Schlussspurt: Die letzten Links des Tages

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Fernsehgeschichte: “Mach mal lauter!”

ZEIT-Leser erinnern sich an ihre TV-Rituale und -Erlebnisse von einst: Von Dalli Dalli bis zum WM-Finale 1974.


A short History of Game Panics (Boing Boing)

Do you know where your child is? Watch out: they might be in an arcade! Jesse Walker of Reason Magazine on video gaming’s juiciest moral panics.


Berühmte Frauengemälde in heutigen Topmodel-Maßen (Takepart)

Wenn die Venus und die Nymphen der Barockzeit die Maße heutiger Topmodels hätten. Schöne Photoshop-Arbeit des Takepart-Magazins.


A New Story Told at Ground Zero (NY Times)

Beeindruckender virtueller Rundgang durch das ebenfalls beeindruckende 9/11 Memorial Museum in New York.

Artikelbild via Comically Vintage

Schlussspurt: Die letzten Links des Tages

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Was sind und tun eigentlich Satanisten?

Interview von Ben Harder mit der Religionswissenschaftlerin Dagmar Fügmann über ihre Doktorarbeit Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland: Weltbilder und Wertvorstellungen im Satanismus (Partnerlink). (GWUP)


Top 10 Drehbücher zu Serienpiloten

Auf der Internetplattform Screencraft stehen derzeit die Drehbücher der Piloten zu einigen der erfolgreichsten TV-Serien der letzten 15 Jahre zur Verfügung. Darunter befinden sich die Scripte der bahnbrechenden Drama-Serien “The Sopranos” (HBO), “Mad Men” (AMC) und “Breaking Bad” (AMC). (FLIXE)


Krautreporter

Bei uns in der Redaktion hat noch niemand (aus verschiedenen Gründen) den Donate-Button geklickt. Das kann aber sehr wohl noch kommen. Im Internet wird auf jeden Fall schon fleißig über das Projekt diskutiert und gestritten. Und das ist immer, immer, immer gut… vollkommen unabhängig wie jung ein Projekt ist. Sie unter anderem: Fünf Gründe, warum ich von dem Krautreporter-Konzept enttäuscht bin; Kaum Krautreporterinnen; die kritische Auseinandersetzung mit der Kritik und natürlich die obligatorische kritik-kritiker kritik. Und das Netz sprach: “Es werde Meta!”


Ein neuer Baum der Erkenntnis

Der Künstler und postmoderne Frankenstein Joe Davis will den Inhalt der Wikipedia in Gensequenzen transformieren und diese der DNA eines Apfelbaums einpflegen. Das Ergebnis wäre dann ein aktualisierter Baum der Erkenntnis: Don’t eat this Fruit or I start an Editwar!”


Good Vibrations – Film über einen Plattenladen in Glasgow

“Die Bomben mit Musik bekämpfen! Das ist Terri Hooleys Plan, als er in den 70ern in Belfast einen Plattenladen mitten auf einer umkämpften Straßenmeile eröffnet. GOOD VIBRATIONS ist fortan Treffpunkt der nordirischen Underground-Szene, von Punks, Nerds, Rebellen und Teenies. Hier wächst über die aufkeimende Punk-Bewegung neue Hoffnung für einen geistigen Widerstand. Terri Hooley wird zum geliebten und gehassten Labelgründer und Konzertveranstalter, bringt Bands wie THE UNDERTONES groß raus. Sein Herz schlägt dabei immer für musikalischen Exzess und ideelle Freiheit, nicht für finanzielle Sicherheit. Seine private Existenz verliert er damit aus den Augen und bleibt sich dennoch immer treu.

Eine wahre Geschichte.”


Dieser geile Song aus der Apple-Werbung…

ist uuuuuuuuuralt und hört auf den schönen Namen “Gigantic” und ist auf der immer noch großen LP “Surfer Rosa” zu finden. Kauft besser gleich das ganze Kult-Album von 1988, anstatt den Song in übelster Quali von YT zu rippen.


