Musik aus der Heimat I: Messer, Alligatoah, Love A, The Ocean, Feine Sahne Fischfilet, Die höchste Eisenbahn

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Schland steht Kopf. Die Onkelz sind wieder zurück und erfreuen uns mit Männergeheule, Patrioten-Geprolle und ausgelutschten Rocker-Fantasien aus der Steinzeit. Ein Glück, dass es in unserer Heimat genug Alternativen und eine Menge großartiger Newcomer gibt, die es allesamt wert angehört zu werden, allein schon weil sie teils mit viel Charme, aber auch mit genügend Wut im Bauch auf sich aufmerksam machen. Hier also nach längerer Pause wieder eine kleine Auswahl wirklich spannender Bands aus der ganzen Republik. Tja, Raab und BuViCo never made it happen…

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Animated Short der Woche: Chaplin SP

Sehr schöner, – im besten Sinne des Wortes – putziger Kurzfilm von Matias Vellutini, der mittels klassischer Schablonen Street Art und Stop-Motion-Technik Charlie Chaplin sein Tribut zollt. Urban Art als Vorlage für nen Animationsfilm… Tolle Idee, die ich gerne öfter sehen würde.

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Jean-Claude Van Damme wäre beinah der Predator geworden

Vor der finalen Version des Predatorkostüms gab es eine Art, nun ja, Dr. Zoidberg(?)-ähnliche Version. Zu allem Überfluss war das Kostüm auch noch in rot gehalten, um in der Postproduction dann den Tarneffekt drüber zu legen. Van Damme gefiel das gar nicht, konnte er doch niemanden zeigen wie krass seine Martial-Arts waren. Stattdessen hüpft er in einem dämlichen Kostüm durch eine Urwaldkulisse. Aber seht selbst.

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The Uncomfortable – Manifeste der Ineffizienz

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In ihrem großartigen Projekt The Uncomfortable entwirft die griechische Architektin und Grafikerin Katerina Kamprani faszinierende, experimentelle 3D-Modelle, deren gemeinsamer Kern ein Alltagsgegenstand ist, der für den gewöhnlichen Gebrauch entfunktionalisiert wurde. Die frühere Funktion und Effizienz ist diesen Modellen nach wie vor eingeschrieben, sie sind unverwechselbar, direkt mit ihrer Funktionabilität assoziiert, wodurch in ihnen ein seltsam surrealer Bruch mittels minimalster Detailveränderungen stattfindet. Der Alltag, die Effizienz, der Sinn des Praktischen lösen sich in ihrer Konzeptionierung auf und zurück bleibt so etwas wie kaltes, zweckentbundenes Design, das eine ganz eigene Form von Schönheit entwickelt.

Die Objekte aus The Uncomfortable können als Angriff auf Designgeilheit – die nicht mehr den User sondern nur noch den Look im Sinn hat – gewertet werden, ebenso aber auch als Spiel mit den Möglichkeiten der Entpragmatisierung des Pragmatischen, als Rückkehr zur Form und Ästhetik in einer Welt, in der scheinbar alles auf irgendeine Weise effizient sein muss.

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Weitere Modelle der Serie von Katerina Kamprani via i-ref

Perspektivwechsel: The Dark Side of the Covers

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…Und gleich noch ein bisschen Cover-Art-Dekonstruktion hinterher. Flickr-User Harvezt hat sich den potentiellen Rückseiten bekannter Alben-Cover angenommen und diese in einem Flickr-Set verewigt. So erfahren wir endlich die Wahrheit über Bruce Springsteens rote Streifen auf Born in the USA, verstehen, warum die Beatles so unbekümmert die Abbey Road überqueren können, sehen gegen wen Eddie sich auf Iron Maidens Killers verteidigen muss und wohin der Blick des Reisenden auf Led Zeppelins IV wandert. Verspielte Pop-Dekonstruktionen mit einem Augenzwinkern. Gefällt!

The Dark Side of the Covers via Kotzendes Einhorn

Ulysses in zehn Stunden lesen?

