Kategorie-Archiv: Medien

Filmabriss: Die Haut in der ich wohne, Womb, Wrecked

Dreimal das Sujet Identität, jedes Mal auf vollkommen andere Weise verarbeitet: Während der neue Film von Pedro Almodóvar Die Haut in der ich wohne (2011) auf ästhetizistische, hocherotische Bilder setzt, bewegt sich Womb (2010) in den kargen, minimalistischen Gefilden klassischer Arthaus-Dramen. Und die Direct-to-DVD-Produktion Wrecked (2011) wiederum versucht sich in der Tradition, dunkler, verwobener amerikanischer Mindfuck- und Survival-Thriller. In welchem Genre hat die Thematik die Nase vorn, welchem Film gelingt es, dem Stoff neue Blickwinkel abzutrotzen, und welches Werk geht mit dem schweren Thema baden? Drei Filme, drei Rezensionen, ein Motiv: Cineastische Identitätssuche und Selbstfindung nach dem Klick…

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Hörenswertes November 2011: Snow Patrol, Drake, Cass McCombs, The Devil`s Blood

Bevor wir nun mit dem vielleicht letzten Hörenswert-Artikel dieses Jahres beginnen, möchte ich mich noch bei jemanden entschuldigen, dem wir auf unser Seite mit wüsten Beschimpfungen und Schmähungen bedacht haben:

Lieber November, ich habe dich als Arschlochmonat beschimpft und nach einem der schönsten Herbstmonate seit langer Zeit muss ich mich einfach entschuldigen und dir für sonnengoldene Tage und epische Sonnenuntergänge danken. Wir alle haben zu danken, nur die Schiffahrer heulen wieder rum, aber das machen die zu jeder Jahreszeit.

So, nun zu der Musik. Die ist auch nicht mehr das, was sie mal am Anfang des Jahres war und hat eher wenig Spannendes zu bieten. Snow Patrol garnieren ihre Zucker-Balladen nun mit elektronischen Elementen, Drake hat den Weichspüler weggelassen und überrascht, Cass McCombs spielt Beatles auf ner ollen Gitarre und The Devil`s Blood heizen uns kräftig ein.

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Super Mario antwortet PETA

Vielleicht hat der ein oder andere mitbekommen, dass es eine ziemliche Aufregung um die – im Grunde recht lustige – PETA-Kampagne gegen Super Mario gab. Die Tierschutzorganisation protestierte nicht nur gegen die Grausamkeit, die das Tragen des Tanooki-Pelzes mit sich bringt, sondern lieferte auch gleich das passende Browsergame, um die Brutalität des pelztragenden Marios anzuprangern. Nachdem PETA nun einen kleinen Rückzug gemacht hat, geht der Kampf “Mario gegen Tierschützer” in die nächste Runde. Der Nintendo-Held antwortet in diesem grandiosen Video von Dorkly Bits auf die Unterstellungen, die ihm gemacht wurden.

The Wall of Death

Wirklich sehr schöner, mitunter fast schon leise poetischer Dokumentarfilm von Benedict Campbell über Wallrider, also die Todesmutigen Motorradfahrer, die als Kirmesattraktion mit ihren Höllenmaschinen steile Trommeln entlangbrausen. Im Zentrum des Fünfzehnminüters steht die Artistengruppe “The Ken Fox Troupe”, die mit ihrer waghalsigen Show durch ganz Europa tourt.

via Minds Delight

Nightmare Before Christmas – Mixtape von Caribou

Amtliches, düsteres, schräges und von avantgardistischen Tönen zersetztes Mixtape von Caribou. Dieser ist einer der Kuratoren des Nightmare Before Christmas Festivals, das vom 9. bis zum 11. Dezember in Minehead stattfindet. Das dazu passende einstündige Mixtape featured unter anderem Four Tet und Sun Ra und bewegt sich an den Schnittpunkten von Electro, Free Jazz und Experimental. Ziemlich kaputtes Zeug mitunter…aber soooo gut!

Please enjoy this amazing mix put together by Dan Snaith (Caribou), who has created an intense hour long journey through the artists chosen for his day of the event, highlighted by a new and previously unreleased remix of Improve Me by Junior Boys.

Caribou – Nightmare Before Christmas Mix by All Tomorrows Parties

via Musikexpress

Trailerprogramm: Brave, Shame, Rampart, Crashtastic, ROBO-G, Mirror Mirror, Detachment

Brave [Pixar]

Das sieht doch echt mal ordentlich aus. Pixar und Disney kooperieren erneut und heraus kommt kein klassisches, humoristisch aufgebrochenes Trickspektakel sondern ein waschechtes Epos zwischen Historienfilm, Fantasy und Coming-of-Age-Märchen. Der in den schottischen Highlands angesiedelte Brave erinnert sowohl ästhetisch als auch dramaturgisch an einige der ernsteren Disney-Zeichentrickfilme der 80er und 90er Jahre… nur eben ohne die niedliche Aufbereitung. Kein kleines, verrücktes Tier weit und breit, anscheinend auch keine Musical-Einlagen, und auch Romanzenkitsch ist im Trailer nicht auszumachen. Stattdessen eine epische Geschichte um Selbstfindung, ein wenig klassischer Pixar-Humor und große, starke animierte Bilder. Sieht vielversprechend aus, auch wenn das Grundgerüst “Frau muss sich in Männerdomäne beweisen” alles andere als originell ist.

