…Und dann war da noch das weltweit größte Musikinstrument

Most Philadelphians don’t realize that the largest working musical instrument in the world is built into one of the city’s landmarks, the former John Wanamaker department store, now Macy’s, at 13th and Market streets.

The Wanamaker Grand Court Organ at Macy’s is a 7-story-high contraption bigger than most people’s houses, even rich people’s. The vast maze of 26,677 pipes and baffles and bellows and wires and wooden stairways lies hidden behind what many of us have always thought was the Wanamaker Organ.

The Wanamaker Grand Court Organ via digg

…Und dann war da noch das ebenso merkwürdige wie faszinierende Phänomen des musikalischen Orgasmus

musical-orgasm

Ein Phänomen, das von der Violinistin und Pianistin Psyche Loui zusammen mit ihrem Schüler Luke Harrison untersucht wird, seitdem sie ein orgiastisches Erlebnis beim Hören von Rachmaninows Piano Concerto No. 2 erlebt hatte.

Tatsächlich scheint es keine große Rolle zu spielen, ob man musikalisch besonders begabt ist, um die extremen physische Reaktionen auf bestimmte Musik zu zeigen, die von Loui “Frission” (Schauer) genannt werden und dem Gefühl eines sexuellen Orgasmus sehr nahe kommen. Entscheidender ist wohl eher die Beschaffenheit der entsprechenden Musik: Dynamische Sprünge, eine Dramaturgie von sanft zu laut und dissonante Töne, die mit der Hauptmelodie kollidieren, sind wohl die wesentlichen Ingredienzen für ein orgastisches Musikerlebnis. Als Wenig-Klassikhörer käme mir da als erstes die gesamte Montrealer Postrock-Ecke in den Sinn. Und tatsächlich, die Erregung die sich bei so manchem GY!BE-Song aufbauen kann, hat schon etwas für sich. Den gesamten Bericht zu dem Phänomen (inklusive einer “einladenden” Playlist) findet Ihr bei BBC Future.

The strange phenomenon of musical skin orgasms 

Beklopptes Mashup ist bekloppt (Linkin Park vs. Smash Mouth)

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This shouldn’t work, why does this work? – Der Titel sagt eigentlich schon alles. Bastard Pop kann vieles: Begeistern, rocken, verblüffen… aber auch – wie in diesem Fall – schlicht erheitern. Mit Genregrößen wie den Kleptones oder Girl Talk kann es dieser irre Mashup-Song zwar nicht aufnehmen, aber es ist allemal ordentlich überraschend, wie der Gute Laune Fun-Punk von Smash Mouth mit dem pathetischen Nu Metal von Linkin Park harmoniert. Allein der Pfeifpart… Gold!

via Maik

Literarische Auslese: Haftbefehl – Ihr Hurensöhne

Passt ganz gut zu unserer aktuellen – derzeit etwas eingeschlafenen – Deutschrap Serie: Es gibt eine neue Literarische Auslese. Dieses Mal mit einem ganz besonderen poetischen Leckerbissen: “Ihr Hurensöhne” des großen Lyrikers Haftbefehl.

Literarische Auslese: Ihr Hurensöhne

Wie sehen die Hände berühmter Komponisten aus?

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Schönes Teil von reddit-User Andrea G.: Hands according to Composers. Wie müssten menschliche Hände aussehen, um jeweils die Stücke von Bach, Beethoven oder Cage spielen so spielen zu können, wie sie von ihren Schöpfern gedacht wurden? Vieles davon scheint mir ziemlich logisch, bei anderem musste ich ein wenig über Kreuz denken und einige waren mir bis dato komplett unbekannt. Daher gibts nach dem Klick noch die aufschlussreiche Erklärungsliste von NeokratosRed, inklusive Youtube-Links.

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Deutschrap und so #30: Afrob – Reimemonster feat. Ferris MC

Oh Baby ja, verdammt nochmal ja!!! Ist das ein verdammter Klassiker des Deutschen Hip Hop oder was? Das Sirenensignal am Anfang des Tracks hätte es gar nicht gebraucht, um das hier wohl zu dem Hit von 1999 und zum absoluten Tanzboden-Killer zu machen. Sehr schön übrigens auch die Reaktion von Ferris MC, der beim Beats for Life nur noch ungläubig ins Publikum starrte, als eine komplett euphorisierte Menge jede Zeile des Songs auswendig konnte und damit klar machte, dass eine neue Zeitrechnung im der deutschen Musikhistorie begonnen hatte.

