King Of Sarcasm Joan Cornellà kickstartet Animationsprojekt

Joan Cornellà, unangefochtener König des Sarkasmus, will seine Grafiken animiert sehen und Ihr solltet das auch. Ist´n Traum, ein Augenwischtraum! Hier der Link zum Kickstarterprojekt.


Thomas Bernhard schimpft, aber nicht nur das

Google hat eine interaktive Karte mit verlinkten Orten und Städten über die sich Thomas Bernhard in seinem Werk ausgelassen hat. Ich hatte lange überlegt, wer der großartigere Schimpfer ist, Bernhard oder Serdar Somuncu. Beide haben ja ein ähnliches politisches und humanistisches Sendungsbewusstsein, wobei ich glaube dass Bernhard aus einer notwendigeren Notwehr heraus handelte. Muss ziemlich bedrückend gewesen sein, sein engstirniges, katholizistisches und nazistisches Österreich. Somuncu haben wir, die Kartoffeln, zu verdanken, dass das “c” in seinem Namen weder wie “z” noch wie “k”, sondern wie “sch” ausgesprochen wird. So geht Politik richtig, und nicht so wie derzeit bei unseren europäischen Nachbarn. Jedenfalls, weil Bernhards Hasstiraden formvollendeter sind, idiosynkratischer, erratischer (es ist ansteckend) ist er der großartigere Schimpfer. Ist vermutlich aber auch eine Geschmacksfrage, nicht jeder hat was übrig für diesen beckettschen Stil. Großer Tipp: Thomas Bernhard “Auslöschung”. Kleiner Tipp: Alle seine kleinen Texte, zum Beispiel “Gehen”.

via

Star Wars Content

Erstmal dieser großartige sweded Episode 7… oh sorry, Episode VII Trailer.

Star Wars meets klassische Skulpturkunst (meets Photoshop)

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Der französische Künstler Travis Durden spielt mit dem Kult der Star Wars Figuren indem er sie digital mit klassischen Marmorskulpturen kreuzt. Irgendwo zwischen Huldigung, klassischer Ästhetik und  satirisch-karikaturesken Untertönen. (via)

 Sith Reverse PsychologyViva-La-Empire

6amcrisis entwirft T-Shirts, darunter auch dieses Mashup von Onkel Darth und Onkel Che. Ersterer hatte wohl Probleme mit der Rekrutierung neuer Storm Trooper, schrieb eine Werbekampagne aus. 6amcrisis schlug vor mit Reverse Psychology zu operieren um die Leute bei ihrer revolutionären und rebellischen Grundstimmung abzuholen. (via)

Über Macht, oder Disney und die Industrie der generischen Unterhaltung

Adam Rogers schreibt in einem longen Longread auf WIRED über das von den Marvel Studios etablierte generische Storytelling, welches Disney (zu denen ja seit 2009 auch die Marvel Studios gehören) jetzt professionell industrialisieren wird. (via Real Virtuality auf Facebook)

“If everything works out for Disney, and if you are (like me) old enough to have been conscious for the first Star Warsfilm, you will probably not live to see the last one. It’s the forever franchise.”

Warum improvisierte Musik so langweilig ist…

Spannende Performance von Diego Chamy, die zwischen Improvisation und Kalkül schön das Nervenzentrum der Rezipienten fickt. Let the description do the rest:

by Diego Chamy (concept, performance), with Jean-Luc-Guionnet (alto saxophone) and Seijiro Murayama (percussion). Previously performed with Mathias Pontévia (percussion) and Nusch Werchowska (objects) at alberto ukebana, Berlin, November 18, 2008, and with Christof Kurzmann (laptop) and Seijiro Murayama (percussion) during the “Nine Lives” concert series at Ausland, Berlin, July 10, 2009.

Description of the action:

The program indicates an improvisation by three musicians/performers, but I do not appear on stage until after the others have played for some time. I tell the audience that before coming to the theater I had received an unusual email from a friend I had invited to the performance. In this email, which I read out loud, my friend says that he’s fed up with improvised music and asks me to give him a good reason to come to the concert. He also proposes that I ask the audience why improvised music is so boring. I tell the audience I have accepted my friend’s proposal and have prepared a list of questions to ask them. As I present these questions, it becomes clear that they are all rhetorical in nature. The two musicians continue playing throughout. After my last question, a member of the audience suggests that I sing a song, which I proceed to do. (In fact, I had planned to sing a song after asking these questions, and it is purely coincidental that an audience member makes this request.)

