Filmabriss: Only Lovers Left Alive, Grand Budapest Hotel, Der Schaum der Tage, Das jüngste Gewitter

Only Lovers Left Alive (screenshot)

Filmaufriss, könnte ich auch titeln, da wir einen analytischen Blick auf (bzw. in) jüngere Filmwerke werfen werden. Filmästhetik und Erzähltechnik stehen da ebenso im Fokus wie philosophischer Gehalt. Da ich wenig Sinn darin sehe über irrelevante Filme zu schreiben, kann ich schon im Vorhinein alle hier behandelten Titel uneingeschränkt empfehlen. Have some fun.

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#Gauchogate – Die großen Missverständnisse zwischen Schlaaand und Feuilleton

gauchos

So geh’n die Gauchos, die Gauchos, die geh’n so. So geh’n die Deutschen, die Deutschen, die geh’n so. In den Siegestaumel der deutschen Spieler und Fans mischten sich unmittelbar nach der Siegesfeier am Brandenburger Tor, die ersten kritischen Stimmen, die den Gauchotanz, mit dem eine Handvoll Spieler der deutschen Nationalmannschaft noch einmal ausgelassen den Finalgegner foppten/verhöhnten/beleidigten (passende Formulierung bitte unterstreichen), als unangebracht, unwürdig oder gar schlimmeres bezeichneten. Woraufhin sich dann kurz darauf die kritischen Stimmen derer meldeten, die die Kritik am Gaucho-Tanz als unangebracht, miesmacherisch oder schlimmeres bezeichneten. Es scheint auf den ersten Blick fast schon absurd, dass eine eigentlich klassische Diskurs-Dynamik – die sich mit der Kategorisierung rechts vs. links wunderbar polarisieren lässt – einen solchen Wirbel verursacht, inklusive eigenem Twitter-Hashtag (#Gauchogate) und erbosten Diskussionen zwischen den beiden Fraktionen. Letzten Endes resultierte der vermeintliche Sommerlochfüller aus einer ganzen Reihe von Missverständnissen, sowohl auf der einen – der intellektuellen, kritischen, “linken” – als auch der anderen – der euphorischen, vom Bauchgefühl geleiteten, “rechten” – Seite.

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Full Nerd Jacket: D4nny und die Transzendenz des Pops, oder: Kritik der reinen Popmusik

Ich mag Pop. Aber nur wenn er so gut ist wie Pokerface oder call me maybe. Und ich mag D4nny. Weil er die Quintessenz des Pops ist.  weiterlesen

Turn into something beautiful – Boyhood von Richard Linklater

boyhood

Zu Beginn von Boyhood sehen wir den sechsjährigen Mason im Gras liegen und in den Himmel schauen, während Yellow von Coldplay erklingt. Dieses Bild repräsentiert wohl wie kein zweites die Attitüde sowie die Rezeption von Richard Linklaters Film. Es ist das Bild, das alle Kinoplakate schmückt, das jede Rezension, jede Kritik, jeden längeren Bericht begleitet; und tatsächlich ist es auch das Bild, das sich dem Zuschauer am stärksten einprägt. Und doch ist es innerhalb weniger Sekunden vorbei. Ein flüchtiger Moment, ein Augenblick, der keinen großen Pathos, keinen wahnwitzigen Symbolgehalt nach sich trägt; nur ein Augenblick im Leben eines Kindes, ein Augenblick, auf den in diesem Film noch viele weitere wunderschöne, erinnerungswürdige, banale und tiefgründige Augenblicke folgen werden.

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Mein Haus, mein Auto, meine Wii U

wiiuu

Falls ihr euch gefragt habt, warum ich die letzten Tage so wenig hier gebloggt habe… Ich habe ein Wii U Mario Kart Bundle geordert und das ist auch pünktlich am 30.05. bei mir zu Hause angekommen. Stammleser wissen vielleicht, dass ich schon länger mit dem Kauf einer der drei neuen, großen Konsolen flirte. Nachdem ich Ende 2012 ziemlich enttäuscht war vom Launch und Software-Angebot der Wii U, und nachdem Microsoft die XBox-One Präsentation so richtig verkackt hatte, stand eigentlich lange Zeit eine Playstation 4 auf dem Speiseplan. Deren Spieleangebot zum Launch war allerdings derart dünn – tatsächlich noch dünner als bei Nintendos Konsole – dass ich von dem Gedanken abgerückt bin (und sogar nen saftigen Rant zu den beiden neuen Konsolen geschrieben habe). Und da Mario Kart in den Startlöchern stand, ich mich seit jeher sehr zu Nintendo hingezogen fühle (They just develop the best Games!) und ich verdammt nochmal jetzt spielen und nicht noch ein Jahr auf die PS4-Knaller warten wollte, habe ich mich zum ersten Mal seit 18 Jahren (Launch des N64, ja so lange ist das schon her) wieder für eine Nintendo-Konsole entschieden… und bin mit dieser Entscheidung gerade verdammt glücklich.

