Kategorie-Archiv: Zeitmaschine

Wider dem Aktualitätswahn… Hier gibt es vergessene, erinnerte und erinnerungswürdige Klassiker: Rezensiert, analysiert und in den historischen Kontext gesetzt

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Die 00er: Die besten elektronischen Alben des Jahrzehnts III

Kurzes Intro: Es geht weiter mit Listen! Heute dabei: Hercules & Love Affair die Begründer des neuen Disco-Sounds feiern oder mit Mylo noch einmal Doctor Beat bestellen. Ruhiger wird es mit Royksopp, Ulrich Schnauss und The Field. Es war nicht alles besser, aber vieles entschleunigter vor Deadmau5 und Guetta.

Hercules & Love Affair – Hercules & Love Affair
(DFA, 10.03.2008)

Anthony macht nun als Disco-Künstlerin Anohni auf Disco? Ein lautes Gähnen seitens des Autors. 2008 taucht schon die androgyne Stimme des Ausnahmekünstlers/der Ausnahmekünstlerin auf dem Zweitling des New Yorker Post-Disco-Kollektivs auf. Disco-Sound, einst auch gerade queeren Szene entstanden, war plötzlich zu dem Zeitpunkt plötzlich wieder ein hipper Underground-Trend. Schuld daran ist natürlich das großartige zweite Album von Hercules & Love Affair, in dem verschwitzter Club-House-Sound auf 70er-Lässigkeit trifft.

Während Daft Punk später doch sehr poliert und konservativ dem Disco-Sound fröhnen, ist das selbstbetitelte Album schwitzig, dreckig, sexsüchtig und so tanzbar, dass einem schwindelig wird. Ein sensationeller Paukenschlag und eines der wichtigsten Electro-Alben der 00er.

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Die Newcomer 2018: Seite 360 wagt einen Ausblick in die Zukunft

Wo habt ihr schon 2010 etwas über Ellie Goulding gelesen? Waren wir 2011 nicht schon Monate vor dem Durchbruch an Hurts dran?  Ja genau! Schmeißen wir also wieder die Zeitmaschine an und preisen euch von der goldenen Zukunft.

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Quentin Tarantino Reservoir Dogs

25 Jahre „Reservoir Dogs”

Was hat Tarantino mit Kafka zu tun? Neben dem klassisch-modernen Schriftsteller aus Prag, mit dessem Werk das Adjektiv kafkaesk in die Welt kam, kann vermutlich nur noch Quentin Tarantino von sich behaupten, dass sein Nachname für einen adjektivischen Gebrauch benutzt wird: tarantinoesk! Mit gerade mal zwei Filmen, „Reservoir Dogs” und „Pulp Fiction” in denen der US-amerikanische Regisseur eine neue Ästhetik des Filmerzählens entwickelte, drückte Tarantino einem ganzen Genre seinen Stempel auf. So nennt man Paul McGuigans „Lucky Number Slevin” nun tarantinoesk, um in einem Wort zusammenzufassen, mit was man ungefähr rechnen kann, wenn man den Film schaut.

Tarantinos Debut „Reservoir Dogs” erschien vor 25 Jahren und der Nerdwriter fühlte sich bemüßigt, in diesem Video-Essay zu prüfen, ob es gut gealtert ist. Nebenbei geht er auch auf Tarantinos spezifische Art und Weise des Erzählens ein. Schaut es Euch an!

Tommy Wiseau

Eine dumme Bedrohung – Tommy Wiseau in „Star Wars“

Und dann kooperierten das Imperium, die Rebellen, die Sith und die Jedi, um die dumme Bedrohung gemeinsam zu zerschlagen.