*Artikelbild: Bartolomeo Passarotti - The Butcher’s Shop (1580) via Arfur’s

The Evolution of Visual Effects (Supercut)

Und noch einmal im eskapistischen Zeitraffer durch die Filmgeschichte der Visual Effects. Schöner – und vor allem pathetischer – Supercut von Jim Casey:

A homage to the great moments that changed visual effects:
Took a little while to put together but I think its conveys the evolution of visual effects quite well. I tired to the best of my ability to order these clips chronologically (except for of course the first 3)

Direktlink via Boing Boing

Tätowierte Porzellanfiguren von Jessica Harrison

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Take this, Kitsch! Die Künstlerin Jessica Harrison bemalt klassische unfassbar kitschig idealisierte Porzellanfiguren von Frauen mit genau so klassischen, idealisierten Tätowierungen von Matrosen. Ein großartiges Spiel mit prototypischen, traditionellen Erscheinungsbildern und Stilisierungen: Auf der einen Seite die zarten, fragilen “Püppchen”, auf der anderen Seite die zumindest in der zeitgenössischen Rezeption derben, von Männlichkeit sprühenden Seemann-Tattoos.

Andererseits sind diese ikonischen Bilder von zerstochenen Herzen und holden Seejungfrauen selbst wieder um Kitsch in ihrer reinsten Form, stereotype Männlichkeits-Ikonographien, die in ihrer Schlichtheit nicht weniger plump und sentimental daherkommen, wie die Fläche auf der sie hier verewigt werden. Fight Fire with Fire, dem Kitsch mit Kitsch begegnet und durch diese Multiplikation etwas tatsächlich kitschfreies, originär künstlerisches geschaffen. Groß!

Harrison proposes a multi-directional and pervasive model of skin as a space in which body and world mingle. Working with this moving space between artist/maker and viewer, she draws on the active body in both making and interpreting sculpture to unravel imaginative touch and proprioceptive sensation in sculptural practice. In this way, Harrison re-describes the body in sculpture through the skin, offering an alternative way of thinking about the body beyond a binary tradition of inside and outside.

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Ebenfalls sehenswert: Harrisons noch radikalerer Umgang mit den Porzellan-Frauen, wenn sie auf den Kitsch direkt mit physischer Gewalt reagiert. Diese und andere Werke sind Teil von Harrisons Ausstellung FLASH in der Galerie L.J. in Paris

via Colossal

LEGO-Kampagne: Masters

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Nein, ich habe noch nicht genug von diesen ganzen LEGO/Pixel/Art-Mashups, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Und wenn das Ganze so simpel und gleichzeitig toll gemacht ist wie von Marco Sodano, dann umso weniger. Das Ganze wird wohl auch Teil einer echten Kampagne und wurde laut Sodano von LEGO selbst in Auftrag gegeben. Werbung. Trotzdem Kunst.

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LEGO Masters via FiT

Sängerinnen von ADAM singen bis zum Orgasmus…

Warum ist das bis jetzt an mir vorbei gegangen? Die Sängerinnen der niederländischen Electropop-Band ADAM singen “Go to Go”, während sie gleichzeitig mit elektronischer Stimulation zum Orgasmus gebracht werden: Heiß, befreiend und einfach nur wunderschön. Erinnert natürlich an das großartige Hysterical Literature Projekt und bekommt daher in der B-Note ein paar Originalitätspunkte abgezogen: Im freien Gesang funktioniert das Konzept mMn. aber sogar um einiges besser als am Schreibtisch sitzend, einfach, weil die Protagonistinnen hier weitaus ungebundener, weniger beim Publikum und mehr bei sich selbst zu sein scheinen. Und nach wie vor gilt natürlich, dass Orgasmen mit zu den schönsten Erscheinungen dieser Welt gehören.