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Filmabriss: Captain Phillips, 12 Years a Slave, Snowpiercer, Trance – Gefährliche Erinnerung

Tom Hanks

Unbedingt mal wieder Zeit für einen aktuellen Filmabriss… Irgendwie tut es mir derzeit um so ziemlich jeden Film leid, den ich sehe und zu dem ich es nicht schaffe, wenigstens ein oder zwei Zeilen zu Papier zu bringen; liegt nicht nur daran, dass ich das Gefühl habe, Seite360 giere nach Content, sondern auch einfach weil das Niederschreiben mir selbst hilft meine Meinung zu dem entsprechenden Film zu verarbeiten und zu fixieren, auch über den (ähnlichen) Effekt eines  Nach-Kinobesuch-Gesprächs hinaus. Hier also jetzt ein paar kurze Gedanken zu einigen Filmen, die ich in den letzten Wochen/Monaten gesehen habe. Keine tiefgründige Analyse, keine umfangreiche Auseinandersetzung, nur ein oder zwei Cents, die ich glaube zu den Werken noch loswerden zu müssen. Dieses Mal sind die Big Budget Großprojekte an der Reihe: Zweimal Oscar-Gewinner in Captain Phillips und 12 Years a Slave, einmal stilsicherer Heist-Mindfuck in Trance, und einmal groteske Weltuntergangsphantasien zwischen Korea und Traumfabrik in Snowpiercer. 2014 ist btw. bis dato ein verdammt gutes Filmjahr.

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Why American Horror Story sucks… a little bit

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Verdammt nochmal, ich liebe diese Serie! Ich liebe, liebe, liebe sie! American Horror Story gehört für mich zu den großen Serien-Überraschungen der letzten Jahre. Habe ich sie bei Ankündigung und Präsentation der ersten Teaser noch als Standard-Mystery-Schmu abgetan, habe ich mich erst zu Beginn dieses Jahres – aus Mangel an anderem Material – auf die Horror-Serie von Ryan Murphy eingelassen… und sie hat mich umgehauen. Innerhalb kürzester Zeit habe ich die drei Staffeln weggesuchtet und kann es jetzt schon kaum erwarten, den Freakshow der kommenden vierten Staffel zu bewundern.  Daher ist dieses “Why … sucks!”-Resümee dann auch in erster Linie ein Versuch, mit Nitpicking gegen schwelendes Fanboytum anzukämpfen, in zweiter Linie dann aber doch auch eine Auseinandersetzung mit den zahllosen großen und kleinen Fehlern, die diese Serie beherbergt. Denn so genial sie auch ist, geschieht doch eine Menge stranges, dummes und einfach nur fragwürdiges Zeug im Verlauf ihrer drei Staffeln. Ganz schön schwer darauf herumzureiten, weil American Horror Story einfach mal Gott ist, aber ich will es dennoch (in diesem Fall auch relativ spoilerfrei) versuchen: Why American Horror Story sucks… zumindest ein bisschen.

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#rp14

republica-360

Ich bin diese Woche mal wieder überhaupt nicht zum Bloggen gekommen, weil ich voll und ganz in der re:publica-Bubble gefangen war. Und wie jedes Jahr war ich vor allem mit Arbeit beschäftigt, sowohl vor/nach dem eigentlichen Event, als auch während der drei Tage in der Station Berlin, und wieder einmal konnte ich daher den Großteil der Vorträge leider nur am Rande, in den folgenden Gesprächen oder – ironischerweise direkt vor Ort – im Livestream verfolgen. Trotzdem an dieser Stelle schnell meine zwei Pfennige zur diesjährigen Netzkonferenz.