Some ideas:

A rhetorical question is not so much a question as a device used to assert or deny something. In this performance I don’t look for interesting answers from the audience. If this were my intention I would have chosen other types of questions (or I would have let the audience ask their own questions). The point here is not whether “improvised music” is boring or not. The point is the mixture of confusion and disappointment generated by someone making this statement and “hiding” it in the form of a question. Another interesting aspect to these questions is the stupidity carried within their generalizations. One can speak about John’s music, Peter’s music, and so on, but “improvised music,” insofar as it is a generalization, doesn’t help us think creatively. Nonetheless, in their stupidity, I find the raw use of generalizations and the flagrant use of rhetorical questions somehow interesting. The same goes for the “comparison” I make between the music being performed on stage and the song I sing at the end of the video.

Extra information:

I performed this action three times. The first two times, the musicians I worked with didn’t know what I was going to do. (I only asked them if I could speak while they played, and they agreed.) The third time (presented here) was a reenactment of the first two actions: the musicians (Jean-Luc and Seijiro Murayama) understood my concept and kindly agreed to play the role of “musicians,” trying genuinely to play their own music and see if it was possible to achieve the tension that was present during the first two performances. To reinforce this act, I asked Seijiro to throw a chair at me immediately after the performance while the audience was clapping. Seijiro did not (or could not) perform this action, but in the video it’s possible to see the tension generated after the audience claps: Seijiro remains seated on stage, looking troubled, knowing that he has to throw his chair at me. For some reason he doesn’t do it.

In the video:

Diego Chamy (concept)
Jean Luc Guionnet (alto saxophone)
Seijiro Murayama (percussion)

Performed at the INSTAL Festival, Tramway, Glasgow, U.K. November 12, 2010.

via Kulturtechno

Konzertbericht: Primus in der Live Music Hall, 20.06.2015

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Ach Live Music Hall, so sehen wir uns also wieder. Du bist wirklich keine Schönheit und doch warst du mein erstes Mal! Hier habe ich tatsächlich mein erstes, allererstes Live-Konzert gesehen, und wenn ich mich recht erinnere, waren das The Gathering mit ihrem sehr schönen Album “How To Measure A Planet” und einer komischen Vorband, in der ein Jüngling mit blonden wallenden Haaren Dosenbier in Rekordzeit killte und sich für keine Poserei zu schade war. Und wo ich schon wieder anfange zu ranten: Einen schöneren Ort für meine Entjungerferung hätte ich mir ehrlich gesagt auch gewünscht, da es sich hierbei um eine dieser komischen Stahlträger-Hallen handelt, die für manche rostigen Hinterhof-Charme haben, für mich aber einfach nur komplett austauschbar sind.

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…Und dann war da noch Thom Yorke, der vor kurzem einen 18-Tage langen Soundtrack komponiert hat.

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Genau! Der Thom Yorke: Der Sänger der Avantgarderock Rock Musterschüler Radiohead. Aber was in diesem Fall entscheidend ist: Genau!18 Tage dauert der Soundtrack Subterranea, den Yorke für Stanley Donwood verfasst hat. 432 Stunden, bzw. 25.920 Minuten von denen laut Künstlers keine einzige innerhalb des Stücks wiederholt wird.

Donwood, Nutznießer dieses gigantomanischen Soundtracks, ist der Künstler hinter aller Radiohead Albencover seit The Bends (Sprich: Der Mann kann auch was), und das Stück soll während seiner 18tägigen Ausstellung The Panic Office genau einmal gespielt werden. Um das Ganze mit dem Zitat eines paranoiden Androiden zu kommentieren:

Please could you stop the noise, I’m trying to get some rest
From all the unborn chicken voices in my head
What’s that…?

