Alle Beiträge von Marcus Frost

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Animated Short: Mythopolis

Im animierten Kurzfilm Mythopolis versetzt Alexandra Hetmerova (Hier ihr Portfolio) antike Figuren und Orte in eine urbane Umwelt von Heute. Sie legt sich mit sweeten oldschoolig-wackelnden Zeichnungen mythologischen Stoff neu zurecht. Da wird Kerberus schon mal zu einem dreiköpfigen Hamster, Medusa Mutter von Minotaurus und Polyphem zu ihrem neuen Liebhaber. Diese Neuerzählungen gibt es ja schon seit dem es Mythen gibt. Mythopolis, dessen Vertonung großartig ist, ist ihre Abschlussarbeit für den Bereich Film.

Mythopolis from Alexandra Hetmerova on Vimeo.

via kuriositas

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Eine Szene mit Dr. Lecter in drei Versionen

Matthew Morettini hat mal die drei existierenden Versionen einer wichtigen Szene aus dem Hannibal-Lecter-Kosmos zusammengepackt. Die Serie ist ja ein bisschen zu sehr durch-designt. Alles ist ziemlich abgeleckt und fancy gefiltert, als wolle man Lecter als Vogue-Model inszenieren. Selbst die Tatorte und Morde sind so krass over the top, da kommt überhaupt kein Realismusgefühl auf, wie es bei Schweigen der Lämmer der Fall war. Der Serienmacher Bryan Fuller hat sich da von den schlechten Momenten von Michael Manns Manhunter (dt. Titel: Blutmond) inspirieren lassen und dann auch noch übertrieben. Denn im Film von 1986 dient das High Museum of Art in Atlanta als Kulisse für Lecters Gefängnis. Ich kenne keine der Romanvorlagen, aber blöd daran ist halt, dass so die suspension of disbelief unterlaufen und das ganze dann zu einer überzeichneten, pop-trashigen, pseudo-arty Bildcollage wird. Schade eigentlich. Jemand sollte die Serie neu auflegen, …in gut. Und ein bisschen mehr Realismus bitte.

via boingboing

Recovering the Mindset from Matthew Morettini on Vimeo.

“The Room” hat einen neuen Gegner

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Kartoffelsalat, dieser deutsche Film, wo irgendwelche Menschen (Youtuber) mitspielen, die für zwölfjährige Mädchen irgendwie wichtig zu sein scheinen, ist wohl laut IMDB der schlechteste Film aller Zeiten. Herzlichen Glückwunsch! Die Seite360-Redaktion war sich eigentlich einig, dass dieser Platz Tommy Wiseaus The Room gebührt, zu dem man ja (ich) dann doch eine leicht perverse Hassliebe entwickelt hat. Vielleicht ist es auch nur Mitleid, wer weiß das schon. Ich hab mir mal die IMDB-Liste (Bottom 100) angeschaut und tatsächlich gibt es zwischen The Room (3,5 von 10 Punkten) und Kartoffelsalat (1,0 Punkte) eine ganze Menge Zeug. The Room ist nicht mal unter den schlechtesten Hundert, was mir wirklich Angst macht! Jedenfalls: Respekt an alle, die sich das angetan und bewertet haben! Dass das Projekt Kartoffelsalat lediglich eine Fan-Abzocke war, war von vornherein klar. Denn, was ein Film in erster Linie braucht, wenn es seinem Macher/ Regisseur an einer Vision fehlt, sind: Schauspieler.

via buzzfeed

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Ein feuchter cineastischer Traum: Hell´s Club

