Musik

Die besten Alben, die schlechtesten Alben, große und kleine Werke… Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges: Rezensiert, gefeiert, kritisiert und immer in den kulturellen Kontext gesetzt

Wir fassen mal zusammen: Von einem kleinen Beitrag in unserem Bandwatch, über die eher maue Wonderful Life EP hin zum neuen Chartswunder. Immer wieder sind es gerade die nicht vorhersehbaren Dinge, die umso heftiger einschlagen. Sind Hurts nun die neuen Polarkreis 18, die für lange Zeit mit dem Makel des One Hit Wonders behaftet sein werden oder haben wir hier gar die neuen Pet Shop Boys?

Hurts – Happiness

VÖ: 27.08.2010

Label: Four Music

Lasst uns nicht mehr von Retro reden, denn die vermeintlichen 80er Genres wie Synthiepop sind längst ein etablierte Sparte für sich, wenn auch eine bisher nicht sonderlich rühmliche. [Weiterlesen…]

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Auch wenn sie es vermutlich nicht gerne hören: Wir sind Helden sind die Band der Berliner Gentrifizierung schlechthin. Aus der linksalternativen Subkultur entsprungen, Mastermind Judith Holofernes war zuvor als Straßenmusikerin und Solokünstlerin auf den Berlinern Kleinkunstbühnen unterwegs, dann der große Durchbruch, Erfolg auf der ganzen Linie bei Hörern und Kritikern, hipp, angesagt, irgendwie auch schick und sympathisch unbefangen, schließlich die ebenfalls wohlwollend aufgenommenen Nachfolger und schließlich die Babypause. Zum Schema passt, dass Holofernes trotz Kind nicht nach Zehlendorf ziehen will. Szenebezirk Kreuzberg bleibt eben die Heimat und dort kann man sich schließlich auch mit den Hörern und Freunden zwischen Design, Künstlertum und Start Up Gewinnern pudelwohl fühlen. Begleitet von viel Pop, ein wenig Unangepasstheit und der puren Freude am Leben.

Bleibt natürlich die Frage: Wo zieht es die Gentrifizierung hin, wenn sie mit langsam einsetzender Gesetztheit auf sich selbst zurückgeworfen wird. Mit “Bring mich nach Hause” liefern die Helden darauf nun die passende Antwort. [Weiterlesen…]

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Wenn in den letzten Monaten nach dem heißersehntesten Indie Pop Album 2010 gefragt wurde, fiel meistens wie aus der Pistole geschossen ein Name: The Suburbs, der dritte Langspielplattenstreich des kanadischen Pop-Kollektivs “Arcade Fire”. Immerhin hatte die Band 2004 mit Funeral eines der beliebtesten Indie Pop Alben des vergangenen Jahrzehnts aufgenommen und auch mit dessen Nachfolger Neon Bible für Begeisterungsstürme bei Fans und Kritikern gesorgt. Ein Hauch von Hoffnung wehte seit der Ankündigung über dem nun erscheinenden Album. Könnten Aracde Fire (vielleicht noch zusammen mit Broken Social Scene) im Alleingang die angerostete Indie-Ehre retten? Wären sie der Hoffnungsträger für die Zukunft der Musik der Hornbrillen- und Sportjackenträger? Selten zuvor wurde ein Album so heiß umsehnt, so mystifziert und diskutiert, bevor überhaupt seine ersten richtigen Töne zu hören waren. Nun liegt es vor uns, in seiner ganzen Pracht…

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Nach dem Solo-Intermezzo von June of 44 wurde munter weiter kollaboriert bei Konkurrents Fishtankreihe. Pünktlich zur Jahrtausendwende standen sich die Indie-Rocker von Low und das instrumentelle Folk-Trio Dirty Three gegenüber. Diese haben durchaus Erfahrung, was die Zusammenarbeit mit Alternativerock und Indie-Größen betrifft. Warren Ellis war seinerzeit Mitglied bei “Nick Cave and the Bad Seeds”, die anderen beiden im Bunde – Mick Turner und Jim White – sind unter anderem als Backgroundmusiker bei Cat Power, PJ Harvey oder gar Sonic Youth zu hören. Da scheint die Zusammenarbeit mit den Lo-Fi, Slowcore-Rockern von Low nur folgerichtig.

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VÖ: 06.08.2010

Label: Warp/ Rough Trade

Eine Band vom Kultigsten aller Kultlabel? Wenn einem eine Promo von Warp zugeschickt wird, ist die Vorfreude natürlich besonders groß und man freut sich auf den nächsten Aphex Twin oder Squarepusher, auf jeden Fall vermutet man etwas, was man so vorher noch nicht gehört hat. Ja, das gilt auch für Maximo Park , deren Debutalbum auf Warp immer noch zu den essentiellen Alben der 00er Jahre gehört, für die nicht so tollen Nachfolgealben kann das Label ja auch nix.