Afrobs leicht heisere Stimme und Ferris MC krächziges Organ harmonieren jedenfalls perfekt, und es ist einfach toll, wie sich die beiden auf dem geilen DJ Thomilla-Beat längst zum Kult gewordene Lines wie “Jo, macht euch locker, denn dieser Sound haut euch vom Hocker/Sowas habt ihr nie gesehen, sowas machen Hip-Hopper” um die Ohren hauen. Jepp, gehe ich mit…denn damals war Indie-Rock (mal wieder) am Boden und Nu Metal erst noch auf dem Sprung der nächste dominante Sound der Jugendkultur zu sein.

Deutschrap und so #29: Deichkind – Selber Machen Lassen

Kurz aufgehorcht lieber Böhmerdendemann. Klar war dein Mashup- Sprung durch die deutsche Hip Hop Geschichte irgendwie cool. Wenn du aber wissen willst, wie ein richtig fetzendes Deutschrap Ensembletheater geht, musst du unbedingt noch mal Nachhilfe bei den Deichkindern nehmen. Die lassen sich nämlich im Video zu Selber machen lassen vollkommen ironiefrei, passend zum Songtitel alles selber machen. Und das ist mal echt schick geraten. Feinste Line:  Do it yourself ist out, ich lass das jemand andern machen. / Alles muss man alleine machen lassen. / Ich muss mir schon wieder deine Hände dreckig machen.

Deutschrap und so #28: Maeckes – Würgegriff des Glücks

Ich sags mal so, wie es ist: Deutschsprachiger Post Rap ist mein neuer persönlicher Hype, und da kann es mir auch gestohlen bleiben, dass ich derzeit wohl der einzige Mensch bin, der diesen Ausdruck, diese Kategorie, – ja mein Gott! – diese Schublade benutzt. Maeckes sortiert sich hier jedenfalls perfekt ein: Mit seinen nachdenklichen Lyrics, seinen 1/3 poppigen, 1/3 postpunkigen, 1/3 postrockigen Soundteppichen, seinen deepen Beats und seinem Hang zur poetisch/philosophischen Exquisität, die man im deutschsprachigen Hip Hop sonst nur selten findet.

Maeckes hört man nicht beim Bong- sondern beim Pfeiferauchen, nicht beim Dosenbier sondern beim erlesenen Scotch, nicht in den Baggy-Pants sondern im samtenen Morgenmantel. Wem das jetzt zu elaboriert bildungsbürgerlich klingt, der hat vollkommen recht und daher schleudert “Würgegriff des Glücks” dem Verfasser dieser selbstverliebten Beschreibung dann auch gleich mal ein gepflegtes “Fick dich und deine prätentiöse Attitüde” entgegen. Feinste Line: “Lebst du noch oder stirbst du schon? / Wir reden sinnbehaftet, / verlieren während Szenen, nicht blinzeln! / Lassen nichts aus den Augen, bis auf die Tränen eines Cineasten / Wir sind atommüllsicher halt kleinbürgerlich beschützt / vor dem Würgegriff des Glücks.”

Deutschrap und so #27: Skills en Masse – Wie wir

Meli, mit bürgerlichen Namen Melanie Wharton, war Teil der Kolchose, dem hier bereits angesprochenen Kollektiv aus Stuttgarter Künstlern.

Gerne als Feature-Gast gebucht konnte man sie bereits in dem Video zu Afrobs “Einfach” bewundern, in dem sie mit selbstbewusster Attitüde und weniger durch dümmlichen Barbie-Look auffiel.

Ich wünschte, ich könnte neben dem Projekt Skills en Masse auch das gleichnamige Solo-Album von ihr abfeiern, aber das war leider wieder ein vergebene Chance, den deutschen Female Rap voran zu treiben, und was die mittlerweile bildhübsche Dame heute macht könnt ihr dann hier nachlesen.

Mit ihrem Brudern Marcy war ihr jedenfalls 2001 ein wunderschöner Beitrag auf dem Kopfnicker-Sampler ihres Labels geglückt, bei dem mir natürlich am eindrucksvollsten die Line “Alle Kanaken alle Schwarzen sehen aus wie wir/ Alle Menschen mit Schmerzen sehen aus wie wir” hängen geblieben ist, eine Line, die perfekt den den melancholischen Grundton des Songs wiedergibt. Rap mit Botschaft, jenseits von Bro-Style, wird eben nie langweilig. “Wie wir” ist nach wie vor ein Klassiker, den ich immer wieder gerne aus dem Archiv hole.

Melis leicht gelangweilter und angepisster Style war eine enorme Bereicherung, und wie gerne hätte ich sie wie Nina MC als gereifte Künstlerin erlebt, doch beide verabschiedeten sich leider nach kommerziell wenig erfolgreichen Debüt-Alben aus dem Biz.

