein oder anderen Artikel beigesteuert hat), eröffnet am 20. März in der Morgenrot Gallery in Berlin seine jüngste Fotoausstellung Ghosts, in der er sich mit dem mysteriösen, mythischen und dunklen Gesicht Osteuropas auseinandersetzt. Wir hatten Johannes hier schon ein paar mal gefeatured und das nicht nur aus kollegialem Pflichtgefühl, sondern auch weil seine Fotoprojekte auf verdammt spannende Weise den Grenzbereich zwischen dokumentarischer, reflexiver und märchenhaft überhöhter Fotografie ausloten. Doch, ich glaube Magischer Realismus ist ein recht passendes Label, um seine Fotografie zu beschreiben, die es auf Bildbeute zu bestaunen gibt.

Marcus und ich werden zur Ausstellungseröffnung auf jeden Fall vor Ort sein. Wenn ihr also einen netten Plausch mit einem Drittel der Seite360-Autoren halten oder einfach nur magisch realistische Fotos genießen wollt, kommt vorbei. Um 19 Uhr gehts los.

In seinem Projekt “Ghosts” arbeitet Johannes Franke als Archivar des Vergessens. In ungewohnten fotografischen Perspektiven und Ansichten Osteuropas lenkt er die Aufmerksamkeit des Betrachters auf architektonische Anachronismen, die sich dem alltäglichen Blick entziehen. Dabei konserviert er eine düstere Welt, die, so scheint es, vom Nichts aus Michael Endes unendlicher Geschichte verzehrt wird. Ein fernes, längst obsolet gewordenes Reich, das im Begriff des Schwindens steht, wird in den Kontext der modernen Zivilisation gerückt und erwacht in geisterhafter Ewigkeit zu neuem Leben.

“Ghosts” – Johannes Franke – Fotografien
Laufzeit: 20.3.2015 – 20.4.2015
Eröffnung: 20.3.2015, ab 19.00 Uhr
Kuration: Elena Helfrecht

Galerie Morgenrot, Mainzer Straße 6, 10247 Berlin-Friedrichshain

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Hörenswertes: Olli Schulz, Joye Bada$$, Gaz Coombes, Noel Gallagher, Bilderbuch; Klassiker: Caribou

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Wie immer zeitversetzt kommt die hörenswertesten Alben. Wo Olli Schulz noch den Winter-Blues im Gepäck hat ist bei der aktuellsten Platte in dieser Rubrik der Sommer aber so etwas von da. Dieses Album gehört bald rauf und runter gehört und macht klar, dass deutschsprachiger Pop in gut nicht bei uns zu finden ist, sondern hinter der Grenze zur Alpenrepublik. Noel und Gaz winken derweil von der Insel rüber und befinden sich auch derweil in ihrem dritten Frühling, was man an den erwachseneren und trotzdem gut gelaunten Platten deutlich hört. Joey Bada$$ macht gleich bei der kleinen Nostalgie-Runde mit und bringt uns den Hip Hop der 90er zurück.

Wer nach diesen aktuell schönsten Platten immer noch nicht genug hat, darf sich gerne noch einmal den Klassiker “Andorra” anhören, der sich in seiner wunderbaren Leichtigkeit perfekt in das derzeit sommerliche Ambiente einfügt.

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Und dann waren da noch die eingemauerten USB-Sticks von Aram Bartholl, die bei der Kölner Polizei für ziemlichen Wirbel sorgten…

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Bei den so genannten Dead Drops handelt es sich um eine Idee von Aram Bartholl, der schon seit einigen Jahren mit spannenden Kunstaktionen an der Schnittstelle zwischen Digitalität und Realität, Mensch und Maschine unterwegs ist. Dazu gehören unter anderem seine BYOD (Bring your own disk and crush it) Installation, mit der er Museumsbesucher dazu einlud, ihre eigenen Festplatten bis zur Unlesbarkeit zu zerstören, der Kill Your Phone Workshop, dessen Ziel es ist, jedes Signal unterdrückende Phonecases zu bauen, oder Forgot your Password?, ein achtbändiges literarisches Epos, bestehend aus 4,7 Millionen gehackten LinkedIn-Passwörtern in alphabetischer Reihenfolge. Die Stoßrichtung dürfte damit ungefähr klar sein. Jeder, der sich für die Vermengung von Kultur, digitaler Technik und Philosophie interessiert, sollte sich näher mit Bartholls faszinierendem Werk auseinandersetzen. Die Dead Drops selbst gehören nicht zu seinen neusten Arbeiten (genau genommen gibt es sie sogar bereits seit 2010), aber zu denen, die in jüngster Zeit in Deutschland den meisten Wirbel verursachten…