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Das Konzept der ungewöhnlichen Kollaborationen hatte sich trotz der überaus erfolgreichen Zusammenarbeit von Tortoise und The Ex gegen Ende der 90er bei den Fishtank-Sessions noch nicht vollständig durchgesetzt, und so musste die Alternative Rock Band June of 44 im Jahre 1999 das Konkurrent-Studio allein heimsuchen. Das macht in diesem Fall aber überhaupt nichts…

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VÖ: 30.07.2010

Label: Cooperative

Eine fast unerträgliche Hitze macht sich über Deutschland breit und wenn sich das Blut verdickt und es einem nach einer Flasche Bier schon schwarz vor Augen wird könnte man in kaum besserer Verfassung für das neue Wavves Album sein, das immer noch seine beste Wirkung im halluzinogen Zustand entfaltet und diesmal mehr als nüchtern erträglich ist oder eigentlich viel mehr als das: es ist richtig großartig geworden. Wo das Debütalbum schroffe Lo-Fi Punk Attitüde war hat Nathan Williams nun auch das Songwriting für sich entdeckt und das schemenhaft erkennbare Potential bekommt nun feste Strukturen und das großartige ist, daß King Of The Beach nichts von der Wucht des Vorgängers verloren hat. [Weiterlesen…]

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Irgendetwas stimmt nicht. Das da oben – dieses bleiche Etwas, was durchgeschwitzt vor der Menge steht – das kann nicht Dave Gahan sein. Was ist nur passiert? Mit Dave – der noch so selbstbewusst im Rose Bowl vor 80.000 seine legendären Moves aufführte, mit seinem jugendlichen Charme und grandioser Performance das ganze Stadion für sich gewann und Depeche Mode den endgültigen Durchbruch in den Staaten bescherte. Denn Electro/Synthiepop war und ist – wie heute eigentlich immer noch – in den USA des Teufels. (Kann man sich den Cowboy in der einsamen Wildnis mit einem Keyboard unter dem Arm vorstellen?) Aber dieser Dave Gahan, der Black Elvis des Synthie Pop, gibt dem Ganzen eine Identifikationsfigur. Aber genau dieses Gesicht: Ganz bleich und ein Bartwuchs lässt nicht erkennen wie hager er geworden ist. Ein paar Strähnen von seinem Haupthaar fallen herunter und verzieren den ernst gewordenen Ausdruck, in den sich das Schicksal eines Gebrochenen gezeichnet hat. Der Rest der Band versteckt sich hinter kühlem Kraftwerk-Equipment, düsterer Bühnendeko und verstörenden Videocollagen, die Band-Intimus Anton Corbjin entworfen hat. Aber noch nicht mal dieser Schutz bleibt für die ganze Tour, die sich immer mehr als kaum bezahlbares Desaster herausstellt. [Weiterlesen…]

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Ruppig wirds beim fünften In The Fishtank. Ruppig und selbst für diese Reihe ungewohnt experimentell. Außerdem gibt es eine weitere Revolution. Der fünfte Ausflug in die Fishtanksession ist der erste, in dem das mittlerweile berühmte Konzept einer ungewohnten Kollaboration zum Tragen kommt. Die Postrocker von Tortoise krallten sich 1999 die Progressive Punkband The Ex und zogen sich für zwei Tage ins Studio zurück. Herausgekommen ist ein wüster, experimenteller Bastard aus glasklarer Komposition, schrillen Impromanierismen, Jazz, Rock, Noise und Postrockklängen.

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Alles andere als kalten Kaffee bekommen wir diesen Monate von zwei Newcomern aus dem mittlerweile vollkommen aus dem Ruder gelaufenen R`n B Bereich, der zwar schon immer knietief im Mainstream stand und selten durch kunstvolle Meisterwerk auffiel, aber momentan  gerade durch Beyonce Knowles endgültig in seichte Gewässer abzudriften droht. Wir könnten eigentlich an der Stelle noch mehr ins kleinste Details gehen und uns wundern, was eigentlich mit all den schleimigen R`n B-Boygroups wie Boys II Men oder Dru Hill passiert ist und warum kein Hahn mehr nach durchtrainierten Sexprotzen wie R. Kelly oder Usher schreit. Weil wir die eigentlich gar nicht vermissen und das zu Tode produzierte Genre dringend eine Koffein-Kur benötigt, hören wir nun genauer in die Debutalben der nur auf den ersten Blick unterschiedlichen Ladies rein.