Es gibt nicht so wenige Bücher, die ich noch lesen will. Ihr kennt das. Aber wann soll ich das alles machen? Das deutsch-amerikanische Startup spritz schafft da vielleicht Abhilfe. Beim Lesen geht die meiste Zeit für die Bewegung der Augen drauf. spritz umgeht diese Bewegung. Schaut euch nach dem Klick das Video an. Zweieinhalb Dinge sage ich auch dazu. weiterlesen

#NotABugSplat – Kunst für die Drohnen-Krieger

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Es gab einmal eine Zeit, da war es Common Sense, dass Krieg ein schmutziges Geschäft ist, bei dem es sowohl zu militärischen als auch zivilen Opfern kommt, bei dem man, wenn man eine Waffe in die Hand nimmt, auch dazu bereit ist, Menschen womöglich Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen, kurz bevor man sie tötet. Ein Geschäft, bei dem man nach vollbrachter Tat das Blut an seinen Händen – mitunter im wortwörtlichen Sinne – noch sehen, den gebrachten Tod noch riechen kann. Diese erzwungene Rezeption für den Soldaten wird im Krieg des 21. Jahrhunderts sukzessive aufgeweicht: Die postmodernen Drohnenkrieger können ihren Krieg wie ein Videospiel steuern, die Leichen auf den Schlachtfeldern werden “Bug Splats” genannt, werden enthumanisiert. Wie soll der Mordende auch anders als mit Zynismus reagieren, wenn von seinen Opfern nicht viel mehr zu sehen ist als ein Fleck auf einem pixeligen Videobildschirm, der einen Ort zeigt, den der Drohnenflieger möglicherweise nie in Realität besucht oder gesehen hat?

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Es gab einmal eine Zeit, in der war Urban Art oder Street Art noch so etwas wie ein Hack der Öffentlichkeit, ein politisches oder soziales Statement, direkt hineingebrannt in den öffentlichen Raum, mit dem Impetus, die Welt tatsächlich zu etwas besserem zu verändern oder zumindest die Menschen aufzurütteln, ohne dass die sich dagegen wehren können, mit der Kunst und ihren Aussagen konfrontiert zu werden. Auch diese Zeit scheint vorbei, wenn Street Art mehr und mehr zum selbstreferenziellen Spiel oder zur von den Galeristen geliebten und geförderten Kunst wird.

#NotABugSplat ist ein großartiges Urban Art Projekt, das nicht im urbanen Raum stattfindet, sondern mitten in der Kampfzone Pakistans. In der permanent von Drohnen angeflogenen und beschossenen Khyber Pukhtoonkhwa Region hat ein Künstler Kollektiv ein riesiges Banner mit einem Kindergesicht installiert. Der Blick von oben, sprich aus einer Drohne, macht deutlich, dass auch dieser ferngesteuerte Krieg alles andere ist als ein Fucking Video Game. Die Drohnenkrieger werden gezwungenermaßen mit ihrem Ziel konfrontiert und die zuvor kleinen Pixel werden rehumanisiert. Öffentliche Kunst als Hack mit tatsächlichem, direkten Impact und Krieg als tatsächliche, direkte Erfahrung des eigenen Mordens. Groß!

In military slang, Predator drone operators often refer to kills as ‘bug splats’, since viewing the body through a grainy video image gives the sense of an insect being crushed.

To challenge this insensitivity as well as raise awareness of civilian casualties, an artist collective installed a massive portrait facing up in the heavily bombed Khyber Pukhtoonkhwa region of Pakistan, where drone attacks regularly occur. Now, when viewed by a drone camera, what an operator sees on his screen is not an anonymous dot on the landscape, but an innocent child victim’s face.

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#NotABugSplat via Nerdcore

Kurzfilm der Woche: SLR

Neues Design… und der Versuch mal wieder alte Rubriken neu zu beleben: SLR ist ein spannendes, emotional sehr intensives Thrillerdrama um einen Voyeur, der damit konfrontiert wird, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Familie plötzlich zum Opfer und Anschauungsobjekt wird. Das Sujet wäre natürlich eine grandiose Vorlage für allerlei Klischees und Läuterungs-Kitsch. Diese umschifft Regisseur Stephen Fingleton allerdings äußerst gekonnt und inszeniert so einen mitreißenden Hybriden aus Thriller, Drama und psychologischem Porträt.