Direktorgasmus via Mind’s Delight

Gemälde-Dekonstruktionen von Valerie Hegarty

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Großartig aufgesprengte Gemälde von Valerie Hegarty, die sich irgendwo zwischen Malerei und Installation bewegen und sowohl einen düsteren als auch verdammt vitalen Touch mit sich bringen. Fast schon so etwas wie die Antithese zu Stillleben des 19. Jahrhunderts. Mehr davon gibt es in ihrem mehr als besuchenswerten Portfolio von 2013 zu sehen.

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Kunst von Valerie Hegarty via I need a Guide

Egal ob Mensch oder Wurst…

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Jedes Jahr frage ich mich erneut, was ich an dem jeweiligen Grand Prix d’ Eurovision Songcontest denn nun am schlimmsten finden soll. 2014 wurde mir die Antwort ziemlich leicht gemacht: Natürlich die nervigen, konservativen, homophoben, ewiggestrigen Kackbratzen, die nicht damit klar kommen, dass ein Mann in der Rolle einer Frau mit Bart den Sieg eingeheimst hat. Fuck you, assholes!

Foto via Barbara

The Grand Sausage Pizza – Wenn Wes Anderson einen Porno drehen würde

Mir fällt auf die Schnelle kein anderer Regisseur ein, dessen Porno ich lieber sehen würde… Die Coens? Was gut ist für die Kunst, kann der Tod des Sexes sein. Sie würden nur das Nicht-Zustande-Kommen des Koitus dokumentieren, oder schlimmer: Maschine never-cum – Der Lerlauf. Christopher Nolan? Würde das Vorspiel drehen und dann in die Imagination eines der Protagonisten abdriften, wie er/sie sich erinnert an einen anderen Akt, mit jemand anderen, der/die sich erinnert an einen anderen Akt, mit jemand anderen der/ die sich erinnert an einen anderen Akt, mit jemand anderen … Paul Thomas Anderson? Würde das Zustandekommen des Aktes und alles, was währenddessen passiert beschreiben, aber nicht den Akt. (Boogie Nights) Lars von Trier? Check. Michael Bay? Standard Porno nur mit mehr Bukkake und zerfickten Städten und am Ende würde er eine sehr gute schlechte Erklärung dafür haben, warum riesige Roboter ejakulieren. Alfred Hitchcock? Würde den acht Millimeter Film aus “8mm” drehen. David Lynch? Würde Alfred Hitchcock aufnehmen, wie er den acht Millimeter Film aus “8mm” dreht. James Cameron? Würde eine stereokopische intravaginale Kamera erfinden und anfangen nur aus dieser, vaginalen Perspektive zu drehen, würde dann von Gaspar Noé überrascht und verprügelt werden, der dann seinerseits die Vergewaltigung von James Cameron aufnehmen und es schaffen würde, das als Kunst zu verkaufen. David Cronenberg? Würde die Penetration mit allen möglichen Gegenständen zulassen, insofern sie nicht fleischlich sind und dann den Zuschauer das Fleischliche in das Künstliche hineininterpretieren lassen. Tarkowski? Fände der Akt in einem Garten statt, würde er bei Bildern vom Garten verharren und dabei schaffen eine existenziell guten Fick mit sich im Wind bewegenden Baumzweigen und Blumen zu erzählen. Ingmar Bergmann? Würde den Akt erzählen lassen, wobei es unerheblich wäre, ob es jemand erzählt der aktiv dabei war, oder nur zugesehen hat, es wäre auf jeden Fall erotisch (Persona). Scorsese? Würde auf jeden Fall Sex drehen, aber entweder Jesus oder Mafialeute dabei zusehen und den Akt kommentieren lassen. Ja, also auf die Schnelle fällt mir wirklich kein besserer Regisseur dafür ein.