Eine Welt, in der der Terminator in die Vergangenheit (oder sowas) zurückgereist ist um Tony Montana zu töten, aber von Collateral-Tom-Cruise daran gehindert wird, während sich Vincent Vega angepisst-neidisch den tanzenden Saturday-Night-Fever-Travolta reinzieht, Blade auf der Suche nach Vampiren durch die Reihen tigert, Pinhead feiert und Anakin und Obi-Wan Jedi-Busines regeln? Ich habe Tränen in den Augen! Ist das großartig! Antonio Maria da Silva definiert mal eben das (Film-) Mashup-Genre völlig neu und lässt im “Hell´s Club dutzende popkulturelle Figuren und zwar die “echt-fiktionalen”, nicht etwa Fan-Fiction-Schauspieler, gegeneinander antreten. Wie zusammengemixte Soundspuren. Keine Ahnung ob diese Technik bei Film-Mashups schon mal zur Anwendung kam, aber das hier ist einfach DAS Wiedersehen mit seinen alten besten Freunden.

via sploid.gizmodo.com

Bitte was?…: Shower With Your Dad Simulator 2015

Yup. So ist es. Ziegen… also das kann ja nun wirklich jeder. Aber das hier erfordert eine ganz andere Liga an Skill. Dark Souls ist Kindergarten dagegen. Next Gen Grafik. Yeah right. Nicht current, next! Grafik die so krass ist, dass sie aussieht wie extrem große Pixel. Und das ist nicht alles was an in diesem Spiel groß ist. (Räusper.) … Mmmhh ja. Ich leg mich jetzt in die Dusche und weine.

Shower With Your Dad Simulator 2015 auf Steam kaufen.

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Über Terrence Malicks Poesie des Voiceover

Terrence Malick: The Art of Voiceover from Kevin B. Lee on Vimeo.

Terrence Malick gilt als Poet des Kinos, der sich für seine Werke Zeit lässt. In den letzten vierzig Jahren hat er sieben Filme gemacht. Rainer Werner Fassbinder hat mal sieben Filme in einem Jahr geschafft, glaube ich. Malicks Gebrauch des Voiceover trägt unzweifelhaft zu seinen filmischen Erzählungen bei. Aber auch andere filmästhetische Griffe bewirken diesen Zauber seiner Werke. Ich bin richtig verliebt in die Kameraführung, die die Bewegtheit seiner Figuren wiedergibt. Herkömmliches (Popcorn-) Kino handelt oft nur Ideen ab, die in Szene gesetzt werden, was wirklich cool sein kann, Christopher Nolans “Inception” zum Beispiel, der total Hitchcock-mäßig montiert ist (“Dial M for Murder”). Malick ist eher an der Dynamik menschlicher Psyche interessiert, am Bewusstseinsstrom. Er dokumentiert menschliche Haltungen zu Liebesbeziehungen und deren Zerfallen, erzählt fast schon phänomenologisch über Scham, Angst, Krieg, Freiheit, Tod. Dabei gewinnt man den Eindruck, dass es nie die Figuren sind, die erzählen, sondern immer Malick. Man könnte als Regisseur verschiedene Charaktere als Individuen sprechen lassen und ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen und somit die Unsicherheit und Irrationalität von Aussagen, die alle wahrhaftig sein wollen, darstellen. Malick macht das auch, aber immer ist es seine “Stimme”, immer ist er dazwischen, lässt die Figuren immer seine Sklaven sein, die stets nach seiner Pfeife tanzen. Die beweglichen Kamerafahrten im Zusammenhang mit den Bewegungen der Figuren sind immer inszenierter Tanz. Und er selbst ist der bewegte Beweger. Er entblößt damit das “Autor-Sein”, das “Gott-Sein” und versetzt die Wahrheit (des Films) in den Bereich gemachter Fiktionalität. Die Poesie seiner Werke besteht in dieser Bewegungskunst und Kunst der Bewegtheit, in diesen gefühlten, lebendigen Augenblicken. Kein Wunder, dass er mit seinen visionären Bildern irgendwann ziemlich sakral geworden ist (“Tree of Life”). Die Wahrheit, die er uns zeigen möchte, ist die Aktualität von Emotionen. War es nicht Zach Braff, der in seinem “Garden State” gesagt hat, dass der Schmerz/ das Gefühl das Einzige ist, was real ist? Oder Trent Reznor: “I focus on the pain, the only thing that´s real.” (Im Gegenzug hat David Fincher/ Chuck Palahniuk in “Fight Club” die Emotion weg-erklärt und die Idee des Anarchismus abgefeiert.) Alles hier ist in Bewegung und spricht. Und in diesem Sinne ist Malicks Werk eben nicht das Abhandeln und Weglegen von Ideen, sondern der Hinweis, dass diese Bewegtheit nie aufhören wird, dass es keinen Halt gibt, sondern nur uns und unsere konstruierten Annahmen und Sätze, an die wir uns so gerne halten wollen.

