Theaterbuch: MacBeth

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Zum Medium Buch ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Auch wenn es mehr als nur wahrscheinlich ist, dass der Siegeszug der eBooks peu à peu das Papier als primäres Medium für Textrezeption obsolet machen wird, gibt es für die Kombination aus Papier und Pappe durchaus noch Betätigungsfelder, die unmöglich in einem eReader zu reproduzieren sind… vor allem, wenn sich das Traditionsmedium für die Multimedialität öffnet: So gesehen im Theatre Book von Davy and Kristin McGuire. Mit Hilfe von Raumöffnung – wie man sie aus klassischen Faltbüchern kennt -, einem Projektor und einer Dramaturgie, die mehr dem Theaterbesuch als dem klassischen Leseprozess gleicht, wird das Papier zur Bühne, zum Medium für eine Inszenierung zwischen Tradition und Moderne, vielleicht sogar die größtmögliche Umsetzung des wagner’schen Universalkunstwerk-Gedankens in den – gar nicht so engen – Grenzen zweier Buchdeckel.

Noch handelt es sich bei dem so genannten Icebook nur um ein Konzept bzw. Prototypen. Sollte es zu mehr werden, wäre das aber tatsächlich die Möglichkeit, dem guten alten Bücherregal – mittlerweile wahrscheinlich viel zu sehr ein konservatives Bollwerk des traditionsbewussten Bildungsbürgertums gegen die Technisierung der künstlerischen Welt – zu neuem Glanz und einem neuen progressiven Selbstbewusstsein zu verhelfen. Ich will auf jeden Fall mehr davon!

‘Theatre Book – Macbeth’ is a battery powered cinematic pop-up book. The prototype book includes 6 pop-up pages designed like sets on a stage with actors projected onto the paper scenery. All technical equipment such as a micro projector and computer, batteries, loudspeakers and mirroring devices are integrated into the cover of the book in order to create a stand alone storytelling device, mixing the formats of books and theatre stages.The story is driven by the owner of the book who turns the pages and thus triggers video and sound to play out the scenes. In this prototype the story of Macbeth is being told through visuals and music/sound only.

The Ice Book (Danke fürs Finden, Johannes)

Clickbait Books

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Schönes Twitter-Mem, das von Daniel Dalton für Buzzfeed dann auch gleich mal in schicken Bookcover Redesigns umgesetzt wurde. Unter dem Hashtag #ClickbaitBooks wird die Frage beantwortet, wie große Autoren ihre klassischen Romane hätten nennen müssen, um in den Social Networks für Wirbel zu sorgen. Mein Nerd-Ich liebt den neuen Titel für den Hitchhiker’s Guide to the Galaxy: “Answers to Life, the Universe and Everything! You’ll never believe Number 42!” Und mein versnobtes Hochkultur-Ich quietscht vergnügt über die Ulysses Titelreinterpretation: “A man wandered around Dublin for a day. You wont understand a word of what he did.” Aber auch sonst sind ein paar echt lesenswerte Remixe dabei.

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14 Classic Novels Rewritten With Clickbait Titles

Und dann war noch das 16zeilige Gedicht, das 12 Linien Koks beinhaltete

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Short story short: Ein Lehrer gab seinen Schülern die Aufgabe ein 16zeiliges (“16 Lines”) Gedicht zu verfassen. Ein Schüler löste die Aufgabe kreativ, indem er einem gerade mal vierzeiligen Text, zwölf Linien Kokain zur Seite stellte. Eingeleitet wurde das dadurch entstandene Gedicht #Deep mit den Versen:

Some poems will leave you perplexed,
But this poem is just profane,
Here are four lines of text,
And twelve lines of cocaine.

…folgerichtig ergänzt durch die letzten 12 “verdrogten” Verse. Erinnert mich an den “Das ist ein Risiko!”-Treppenwitz, der damals in unserer Schulzeit rumgereicht wurde. Ihr wisst schon: Der Lehrer gibt dem Schüler die Aufgabe, auf einer ganzen Seite zu schreiben, was er unter einem Risiko versteht. Der clevere Schüler gibt ein leeres, weißes Blatt ab, auf dem nur geschrieben steht: “Das ist ein Risiko!”. War irgendwie – genau wie die für die Arbeit ausgestellte Bestnote – so eine klassische Urban Legend, die ich in meiner Schullaufbahn in verschiedenen Ausführungen immer wieder zu hören bekam. Das Gedicht hier geht dann doch über diesen Witz hinaus und ist ohne Frage definitiv große Kunst.

