Musik

Die besten Alben, die schlechtesten Alben, große und kleine Werke… Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges: Rezensiert, gefeiert, kritisiert und immer in den kulturellen Kontext gesetzt

VÖ: 15.10.2010

Paul Smith sagt über sich selbst: „Ich bin eigentlich kein extrovertierter Mensch. Wenn ich nicht auf der Bühne stehe, bin ich am liebsten ganz anonym.“ Besucher eines Maximo Park-Konzerts werden sich bei dieser Selbsteinschätzung verwundert die Augen reiben, aber wer den Frontmann der Band aus Newcastle je abseits der Bühne getroffen hat, mit seinem Baseballcap, über das fast schon traditionell auch noch eine Kapuze gezogen ist, erlebt diesen ruhigen, fast schon schüchternen jungen Mann aus Billingham. Nach eben dieser Heimatstadt hat Paul Smith auch sein Plattenlabel benannt, bei dem am 15.10. sein erstes Soloalbum „Margins“ erschien, das diese andere Seite des Paul Smith repräsentiert.

Parallelen zu seiner Hauptband lassen sich natürlich schon allein auf Grund Smiths Stimme und seinem unverwechselbaren Akzent weder verleugnen noch vermeiden. Der Schwerpunkt des Albums liegt wie bei Maximo Park auf den Texten, schließlich ist Smith auch dort Hauptsongschreiber, aber die musikalischen Arrangements sind deutlich anders. Smiths Richtung deutete sich schon auf einigen B-Seiten von Maximo Park wie z.B. „La Quinta“ oder „Mary O’Brien“ an, und so ist schon beim Opener „North Atlantic Drift“ die Grundrichtung des Albums deutlich herauszuhören, hier steht der zarte Indie-Pop im Vordergrund. [Weiterlesen…]

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Zwei gestandene Indie- und Alternativerockgrößen. Zwei neue Alben, die sich vom bekannten Material abheben… Was steckt hinter den aktuellen, experimentierfreudigen Alben von Folk-Geheimtipp Sufjan Stevens und System of a down Sänger Serj Tankian? Wir wagen für euch einen Blick auf Imperfect Hamonies und The age of adz.

Serj Tankian – Imperfect Harmonies

Vö.: 17.09.

Die großen Gesten beherrschte Serj Tankian schon als Sänger bei dem Alternative Metal Crossover der Band System of a Down sowie bei seinem ersten Soloausflug der Elect the Dead. Auch im Kontext dessen Neuintrepretation in der Elect the Dead Symphony erscheint der Sound auf Imperfect Harmonies weniger als Neubeginn, denn als konsequente Weiterentwicklung. Der Rock ist noch mehr gewichen; ohnehin war Serj Tankian immer mehr klassischer – oder zumindest theatralischer Sänger – als Metalshouter. Sein nun gefundenes, selbstbezeichnetes Genre des “Electro-Orchestral-Jazz-Rock” dürfte genau die zwingende Bewegung sein, die ohnehin erwartet werden durfte.

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VÖ: 22.10.2010

Ein schwer Sturm kam 2006 über uns herüber. “Insomniac Dose” war vertonte Schwermut, aufkommende und endgültige Dunkelheit, die sich zum Ende in eine Verzweiflung und Hass steigerte. Nun, nachdem sich die Wolken entfernt haben, schauen wir uns um, erleben vollkommene Ruhe und werden uns bewusst was wir verloren und doch wieder neu hinzugewonnen haben. Das neue Album der Post Rock Legenden Von Envy versprüht in vielen Momente,n und mehr als je zuvorn die majestätische Schönheit von Sigur Ros. Auch die obligatorischen Ausbrüche erfolgen nicht mehr in Moll sondern wirken befreiend und karthartisch.

Auch wenn es nun viele verschreckt, aber auch Coldplay dürfen hier genannt werden, zumindest aus der Zeit als ihre Songs noch überlebensgroß wie “Amsterdam” waren. Envy öffnen sich auf Recitation mehreren Stilen und erweitern ihr en ohnehin nicht geringen Kopfkino-Score um weitere Emotionen, die auch gut zu einem Album von Thursday, mit denen sie eine Split EP aufgenommen haben, gepasst hätten. Hardcore Fans mag zwar der fast punkige Ausflug von “Dreams Coming To An End” sauer aufstoßen. Aber wer erkannt hat, wie sehr Post-Rock schon vor Jahren an seine Grenzen gestoßen ist, kann sich über derlei Neuerungen nur freuen. Recitation ist einfach das vielseitigste Envy Album und wird bestimmt auch Fans bei den Hörern finden, denen das Grau in Grau der vorigen Alben zu erdrückend schien. Hier ist Licht und fragile Hoffnung auf einen Neuanfang nach dem Ende.