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Typ fährt Achterbahn und schaut dabei mit der Oculus Rift eine virtuelle Achterbahnfahrt

Um den Gedanken aus meinem kleinen Artikel zu Benoit Paillés GTA V Projekt, in dem er Fotohybride aus Virtuellem und Realem fabriziert, noch mal auf den Punkt zu bringen: Žižek über Deleuze, den er als Philosoph des Virtuellen ansieht:

Für Deleuze zählt nicht die Virtuelle Realität, sondern die Realität des Virtuellen (bei der es sich, Lacansch gesprochen, um das Reale handelt). Die virtuelle Realität an sich ist die relativ dürftige Idee, die Realität nachzuahmen, d.h. die Erfahrung der Realität in einem künstlichen Medium zu reproduzieren. Die Realität des Virtuellen hingegen steht für die Realität des Virtuellen selbst, für seine realen Wirkungen und Folgen.

In diesem Video ist dieser Gedanke umgesetzt: Das Virtuelle befiehlt dem Empfinden. Etwas, was laut Lacan, Deleuze und Žižek einfach passiert. Ihre Idee des Virtuellen ist dabei nicht die digitale Version, sondern die Idee eines transzendentalen Möglichkeitsraumes, der Entscheidungen, Gefühle und Erleben strukturiert. Oder, um es noch abgehobener zu formulieren: Das Transzendente, was im Grunde genommen dem Freudschen Unbewusten mehr als nur nahe kommt, ist die Bedingung, zumindest aber der Ursprung von Emergenz. (Die beiden anderen strukturierenden Momente sind das Imaginäre und das Symbolische. Žižek bedient sich ja dieser Terminologie des Psychoanalytikers Lacan, um damit über Philosophie und Popkultur zu sprechen. Wer Bock hat auf diese komplexen und so verdammt interessanteren Gedankengänge, dem/der sei Žižeks Vortrag über die Realität des Virtuellen ans Herz gelegt.) Im Zusammenhang mit diesen Ideen sagt das Video (sag ich, dass das Video sagt): Menschen leben, das ist die Achterbahnfahrt, und währenddessen sehen sie etwas, von dem sie meinen, dass es so sein soll, so sein muss, so sein darf, nicht so sein darf, das ist das virtuelle Bild. (Freudianisch: Über-Ich/ Es. Lacan ist noch komplexer. Dazu Žižeks Vortrag.)

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(Das Zitat stammt aus: Žižek, Slavoj: Körperlose Organe. Bausteine für eine Begegnung zwischen Deleuze und Lacan. Suhrkamp 2005. S. 13)

Die Mona Lisa, Prototyp eines stereoskopischen 3D-Gemäldes?

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2012 haben Wissenschaftler im Museo del Prado in Madrid hinter einer scheinbar leeren schwarzen Fläche eine fast exakte Kopie von Leonardo Da Vincis Mona Lisa entdeckt, bei der noch nicht ganz klar ist, ob sie dem großen Meister selbst oder einem seiner Schüler zugeschrieben werden kann. Viel spannender als dieser Fund ist allerdings was andere Wissenschaftler daraus gemacht haben: Forscher von der Universität Bamberg haben nämlich entdeckt, dass die horizontale Differenz zwischen “Original” und “Kopie” ziemlich exakt 69mm beträgt, was wiederum ziemlich genau der durchschnittlichen horizontalen Distanz zwischen den beiden menschlichen Augen entspricht. Sprich, die beiden Bilder zusammen ergäben das, was Avatar niemals sein konnte, ein perfektes stereoskopisches Kunstwerk. Die Mona Lisa, ein frühes Exempel von 3D-Kunst… Whoaah!

Turns out, the real “Mona Lisa,” or “La Gioconda,” and the Prado cousin were painted from slightly different perspectives. Carbon and Vera Hesslinger of Germany’s University of Mainz figured out this perspective shift by looking at so-called trajectories, or the paths from a distinctive point on the source, such as the tip of Mona Lisa’s nose, to a target, or the observer’s (or painter’s) eyes. The scientists also asked people to estimate the perspective of the “Mona Lisa” sitter, something Carbon called a psychological assessment of the perspective.


Did da Vinci Create a 3-D ‘Mona Lisa’? (Discovery News) via Boing Boing