via Arthaus auf Facebook

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Literarische Roadtrips auf einer interaktiven Karte

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Atlas Obscura stellen auf einer interaktiven Karte zwölf literarische Reisen der US-Literatur dar, wobei der Fokus auf dem good old Roadtrip liegt. Oben sieht man die Strecke von Jack Kerouacs “On The Road”, das man unbedingt lesen sollte. Das Werk ist eine der großartigsten Inszenierungen der Suche nach Freiheit, als das Zelebrieren derselben. Es gibt Einblick in eine der ersten und nachhaltigsten popkulturellen Subkulturen. Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre. Die Zeit der Beatniks und ursprünglichen Hipster, die Bohemiens des zwanzigsten Jahrhunderts, die nur Jazz, Literatur, Kunst und Liebe im Kopf hatten. Und was da für eine Literatur entstanden ist. Allen Ginsberg fast schon Prosagedicht, Burroughs strange Drogeneskapaden (Naked Lunch) und vieles mehr. Man sich von künstlerischen Konventionen. Kerouacs erzählender Text mischt sich mit dem stampfenden Beat des Jazz und wird zu einer musikalischen, lyrischen Prosa.

Aus “On the Road” (“Unterwegs”):

[…] denn die einzigen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt sind aufs Leben, verrückt aufs Reden, verrückt auf Erlösung, voll Gier auf alles zugleich, die Leute, die niemals gähnen oder alltägliche Dinge sagen, sondern brennen, brennen, brennen wie phantastische gelbe Wunderkerzen und wie Feuerräder unter den Sternen explodieren […] 

Via Kotzendes Einhorn

Deutschrap und so #21: Kool Savas feat. Fumanschu – Wieso

Vielleicht übertreibe ich ein bisschen, aber Rap und Hip Hop in Deutschland ist für mich erst ab so ungefähr 2000 rum relevant. Ich ziehe ja immer ein bisschen her über die 90er Pop Hip Hop Sachen. Ich kann nicht genau sagen warum das so ist, aber ich hab einfach ein besonderes Gefühl wenn Sachen roh sind und nicht glänzen. Die low-fi-Beats der damaligen Künstler (MOR, Westberlin Maskulin, Pilskills und so viele andere) haben es mir einfach angetan. Natürlich ist die Technik und die um-die-Ecke-Lines eines Kollegahs beeindruckend, aber es fühlt sich eben anders und besonders an wenn Künstler gerade erst beginnen, wenn kein Toningenieur hinter ihnen steht und die Audiowellen optimal setzt, wenn Künstler mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, die eben nicht high-end sind, auskommen müssen, wenn es dann auch rauscht und ein bisschen kratzt. So wie hier zum Beispiel. Es gibt lediglich ein Beat und eine Bassline, die ein wenig melodiös ist. Dann gibt es noch einen Text, der eben echt und lebendig ist, im Sinne von echt und lebendig, in dem was einfaches, menschliches zum Ausdruck kommt und kein ich-tick-die-Drogen-mach-Überfall-Actionfilm-Gedöns mit zugehöriger Bebilderung. Real Hip Hop.

