Gibt es etwas großartigeres als Adaptionen literarischer Werke in ein Medium, in das diese Werke so überhaupt nicht zu passen scheinen? Anton Wassiljew hat es getan: Ausschnitte aus “Mein Kampf” und “Das Kapital” als algorithmische Kompositionen, irgendwo zwischen Coding und entfesselter Atonalität. Das ganze fällt dann wohl in den Bereich der Neuen neuen neuen Musik, bei der  ich nie so ganz mitkomme, deren Ausgeburten ich aber immer höchst spannend finde:

“das kapital” study

in dem stück habe ich »das kapital« von k. marx sampleweise vertont. jedes wort aus dem ersten band des kapital ist in eine gleitkommazahl übersetzt, also in ein sample. und zwar so, dass die wörter “arbeit” und “geld” mit der amplitude 1.0 markiert werden. der rest bekommt einen zufälligen wert zwischen -0.1 und 0.1. so entsteht das leise rauschen.
im ersten band des kapital gibt es 286784 wörter. das wort “arbeit” kommt 1270 mal vor und das wort “geld” 423 mal.

Mein Kampf – das lied ohne worte

die ascii-werte des textes wurden in tonhöhen, dauern und lautstärken übersetzt:
buchstaben –> die höhere schicht
punkte, kommas usw. –> die mittlere schicht
leerzeichen –> ganz tiefe töne
anführungszeichen –> lange töne

via Kulturtechno

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Grandioser Noir Western, dessen visuelle Inszenierung ich in der Form tatsächlich noch nirgendwo anders gesehen habe: Zwischen Stop-Motion, Comic, Direct Visualisation und der Breitwand-Epik eines Sergio Leone entsteht eine faszinierende Geschichte um den Tod, dessen Rolle in der Welt und ebenso dessen Gnadenlosigkeit.

MALARIA tells the story of Fabiano, a young Mercenary who is hired to kill Death.
This short film combines Origami, Kirigami, Time lapse, nankin illustration, Comic Books and Western Cinema.

via doktorsblog

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Der spielerische, postmodern verspielte Umgang mit klassischen Ikonen ist ja per se schon mal großartig. Und wenn dann auch noch ein gewisser Nerd-Faktor mit ins Spiel kommt, ist definitiv die Grenze zur Genialität überschritten. So geschehen bei Hardy Hinrichs, der Superhelden des 20. Jahrhunderts aus ihrem pathetischen Comic-Ambiente herausreißt und in einen neuen, im besten Sinne des Wortes kindlich naiven Kontext rückt. Seine liebevoll gekritzelten Superheroes sind weniger Weltenretter und Rächer im Kampf gegen das Böse als viel mehr niedliche Kleinkinderfantasien, deren Diskrepanz zwischen Ambition und zeichnerischer Wirklichkeit gar einen leicht melancholischen Hauch versprüht. Übergroße Köpfe, süße Gesten, Kaffeeflecken… und schon ist die entzückende Trivialität hinter jedem Heldenmut entlarvt. Ganz fantastisch!

Superhero by Hardy Hinrichs via thaeger

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Um das schnell zu disclaimern: Ich finde Nationalhymnen meistens ganz schrecklich: Der Pathos, die überzeichnete Ergriffenheit, die vollkommene Ironiefreiheit gepaart mit parolemhaften Monumentalismus. Die Ursprünge der meisten Hymnen sind historisch bedingt im 19. Jahrhundert zu verorten und die einzelnen Stücke sind daher viel zu oft von einem schrecklich klebrigen Romantik-Geist durchzogen. Außerdem habe ich auch irgendwie so ein grundsätzliches Problem mit dem Nationenbegriff als solchen. Das geht noch nicht mal so sehr in die “Deutschland halt’s Maul!”-Richtung, mich nervt einfach tierisch eine metaphysische, nahezu sakrale Aufladung des Nationenbegriffs, die nicht im geringsten berücksichtigt, dass unsere heutigen Nationalstaaten primär Konstrukte sind (sei es aus dem 19. oder 20. Jahrhundert), deren Grenzen einfach mal in erster Linie arbiträr verlaufen und deren vermeintlich genuine kulturelle Identität auch irgendwie nur mit viel Hängen und Würgen zurechtgezimmert werden kann. Ja, ich bin Internationalist und Antinationalist. Durch und durch! Basta!