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Le Guess Who? – Festival (Mixtape & Stream)

Für alle die es geschafft haben, die komplette Festival-Saison zu verpennen gibt es an diesem Wochenende Hoffnung in Form des Le Guess Who?- Festival. Das schicke Indoor-Festival findet vom 24.-27.11 im niederländischen Utrecht statt und ist zumindest für die angrenzenden Bundesländer gut und schnell zu erreichen. James Blake, Panda Bear, Shabazz Places, Steven Malkmus und viele mehr sollten dem Musikfanatiker den Mund wässrig machen und wer sich dann doch wieder für das Wohnzimmer entscheidet, kann ja immerhin das tolle Mixtape anhören, was Drowned In Sound zusammengestellt hat.

via Braids (privater  Soundcloud-Stream)

via Drowned in Sound

Slowtallica

Erstens wollten wir hier ja eigentlich noch gemeinsam über das Loutellica-Experiment lästern, oder zumindest zanken, wer von uns es nun am scheußlichsten findet, oder aber… nein, das ist dann doch zu abwegig. Zweitens wollte ich ja eigentlich noch was über Proto-Drone der 90er Jahre schreiben. Und drittens fühle ich mich gerade unglaublich müde und schwermütig… Wie es sich gehört, passen alle drei Punkte perfekt zu diesem Blogpost.

Soundcloud-User InaudibleWhisper hat die S&M-Version von Metallicas Nothing Else Matters durch den Entschleuniger gejagt. Achtmal so lange, achtmal so langsam ist dieses 50minütige ätherische Wabern, das zwischen breiten, hängenden Sounds aus scheinbar anderen Sphären und beschwörenden Vocals nur noch entfernt an den Metal-Balladen-Klassiker erinnert. Ist zwar schon ein Jahr alt, und hat bestimmt der ein oder andere von euch bereits gehört… so was hat mich ja aber auch noch nie vom bloggen abgehalten. Insofern: Alt, langsam… aber verdammt gut!


via

Mein liebster Feind – Werner Herzog und Klaus Kinski auf Arte+7

 

Seit gestern und damit für die kommenden sieben Tage ist Werner Herzogs herausragender Dokumentarfilm Mein liebster Feind (1999) auf Arte+7 online zu sehen. Werner Herzogs mal rühriger mal bissiger Blick auf den Weggefährten, Freund und Kontrahenten Klaus Kinski wurde ja bereits bei unseren besten Dokumentarfilmen der 90er Jahre ordentlich gewürdigt und ist tatsächlich ein großartiges Zeit- und Personenporträt. Nicht verpassen!

“Ich kann durch ihn hindurchsehen wie durch Wasser”, verrät Herzog. Warum sie zusammenarbeiten, werden sie auf einem Festival gefragt. “Weil er verrückt ist”, erwidert Kinski sofort, “genauso wie ich”. Das unausgesprochene gemeinsame Einverständnis, so weit zu gehen wie möglich, der Größenwahn, den sie sich gegenseitig bescheinigten, kettete sie aneinander. In dem Dokumentarfilm erinnert sich Herzog seines geliebten Feindes, dessen Ausstrahlung von “bedingungsloser Professionalität” ihm manchmal fehle.

Noch drei “The King of Limbs”-Remixe von Radiohead

Jetzt reicht es aber mal so langsam… oder? Radiohead selbst sagen, diese Stücke seien einfach zu spät fertig gestellt worden, um auf dem TKOL RMX Release Platz zu finden… wären aber so gut, dass sie sie dennoch mit ihren Fans teilen wollen: “We wanted to get them out because we’re big fans and wanted you to hear them too,”. Na dann…

via Spin

Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts III

Hui, das macht langsam richtig Spaß! Wo ich eigentlich die deutschen Alben bewusst ganz nach hinten geschoben habe, fällt mir nun erst wieder auf, was für ein mutiges Jahrzehnt eigentlich die 90er-Dekade in der Heimat war. Da wurde wild rumexpermentiert, da wurden Grenzen aufgebrochen und Deutscher Hip Hop war auf seinem Höhepunkt angelangt. Ein tolles Jahrzehnt für Musik aus deutschen Landen… Hoffentlich liest gerade ein 15 jähriger mit, schmeißt später seinen ganzen Wir sind Julimond-Mist in den Müll (oder löscht ihn von der HD) und fängt wieder an spannende Musik jenseits von kantenlosem Pathos-Rock oder Heuli-Soulpop wie Tim Bendzko zu hören. Und ihr Musikproduzenten und Plattenlabels solltet diesem Beispiel folgen… Ganz ehrlich, liebe Bands aus Deutschland, dann fange ich auch wieder verstärkt an eure Musik zu hören und kaufe mir wieder eure Alben. Versprochen! So, aber nun übertrieben guten Hip Hop von Torch, frühe Qualitätsarbeit von The Notwist, nur das Beste von Mutter, Überraschendes von Grönemeyer und Grenzenloses von Den Goldenen Zitronen und Fischmob.

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