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One Musical Instrument For All…

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Aus der Reihe: Kickstarter-Projekte, die ich verwirklicht sehen will. Das Artiphon INSTRUMENT 1 vereint in sich Tasten-, Saiten-, Schlag- und Streichinstrument und kommt zudem mit einer Loop-Funktion daher. Ähnliches kennt man zwar schon seit Jahrzehnten aus der Synthie- und Midicontroller-Ecke, so intuitiv und clever mit mobilen Devices verbunden gab es das aber, soweit ich weiß, bisher noch nicht. Scheint wirklich in die Richtung Casual Music, bzw. Instrument für jedermann zu gehen. Und wenn es Kinder oder Menschen, die bisher nicht viel mit musikalischen Instrumenten am Hut hatten, an die kreative Musikproduktion heranführen kann, dürfte es sogar weitaus mehr sein als ein bloßes Gadget für gelangweilte Hipster. Also bitte keine Reflexe von wegen “Gute alte Zeit”, “Richtige Instrumente” etc… Das Teil sieht einfach nur wunderbar aus.

We believe anyone can make music, and that most people really want to. Like snapping an Instagram, now you don’t have to already be a professional to start making music and enjoy every note. We’re building an instrument that empowers people to play music apps beyond the touchscreen, and we want to inspire people to explore music-making in their everyday lives.

Das Ziel von 75.000 $ hat das Instrument 1 mittlerweile schon locker erreicht und steuert bei 36 Tagen Restzeit entspannt auf die halbe Million zu. Go!

via boing boing

 

love has no labels

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Einen Zeigefinger habe ich noch. Dann ist aber auch gut und es geht ins Wochenende: Und alles wird poppiger, eskapistischer und weniger politisch. Zuerst aber…

Before anything else, we are all human.

It’s time to embrace diversity.

Let’s put aside labels in the name of love.

Love has no labels via the daily what

Der Festivalsommer 2015 kommt… auch dieses Jahr ohne Frauenquote

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Diese Mashdowns von Festivalplakaten nach dem Prinzip Reine Würstchenparty (BR) sollte man einfach so stehen lassen, während andernorts die Maskulinisten mal wieder rumjammern, dass die Unterdrückung des Mannes durch das so eben beschlossene Quoten-Reförmchen (bzw. “Fortschrittchen”, wie die ZEIT ziemlich passend titelt) um einiges schlimmer werden würde… Einfach so als kleiner Stupser in die Richtung: “Heh, schau dir die Waage doch mal genau an.”

Echt jetzt! Es ist wirklich nicht zu viel verlangt, einfach kurz und knapp festzustellen: Ja, es gibt noch eine Menge Nachholbedarf, in viel zu vielen Bereichen! Lasst uns schauen, wie wir das ändern können! Und sei es nur, indem wir auf die Missstände hinweisen. Wer tatsächlich glaubt, mehr Gender Equality würde der liberalen Gesellschaft etwas anhaben, der kann auch gleich argumentieren, dass die Sklavenbefreiung dem Recht auf freien Besitz einen herben Schlag versetzt hätte.

Darauf erst einmal einen Friedrich Nietzsche:

Wenn zum Antifeministen gehst, vergiss die Peitsche nicht.

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Antilopen Gang – Verliebt

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Zu leugnen, dass die deutsche Hip Hop Kultur ein ernstes Homophobie-Problem hat, ist wahrscheinlich noch schwieriger, als zu leugnen, dass die Videospielszene ein ernstes Sexismusproblem hat. Anyway, Ende Februar gab es diese Geschichte von Bass Sultan Hengzt und seinem neuen Albencover, auf dem sich (*shocking!) zwei Männer küssen. Dass so etwas homophobe Dreckskommentare anzieht, war irgendwie abzusehen. Eher nicht abzusehen war, dass es für das Artwork unmittelbar darauf Rückendeckung von einer anderen Hip Hop Combo geben würde: Die Antilopen Gang, die letztes Jahr schon mit ihrem extrem coolen Hit Beate Zschäpe hört U2 positiv aufgefallen sind, haben für ihren neusten Videoclip “Verliebt” nicht nur Fettes Brot sondern auch Feine Sahne Fischfilet und die Goldenen Zitronen zum Dreh eingeladen und knutschen dann auch mal gleich zu Beginn des Clips ordentlich gegen Intoleranz und Engstirnigkeit.