Zwei Post Scriptums gäbe es dann dennoch. Der Gag funktioniert im Englischen – wo “Line” sowohl eine Textzeile, als auch den Vers in einem Gedicht, als auch eine Line Koks bedeuten kann – natürlich weitaus besser als im Deutschen. Und dass die Jugend von heute ihre subversive Attitüde gerne mit einem Sicherheitsnetz ausstattet, will ich als alter Anarcho hier auch noch kurz angemerkt haben. Geschlossen wurde der Text nämlich mit dem Disclaimer: “I don’t actually do cocaine!”

#Deep auf reddit via Dangerous Minds

Lesezeichen: Michel Houellebecq – Unterwerfung

unterwerfung

“Es ist die Unterwerfung”, sagte Rediger leise. “Der nie zuvor mit dieser Kraft zum Ausdruck gebrachte grandiose und zugleich einfache Gedanke, dass der Gipfel des menschlichen Glücks in der absoluten Unterwerfung besteht. 

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Abandoned Berlin – Das Buch zum Blog

91UuwpzM4ILCiarán Fahey, der mit Abandoned Berlin eines meiner liebsten Erkundungs- und Fotografieblogs betreibt, veröffentlicht im Februar die Trophäen seiner Touren in Buchform. Im Grunde genommen ein Must-Buy für jeden Abenteurer, Fotografen und Berlinliebhaber, habe ich doch im gleichnamigen Blog so manche großartige Inspiration für Großstadtbesichtigungen abseits der üblichen Touristenpfade gewonnen und mich mehr als einmal von Faheys fantastischen Fotos der verlassenen und vergessenen Orte begeistern lassen. Faheys Blog begeistert mit einer genialen Mischung aus Erlebnisberichten, Insidertipps für Wagemutige und Tonnen an Fotos, die Lust auf eigene Erkundungen wecken, garniert mit interessanten historischen Fakten und unterhaltsamen Anekdoten. Für mich besteht daher kein Zweifel, dass das Buch auch ein Großstadtabenteuer-Schmuckstück fürs Bücherregal wird. Zu finden gibt es den etwas anderen, zweisprachigen Touristenführer unter anderem für knapp 20 € bei Amazon (Partnerlink), und der wandert dort jetzt auch gleich mal in meinen Einkaufswagen.

Abandoned Berlin- There shall be a book!

15 Jahre – Happy Birthday, Plattentests.de

plattentests

Wenn ich nach meiner musikalischen Sozialisation gefragt werde, kommen mir natürlich als erstes die Bands in den Sinn, die ich als junger Teenager gehört habe: Nirvana, Metallica, NOFX, R.E.M… etc…. eben alles, was der early 90’s Alternative Rock und Metal so hergibt. Vielleicht verliere ich dann noch ein paar Worte dazu, wie ich von MTV geprägt wurde, wie ich die Plattensammlung meines älteren Bruders durchstöberte oder wie ich in den späteren 90ern auf diversen Festivals immer die Künstler suchte, von denen ich vorher noch gar nichts gehört hatte, einfach nur, um mir ein Bild davon zu machen, ob ihre Musik DIE perfekte Musik für mich sein könnte. Und dann, wenn es darum geht, welche schriftlichen Publikationen meinen Musikgeschmack entscheidend mitgeprägt haben, lande ich – noch vor Visions/Intro/Pitchfork/NME und Konsorten – ohne große Umwege direkt bei einem Namen: Plattentests Online. Ein – wohl gar nicht mal so kleines – Portal für Musikrezensionen, mit hervorragenden Texten, viel Potential für goldene musikalische Fundstücke abseits des Mainstream (und auch der eigenen Indie/Alternative/Rock Filter Bubble) und einem der außergewöhnlichsten Foren des gesamten Internets. Diese großartige Seite wurde diesen Monat 15 Jahre alt. Zeit für ein paar Glückwünsche und Worte des Dankes.

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Asburys Tagebuch/Kalender der immerwährenden Enttäuschungen

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Yeah! Es ist November, meine Seasonal Affective Disorder haut gerade wieder voll rein und Asbury veröffentlichen eine Neuauflaufe ihres Perpetual Disappointments Diary für 2015. Irgendwo zwischen Demotivationsspruch-Sammlung, Adressbuch für Leute, die nie anrufen, Notizen für Nachrichten, die niemand lesen wird, Entschuldigungsnotizen für kommende Fehltritte und natürlich nützliche Phrasen wie “A table for one please” in verschiedenen Sprachen für verzweifelte Reisende. Schade, dass ich meine Notizen, Termine, Gedanken mittlerweile nur noch digital sichere (und analoge Kalender grundsätzlich irgendwann verschlampe oder ignoriere), sonst wäre das Teil sowas von gekauft.