Jaokee… Antonio Maria da Silvas „Hells Club“ war besser, größer, cineastischer und feuchter, aber hey, das bisschen Tommy Wiseau hat  ̶n̶̶o̶̶c̶̶h̶̶ ̶̶n̶̶i̶̶e̶̶m̶̶a̶̶n̶̶d̶̶e̶̶m̶ geschadet. Zusammengebaut wurde dieses Mashup von den PistolShrimps. Wer Wiseau nicht kenne sollte, der  ̶w̶̶e̶̶r̶̶t̶̶e̶  Herr hat 2003 den wohl erbärmlichsten Film der Bewegtbildgeschichte gemacht, „The Room“. Wir berichteten 2011 darüber. Der Nostalgia Critic hatte damals ein super Review über den Trashklumpen gemacht. Schaut es Euch hier nochmal an!

Banksy-Interview von 1995

Viele Interviews gibt er ja nicht. Und das hier von 1995, festgehalten auf VHS, dürfte eines der, wenn nicht das erste Interview für Banksy gewesen sein. Es lief damals in der BBC Channel 4 Show namens „Shadow People“. Banksy spricht darin über den Wert seiner Kunst, Geld und über das Malen in der Nacht.

Es scheint zwar so, aber ob das nun wirklich Banksy ist, darüber darf man zweifeln. Um seine wahre Identität ranken sich viele Spekulationen. Zum Beispiel auch die These, dass es sich bei Banksy um ein Künstlerkollektiv handelt. Außerdem lässt sich so eine Doku auch leicht fälschen.

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Die 80er Jahre: Die besten Filme des Jahrzehnts für Musikliebhaber

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Ich glaube, ich habe schon in einem der letzten Artikel mit Musikliebhaberfilmen erwähnt, dass Musicals so überhaupt nicht mein Genre sind. Dementsprechend sind sie auch in dieser Retrospektive nicht besonders präsent. Müssen sie auch gar nicht: Wer Musik und gleichzeitig Filme mag, ist keineswegs auf das naheliegendste und damit auch irgendwie ödeste Genre-Crossover angewiesen: Warum nicht stattdessen großartige Slapstick-Action mit viel Coolness, viel Humor und vor allem viel Rock N Roll (Blues Brothers)? Oder überlange surreale Musikvideos (The Amazing Mr. Bickford, The Wall), gerne auch dramatisch, pathetisch und voll mit Attitüde (Purple Rain). Oder warum nicht eine der besten Mockumentarys aller Zeiten (This is Spinal Tap)? Und wenns dann doch musicaleske Unterhaltung sein soll, kann ich zumindest Forbidden Zone anbieten… das wiederum ist aber auch ein Musical wie kein Zweites und passt somit perfekt in diese Reihe schriller, verquerer und ungewöhnlicher Filme.

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Die 80er Jahre: Die besten Kriegsfilme des Jahrzehnts

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Nachdem wir im letzten Artikel einen Blick auf die zivilen Kriegsfilme der Dekade geworfen haben, geht es nun direkt hinein ins Kampfgeschehen. Der Vietnamkrieg war damals noch ein großes Thema, auch und insbesondere in den 80ern und wurde in gleich zwei Meisterwerken, Kubricks Full Metal Jacket und Stones Platoon auf eindringliche Art aufgearbeitet. Auch das posttraumatische Drama Birdy lieferte wesentliche Impulse für die kulturelle Auseinandersetzung mit dem Sujet in der Reagan-Ära. Weitaus “historischer” ist da das deutsche Kriegsfilmepos Das Boot, in dem Antikriegsfilm und Kriegsfilm auf fragwürdige und dennoch beeindruckende Art zusammenwirken. Und dass sich nicht nur der Westen mit seinen kriegerischen Konflikten auseinandersetzen kann, beweist der artifizielle mitreißende russische Film Komm und sieh. Trotz nur weniger überragender Beiträge; die 80er sind ein ungemein wichtiges Jahrzehnt für die filmische Aufbereitung militärischer Geschehnisse.