Eigentlich habe ich jetzt aber nur so viel gefachsimpelt, weil ich einen guten Einleitungstext für dieses wirklich grandiose Nationalhymnen-Mashup brauchte:  National Anthems hat sämtliche Nationalhymnen der Welt (zumindest die sämtlicher UN-Länder, der beiden Beobachter Palästina und Vatikan sowie dem UN-Anwärter Taiwan) zu einem großartigen Bastardpop-Opus zusammengebastelt. Los gehts mit der Hymne Uruguays (die längste Nationalhymne der Welt) und peu à peu gesellen sich weitere Hymnen zu dem Reigen, bis das Gesamtwerk schließlich gegen Ende in ein infernales Noise-Spektakel mündet. Kann man durchaus auch als eine Art Kritik am Nationenbegriff lesen. Während die einzelnen stolzen Hymnen noch harmonisch und pompös klingen, entwickelt sich im Laufe der Zeit mit weiter hinzukommenden Nationen ein atonales Monstrum, das am Ende zwangsläufig ins Chaos münden muss. Die letzten anstrengenden Sekunden kann man dann auch nur noch als beeindruckend apokalyptisch bezeichnen, vielleicht auch ein Zeichen dafür wohin die nationalstaatliche Reise hingehen könnte. Andererseits… zumindest Europa hat das ja auch schon irgendwie hinter sich und eigentlich bin ich, was globale Politik betrifft, grundsätzlich eher ein Optimist (auch wenn ohne Frage noch mehr als genug schief läuft in der Welt). Insofern, genug davon. Einfach genießen, Gänsehaut wachsen lassen und mit der politischen Überinterpretation aufhören: Großartige Mashups sind halt auch einfach nur großartig.

Every National Anthem at once via Seitvertreib

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…Von den 70ern bis heute, von Krieg der Sterne Euphorie bis hin zum Prequel-Debakel und darüber hinaus. Passt.

Die komplette Grafik bei Dorkly via pewpewpew

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Im Grunde genommen stehe ich gar nicht so sehr auf fotorealistische Malereien. Wenn sie aber derart fantastisch surreale Bilderwelten erschaffen, wie dies die Ölzeichnungen von Jeremy Geddes tun, dann passt auch die Imitation des Fotografischen perfekt zur Intention und zum Inhalt: Irreales verloren im fotografisch Realen, Fantastisches eingezeichnet in den klaren Blick auf die Wirklichkeit, ein Traum im Traum im Traum… Großer Supranaturalismus.

Weitere von Geddes herausragenden Zeichnungen gab es unter dem Titel Exhale in der Jonathan LeVine Gallery in New York zu sehen.

Zeichnungen von Jeremy Geddes via zanthi

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Düsteres und ziemlich elegantes Browserspiel, von dem mir gerade immer noch die Augen schwirren. Das Ziel des Spiels ist simpel: Mit Hilfe der Pfeiltasten muss der Spieler bunte Quadrate peu à peu im schwarzen Hintergrund verschwinden lassen und dabei verhindern, dass sie komplett weiß werden. Der absolut abstrakte Minimalismus (Schwarzer Hintergrund, farbige bis weiße, manchmal pulsierende Squares) ist symbolisch aufgeladen (“a game about murder”), was durch die kryptischen Hinweise vor jeder Stage (“Torture in Circles” etc.) noch verstärkt wird. Ein kleiner, dunkler Trip, der es selbst in dieser abstrakten Form vermag, Furcht vor der dunklen Seite der eigenen Seele auszulösen: “No colors anymore I want them to turn black!”

Escuro (Browsergame) via Indiegames

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Großartiges Video vom Filmemacher Bryan Smith, das den Freeclimber Dean Potter darstellt, wie er am langsam am sich bewegegenden (!) Mond (!) vorbeispaziert (!). Auf einem Seil (!). Mir würden jetzt gleich Dutzende Beispiele dazu einfallen, wie poetisch sowohl Extremsport als auch Kleinkunst sein kann… Stattdessen genügt es meiner Meinung nach, diese Bilder einfach auf sich wirken zu lassen. Wundervoll!

via Colossal

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Vor drei Jahren habe ich hier zwei Artikel veröffentlicht, in denen ich mich mit der 3D-Technik auseinandergesetzt habe, die Dank Avatar damals einen enormen Popularitätsschub erlebte. So wie James Camerons Science Fiction Blockbuster quasi die Geburtsstunde einer New Wave of 3D-Cinema war, könnte nun auch Der Hobbit von Peter Jackson die Geburtsstunde einer vollkommen neuen Bildtechnik sein. High Frame Rate ist das Zauberwort: 48 Bilder pro Sekunde, doppelt so viele wie im gewohnten Kino. Die Verfechter dieser Technik versprechen fantastische, so niemals gesehene Bilder, eine enorme Verbesserung der 3D-Technik und mit beidem verbunden eine Immersion, die sich deutlich von allen vorherigen cineastischen Erlebnissen abhebt. Die Kritiker und Skeptiker lästern über Soap- und Theaterfeeling, machen Witze über Benny-Hill-Effekte und sehen in der neuen Technik, ähnlich wie zuvor beim 3D, nichts weiter als ein überflüssiges Gimmick, das zudem der Immersion eher abträglich ist. Nachdem meine Eindrücke vom Hobbit (Kritik folgt) und der neuen Technik noch ziemlich frisch sind, bietet es sich doch an, das ganze HFR-Ding genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich versuche dabei thesenartig vorzugehen, allein schon weil sich ein wirklich endgültiges Urteil wegen der Frische des Prinzips verbietet. Dabei will ich sowohl auf die Technik als solche, als auch deren Wirkung auf die Zuschauer und nicht zuletzt auch auf deren Potential und Zukunft eingehen. Wie immer natürlich absolut objektiv, dabei höchst subjektiv gefärbt und komplett unvoreingenommen voreingenommen…

