Die Paletten der großen Meister

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Wenn es nach dem Fotografen Matthias Schaller geht, spiegelt sich die Kunst der großen Maler bereits in ihren Arbeitsutensilien, in diesem Fall ihren Farb- und Malpaletten wider. In der Tat, wenn man sich die Fotografien anschaut, auf denen Schaller die Werkzeuge berühmter Maler verewigt hat, kann man kaum zu einem anderen Urteil kommen: Der wilde, expressive Farbrausch eines Wassily Kandinsky, die verträumten und zugleich erdenen Töne eines Claude Monet, die herbstlichen Töne eines Edgar Degas, die natürlichen Gewalten eines William Turner, das kreative Chaos eines Pablo Picasso, oder die Farbdichte eines Vincent Van Gogh, all das zeichnet sich mal mehr mal weniger deutlich auch im jeweiligen Werkzeug ab.

Oben seht ihr in trauter Eintracht Pablo Picasso neben Henri Matisse. Unten folgen zuerst William Turner und dann Marc Chagall. Weitere großartige (und entlarvende) fotografische Funde gibt es in Schallers Serie Das Meisterstück zu bestaunen.

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Das Meisterstück via Colossal

By the way: Hier wohne ich…

…und um das mit euch vernünftig teilen zu können, habe ich die Tage die erste richtig böse YouTube-Urheberrechtsverletzung meines Lebens begangen und ganz dreist diesen tollen Beitrag vom Heimatjournal aus der Mediathek gerippt und auf YouTube hochgeladen. Mal sehen, was der RBB dazu sagt, ob das lange online bleibt und ob der Seite360-Kanal nun zum ersten Mal geflaggt wird. Bis dahin, let me introduce the Kaskelkiez in Berlin.

Der Echtzeitklang von Wikipedia

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Wunderschönes Projekt von Stephen LaPorte und Mahmoud Hashemi: Auf der Website Listen to Wikipedia werden die sekündlichen Artikelerstellungen, Korrekturen und Editwars der Wikipedia visualisiert und sonifiziert. Das Ergebnis ist ein großartiges Wechselspiel aus Klang, Wort und Farbe, das den Zuschauer und Zuhörer am Wachstum der Echtzeitenzyklopädie in romantisch musikalischer Form teilhaben lässt.

Bells indicate additions and string plucks indicate subtractions. Pitch changes according to the size of the edit; the larger the edit, the deeper the note. Green circles show edits from unregistered contributors, and purple circles mark edits performed by automated bots. You may see announcements for new users as they join the site, punctuated by a string swell.

Listen to Wikipedia, englisch oder (nicht ganz so voluminös) die deutsche Variante via Kraftfuttermischwerk

Send in the Clowns. Fear the Clowns.

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Kleiner, pflichtschuldiger Verweis auf die Coulrophobie, die krankhafte Angst vor Clowns, die es bis dato zwar nicht ins ICD-10 geschafft hat, aber durchaus schon Inhalt psychologischer Untersuchungen war. Als Nichtbetroffener möchte ich an dieser Stelle meine schiere Liebe zu allen düsteren, traurigen, makaberen und einfach andersartigen Darstellungen der berühmten, prototypischen Spaßmacher zum Ausdruck bringen. Und logischerweise finde ich dann diese mitunter doch sehr bösartigen (teilweise NSFW) Clown-Fotografien von Eolo Perfido einfach nur großartig. Die dunklen Seiten der Zirkuskultur perfekt auf den Punkt gebracht. Send in the scary Clowns!

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Clownville by Eolo Perfido via Crack Two

Theaterbuch: MacBeth

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Zum Medium Buch ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Auch wenn es mehr als nur wahrscheinlich ist, dass der Siegeszug der eBooks peu à peu das Papier als primäres Medium für Textrezeption obsolet machen wird, gibt es für die Kombination aus Papier und Pappe durchaus noch Betätigungsfelder, die unmöglich in einem eReader zu reproduzieren sind… vor allem, wenn sich das Traditionsmedium für die Multimedialität öffnet: So gesehen im Theatre Book von Davy and Kristin McGuire. Mit Hilfe von Raumöffnung – wie man sie aus klassischen Faltbüchern kennt -, einem Projektor und einer Dramaturgie, die mehr dem Theaterbesuch als dem klassischen Leseprozess gleicht, wird das Papier zur Bühne, zum Medium für eine Inszenierung zwischen Tradition und Moderne, vielleicht sogar die größtmögliche Umsetzung des wagner’schen Universalkunstwerk-Gedankens in den – gar nicht so engen – Grenzen zweier Buchdeckel.