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Die 80er Jahre: Die besten Kriegsfilme des Jahrzehnts (“Zivile Kriegsfilme”)

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Gute (Anti-)Kriegsfilme müssen nicht zwingend aktive Soldaten im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit haben. Das beweisen gleich alle fünf hier vertretenen Meisterwerke, die man mit Fug und Recht auch als “zivile Kriegsfilme” bezeichnen könnte. Ihre Protagonisten sind einfache Bürger (The Day after), ums Überleben kämpfende Kinder (Reich der Sonne), Radiomoderatoren (Good Morning Vietnam), Reporter (The Killing Fields) und traumatisierte Kriegsheimkehrer (Rambo). In der ein oder anderen Form finden aber alle auf Schlachtfeldern statt, seien es die Postmilitärischen oder die Ungesehenen an der Peripherie. Und ebenso wie die Protagonisten sind in diesem Fall auch die Genres vielfältig: Von der Tragikomödie über das große Melodram, über den Action-Flick bis zum annähernd dokumentarischen Kriegspanoptikum ist alles dabei.

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Die 80er Jahre: Die besten surrealistischen Filme des Jahrzehnts II

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Surrealismus, Nummer zwei. Man kann durchaus die Behauptung vertreten, dass nach der goldenen Ära des surrealistischen Films der Surrealismus ziemlich tot war. Genuin surreal waren schon die Filme der ersten 80er-Liste kaum, viel eher Genrehybriden, Experimentalfilme oder vom Surrealismus inspirierte Werke. Das ist auch im zweiten Artikel kaum anders. Mit Jodorowskys Santa Sangre hat sich zumindest eine unbestreitbare Ikone des surrealen Kinos hineingemogelt, wenn auch mit einem Film, der die meiste Zeit über anderen Vorbildern huldigt. Abgesehen davon gibt es Surrealismus im Gewand des Bodyhorrors (Videodrome), Surrealismus im Gewand des Mystery (Angel Heart) und Surrealismus im Gewand des fantastischen Avantgardekinos (Alice). Ist das Genre tot? Vielleicht, aber die Frucht aus diesem Schoß ist äußerst lebendig.

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Die 80er Jahre: Die besten surrealistischen Filme des Jahrzehnts I

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Im Grunde genommen ist Kino des Surrealismus in den 80er Jahren bereits ziemlich am Ende. Mit Luis Buñuel stirbt 1983 der wohl wegweisendste Regisseur des Genres und hinterlässt eine Lücke, die sich so schnell nicht schließen wird. Zwar wies David Lynch mit Eraserhead bereits 1977 einen Weg in die Zukunft des surrealen Films – zwischen Avantgarde und unterhaltsamem Genrekino -, in den 80ern kümmert er sich jedoch eher um “bodenständigere” Projekte wie seinen Elefantenmenschen oder Blue Velvet. Während der neue Surrealismus noch ein wenig in Wartestellung verharrt, lassen aber immerhin die Altmeister mit interessanten Spätwerken aufhorchen: Fellini, Godard, Kluge… die Filmemacher des ersten Beitrags zum surrealen Kino der 80er lesen sich wie ein who is who vergangener Jahrzehnte. Warum sie auch in dieser Dekade begeistern können, lest Ihr hier…

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Die 80er Jahre: Die besten Trash-Filme des Jahrzehnts II

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In den 80ern gab es wirklich genügend gediegenen Müll, um einen zweiten Best-of-Trash Artikel zu rechtfertigen. Wie schon in Teil Eins ist auch dieses mal wieder Troma vertreten. in diesem Fall mit der Class of Nuke ‘Em High. Während die Troma-Machwerke wie auch der Melt-Film Klassiker Street Trash ohne größeren Widerspruch hier rein gehören, – ebenso wie das türkische Rambo-Rip-off Rampage – darf zumindest vorsichtig die Frage gestellt werden, was die bissige Satire Sie leben hier verloren hat. Einerseits ist dieser SciFi-Verschwörungstheorie-Bastard viel zu politisch, zu subversiv und auch irgendwie zu clever, um einfach als Trash abgetan zu werden. Andererseits besitzt er eine (gefühlt) 5-Stunden lange Kampfszene die nirgendwo hinführt, Sonnenbrillenfetischismus und Roddy Fucking Rowdy Piper. Insofern…

