Wider dem Aktualitätswahn… Hier gibt es vergessene, erinnerte und erinnerungswürdige Klassiker: Rezensiert, analysiert und in den historischen Kontext gesetzt
Mein Gott werde ich da gerade nostalgisch. Ein blutjunger Thomas Bangalter spielt 1996 ein Live-Set bei einem amerikanischen Festival und spielt genau diesen knackigen House, den ich auf dem Debüt-Album “Homework” so geliebt habe und die Franzosen seitdem auch nie wieder so hinbekommen haben. Heute machen sie glatte Disco-Tribute Alben, tragen doofe Roboter-Helme…aber das ist ja eine andere Geschichte.
Öööhm, Black Sabbatah sind zurück und haben tatsächlich einen neuen Song auf Lager. Ach je, ich verpasse momentan auch alles und freue mich natürlich auf diese tolle Nachricht straight outta RSS-Reader. Der Song dröhnt zwar nicht so sehr wie Iron Man und könnte dreckiger produziert sein, ist aber für nen Haufen Mit-60er doch überraschend okay geraten.
Mit reichlich Verzögerung nun der dritte Teil der besten Indie-Alben des Jahrzehnts. Über das epochale Meisterwerk von Neutral Milk Hotel braucht man wohl kaum zu diskutieren, die Magnetic Fields widmeten dem Thema Liebe gleich 69 Love Songs,dEUS sahen Gott, Mercury Rev einen verwunschen Traum und Stereloab auf Emperor Tomato Ketchup zum Glück keine Tomaten auf den Augen.
Die Amis sind ja absolut verwöhnt mit großartigen Serien, man denke nur an Boardwalk-Empire oder Breaking Bad. Mein Favorit ist und bleibt aber Mad Men, dieser großartige Gesellschaftsroman der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts und stylish ohne Limit. Aber wie würden Don Draper, Roger Sterling und Pete Campell heute arbeiten und natürlich trinken?
Ich mache es schon wieder: Ich missbrauche das Blog hier für meine Prüfungsvorbereitungen. Jetzt aber wirklich zum letzten Mal, vorerst… versprochen. In zwei Wochen habe ich meine schriftliche und mündliche Abschlussprüfung in Philosophie, danach schreibe ich noch meine Magisterarbeit fertig und dann folgt vermutlich erst einmal die große Leere. Naja, das ist vielleicht ein bisschen zu viel Pathos, aber eine gute Überleitung zu meinem ersten Prüfungsthema in Philosophie: Husserls Cartesianische Meditationen (1931), in denen der Godfather der Phänomenologie versucht, die Philosophie ganz allgemein zu einer Wissenschaft aus absoluter Begründung zurückzuführen. Ich werde in diesem Artikel versuchen, Husserls sehr kompakte und zugleich sehr komplexen Gedankengänge nachzuzeichnen, um anschließend – sozusagen als Fingerübung – ein wenig philosophische Kritik an seinem phänomenologischen Weg zu üben. Tatsächlich soll das Ganze dann auch für Leute interessant sein, die so gut wie kein philosophisches Vorwissen mitbringen, denn wenn sich ein Text für den Einstieg in den Fachbereich der Philosophie eignet, dann ist es – vielleicht noch neben Heideggers Was ist Metaphysik (1929) – dann ist es der hier niedergeschriebene Inhalt von Husserls Vorlesungsreihe in Frankreich…
Willkommen zurück in der charmanten Unfertigkeit und dem genialistischen Unperfektionismus der besten Indie Alben der Neunziger. So schluffig neben der Spur wie The Breeders, The Vaselines, Belle & Sebastian, Spiritualized und Guided By Voices konnten es eben nur wenige Bands. Die genau richtige Musik für gemütliche Slacker, die keinen Bock auf depressive Destruktion, aber auch nichts mit der Karrieregeilheit ihrer Eltern zu tun hatten. Also macht euch doch einfach locker und chillt zu den folgenden Bands.
Moment, war Alternative nicht Indie und umgekehrt? Jein, wo Alternative Rock tatsächlich am Anfang noch eine Alternative zum dumpfen Mainstream war wurde schnell alles was irgendwie grungig war oder den Alternative-Style trug in diese Schublade gesteckt. Indie hingegen waren Querdenker oder notorische Mainstream-Verweigerer wie Neutral Milk Hotel, dessen kreativer Kopf Jeff Mangum die Öffentlichkeit scheut wie kein anderer. Travis hingegen schafften mit The Man Who den Durchbruch in den Mainstream, was nicht an Anbiederung lag sondern an einem zeitlosen Meisterwerk, dessen spröder Charme nie vergehen wird.
Bang Boom Bang hatte ich bereits bei den Besten Deutschen Filmen der 90er vorgestellt. Die immer noch großartige Ruhrpott-Komödie, die übrigens in Bochum seit 1999 nonstop im UCI-Kinoprogramm läuft, hatte (Ja, ich habe das total übersehen! gnnnn…) SpiegelOffline zusammen geschnitten und zeigt die besten und coolsten Sprüche aus dem Kultfilm.
Ich war ja dieses Jahr recht häufig in Berlin und wie es sich für einen Besuch in der Hauptstadt gehört und um alle Vorurteile bestätigt zu bekommen war natürlich auch ein Trip nach Prenzlberg angesagt Ich glaube den Reformhaus-Geruch habe ich immer noch nicht aus den Klamotten und irgendwie finde ich das auch bescheuert, wenn Leute so extrem Klischees ausleben. Das intime Portrait von Petra Tschörtner von 1990 zeigt zum Glück auch weniger Bio-Muttis, sondern ein gar nicht mal so schickes Viertel mit gebrochenen Menschen, die sich durch den grauen Alltag kämpfen.
BERLIN-PRENZLAUER BERG – BEGEGNUNGEN ZWISCHEN DEM 1.MAI UND DEM 1. JULI 1990
Petra Tschörtner DDR 1990 75’
liefert Bilder aus dem Leben der Kiez-Bewohner in den letzten Monaten vor der Währungsunion. “We need revolution” singt “Herbst in Peking” aus dem Prenzlauer Berg in den Trümmern der Mauer am Rande ihres Stadtbezirks. Dabei ist im Mai ’90 schon fast alles gelaufen. Im “Prater” schwooft Knatter-Karl mit seiner Freundin. Frieda und Gerda im “Hackepeter” sind erschüttert; denn gleich nach dem Fall der Mauer wurde im Tierpark ein Papagei gestohlen. Die Polizei jagt bewaffnete Männer, während Näherinnen erklären, warum die Vietnamesen zuerst entlassen werden. Ein einsamer Gast aus dem “Wiener Cafe” singt zum Abschied das Lied von der Heimat, während die rumänische Combo zum Balkan-Express zurückeilt. Die Hausbesetzer träumen von Anarchie und Frau Ziervogel, Inhaberin von Berlins berühmtester Würstchenbude, segnet das erste Westgeld. Der Tag der Währungsunion ist da. Filipp Moritz besetzt den Prenzlauer Berg.