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Am 2. Oktober 2000 erschien ein Album, das die alternative Musikwelt gehörig durchwirbelte. Radiohead – Aushängeschild für gitarrenlastigen, britischen Independentrock, der zwischen Pixies, Blur und The Smiths oszillierte, veröffentlichten mit Kid A ihr persönliches Opus Magnum, die Verabschiedung vom Rock, die vollständige Umarmung des experimentellen Electropop und schufen damit ein Werk, das die postmoderne Popszene bis zum heutigen Tag entscheidend prägen sollte. Grund genug, sich heute zum Jubiläum dieses gepresste Wunderwerk genauer anzuschauen.

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VÖ: 08.10.2010

Neben den ebenfalls aus Schottland stammenden Travis haben Belle & Sebastian wohl die Nettigkeit erfunden. Wohl kaum einer, der sich in den 90er für Indiemusik interessiert hat, dürfte legendäre Alben wie Tiger Milk nicht in seinem Regal stehen haben. Die anfängliche Medienscheu machte die Band natürlich noch interessanter und fast scheint es als ob diese Band ihre Magie in dem Augenblick verlor, als sie sich dazu entschloss an die Öffentlichkeit zu treten und ihre Zurückhaltung aufzugeben.

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Ich bin sicherlich nach Hipster-Zeitrechnung extrem spät dran und der ein oder die andere von euch wird auch schon längst Newton Faulkners Cover von “Teardrop” auf Youtube gesehen haben. Für die, die es noch nicht kennen: Es ist einfach der pure Wahnsinn wie Faulkner nur mit seiner großartigen Stimme und seiner eigenwilligen Zupftechnik an das große Original heran kommt, dies alles für lau in einem Amsterdamer Fahrstuhl aufgenommen.

Erschienen auf Hand Built by Robots.

Es gibt übrigens noch eine Gitarrenversion des Massive Attack Klassikers von Junip Frontmann Jose Gonzales, die aber meiner Meinung nach nicht an Faulkners Interpretation heran kommt:

Und wer nun tatsächlich gar keine Ahnung hat über welchen Song wir hier schreiben:

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Der Herbst kommt zaghaft… aber er kommt. Kalte, nasse und neblige Tage stehen uns bevor. Was wäre da besser, als sich ins traute Heim zurückzuziehen und eingewickelt in eine kuschlige Wolldecke wohltuender, melancholischer Musik zu lauschen? Deerhunter, Yann Tierssen und Ben Folds in Zusammenarbeit mit Nick Hornby leiten die vermeintlich ungemütliche Jahreszeit stimmungsvoll ein. Mit schrägen, verträumten, melancholischen und emotionalen Klängen. Wir werfen einen kleinen Blick auf die passende Musik, wenn die Blätter fallen und das Wetter rauer wird.

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Am 21. September wurde rap.de Redakteur Marcus Staiger von dem Berliner Underground Rapper Blokkmonsta vor den Redaktionsräumen von rap.de (nieder)geschlagen. Grund für die jüngste Austragung eines wohl schon länger schwelenden Konflikts war eine negative Rezension Staigers zu Blokkmonstas neuem Album. Dieser fühlte sich durch die bissige Review angegriffen und suchte daher mit einigen Freunden Staiger auf, um ihn zur Rede zu stellen.

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VÖ: 24.09.2010

Label: DGC Records / Cooperative Music

Muiskinteressierten Menschen muss man Dave Sitek eigentlich nicht mehr vorstellen, für den Rest sollte das nun spätestens mit seinem Soloprojekt Maximum Balloon ebenso der Fall sein. Der kreative Kopf hinter TV On The Radio, Produzent von  Künstlern wie Yeah Yeah Yeahs und Scarlet Johannson, präsentiert uns auf einem Soloalbum seine Melange aus Indie, Hip Hop, Afro-Beat, Wave und Prog. [Weiterlesen…]

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VÖ.: 25.6.2010

Laufzeit: 50 Minuten

Da hat der gute Steve Wilson von Porcupine Tree mal ganz euphorisch die Werbetrommel für den Prog-Nachwuchs gerührt. Erst überschüttet er das Solowerk von Demians Frontmann Nicolas Chapell mit unzähligen Lobpreisungen um kurz darauf deren Debüt auch nochmal schnell in den höchsten Tönen zu loben. Eigentlich gar nicht schlecht, denn so weiß der interessierte Hörer immerhin schon ungefähr, was ihn auf dem Zweitalbum Mute erwartet. Und tatsächlich: Die Demians bewegen sich voll und ganz in den Gefilden, in denen auch die Neo-Prog-Heroen von Porcupine Tree zu Hause sind: Pathetischer, emotionaler Neo Progressive Rock, immer zwischen komplex und verträumt, in ausgesuchten Momenten auch mal mit Alternativem Metal flirtend, mit einer deftigen sakralen Note versehen und nie um den ein oder anderen EMOtionalen Ausbruch verlegen.