THOM YORKE TO SCORE “EVOLVING”, 18 DAY-LONG SOUNDTRACK FOR STANLEY DONWOOD EXHIBITION via independent

Ich bin dann mal weg… #rp15

…und wie die Jahre zuvor live vor Ort in der Station Berlin. Zu finden bin ich die meiste Zeit über am dctp.tv-Stand, aber vielleicht schaffe ich es dieses Jahr dann doch mir zumindest ein oder zwei Panels reinzuziehen. Die Interviews, die wir die Tage zusammen mit Philip drehen gibt es wie immer live auf dctp.tv zu sehen. Zumindest was meine Artikel betrifft, läuft Seite360 so lange auf Autopilot. See you there.

re:publica 15

Endlich? – Ryan Adams covert “Summer of 69″ von Bryan Adams

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Wenn es eine Frage gibt, die den wahren Songwriter-Fan vom uninformierten Radiohörer separiert, dann ist es wohl diese: “Was ist dein Lieblingssong von Ryan Adams?”. Es müssen die ersten Buchstaben des Vornamens nicht einmal genuschelt werden, um dem Banausen ein wie aus der Pistole geschossenes “Summer of 69″ zu entlocken. 30 Jahre Konditionierung durch einen großen Radiohit können leider so einiges ausmachen.

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Und dann war da noch der Künstler, der 2 1/2 cm von Englands höchstem Berg gestohlen hat.

Santillan_plinth_3246352c2Mit 978 Metern ist der Scafell Pike der höchste Berg Englands. Das hielt den ecuadorianischen Künstler Oscar Santillan allerdings nicht davon ab von diesem Symbol der geografischen – und damit verbunden wohl auch nationalen oder zumindest regionalen – Größe des Königsreich einfach mal einen Inch (etwas mehr als 2,5 Zentimeter) zu klauen und auf einer Londoner Ausstellung zu präsentieren. Stimmigerweise nannte er das entsprechende Kunstwerk dann auch gleich “The Intruder” (zu deutsch: “Der Eindringling”) und bezeichnete es als Auseinandersetzung mit der Art und Weise wie die Menschen ihre kulturellen Kategorien der Natur überstülpen bzw. aufzwingen.

Artist who took 1in rock off Scafell Pike’s summit ‘vandalised’ England’s highest mountain via boing boing

Und dann waren da noch die Kunstwerke für blinde und sehbehinderte Menschen im Prado-Museum

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Erst mal mit einem Axiom starten: Konsequenter kultureller Fortschritt ist ohne Inklusion nicht machbar. Wenn wir wirklich das kulturelle Potential der Menschheit voll entfalten wollen, setzt dies zwingend voraus, dass wir allen Menschen den Zugang zu Kulturgütern ermöglichen, unabhängig von körperlichen oder sozialen Dispositionen.

Unter dem Titel Touching the Prado hat das Museo del Prado in Madrid als erstes klassisches, großes Museum eine Ausstellung am Start, in der blinde und sehbehinderte Menschen ursprünglich flache Bilder haptisch erleben können. Zur Erstellung der dreidimensionalen Reproduktionen traditioneller Gemälde – wie der Mona Lisa – wurde ein ziemlich komplexes Verfahren angewandt: Unter Zuhilfenahme von ultraviolettem Licht wurden die Texturen der Originale analysiert und anschließend mit einer speziellen Tinte im 3D-Druckverfahren in mehreren Layern den neuen Werken hinzugefügt. Das Ergebnis sind plastische, für Sehbehinderte zum ersten Mal voll, für Nicht-Sehbehinderte auf vollkommen neue Weise erlebbare Klassiker der Bildenden Künste.

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Bereits das Louvre und das MoMA hatten in der Vergangenheit mit verschiedenen Möglichkeiten experimentiert, blinden Menschen Ausstellungsstücke greifbar zu machen. Aber so weit wie das Prado Museum ist bis dato noch keine Kunstausstellung gegangen. Das Ergebnis ist nichts anderes als eine Braille-Schrift für die schönste Sprache der Welt…

