Rezension zu Sandra Nettelbecks "Helen"

Helen (Ashley Judd ) könnte den Prototyp einer Frau darstellen, die alles erreicht hat. Die erfolgreiche Musikprofessorin ist glücklich verheiratet mit David, hat eine zauberhafte Tochter, Julie, und einen netten Freundeskreis. Doch mitten hinein in diese Idylle kommen wie aus dem Nichts heraus Sinnlosigkeit und Leere. Anfälle von Traurigkeit, Wut und Verzweiflung befallen Helen, ihr altes Leben entgleitet ihr, Antriebslosigkeit bestimmt den Alltag. „Ihre Frau ist nicht unglücklich, sie ist krank.“ klärt der Neurolge den hilflosen David auf. Die Diagnose lautet Depression. weiterlesen

Rezension zu Roland Emmerichs "2012"

Es musste ja so kommen. Das ganze Brimborium mit Maya-Kalender, Planetenkonstellationen und Weltuntergang war einfach wie geschaffen für Roland Emmerich. Erst pulverisierten Aliens in „Independence Day“ ganze Städte, dann legte Godzilla New York in Schutt und Asche und schließlich raffte ein plötzlicher Klimawandel („The Day After Tomorrow“) mal eben Millionen Menschen dahin. Dass Emmerich nun die ganze Welt untergehen lässt, ist da eigentlich nur der nächste, logische Schritt. Und da „2012“ eben genau in der Tradition der größenwahnsinnigsten Filme des größenwahnsinnigsten Regisseurs Hollywoods steht, ist es fast schon unnötig zu erwähnen, dass Emmerich sein Erfolgskonzept nur minimal variiert. Bombastszenen hier, wirre Verfolgungsjagden dort und zwischendrin rettet der Versager von Nebenan mal so nebenbei die halbe Menschheit, was aber nur bedingt interessiert, denn viel wichtiger ist, dass er dabei seine zerrüttete Familie wieder zusammenschweißen kann. Am Ende kann dann trotz Milliarden an Toten ein Happy End gefeiert werden. Ein Kunststück, das in der Form wirklich nur Emmerich vollbringt.

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Orphan- Rezension zum Horrorfilm von Jaume Collet-Serra

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Auf der Suche nach einem Adoptivkind findet eine kleinbürgerliche Familie, die natürlich ein Haus fern der Zivilisation ihr Heim nennt, ein kleines Mädchen, welches anders aber nicht sonderlich auffallend wirkt. Wer jetzt noch nicht ahnt, wie sich die ganze Geschichte entwickelt und ausgeht, hat entweder die letzten 40 Jahre Horrorgeschichte verpasst oder ist noch zu jung, um schon sämtliche dieser Omen oder der Exorzist Filme jemals angesehen zu haben. Für diese Zielgruppe wurde Jaume Collet-Serras arg durchschnittlicher und sehr vorhersehbarer Film gemacht. weiterlesen

500 Days of Summer – Rezension zur Indie Komödie von Marc Webb

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Das ist keine Liebesgeschichte und es geht lediglich um einen Mann und eine Frau, die den gleichen Musikgeschmack und den gleichen Humor  haben, aber dabei doch nicht verliebt sind – irgendwie . Klingt komisch, ist es aber nur teilweise. Marc Webb`s Film „500 Days of Summer“ ist mal wieder einer der Filme, bei dem man die alten Hornsby Bücher ausgraben möchte und sich obendrein fragt, warum man die durchweg genialen Belle & Sebastian so lange im Regal hat verstauben lassen. weiterlesen

"Away we go" – Rezension zum neuen Film von Sam Mendes

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Manche Filme muss man einfach nett finden. Da kann man noch so sehr einen auf überpeniblen Chefkritiker machen, bei solchen Filmen setzt man im Endeffekt einfach die Scheuklappen auf – und das gerne. Wer dieses Bekenntnis in einer Rezension nun für einen Offenbarungseid hält, der hat sicher recht, aber der hat sicher auch „Away we go“ noch nicht gesehen. Eigentlich könnte man „Away we go“ im Duden nämlich gleich bei „nett“ als Synonym listen. weiterlesen