Janelle Monáe

ArchAndroid

VÖ: 09.07.2010

Der Name Janelle Monáe geistert schon seit einiger Zeit durch die Hipster Blogs und wer mal bei einer der letzten Coke Werbespots aufgepasst hat, wird sich sicherlich gefragt haben, wer dieses Mädel mit der Turmfrisur und den 20er Jahre Klamotten ist. [Weiterlesen…]

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Jaaaa… ein bisschen Nostalgie ist schon dabei. Wenn die Gitarren ordentlich nach vorne schrammeln, so als wäre die gesamte Grunge-Generation niemals im Mainstream angekommen, so als hätten die letzten 15 Jahre nach dem Tod Kurt Cobains nie stattgefunden, als wäre 80er und 90er Jahre Indierock/Protogrunge nach wie vor der heißeste Scheiß… dann hört mindestens ein wehmütiges Ohr mit. Drauf gepfiffen, denn auch wenn Male Bonding keinen Hehl aus ihren Einflüssen machen, klingt ihr Debütalbum Nothing Hurts doch dermaßen frisch, unverbraucht und lässig, dass man fast geneigt wäre zu konstatieren: Genau jene Musik, die im 90er Jahre Alternative Rock ihren Höhe- und Endpunkt fand, jene Musik, die Dinosaur Jr., Hüsker Dü und Echo and the Bunnymen zu ihren Ikonen zählt, jene Musik, die Seattle wie ein Strohfeuer entflammte ist der heißeste Scheiß… und alles andere ist egal.

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Mit ihrem Album “Myths Of The Near Future” traten die Klaxons  damals die sogenannte  New Rave Welle in Großbritannien los, von der heute kaum noch nennenswerte Band übrig geblieben sind und den fast vergessenen The Prodigy einen zweiten Frühling und wieder volle Hallen bescherten. Der Begriff  New Rave war den Klaxons damals schon peinlich und gerüchtweise muss das die erste Version des Nachfolgers dermaßen umkommerziell ausgefallen sein, daß nun am 23. August eine schätzungsweise verträglichere Version erscheint. Schaut man sich allerdings den Namen des Produzenten an dürfte aber auch  “Surfing The Void” nicht gerade ein Pop-Album werden. Kein Geringer als New (sic!) -Metal Papst Ross Robinson (Korn, Slipknot) übernahm die Produktion des Albums, und selbst des Grunz-Metal unverdächtigen Indie-Bands wie At The Drive In und The Cure drückte der Mann seinen markanten und druckvollen Stil auf.

Quelle: http://www.nme.com/news/klaxons/51452

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Die Dinosaurier des progressiven Hard Rock melden sich zurück. Rush waren mit ihrem satten, druckvollen Sound und ihren eingängigen Hooklines ja schon immer irgendwo an der Schnittmenge zwischen Progressive, AoR und klassischem Hard Rock mit Metaleinflüssen. Daran hat auch ihre Entdeckung des Synthesizers Mitte der 80er nichts geändert, ebenso wenig die deftige Metal-Schlagseite zu Beginn des neuen Jahrtausends. Trotz Frickeleien und viel technisch versierter Spielfreude waren Rush immer eingängig und ordentlich unterhaltsam. Daran wird sich wohl auch auf dem kommenden Album Clockwork Angels (2011) nichts ändern, zumindest wenn man dem Vorboten, der Downloadsingle Caravan, Glauben schenken darf. Druckvoller harter Rocksound, eine deftige Metalattitüde (im zweiten Song BU2B), eingängige Hookline und trotzdem noch genug Platz für geschickte, verspielte Frickeleien und massive Bassläufe. Caravan und sein Begleiter BU2B machen Spaß, gehen gut ins Ohr, rocken und sind vielseitig genug, um Vorfreude auf das kommende Material zu wecken. Auch im Jahr 2010 klingen Rush alles andere als altersmilde.

http://www.myspace.com/officialrush

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Ratttatttata,,, Come Down with tHe SiCkNeSs, BooYaHH, Keep Яollin, und so weiter…

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Erkenntnisse aus der vierten In The Fishtank-Session:

- Das nächste Mal den Musikern doch bitte Bananen zur Aufnahmesession mitbringen!

- Kurz und schnell kommt immer gut.

- Die Kombination aus Bläsern und gitarrenlastigem Punkrock muss nicht automatisch nach Ska klingen.

- Nein, sie haben keine Bananen!

- Meldoievariationen sind irgendwie so 90er.

- Wenn schon immer die gleichen Melodien, warum dann auch nicht im selben Atemzug immer die gleichen Lyrics?

- Nein, es gibt keine Bananen!

- No Tenemos Bananas!

- Eine EP kann auch mal auf 9 Songs kommen, wenn diese denn kurz genug sind.

- Funpunk muss nicht nach Surfklischees klingen, sondern kann auch ordentlich roh und dreckig sein.

-  No Bananas! Not today!

- Schnell, noch ein bisschen gröhlen, ein paar “Ahhs!” auf schnoddrigen Gitarren, ein bissel derb rocken, ordentlich instrumental metallastig hinterherbolzen (epische 2 1/2 Minuten lang)… und keine Bananen.

–> Zur In the Fishtank Übersicht

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