Deutschrap und so #26: Casper – Der Druck steigt

Ob dass denn jetzt noch Hip Hop sei, hat man sich gefragt. Ob das nicht einfach nur altbackener Crossover im vermeintlich frischen Düstergewand sei, hat man sich gefragt. Ob dieser Casper nicht einfach mit Emo, Pop und Mainstream flirtet, hat man sich gefragt. Und dieser deutsch-amerikanische Rapper hat – das Album XOXO kommentierend – den Fragenden so wütend einen dogmatischen Knochen hingeworfen…

Wir hatten im Studio viele kleine Zettel hängen. Regel 1: ‚Crossover ist der Feind‘. Alles, was auch nur annähernd nach Crossover erinnerte, haben wir sofort weggeschmissen. Regel 2: ‚Wie-Vergleiche sind verboten‘. Dieses Rappertum wollten wir komplett entfernen.

…dass man sich gar nicht mehr traute mit einem selbstbewussten “Jein” zu antworten. An dieser Stelle sei dieses “Jein” – Caspers Trotzhaltung zum Trotz, Hah! – nachgeliefert. Natürlich ist Der Druck steigt kein klassischer Hip Hop, aber mit seinem aggressiven Sprechgesang stark im ursprünglichen Rap-Gedanken verwurzelt. Natürlich steht der Song mit seinen Samples, seinen harten Gitarren, seinem Pathos, seinem Wechsel aus Metal-Geshoute und Hip Hop Lines in der Traditionslinie des Crossovers. Aber um dieses Jein zu vervollständigen, nicht nur der Opener, sondern das gesamte Album, ist soviel mehr: Die Nachdenklichkeit der Hamburger Schule im Gepäck, den Wut des Punk in den Knochen, die Attitude des Metals in den Beinen, die Monumentalität des Postrock im Herzen, ja sogar den Lidschatten des Emos in den Augen… und dennoch weit entfernt von jeglichem sinnbefreiten Remix, vom unselbständigen Eklektizismus und von der postmodernen Langeweile. Casper macht – und das sollte einmal deutlich honoriert werden – trotz aller Wurzeln, trotz aller Anleihen etwas vollkommen Neues.

Und so seien alle Rezensenten, Feuilletonisten – und der Musiker selbst – verstanden, wenn sie sich nicht trauen, das Ergebnis Hip Hop, Crossover, Indie oder sonstwie zu nennen. Postrap wäre vielleicht eine ganz gute Kategorie – Schubladen rocken halt doch! -, bei Post Emo Hip Hop Core könnte man das ganze mit einem kleinen Augenzwinkern auch einordnen… ich bleibe dann doch beim Deutschrap, denn sonst könnte ich diesen fantastischen Song in dieser Serie nicht posten. Und das wiederum würde ich mir nicht verzeihen.

PS.: Falls hier gerade ein paar PeDüBerLeiGIDA-Deppen hereinstolpern, weil sie sich fragen, was für ein großartiges Hip Hop Werk sie bei ihrem letzten Sonntagsspaziergang begleitet hat, sei denen der keine Frage offen lassende Kommentar des Interpreten selbst entgegengeschmettert:

immer wieder höre ich, dass die pegida-leute »der druck steigt« auf ihren sogenannten abendspaziergängen spielen. grundsätzlich freue ich mich natürlich über jeden, der meine musik mag und hört, aber hiervon möchte ich mich eindeutig distanzieren. denn es ist ja zum glück so: »der druck steigt« tatsächlich, aber nicht so, wie pegida sich das vorstellt. überall in deutschland regt sich widerstand – gegen pegida und ihre ideologie. für ein faires und tolerantes miteinander der ethnien und religionen. kein mensch ist illegal! schreibt und singt eure eigenen lieder, meine bekommt ihr nicht.

Verpisst euch!

Feinste Line: “Der Druck steigt, Atem blockiert. / Wir scheitern immer schöner, sind Versager mit Stil! / Haben nicht viel! Ausgenommen, Leitfiguren. Auf davon! / Sind nicht schön, sind nicht reich, wird harter Kampf da rauszukommen!”

Deutschrap und so #25: Döll – Weit entfernt

So, kommen wir mal nach dem heftigen Nostalgie-Trip meiner letzten Artikel, der immer wieder auch meinen Geschmack etwas beeinflusst, in der Gegenwart an. Deutscher Rap entwickelt sich ja, nach der Übernahme der Muskel-Rapper in den 00er-Jahren, mittlerweile wieder in die Breite, und so kommt wieder auf jeden IschfiggedeinäMuddah-Output zum Glück ein deeper Track.

Weit entfernt ist ein wirklich schönes Ding von Döll, der mit Mann im Mond eigentlich noch einen zweiten Kracher im Repertoire hat, aber mir gefällt der von Dexter produzierte “Weit entfernt”  halt noch besser.