Noch handelt es sich bei dem so genannten Icebook nur um ein Konzept bzw. Prototypen. Sollte es zu mehr werden, wäre das aber tatsächlich die Möglichkeit, dem guten alten Bücherregal – mittlerweile wahrscheinlich viel zu sehr ein konservatives Bollwerk des traditionsbewussten Bildungsbürgertums gegen die Technisierung der künstlerischen Welt – zu neuem Glanz und einem neuen progressiven Selbstbewusstsein zu verhelfen. Ich will auf jeden Fall mehr davon!

‘Theatre Book – Macbeth’ is a battery powered cinematic pop-up book. The prototype book includes 6 pop-up pages designed like sets on a stage with actors projected onto the paper scenery. All technical equipment such as a micro projector and computer, batteries, loudspeakers and mirroring devices are integrated into the cover of the book in order to create a stand alone storytelling device, mixing the formats of books and theatre stages.The story is driven by the owner of the book who turns the pages and thus triggers video and sound to play out the scenes. In this prototype the story of Macbeth is being told through visuals and music/sound only.

The Ice Book (Danke fürs Finden, Johannes)

Pacapong: Pac-Man meets Pong meets Space Invaders

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Sorry, aber… ALTER, IST DAS GEIL! In Pacapong kreuzt kingPenguin munter die Spieleklassiker Pacman, Space Invaders und Pong zu einem großartigen Retro-Bastard. Das ist auf den ersten Blick konfus, wirr und ziemlich hektisch, offenbart sich aber ziemlich schnell als sau cooles Mashup-Game, das perfekt geeignet ist für einen spaßigen 2Player Retro-Spieltag. Und nebenbei macht es dann auch noch einmal deutlich, wie bieder Nintendo leider bei seinen NES-Remixes vorgegangen ist. Wacka, wacka, wacka, BOOM!

Pacapong (Download für MAC, Windows und Linux) via Superlevel

Forget-Me-Knot: Alzheimer in immersivem Spiel am eigenen Leib erfahren

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Zu meinen einprägsamsten Jugenderinnerungen gehört die Alzheimererkrankung meiner Großmutter. Da wir damals im gleichen Haus wie meine Großeltern lebten, wurde ich täglich Zeuge ihres schleichenden geistigen und körperlichen Verfalls. Ich kann mich noch gut erinnern, wie sie abends am Fenster ihres Schlafzimmers stand und verängstigt und verwirrt um Hilfe rief. Ich weiß noch, wie sie nachts durch das Treppenhaus schlich, nicht genau wusste wo und wer sie war, wie ich hoffte, sie würde dieses Mal nicht an meine Zimmertür klopfen und mit brüchiger Stimme fragen: “Entschuldigung, haben Sie meinen Mann gesehen?”.

So schrecklich ich ihre Krankheit fand – und so sehr ich dadurch bis heute eine Scheiß-Angst davor habe, selbst irgendwann einmal an Alzheimer zu erkranken -, so wenig war ich damals in der Lage, mich in ihre Situation hineinzuversetzen, zu verstehen, wie sie selbst sich im Inneren fühlen musste. Natürlich hatte ich auch Mitleid mit ihr, aber allzu oft war sie dann doch einfach nur eine unheimliche, unberechenbare, alte Person, unter deren Verwirrtheit die gesamte Familie zu leiden hatte.

Das Spielprojekt Forget-Me-Knot von Alexander Tarvet scheint mir daher fast wie eine (für mich leider zu späte) Nachhilfestunde in verpasster Empathie. Mit Hilfe der Unreal Engine und in klassischer Egoperspektive erhält der Spieler die Möglichkeit, in den Körper eines an Alzheimer erkrankten Mannes zu schlüpfen; inklusive großen Erinnerungslücken, Desorientierung, Hilflosigkeit und der Konfrontation mit überforderten Angehörigen. Ein eindringliches immersives Erlebnis, dass es Betroffenen ermöglichen kann, nachzuvollziehen, wie sich ihre erkrankten Mitmenschen fühlen müssen und im besten Fall ein wenig dazu beiträgt, Alzheimererkrankte nicht bloß als bemitleidenswerte und zugleich anstrengende Pflegefälle zu betrachten, sondern als das, was sie nach wie vor sind: Menschen, die Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse haben.

Forget-Me-Knot is an exploration game created to raise awareness and understanding of Alzheimer’s Disease. The player takes on the role of the fictional character Harold Tarvet as they unravel their past and gain a glimpse into what it is like to live with Alzheimer’s Disease. Forget-Me-Knot is the playable artefact created to accompany my dissertation topic of eliciting complex emotional states in video game players.