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Neben Aphex Twin gehört Squarepusher zu den kreativen Wahnsinnigen vom Kultlabel Warp, das in diesem Jahr sein 20jähriges Bestehen feiert und mit einer Bandbreite von den massentauglichen Maximo Park hin zum nerdigen Abstract Techno-Wahnsinn von Autechre wohl DIE Kreativzelle der englischen Musiklandschaft sein dürfte. Das Warp seinen Schützlingen komplette Narrenfreiheit gewährt ist bei  Squarepusher`s neuem Projekt  Shobaleader One mal wieder mehr als ersichtlich. Das Video zu “Megazine”  verbindet das optische Auftreten von Sunno))) mit der Anonymität der French House Roboter von Daft Punk. Da wir hier also eine  große Parade an WTF-Momenten erleben und verarbeiten dürfen, soll Squarepusher, der mit richtigen Namen Thomas Jenkinson heißt, einfach selber Rede und Antwort zu seinem  neuen Baby stehen. Zum Glück hat er dies gleich selber auf seiner Website getan:

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VÖ: 31.08.2010

Laufzeit: 52 Min

Sänger Jonathan Higgs muss es schon ab und zu sehr kneifen, so jedenfalls die Vermutung nach den ersten Songs auf diesem Album. Noch höhere Töne als die Vorzeige-T…… von den Scissors Sisters oder “Hometown Boy” Jimmy Summerville zu treffen, ist auf jeden Fall eine Leistung und verstärkt eh schon den leicht verschrobenen Freakfaktor der Band aus Newcastle. Math-Pop ist ja wohl neben Folk das neue Darling der Engländer; und die Foals haben mit Total Life Forever weit vorgelegt und eine Nominierung für den anerkannten Mercury Price für sich verzeichnen können.

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Linkin Park? Da war doch mal was… Genau, Linkin Park. Man erinnert sich. Sind zur Jahrtausendwende auf dem Nu Metal Zug mitgefahren, haben mit Hybrid Theory ein mindestens okayes Album aufgenommen. Eben was damals im Trend war: deftige Alternative Rock Riffs, Rap Parts, Shouts, cleaner Gesang, immer zwischen Aufbegehren und Teenie Weltschmerzpathos. Hat sich wie die Seuche verkauft das Album. Dann kamen noch ein grauenhaft langweiliger Nachfolger, ein zumindest etwas mutigeres Drittwerk und vor allem ungefähr zwei Dutzend Live-, Remix,- Outtake- und Best Of CDs. Irgendwann mochte Linkin Park niemand mehr leiden. Sie galten quasi als Inbegriff einer geldgeilen Musikindustrie, die Resteverwertung als Spitzensport betreibt. Aus knapp dreisig Songs schufen sie Remix um Remix, Resteverwertung um Resteverwertung, Produkt um Produkt, bis es selbst den größten Fans zu viel wurde. Auf dem  Abstellgleis des Nu Metal Pop Zirkus wurden sie von den Musikgourmets beschimpft, von den Kritikern  jovial belächelt.. und von der Industrie gefeiert. Aber heuer ist 2010, eine neue Dekade bricht an und Linkin Park werden mutig Ja, richtig gehört: Mutig.

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Dass Radiohead wie kaum eine andere Band die neuen Möglichkeiten der vernetzten und globalisierten Welt des Internetzeitalters zu nutzen wissen, beweisen sie immer wieder aufs Neue… Auch bei diesem Projekt: Ein Konzertmitschnitt ihres Auftritts in Prag, September des vergangenen Jahres. Unzählige Digicamaufnahmen von tapferen Fans, nun zusammengeschnitten zu einer einzigartigen DVD, die man gut und gerne auch als offiziell genehmigtes Video-Bootleg bezeichnen kann. Denn wo die Bilder – trotz eleganter Schnitte -  mitunter wackelig und laienhaft wirken, ist der Sound Top. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass Radiohead die Open-Source Bootleg-Aktion kräftig unterstützen und den Ton ihres eigenen Konzertmitschnitts beisteuern. Die daraus entstandene Fan-DVD gibts jetzt für auf der Projekt-Website zum kostenlosen Download (diese ist entsprechend überlastet), Snippets gibts bei youtube zu bestaunen:

http://radiohead-prague.nataly.fr

http://radiohead-prague.nataly.fr/Download.html

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Wie immer gilt: Image ist nichts, Geschmack ist alles. Und die besonders geschmackssicheren Herren und Damen von Pitrchfork versuchen sich mal wieder an einer epochalen Kanonisierung. Jetzt müssen die 90er dran glauben:

Pitchfork: The Top 200 Tracks of the 1990s: 200-151

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