All-new demotivational proverbs are mixed in with the most depressing of the old ones. Also includes double the amount of Notable Deaths and new sections such as Useful Phrases (translated into French, German, Mandarin and Spanish), Personal SWOT Analysis, Apology Note templates and Bank Insecurity Questions.

An address book section includes space for People Who Never Call and Imaginary Friends. A notes section includes Ideas You’ll Never Follow Up and Notes Toward A Tweet Everyone Will Ignore.

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Helikopter-Streichquartett? – Hurz! Airwolf!

Karlheinz Stockhausen hat das “Helicopter String Quartet” bereits in den 90ern komponiert und arrangiert, wohl ausgehend von einem Traum. Ich fühl mich da stark an Hape Kerkelings “Hurz-Performance” erinnert. Hurz der Airwolf! Das liegt vor allem daran, dass ich in der modernen Musik, vor allem der modernen Klassik, das Auflösen von Harmonien und das Auseinanderfallen von Melodien für überbewertet halte. Die Musik ist das falsche Medium für dieses Narrativ. Komischerweise gibt es Menschen, die etwas ähnliches über moderne Literatur sagen und dann Döblins “Berlin Alexanderplatz” oder Joyce’s “Ulysses” verdammen.

Apropos, was die wenigsten wissen: Airwolf-Pilot Huckleberry (bester Pilot der Welt) heißt mit Vornamen Stringfellow, okay das war mir neu, aber was ich sagen wollte: er spielt Cello! Um wenigstens etwas cooles im Beitrag zu haben hier noch das Airwolf-Intro!

Einer flog über Hogwarts – Harry Potter gelesen als Geschichte einer jugendlichen Verrückung

Cover-GobletOfFire

Auf tickld.com veröffentlichte jemand namens totalyllegit die Theorie, dass Harry Potters Geschichte als Metapher einer juvenilen Erkrankung des Geistes zu verstehen sei.

The Harry Potter series is about mental illness. Hogwarts is a mental institution.

Hier gehts zum Text auf tickld.

Aus den Schützengräben… Ein WWI-Magazin von britischen Soldaten (1916)

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Bei der Public Domain Review findet sich derzeit ein Magazin über den Ersten Weltkrieg aus dem Jahr 1916, vollgepackt mit Texten und Illustrationen von britischen Soldaten. Die in relativ geringen Dosen vorhandene Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gräuel des Krieges (stattdessen gibt es eher lexikalische Einträge und einige sogar recht vergnügte Zeichnungen) lässt darauf schließen, dass bei der Publikation der eklektischen Sammelschrift das ein oder andere Mal die Schere beteiligt war, um diese nicht zum Motivationskiller im noch andauernden Krieg werden zu lassen. Dennoch und gerade deswegen ein beeindruckendes Dokument über die Auseinandersetzung des “kleinen Mannes” mit dem Leben an der Front.

Made in the Trenches: a WW1 Magazine Created by Soldiers (1916)

Samuel Beckett Motivational Cat Posters

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Eine ganze Reihe großartiger Beckett’scher Lebensweisheiten verpackt in Catcontent findet Ihr im entsprechenden Tumblr.

(via dem Martin, der die Qualität meiner Facebook-Timeline jeden Tag erheblich steigert. Thanks, dude!)

The horrible Truth about Harry Potter’s Future

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…Waren wir gerade eben nicht noch kurz vor einer Midlife Crisis? Okay, jetzt stecken wir mittendrin… und wenn sie überwunden ist, geht es gleich weiter mit der Endlife Crisis. Anyway, diese düsteren Interpretationen von Harrys Potter Zukunft (mehr bei someecards) ist so wahr, so düster, so bitterböse, so zynisch und so großartig.

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Other Middle-Aged Harry Potter Books J.K. Rowling Has Planned via visual news

Malbuch für Erwachsene…

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Deprimierendes Ausmalvergnügen für die nahende/bestehende/überwundene Midife-Crisis: Im Coloring Book for Grown Ups von Ryan Hunter und Taige Jensen findet sich die Möglichkeit für eine kreative Auseinandersetzung mit all den Lebenslügen und bitteren Wahrheiten, mit denen man sich irgendwann in seinem Erwachsenenleben konfrontiert sieht. Das Teil (Coloring for Grown-Ups: The Adult Activity Book) wandert jetzt sowas von in meinen Einkaufswagen. Eine deutsche Übersetzunggibt es auch bei Amazon. Und jetzt bitte alle einmal deprimiert sein…

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Coloring for Grown Ups via The Wall Breakers