Rezension zu "Männerherzen"

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Mal ehrlich, liebe weibliche Kolleginnen auf dieser Welt, wollten wir nicht immer schon verstehen, wie sie ticken, die Männer? Harte Kerle, weiche Heulsusen, Autonarr oder Fußballfan, Machogehabe und Schwanzsteuerung – wer blickt da schon durch? Gut also, dass sich Simon Verhoeven mit seinem neuen Film „Männerherzen“ daran macht, dem Mysterium Mann ein wenig näher zu kommen. weiterlesen

Louise Hires A Contract Killer – Rezension zur schwarzen Komödie aus Frankreich

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Ganz ehrlich, ein wenig mache ich mir schon Sorgen um den Geisteszustand unserer Nachbarn aus Belgien oder Frankreich. Wie sich eine neue frische Generation wolllüstig dem verstaubten europäischen Komödien-Genre annimmt und es mit einer diebischen Freude dekonstruiert, lässt auf ein schwerwiegendes Trauma in der Kindheit schließen, in der besagter Regisseur wohl mit empathisch und politisch korrekten Disney Filmen geradezu vergewaltigt wurden.

Louise Hires A Contract Killer ist eine bitterböse Kömödie, die dem durchschnittlichen deutschen Kinobesucher, der es ja so gerne vorhersehbar und eindeutig mag, mehr als einmal einen Schlag in die Magengrube verpasst. weiterlesen

New Moon Soundtrack – Bestes Album 2009 ?

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Stell dir vor alle kaufen nur den Soundtrack und keiner geht ins Kino.  Schön wärs, aber auch der zweite Teil des Teeniefilms „Twillight“ wird wohl eher im Mittelpunkt wegen Schnuckel Robert Pattinson stehen, der rein optisch aus der Charakterzeichung eines Southpark-Zeichners entlaufen sein muss.

Während also sämtliche weibliche Familienmitglieder allein schon bei dem  Gedanken an die am 20. Novemenber erscheinende Vampirschmonzette in sämtlichen Körpergegenden transpirieren, muss sich der geneigte Indiehörer zu allem Überfluss die Frage gefallen lassen, ob der Soundtrack zu New Moon Rising gar das beste Album des Jahres 2009 ist. weiterlesen

„Avatar“ – Trailer zum neuen Film von James Cameron gibt Rätsel auf

Nach dem Jahrhunderterfolg von „Titanic“ hat James Cameron das einzig Richtige gemacht, nämlich sich zurückgezogen und somit Abstand gewonnen. Zwölf Jahre nach dem Kinostart von „Titanic“ kehrt er nun auf die große Leinwand zurück und das Damoklesschwert des Erfolges schwebt automatisch über seinem neuen Projekt „Avatar“. An den fast zwei Milliarden Dollar Einspielergebnis und an den elf Oscars wird sich „Avatar“ messen müssen, nicht zuletzt deswegen, da die jahrelange Entwicklungszeit immense Produktionskosten verschlungen hat und Cameron immer wieder großspurig die technischen Neuerungen anpreist.

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Rezension zu Tarantinos "Inglourious Basterds"