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Hörenswertes Frühling II: Eels, Skrillex, Tycho, Cloud Nothings, Todd Terje, Damon Albarn

flowers

Eine große Einleitung? Nee, diesmal nicht. Der Artikel hier muss schnell raus und ich auch. Blasenentzündung und so. Was die Alben angeht: Der Frühling ist mächtig!

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RemakeORama: Evil Dead, RoboCop, Oldboy, Maniac

remakes

Es ist kein großes Geheimnis, dass der Traumfabrik in den letzten Jahren doch das eine oder andere Mal die kreativen und originellen Ideen fehlten, wenn es darum ging, Kinohits für die große Leinwand zu produzieren: Fortsetzungen, Remakes, Reboots, Prequels und Sequels wohin das cineastische Auge reicht. Und als ob das nicht schon frustrierend genug wäre, scheint selbst das vermeintliche Outsider- und Independent-Kino mittlerweile große Freude an der Resteverwertung gefunden zu haben. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass mittlerweile nicht nur Kassenschlager von einst durch die Konservationsmaschinerie gedreht werden, sondern ebenso dreckige Trash-Perlen, Splatter-Kultfilme und düstere, groteske Thriller-Dramen mit Exoten-Flair. Remaking ist keineswegs ein Privileg, das nur Hollywood vorbehalten ist und wird durchaus auch jenseits des großen Blockbuster-Kinos für die ganze Familie eingesetzt. Aber Remake ist auch nicht gleich Remake und selbst in der vermeintlichen Ideenlosigkeit lässt sich dann doch manchmal die ein oder andere Perle finden: Fünf aktuelle Remakes von “Indie-Klassikern” auf dem Prüfstand: Was machen sie besser, was machen sie schlechter als das Original. Und sind sie es wert geschaut zu werden?

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Happy Birthday, Game Boy – Die 10 besten Spiele für den Handheld-Klassiker

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So bevor es zu spät ist, schicke ich an dieser Stelle auch noch schnell meine Geburtstagsgrüße zum 25jährigen Bestehen des Game Boy heraus. Auch wenn der kleine Handheld nicht meinen ersten Kontakt zu Videospielen darstellt (davor gab es bei uns zu Hause ne uralte Pong-Konsole und nen Atari VCS 2600, außerdem habe ich intensiv bei nem Freund Amiga und C64 gezockt), so markiert der Game Boy doch meine intensivste und prägendste  Auseinandersetzung mit Videospielen… bis zum heutigen Tag, über mehrere Variationen und Generationen hinweg. Ich habe den klassischen Game Boy zur Erstkommunion geschenkt bekommen (der beste Teil meiner katholischen Sozialisation), habe mir später vom Taschengeld einen Super Game Boy Adapter für mein SNES gekauft, hatte einen Game Boy Light, einen Game Boy Advance und wurde doch ziemlich wehmütig, als Nintendo den prototypischen Handheld mit der Veröfentlichung der DS-Franchise offiziell beerdigte. Anyway, wenn schon jeder das Jubiläum des kleinen Kastens damit feiert, eine Best-Of-Liste rauszuhauen, dann kann ich das auch. Es folgen – ohne große Einleitungsworte – meine subjektiven Top10-Games für den schwarzweiß-Handheld. Nur Games, die auf jedem Game Boy Modell spielbar waren, sprich: Die wirklichen Klassiker. Keine Game Boy Color -, keine Advance-Games, einfach nur pures Retro-Glück in Grau und Grün. Happy Birthday, lieber Game Boy. Ohne Dich wäre meine Kindheit weitaus trostloser gewesen.

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Virtueller Sex – Luxuria Superbia für Android, iOS & PC