Forget-Me-Knot via Gamasutra

Und dann noch schnell meine persönlichen Favoriten für den diesjährigen Eurovision Song Contest…

…Bevor es morgen mit den Halbfinals losgeht. Wie jedes Jahr ist mir auch heuer der Grand Prix d’Eurovision de la Chanson im Grunde genommen ziemlich egal; aber nicht ganz so egal wie die Jahre zuvor. Denn mit den finnischen Teilnehmern Pertti Kurikan Nimipäivät (scheiße, welcher Nicht-Finne soll das denn aussprechen können?) hält der Punk Einzug in den ehrwürdigen Wettbewerb: Und zwar nicht in einer schlager-geglätteten, pop-affinen Variante, sondern schlicht und ergreifend der Punk als das, was er ist: Roh, ungestüm, im besten Sinne des Wortes dilettantisch, und im Beitragssong Aina mun pitää (scheiße, welcher Nicht-Finne soll das denn aussprechen können?) nicht einmal zwei Minuten kurz.

Keine Ahnung ob diese finnischen Punkrocker in Wien was reißen können (Jan Feddersen in der TAZ meint ja), aber das ist echt mal richtige musikalische Abwechslung zu dem sonstigen Eurovision-Einheitsbrei; und zwar nicht durch Guildo Horn’sche Ironisierung, oder Lena Meyer-Landrut’sche Poppisierung, sondern durch den ehrlichen Geist des subversiven Rock N Rolls. Achja, zum Thema Inklusion könnte ich jetzt auch noch was schreiben, lasse ich in dem Fall aber: Stattdessen freue ich mich einfach darauf, dass PKN dem schlagerverwöhnten Wiener Publikum morgen ordentlich in den Arsch tritt. Let’s rock!

Make up im Plakatstil

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Es ist ein hartes Los, sein Leben als Gesicht auf einem Werbeplakat zu führen: Nicht nur, dass man von vornherein meistens gestaltet ist wie eine leblose, generische Puppe, darüber hinaus ist man auch noch den Gezeiten der Großstadt hilflos ausgeliefert: Street Artists, Tag-Kiddies, Schnurrbartvandalen und der Zahn der Zeit nagen an jedem Lächeln im urbanen Raum. Die Künstlerin Lydia Cambron hat sich genau jenem Schicksal eines jeden Werbeplakates angenommen. In ihrem Projekt Makeup Transit Authority stellt sie in augenzwinkernden, tragikomischen Selfies das Schicksal von unter Vandalismus leidenden Werbeplakaten nach. Auch eine Möglichkeit Street Art und Urbanität zurück ins Studio zu bringen… und eine ziemlich grandiose noch dazu.

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Makeup Transit Authority via Beautiful/Decay

Queer and Feminist Street Art

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Heute ist der Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie und drüben bei Arte Creative haben sie einen echt schönen Beitrag + Interview + some random Pics zum Thema queere und feministische Urban Art, den ihr euch bei Gelegenheit unbedingt anschauen solltet. Hatte das Thema bis dato überhaupt nicht auf dem Schirm, obwohl ich beide Welten, sowohl die LGBT und Queer Culture als auch Urban Art super interessant finde. Vielleicht mache ich mich demnächst mal online und auf der Straße auf die Suche nach ein paar mehr Fallbeispielen. Davon gibt es mit Sicherheit einiges und mit Sicherheit noch viel zu wenig.

Und obendrauf dann noch meinen Literaturtipp für den Tag: Lese gerade Delusions of Gender von Cordelia Fine (Partnerlink), oder zu deutsch Die Geschlechterlüge (Partnerlink), das als eines der (populär)wissenschaftlichen Referenzwerke zum Nature vs. Nurture, Gender vs. Sex Diskurs betrachtet werden kann und auch in der Fachwelt über die Gender Studies hinaus großen Anklang gefunden hat.

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Queer Street Art via Freundeskreis Street-Art Berlin

Poetisches für den Sonntag: Mosh Pits in Öl

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Der Künstler Dan Witz malt Crowds und Mosh Pits in Öl und zeigt sie damit in einer poetischen Reinheit, die ein Foto niemals leisten könnte. Eine wunderbare Verbeugung vor der Romantik der musikalisch bewegten Masse und zudem machen die Bilder verdammt heiß auf den Festivalsommer.

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Mosh Pits (Human and Otherwise) via Intro

Metallica – Enter Sandman rückwärts rückwärts

Das verursacht gerade ein extremes Schwindelgefühl in meinem für den Musikgeschmack verantwortlichen Nervenzentrum. Einmal Metallica durch den Backward-Mixer bitte, und anschließend rückwärts abgespielt.

Metallica – Enter Sandman (Backwards Cover) via die YouTube “Das könnte sie auch interessieren”-Leiste, die doch manchmal tatsächlich für eine Entdeckung gut ist…

Alles Für Immer 03 – Der Herold

Wie der Herold der Unsichtbaren Hand des freien Marktes des Todes in die Welt spawnt.

Beschreibungen und Links zum verwendeten, CC-lizenziertem, Bildmaterial findet man auf meinem Youtubekanal.

Tilted MF auf Youtube und auf tumblr.