Ich bin ja eh für ein Revival von deepem Rap, der mich zum Nachdenken anregt (gerne auch auch von Haftbefehl) und gegen diese Dümmer-als-der-Türsteher-Soße, die gerade am Niederrhein wohl enorm angesagt ist und auch noch mit Platz 1 in den Charts belohnt wird. Es hat schon seinen Grund, warum hier Doubletime-Gewichse von Kollegah nicht auftaucht, weil der Mann wohl weniger an guten Lyrics als viel mehr an dem Aufbau seines Trainingsprogramms interessiert ist.

“Weit entfernt” beschreibt jedenfalls die Sehnsucht, raus aus den zu eng gewordenen Raum, raus aus dem mitunter selbst gewählten Unmündigkeit, und das Streben nach Abenteuer. So war Hip Hop mal gedacht: Als Sender von Texten, der sich in den Köpfen der Leute festsetzen. Ach so, und Dexter hat das mal wieder astrein produziert!

Deutschrap und so #24: Pyranja – Fremdkörper

Ey, wie Pyranja – und auch mir – dieses joviale Gendermarkieren auf den Sack geht! Eine der besten deutschsprachigen weiblichen MCs? Fuck off! Pyranja ist einer der besten deutschsprachigen MCs. Pyranja ist eine der besten MCs. Punkt. Die Rostockerin dropt ihre nach vorne peitschen Rhymes derart smooth und real, dass auch der Auftritt beim Bundesvision Songcontest, Labelgründung, Diplomarbeit und Babypause nichts an ihrer Rap-Credibility ändern können. Mit dem 2001er Brett Fremdkörper hat sie ihre Wut gegenüber der sexistischen Jovialität im Genre dazu noch so gekonnt der konservativen Hip Hop Bagage ins Gesicht geschissen, dass man sich vor so viel Attitude nur verbeugen kann.

Feinste Line:

So hör’ ich oft: Ey Pü, verzeih’, Du leistest Dir zwar gerad’ ‘n Hype, / doch muss schon sagen, Show war tight und auch in Sachen Flow und Style, für ‘ne Braut ganz nice und cool, dass Du Texte selber schreibst. / Mit anderen Worten: Baby, willkommen im Mittelalter! Und ich nur: Danke für die Blumen, doch Du starrst gerade auf meine Titten, Alter! / Oops! Zu harte Worte? Für die harten Jungs im harten Biz? Die mit Schulterklopfen ankommen und mir dann erklären, was Hip Hop ist? / Ich mein’, man lernt nie aus, doch falls es jemand’ interessiert: Ich hab’ mir erst ma’ “Keep it real” dick auf meinen Hintern tättowiert!

Deutschrap und so #23: Kool Savas – Der beste Tag meines Lebens


Das ist eigentlich die Baustelle von Marcus. Kool Savas war ja schon im Berliner Untergrund untwegs, da habe ich noch schön in Heidelberg dessen Hassfigur Torch geliket und dessen immer noch tolles Album “Blauer Samt” in Dauerrepeat gehört.

So ab 2002 war mir das dann aber zu öde. Savas hatte den Ruf ein besonders krasser Battle-Rapper zu sein, und so war ich sehr gespannt als sein Video “Haus und Boot” eines Tages auf MTV Neu angekündigt wurde. Das war dann aber überhaupt nicht krass und als dann noch eine Frau (die doch ziemlich nervige Valeszka) böse in die Kamera schaute war ich erstmal bedient, da ich derben Testeron-Rap wie Pimplegionär erwartete.

Das Thema mit King Kong Savas wäre also eigentlich direkt erledigt gewesen, wenn nicht die zweite Single “Bester Tag meines Lebens” alles umgeworfen hätte, was ich bis dato an Hip Hop gesehen hatte. So unfassbar ästehtisch in Bild und introspektiv In Wort  hatte ich bis dahin noch nie die den Alltag im Plattenbau gesehen: Die Lyrics, die Savas als gereiften MC mit Message zeigten, führten auch bei mir zum Umdenken.

Das war ein vollkommen neues Niveau an Sprachkunst im Rap und eine andere fasznierend schön-kaputte Welt, dir mir zwar Bushido ein wenig später dann auch bringen sollte, allerdings nicht annähernd so tiefgehend im Kontext “Kunst” verwurzelt.

“Glaub nicht, jeder ist gegen dich und ein Hindernis,
sei nett und bescheiden, korrekt und fleißig und du kannst alles erreichen.
Hör auf zu zweifeln, denn gestern ist Vergangenheit und morgen ein Rätsel,
doch heut vielleicht noch der beste Tag deines Lebens.”

Was kann man einem unsicheren jungen Menschen in seiner Adolszenz mehr mitgeben als diese tollen Lyrics? Danke dafür  Savas!