Quentin Tarantino hat mit seinen Filmen ja schon so manche Schauspielerkarriere kräftig angekurbelt. John Travolta und Uma Thurman können davon sicher ein Lied singen. Und auch „Inglourious Basterds“ dürfte für einen Darsteller ein enormes Sprungbrett darstellen. Gemeint ist nicht Brad Pitt, der eh schon lange im Olymp weilt und der es abgesehen davon auch gar nicht verdient hätte, für seinen routiniert kühlen Auftritt in „Inglourious Basterds“ größere Lorbeeren zu ernten, sondern der Österreicher Christoph Waltz. Trotz einiger Auszeichnungen (u.a. den „Adolf-Grimme-Preis“) und diverser Rollen in Kino- und Fernsehfilmen wird Waltz für die meisten ein unbeschriebenes Blatt sein, was sich in den kommenden Monaten gewaltig ändern dürfte. Seine Darstellung des „Judenjägers“ Hans Landa hat ihm nicht nur den Preis für den „Besten Darsteller“ bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes eingebracht, sondern schreit auch geradezu nach einer Oscar Nominierung, für die übrigens Kritikerguru Roger Ebert vehement plädiert. Verdient hätte Christoph Waltz eine Nominierung schon allein deswegen, da er den Dreh- und Angelpunkt des neuen Tarantino darstellt. An dieser Stelle wird nun auch deutlich, warum „Inglourious Basterds“ einen eher schwächeren Film im Schaffenswerk von Tarantino darstellt:

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Rezension zu "Horst Schlämmer – Isch kandidiere"

Isch kandidiere. Jawohl, was ein Hape Kerkeling nicht kann, kann ich schon lange nicht. Und deshalb kandidiere ich für den Posten des Regisseurs eines besseren Schlämmer-Filmes. Meine Forderungen? Na klar, alles muss irgendwie mehr – oder auch weniger – sein.

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Was up? Hier kommt Brüno! (Rezension zu Cohens "Brüno")

An Sacha Baron Cohen scheiden sich ja bekanntlich die Geister. So war sein letzter Kinoausflug „Borat“ für manche eine grandiose Mischung aus Holzhammer-Humor und subtiler Gesellschaftskritik, für andere hingegen eine unzumutbare Parade ekelhafter Ferkeleien. Bei seinem neuen Streich „Brüno“ dürfte es sich genauso verhalten, wurde das Konzept doch nahezu komplett von „Borat“ übernommen und nur die Kunstfigur ausgetauscht. Wer „Borat“ mochte, sollte also auch mit „Brüno“ warm werden, soviel kann vorneweg schon gesagt werden.

Wer ist nun aber dieser Bruno (oder angeschwult: Brüno)?: Cohen schlüpft diesmal in die Rolle eines homosexuellen Österreichers, der als Modejournalist beim Fashion-Magazin „Funkyzeit“ gefeuert wurde und sich nun auf den Weg in die USA macht, um dort „mega famous zu werden. weiterlesen

Er kam, sah und schockierte (Rezension zu Cohens "Borat")

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Jagshemash!

Und mein Name Johannes. Ich bin sehr aufregend, sehr aufregend, denn ich euch heut erzählen über ein Films, das euch Lachens macht wie nie zuvor, obwohl es euch Weinens machen sollte. Klingen interessant? Passen auf:

Es kann ja so einfach sein, einen erfolgreichen Film zu drehen. Man erfindet eine Kunstfigur, vereint in ihr alle Klischees, die die Mottenkiste so ausspuckt, schickt sie in die ferne „U.S. und A.“ und lässt das Übrige mehr oder weniger auf sich zukommen. So geschehen beim britischen Komiker Sacha Baron Cohen, der in der Rolle des frauenfeindlichen, antisemitischen Steinzeit – Reporters Borat aus Kasachstan quer durch die Staaten reiste und dort vorgab, für das kasachische Fernsehen zu filmen, damit sein Heimatland vom „American Way of Life“ lernen kann. Aus diesem Filmmaterial bastelte Cohen schließlich einen der kontroversesten Filme der letzten Jahre, zog sich den Unmut von Privatpersonen wie Regierungen zu, und all das nur, weil in bester „Michael Moore“ – Manier einige Dinge ans Tageslicht kamen, die nicht so ganz in unsere Spaßgesellschaft passen wollen. Na ja, und natürlich auch aufgrund der Tatsache, dass es an allen Ecken und Enden vor Schweinereien nur so wimmelt. weiterlesen