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Die 80er Jahre: Die besten Trash-Filme des Jahrzehnts

Flash-Gordon-Blast

So… die Zeichentrickfilme haben wir endlich hinter uns gebracht. Zeit, wieder zu etwas Handfesterem überzugehen… TRASHHHHH! Und zwar solcher der feinsinnigen, unterhaltsamen Sorte. Alle hier geposteten Filme sind mal mehr mal weniger unfreiwilliger Ramsch. Aber irgendwie doch zu gut, um als schlechte Filme abgetan zu werden. Natürlich zählen dazu, SciFi-Klassiker wie der wunderbar cheesige Flash Gordon, aber eben auch der meiner Meinung nach komplett unterschätzte, epische Masters of the Universe. Für den richtig schlechten Geschmack gibt es Bad Taste, von einem Regisseur, der sich später komplett aus der Trash-Ecke rausinszenieren sollte. Und Troma darf natürlich auch nicht fehlen. Hier erst einmal vertreten mit dem Kultklassiker Toxic Avenger. Und wem das alles noch zu stilsicher ist, der dürfte mit dem vollkommen überdrehten Machwerk Buckaroo Banzai seine Freude haben.

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Die 90er Jahre: Die besten Alben des Jahrzehnts (Übersicht aller Artikel)

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Poetisch, laut, grimmig, maskulin, feminin, naiv und abgeklärt. Das waren die 90er und hier noch einmal die große Retrospektive im Überblick.

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Robert De Niro als Travis Bickle.

Darum… ist Martin Scorseses “Taxi Driver” so einzigartig – Ein Video-Essay von Jacob T. Swinney

Als ich zwischen 14 und 16 Jahre alt war, stieß ich im Fernsehen auf einen bereits laufenden Film. Die Bilder wirkten seltsam neu, modern, aber die Leute trugen alte Kleidung und die Autos waren auch aus der Zeit gefallen. Blick in die Fernsehzeitung. “Taxi Driver”. Ich hatte bereits davon gehört, an dem soll irgendwas dran sein. (Schulhofgespräche, vermutlich ging es um viele Tote und Krassheit.) …
Diese Bilder, Massenszenen in einer Großstadt, Gedränge, hupende Autos, Stau, satte Farben. Das war alles so, als wäre der Film gestern gedreht worden, nur dass die Leute diese alten Jacken, Hosen und Schuhe trugen. Mir wurde klar, dass ich gerade an etwas ganz großem Teil habe, an Filmkunst. Das war besser als Jean-Claude Van Damme und dieses Actiongedöns.
Jacob T. Swinney gibt in diesem Video-Essay Einblick in die erzählte Welt, die von der Kamera erschaffen wird. Mit ihren Bildern, Bewegungen, Fahrten, Perspektiven und Farben, erzählt sie den ganzen Film über von Travis’ (Robert De Niro) Innenwelt. Ganz ganz groß.

The Eyes of TAXI DRIVER from Fandor Keyframe on Vimeo.

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Die 00er Jahre: Die besten elektronischen Alben des Jahrzehnts I

Wie peinlich das ist. Ich würde so gerne krasse Storys aus der City erzählen, wie ich verstrahlt 3 Tage im Berlin getanzt und dann in einer Bar an der Spree ausgenüchtert habe. Ja, wäre nett gewesen. Ich begebe mich ab diesem neuen Teil der besten Alben der 00er selber auf die Reise. Auch wenn ich natürlich viele der Alben schon kenne, habe ich zu dem Zeitpunkt lieber Zeug wie Metalcore (Gott bewahre uns vor dieser Rubrik) gehört.

Während also in den 90ern Techno (heute wieder EDM genannt) auf immer größeren Kommerz-Events stattfand, begann in den 00er Jahren der Rückzug in die Clubs und an den Laptop. Das Besinnen auf den eher reduzierten Sound der 80er, mit Daft Punk sogar direkt zurück zu den Wurzeln der Disco-Musik, war natürlich auch ein großes Thema.

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