At Museo del Prado, Blind Visitors Can Touch Masterpieces via Open Culture

GHOSTS – Fotoausstellung in Berlin

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Fotograf und Seite360-Buddy Johannes (der nicht unerheblich beim aktuellen Design unseres Blogs mitgeholfen und in der Vergangenheit auch den ein oder anderen Artikel beigesteuert hat), eröffnet am 20. März in der Morgenrot Gallery in Berlin seine jüngste Fotoausstellung Ghosts, in der er sich mit dem mysteriösen, mythischen und dunklen Gesicht Osteuropas auseinandersetzt. Wir hatten Johannes hier schon ein paar mal gefeatured und das nicht nur aus kollegialem Pflichtgefühl, sondern auch weil seine Fotoprojekte auf verdammt spannende Weise den Grenzbereich zwischen dokumentarischer, reflexiver und märchenhaft überhöhter Fotografie ausloten. Doch, ich glaube Magischer Realismus ist ein recht passendes Label, um seine Fotografie zu beschreiben, die es auf Bildbeute zu bestaunen gibt.

Marcus und ich werden zur Ausstellungseröffnung auf jeden Fall vor Ort sein. Wenn ihr also einen netten Plausch mit einem Drittel der Seite360-Autoren halten oder einfach nur magisch realistische Fotos genießen wollt, kommt vorbei. Um 19 Uhr gehts los.

In seinem Projekt “Ghosts” arbeitet Johannes Franke als Archivar des Vergessens. In ungewohnten fotografischen Perspektiven und Ansichten Osteuropas lenkt er die Aufmerksamkeit des Betrachters auf architektonische Anachronismen, die sich dem alltäglichen Blick entziehen. Dabei konserviert er eine düstere Welt, die, so scheint es, vom Nichts aus Michael Endes unendlicher Geschichte verzehrt wird. Ein fernes, längst obsolet gewordenes Reich, das im Begriff des Schwindens steht, wird in den Kontext der modernen Zivilisation gerückt und erwacht in geisterhafter Ewigkeit zu neuem Leben.

“Ghosts” – Johannes Franke – Fotografien
Laufzeit: 20.3.2015 – 20.4.2015
Eröffnung: 20.3.2015, ab 19.00 Uhr
Kuration: Elena Helfrecht

Galerie Morgenrot, Mainzer Straße 6, 10247 Berlin-Friedrichshain

Veranstaltungsseite auf Facebook

Der Festivalsommer 2015 kommt… auch dieses Jahr ohne Frauenquote

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Diese Mashdowns von Festivalplakaten nach dem Prinzip Reine Würstchenparty (BR) sollte man einfach so stehen lassen, während andernorts die Maskulinisten mal wieder rumjammern, dass die Unterdrückung des Mannes durch das so eben beschlossene Quoten-Reförmchen (bzw. “Fortschrittchen”, wie die ZEIT ziemlich passend titelt) um einiges schlimmer werden würde… Einfach so als kleiner Stupser in die Richtung: “Heh, schau dir die Waage doch mal genau an.”

Echt jetzt! Es ist wirklich nicht zu viel verlangt, einfach kurz und knapp festzustellen: Ja, es gibt noch eine Menge Nachholbedarf, in viel zu vielen Bereichen! Lasst uns schauen, wie wir das ändern können! Und sei es nur, indem wir auf die Missstände hinweisen. Wer tatsächlich glaubt, mehr Gender Equality würde der liberalen Gesellschaft etwas anhaben, der kann auch gleich argumentieren, dass die Sklavenbefreiung dem Recht auf freien Besitz einen herben Schlag versetzt hätte.

Darauf erst einmal einen Friedrich Nietzsche:

Wenn zum Antifeministen gehst, vergiss die Peitsche nicht.

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Das Jahr 2014

Welch tolles compendium des vergangenen Jahres. Wer, so wie ich, nicht alles wiedererkennt, findet auf beutlerink.com, was auch die Quelle ist, eine Liste der Ereignisse plus ein kleines making-of und hier das Bild in größer. Was mich dennoch stört: die Welt ist mir hier viel zu heile. Das Wiedererkennungsspiel ist lustig, aber es ist auch ziemlich verniedlicht und viel Relevantes ausgespart, während man auf anderes hätte verzichten können. Kurz: 2014 war ein krasseres Jahr (im Sinne von “unschön”) , als dieses Bild vorgibt.

Beutler_Ht2014

via this isn´t happiness