SLR via Short of the Week

Definiere große Erwartungen: Cary Fukunaga wird Stephen Kings “Es” neuverfilmen!

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Eine Nachricht, die zwar schon ein paar Wochen alt ist, mich aber jetzt erst erreichte: Cary Fukunaga, der in “True Detective” alles das richtig gemacht hat, was man bei der Serie “Hannibal” noch immer falsch macht, wird Stephen Kings “Es” in zwei Teilen neu auflegen! “True Detective” war ja dieses Jahr das Serienhighlight und hat mir nach “Killer Joe” ein zweites mal vor Augen geführt, zu was Matthew McConaughey in der Lage ist, was ja nun, seit “Dallas Buyers Club” die ganze Welt weiß. Aber die Serie an sich ist, also, sie hat mir, den Boden, ey, ihr müsst das sehen! Ultra spannend. Und diese Bilder, die so eine ganz erdige, basale Bösartigkeit transportieren. Obwohl die Serie hauptsächlich im Hellen spielt, geht von ihr eine knochige, angsteinflößende Dunkelheit aus. Es gibt in ihr keinen foodporn, keine übertriebenen technischen Extravaganzen, keine Schnörkel,  keine absurd ausstaffierten Leichen, also nichts von dem, was die Serie “Hannibal” eigentlich eher zu einer Lachnummer macht, als zu einer Thrillerserie. Fukunaga konzentriert sich ganz hart auf das Storytelling und setzt dieses in eine karge, fast schon trostlose Südstaatenlandschaft, in deren Hintergrund immer wieder Industrieanlagen auftauchen. Diese leere Landschaft, die sich in den spröden Charakteren wiederfindet, bereitet dem Erzählen und den Figuren genügend Platz zur vollen Entfaltung. Das macht die Serie so einzigartig. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, dass dieser Fukunaga den Alptraum, den Angstgegner, den Endboss meiner Kindheit, Auslöser meiner doch recht beeindruckenden Coulrophobie, Kings “Es”, wenn DER das macht, dann erwarte ich wirklich ausgesprochen sehr viel.

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Catcontent aus dem Japan des 19. Jahrhunderts

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Als der Buddhismus im Japan des fünften Jahrhunderts zum Importschlager wurde, hatte er nicht nur tiefgreifende philosophische Gedanken zum Sein und Nicht-Sein im Gepäck, sondern zusätzlich flauschige Unterstützung an Bord. Katzen wurden von der fernöstlichen Religion ganz bewusst eingesetzt, um die fragilen Schriftstücke vor Mäusen und anderem Ungeziefer zu schützen. In Folge dessen erlebten Katzen einen wahren Siegeszug im Land der aufgehenden Sonne, sowohl als effektive Hauswächter, als auch als niedliche Weggefährten und nicht zuletzt auch als mystische Glücksbringer.

Die bekannteste Ausgeburt des japanischen Katzenkults dürfte Maneki-neko sein, der aufrecht sitzende, winkende Glücksbringer aus der Familie der Felidae. Aus dem Japan der Meiji-Zeit (19. Jahrhundert) gibt es die Legende einer zahmen Katze, die ihre Besitzerin eine Geisha – urplötzlich – als diese die Toilette aufsuchen wollte, anfiel, anfauchte, biss und kratzte. Die von den Schreien aufgeschreckten Besitzer der Geisha reagierten unmittelbar, indem sie dem scheinbar tollwütig gewordenen Tier in heller Panik köpften. Der abgeschlagene Kopf der Katze flog in hohem Bogen zu der Toilette, auf die die Geisha sich hatte setzen wollen, und biss in dieser im Sterben einer Giftschlange den Kopf ab, die dort gelauert hatte und die Geisha wohl in die ewigen Jagdgründe befördert hätte, wäre die Katze nicht gewesen.