superbia

Dafür, dass das Medium Spiel noch so jung ist, holt es derzeit mit erstaunlich großen Schritten gegenüber den etablierten Medien wie Film und Literatur auf. Dank der Entdeckung der Möglichkeiten des Kunst- und Independent Games in den letzten Jahren erleben die Spieler gerade eine Zeit, in der zahllose Entwickler beweisen, dass es durchaus möglich ist, auf dem Videospiel-Markt mit viel Experimentierfreude so etwas wie Avantgarde zu produzieren – und sogar zu verkaufen -, während die teuren Blockbuster-Produktionen beweisen, dass auch in Videogame-Land Hollywood-Standards möglich sind. Und doch, trotz dieser Entwicklung gibt es einige Sujets und Topoi, die im Medium derzeit nicht einmal ein Nischendasein führen, sondern schlicht und ergreifend gar keine Rolle spielen. Eines davon ist die Erotik: Weder infantile Fuck ‘em Adventures wie Leisure Suit Larry (1987) noch QTE-Bettakrobatik wie in den Quantic Dream Games konnten bisher diese Lücke füllen. Was bis dato maximal möglich schien, war es Sex zu thematisieren und – knapp vor explizit – im Spiel darzustellen. Von Erotik indes keine Spur. Der Independent Games Festival Gewinner Luxuria Superbia tritt nun an, diesen Missstand zu beheben.

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Über den schleichenden Wertegewinn der jungen Generationen…

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Eröffnungsrede zum Kongress der Gesellschaft zum Erhalt des Status Quo und der konservativen Gesinnung (April 2014):

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe konservative Mitstreiter,
seit Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten sehen wir uns dem schleichenden Wertegewinn der uns folgenden Generationen ausgesetzt. Nicht nur dass dies eine immense Gefährdung für unseren Konservatismus darstellt, auch rückt es uns ältere Generationen immer aufs Neue in ein schlechtes Licht, müssen wir uns doch jedes Mal damit konfrontiert sehen, auf der scheinbar falschen Seite der Geschichte zu stehen. Aber meine liebe Mitstreiter, Larmoyanz – auch wenn wir diese perfekt beherrschen – hilft an dieser Stelle nicht weiter. Viel mehr ist es mir darum gelegen, die Problematik in diesem Vortrag und den folgenden Arbeitsgruppen zu analysieren und Möglichkeiten aufzuzeigen, mit der wir sie nicht nur besser verstehen sondern im besten Falle auch effektiv bekämpfen können.

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Full Nerd Jacket: Fail Compilation – Inszeniertes Scheitern und Kapitalismus

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Ist inszeniertes Scheitern Scheitern? Ist es nicht vielmehr etwas Geglücktes? Ein Anti-Fail? Spiegelt sich dieses Verhältnis nicht im Kapitalismus wieder? Sind geplante Obsoleszenz und Börsenblasen nicht Sinnbild für dieses Verhältnis? Erfolgreiche Geldakkumulation auf der einen Seite und Arbeitslose, Armut und Schrott auf der anderen. In einem interdisziplinären und kulturtheoretischen Move blicke ich zunächst  auf das (nicht-) Versagen in Kunst und Kultur. Davon dann ableitend wird deutlich, dass das Scheitern nicht nur ein weit größeres Ausmaß hat als uns lieb ist, sondern darüber hinaus uns alle angeht, weil das Failen nicht selten systemimmanent ist.

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What A Fuck!? – Lars von Triers Nymphomaniac I

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Mit dem Nymphomaniac Zweiteiler kommt Lars von Triers so genannte Depressions-Trilogie zu einem Abschluss. Da es bei dem Dogma95-Initiator und Festival-Provokateur zuletzt nicht mehr unter existenzieller menschlicher Tragödie oder gleich dem Weltuntergang ging, durfte man gespannt sein, wie der letzte große Epiker des Arthaus-Kinos das Thema Sex auf die Leinwand bringen würde. Dass es pornographisch werden konnte war praktisch vorprogrammiert, nicht zuletzt auch weil Lars von Trier bereits mit seinen früheren Filmen, wie Idioten, Porno-Arthaus-Erfahrung sammeln durfte. Ebenso schien es vorprogrammiert, dass Sex von Trier nur als Leinwand dient, auf der er wieder einmal eine existenzielle, gewaltig gewalttätige, an den Rand des Ertragbaren gehende Geschichte zeichnen würde. Und nachdem die ersten Filmplakate das Licht der Welt erblickt hatten, auf denen der gesamte Cast in eindeutig orgastischer Pose zu sehen war, durfte erwartet werden, dass Lars von Trier auch in Nymphomaniac wieder zu allen möglichen, unmöglichen Mitteln der Provokationskunst greifen würde… Düster, tragisch, pornographisch, provokant, existenziell und gewaltig… das waren die Vorzeichen von Nymph()maniac (nur echt mit Klammer-O)… und Lars von Trier, der Schelm? Der hat uns alle ganz schön in die Irre geführt.

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