[Weiterlesen…]

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Tocotronic machens mit High School, Vampiren und Cheerleadern. Klingt furchtbar trendy, und genau das ist es auch. Passt aber nach irgendeinem Reverse Reverse Irony Prinzip – das wahrscheinlich nicht einmal die Band selbst versteht – perfekt zu der Musik der Hamburger, die schon seit einigen Jahren auf ihren Alben so etwas wie pure, ungefilterte Destillate von deutschem Pop/Anti-Pop/Pop verbreiten.

via

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Die mit Abstand beste deutsche TV-Serie 2012, Der Tatortreiniger, bekommt pünktlich zum Jahresbeginn eine zweite Staffel spendiert. Ich komme natürlich aus dem Mich-Freuen gerade nicht mehr heraus und werde mir bestimmt spätestens diesen Abend die Zeit nehmen, die aktuellen Folgen  Die Challenge und Schottys Kampf (NDR sei Dank im kostenlosen Stream) reinzuziehen. Beim Traumduo Bjarne Mädel und Arne Feldhusen kann ja eigentlich gar nichts schief gehen. Und wo wir schon mal dabei sind noch schnell ein Link zu einem großartigen Interview der beiden mit Maik von langweiledich.net (den ich zum Jahresbeginn damit vielleicht doch einmal zu of backlink-gespammt habe).


Der Tatortreiniger online via whudat

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Hitman-Avatar: Musste er wegen des Real Life sterben?

Eine Nachricht erschüttert die Videospielwelt: Wie unter anderem die dailymail berichtet, mussten offensichtlich tausend Avatare sterben, da ein Vater seinen 23jährigen Sohn vom Online-Spielen abhalten wollte. Der Hintergrund ist im so genannten Real Life zu finden: Der Vater des Spielers war frustriert über den Umstand, dass sein Sohn sich in dieser Parallelwelt nicht um einen Job kümmerte, da er voll und ganz in seine Aufgaben im virtuellen Raum involviert war. Daraufhin heuerte der Vater mehrere virtuelle Killer an, die seinen Jungen von der Computerspielwelt zurück ins Real Life bringen sollten, indem sie ihn durch die reihenweise Tötung seiner Avatare in den Frust trieben. Die Geschichte flog auf, nachdem der Spieler die Mörder direkt gefragt hatte, warum sie ihn immer und immer wieder ins Visier nehmen würden. Ihn selbst schien die Bezahlung der Killer durch seinen Dad weniger zu stören:

I can play or I can not play, it doesn’t bother me. I’m not looking for any job—I want to take some time to find one that suits me.

Unklar bleibt indes wie viele Avatare durch diesen brutalen Real Life Angriff ihr Leben lassen mussten und ob es bereits Nachahmer der Tat gibt. Wenn man von einer gesunden Durchschnittsspielzeit von 14 Stunden am Tag ausgeht, könnten die Verluste in die Tausende gehen. Die Dunkelziffer ist womöglich weitaus höher.

Father hires In-Game Hitmen to deter son from playing via Gamgea

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Ausnahmsweise mal nichts aus dem Bereich Fiction sondern wundervolles, klassisches Infotainment: Matthew Winkler beschäftigt sich in seinem TED-Vortrag What makes a Hero? mit traditionellen Helden-Motiven: Natürlich geht es dabei um Joseph Campbell, um den Weg des Helden, um die klassische Struktur einer Abenteuergeschichte und um die Verwandtschaft von Herkules mit Harry Potter… Doch selbst wenn man Den Heros in tausend Gestalten (Partnerlink und unbedingte Leseempfehlung an dieser Stelle) kennt, kann man mit dem um den Vortrag gestrickten, abstrakten Animated Short eine Menge Freude haben. Wundervolle, symbolische Fantasy und ein Ritt durch die europäische Kulturgeschichte in kompakten viereinhalb Minuten. Kulturelles Pflichtprogramm!

What trials unite not only Harry Potter or Frodo Baggins but many of literature’s most interesting heroes? And what do ordinary people have in common with these literary heroes? Matthew Winkler takes us step-by-step through the crucial events that make or break a hero.

Lesson by Matthew Winkler, animation by Kirill Yeretsky


via 

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Traumhochzeit!

via Nerdcore

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Was ich dazu noch anmerken wollte: Es gibt keine Serie, die so gut ist wie Breaking Bad (abgesehen vielleicht von The Wire)*

*Ich liebe Breaking Bad, aber da hat der Family Guy schon recht. Keine andere Serie derzeit scheint derart missionarische Fans zu besitzen. Woher das kommt? Keine Ahnung, vielleicht der Apple-Effekt: Wenn etwas qualitativ hochwertig + hip ist, läuft es wohl leichter Gefahr zum Kult zu werden, inklusive aller negativen Nebeneffekte.

via Seitvertreib

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