Dem Kult um die Katzen Japans widmet nun das Shoto Museum of Art in Shibuya eine Ausstellung, in der Katzenbilder des 19. Jahrhunderts präsentiert werden. Und so weit sind diese mythologischen und zugleich niedlichen Kreationen vom heutigen Catcontent gar nicht entfernt. Der Name der Ausstellung ist  ねこ・猫・ネコ , eine Zusammenstellung drei verschiedener Schreibweisen für Katzen, und stattfinden wird sie vom 5. April bis zum 18. Mai. (via Spoon & Tamago)

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Why The Walking Dead sucks… a little bit

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Also dann… Auf zum Walking Dead Rant! Beim zweiten Artikel dieser Art ist es vielleicht ein bisschen verfrüht von einem Running Gag – oder einer sich etablierenden Tradition – zu sprechen, aber die Parallelen sind schon gegeben: Auch bei Game of Thrones hatte ich nach der dritten Staffel das Bedürfnis meine, teils negativ gefärbten, Gefühle zu der overhypten Serie niederzuschreiben, auch damals kam die Serie dabei alles andere als gut weg. Auch bei Game of Thrones war ich irgendwie genervt davon, dass diese Serie von so ziemlich jedem in allen nur erdenklichen Tönen gelobt wurde, auch bei Game of Thrones schien Nitpicking ein probates Mittel, um die Serie einfach mal auseinander zu nehmen… und auch bei Game of Thrones bin ich trotz zahlloser Kritikpunkte  dran geblieben, habe tapfer durchgehalten und sogar ne Menge Spaß gehabt. Ja, ich stehe nach wie vor dazu: Game of Thrones suckt… zumindest ein bisschen, und, naja, was soll ich sagen: The Walking Dead auch. Nach vier Staffeln, teils lahmer, teils konfuser, teils einfach nur dummer Zombie-Action, muss ich jetzt einfach mal meinen ähnlich schmeckenden Senf zu der derzeit erfolgreichsten US-Serie abgeben. Here we are, different TV-Show, same Shit, same Outcome: Irgendwie habe ich Spaß bei der TV-Umsetzung des (wirklich genialen) Comics The Walking Dead, irgendwie mag ich die Serie, und zugleich gibt es bei dieser Serie unfassbar viel, was mir gehörig auf die Nerven geht.  Achtung, Spoiler, inklusive Staffel 4, ahead: Why The Walking Dead sucks… zumindest ein bisschen.

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“It’s better to burn out than to fade away”…

schrieb Kurt heute vor zwanzig Jahren in seinen Abschiedsbrief. Da ich eine ältere Cousine hatte, die mir MTV  und smells like teen spirit zeigte, der im Grunde Nirvanas schwächster Song ist, bekam ich das alles am Rande mit. Entdeckt habe ich sie erst viel später. Dennoch schwebt das erste Aufeinandertreffen von mir und Nirvana in einem heiligen Schein der Kindheit. Gewisse Songs der Band lassen mich dieses Gefühl der Unschuld und heilen Welt noch heute empfinden. Als ich sie dann für mich entdeckte verliebte ich mich unsterblich, also wirklich so richtig, in das Unplugged-Album. Das ist so eines dieser drei Inselalben. Wie großartig Cobain als Mensch war, erfährt man bei der Lektüre seines posthum veröffentlichten Tagebuches, in welchem auch klar wird, dass  ihr fame ziemlich viel mit Glück zu tun hatte. Es gibt da so ein paar Stellen, in denen Kurt darauf hinweist, dass die Band einige ihrer Melodien von anderen Bands abgekupfert hätten und er die ganze Hysterie nicht verstünde. Das Riesenglück verwandelte sich in ein Riesenunglück. Nur verblasst ist Kurt nicht, er sollte recht behalten. He knew, he was right.

Klassische Kartentricks von Ricky Jay

Gerade bei Zauberkunst gilt meiner Meinung nach immer noch die Devise “Less is more”. Und diese ‘simplen’ Kartentricks stellen einfach mal jeden “Durch die chinesische Mauer Gang” und jedes verschwundene Flugzeug von David Copperfield, proudly supported by Special f/x in den Schatten. Einfach, weil sich in diesem Understatement am besten unter Beweis stellt, wie leicht sich das menschliche Auge täuschen lässt, und wie viel Spaß man beim angestrengten Blick auf die Hände eines Bühnenzauberers haben kann. Und btw. ist Mr. Jay – wenn auch oft nur wie in Magnolia in kleinen Nebenrollen zu sehen – ein herausragender Schauspieler, der weiß, wie man sein Publikum um den Finger wickelt.

via I heart Chaos