Auch abgesehen davon gilt: Coole Lyrics, eine saubere Mischung aus Pop, Hip Hop und Punk, eine schöne Freundeskreis-Reminiszenz und dazu noch ne lässige, undogmatische, antiideologische und zugleich herrlich anarchische Polit-Attitüde. Gangster, Gepose und Street Credibility nerven. So geht guter Deutschrap!

via Testspiel

Glitchy, glitchy Porn Remixes

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Verursachen einerseits Kopfschmerzen, sind aber andererseits auch ziemlich geniale Abrechnungen mit vordergründig auf Hochglanz polierter und zugleich ziemlich schmutziger, hyperaggressiver Pornoästhetik. Ich sollte mal wieder Enter the Void schauen. Verantwortlich für diese düsteren NSFW-Porn-Glitches ist Dorn Barra aus Italien. Und nach dem Klick wird es noch ein wenig verstörender.

Catching, appealing, mentally healing!

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Oddly Head’s obscure Hollywoodland

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Manchmal schräge, manchmal düstere, manchmal komische und manchmal einfach nur absurde Dekonstruktionen ikonischer Kinoszenen. Oddly Head krallt sich die Narrative der Filmfabrik und verabreicht ihnen Twists, die tief hineinschneiden in die Anatomie des amerikanischen Traums. Stark.

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Hollywoodland by Oddly Head via beautifuldecay

Das was Jilet sagt

Ich weiß gar nicht ob es immer noch so ist, im Fernseher drinne, der Schmutz, aber die 90er waren schon ein bisschen so wie das vierte Reich, Hitler hier, Hitler da. Ich habe mich ja schon mal darüber mokiert. Deswegen: Jilet hat Recht, und sie (Idil Baydar) kann großartig acten!

Banksy in Gaza

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Just for Completion. Die Katze mag ich, aber das mit dem weltweit größten Gefängnis is Bullshit.

A local man came up and said ‘Please – what does this mean?’ I explained I wanted to highlight the destruction in Gaza by posting photos on my website — but on the internet people only look at pictures of kittens.

-Banksy

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banksy.co.uk via my modern metropolis

Ein Produkt wie für Dich gemacht,… huh was? – Vignette Roulette

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Auf Vignette Roulette kann man ein Werbevideo des einen Produktes mit der Tonspur eines anderen Produktes kombinieren und bemerken wie generisch und austauschbar das alles ist. Da passt alles gespenstisch aufeinander. Das Medium ist die Botschaft wa? Wie einfallsreich und kreativ Werbeleute doch sind! Die zarteste Versuchung seit dem die längste Praline den Tiger in dir weckt und dir nicht irgendein Lebensgefühl, sondern das Lebensgefühl gibt, das Gefühl überhaupt zu leben, weil Vertrauen der Anfang von allem und der kleine Hunger der Fels in der Brandung ist, von dem man sagt, dass er magische Kräfte habe und nicht nur die Zähne sondern auch die Wäsche spürbar mit einem Gelbstich hinterlässt, deswegen sollte man gleich zwei nehmen, einen sofort essen, einen mitnehmen und es einfach schön im Bauchnabel prickeln lassen, weil Einfach einfach schizophren und die Waschmaschine doch zu früh gestorben ist, weil sie zu schwer gegessen hatte, Kacke.

via i-ref.de

Introducing… POSE

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BURN

In den Arbeiten des Chicagoer Künstlers POSE (Jordan Nickel) verschmelzen Comickunst, Pop Art und der kritischen Energie von Graffiti mit der defigurativen Attitüde eines Francis Bacon zu einer angenehmen Aufdringlichkeit. Seine Dekonstruktionen dokumentieren einerseits die beginnende Übermacht des Bildes im 20. Jahrhundert, andererseits unterläuft er die simplifizierten, fast ikonischen Comicbilder, indem er sie mit Facetten ihrer selbst vollstopft. Es ist ein bisschen wie ein Comicstrip minus Strip. Die Bilder sind auf dem ersten Blick nicht sequenziert, ihre Grenzen verwischen, sie selbst fallen ineinander und saugen die Aufmerksamkeit des Rezipienten ein. Damit legt POSE etwas entscheidendes offen: die gravitative Kraft von “Bedeutung”. Auf einer anderen Ebene huldigt er gewissermaßen den Comic- und Pop Art-Figuren, indem er ihnen, entgegen ihrer anfänglichen Einfachheit, eine Komplexität zuspricht. Es sind wirklich tolle Bilder. Auf seiner website hellopose gibt es noch mehr davon.

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Doll 2

 

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Dude 2

via artnau