 

Deutschrap und so #18: MOR – NLP

Es läuft gerade MOP – Ante Up, was immer noch ne richtige Hymne ist, als mir ein Kumpel seine neueste Errungenschaft vorführt. Ein CD-Wechsler. Für´s Autoradio! Ich weiß gar nicht mehr wie viel CDs da reinpassten, nicht viel, Fünf oder Zehn. Nach “Ante Up” folgte aufgrund Vorführung des CD-Wechselsystems eine Unterbrechung, die Menschen heute nervös nach ihren Smartphone greifen lassen würde, um zu schauen ob jemand ihren Beitrag geliked oder geteilt hat oder irgendeine Message von irgendeinem Messenger für sie bereit steht. Manche sind ihrer Performance ja derart gewieft, dass sie in der Zeit, welche ein CD-Wechselsystem von vor fünfzehn Jahren benötigte um von CD1 auf CD2 zu wechseln, Tinder durchspielen würden. Also ungefähr so lange wie männliche Jugendliche von vor fünfzehn Jahren ohne große, um nicht zu sagen unbefriedigende, um nicht zu sagen außerordentich enttäuschende, um nicht zu sagen keine Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht haben, brauchen, um eine mit T9 geschriebene SMS zu verfassen, nur um dann mit Kid Rocks “American Badass” doch wieder enttäuscht zu werden. “Nee, Alter. Mach mal weg den Scheiß.” Sehr wahrscheinlich wird noch Limp Bizkit gefolgt sein, die mit Significant Other bei uns so ein Status hatten wie,…. äääh…vermutlich …Skrillex bei Heranwachsenden 2010 oder so. Wir sind auch schon im Auto unterwegs, während immer noch auf dem CD-Wechsler rumgehackt wird. Da ich schon Fläppen habe, fahre ich normalerweise mit dem Auto des Vaters meines Kumpels: Mitsubishi Galant, der ungefähr so aussah und unser erster Panzer war. Aber nicht heute, wir fahren ja nur kurz zum See baden. Der CD-Wechsler wird also immer noch bearbeitet. Mein Kumpel war nicht so in KoRn wie ich, dafür aber in Papa Roach. “Last Resort” wird wie selbstverständlich angelassen.

Irgendwann müssen dann die Arkkode vom MOR – NLP – Intro eingesetzt und Valezkas samtweiche Stimme mich verliebt gemacht haben. Das perfekte Intro in ein perfektes Album. MC heißt ja bekanntlich “master of ceremony”. Eigentlich hätten sich MOR, was Masters of Rap heißt, auch MOC oder so nennen können, also einfach nur masters of ceremony. Kein anderes deutsches Rapalbum hab ich lieber, öfter und länger gehört als NLP. Es macht heute noch Spaß und zwar ganz ohne Nostalgie, es ist einfach lustig, funky, unterhaltsam, frech und abwechslungsreich. So viele verschiedene Stile! Savas´ Skills stechen hier gar nicht mal so sehr heraus, auffällig ist nur die Melodiösität seiner Lines, wollte er doch ursprünglich mal Sänger werden. NLP ist für mich das formvollendete Hip Hop Album. Fernab von diesem double- und tripletime-Technik-Geficke, einfach nur Hip Hop.

Wer Hip Hop als Karriere sieht macht sich bei mir unbeliebt. (Justus Jonas: MOR – NLP)

Haben wir sehr ernst genommen. Weniger ernst genommen haben wir das N-Wort: Nigga. Warum auch? Seit 1998 wurde MTV wieder via Satellit ausgestrahlt. Wir sind groß geworden mit Wu-Tang, Busta Rhymes, Cypress Hill, Onyx usw. Völlig unbedarft des politischen Kontextes dieses Wortes haben sich gute Freunde halt so betitelt. Den MOR-Leuten und anderen Rappern um die Jahrtausendwende wurde das ein paar Jahre später durchaus zu Recht angekreidet, aber eben auch zu Unrecht, weil es einfach nicht abschätzig oder rassistisch gemeint war, sondern so benutzt wurde wie heute Digga oder Brudi. Jedenfalls, durch MOR lerne ich Fumanschu kennen, den ich krass feiern werde, Taktloss, der bei NLP nicht mehr dabei war, Marcus Staiger, der mit dem Label Royal Bunker so viel für Hip Hop getan hat. Es ging uns um

Rap ist Leben und Spaß. Ich reime und gebe Gas, step ans Mic und das wars, schick MCs in den Sarg. (Savas: MOR -Bei mir)

Heute hat sich darum eine ganze Industrie entwickelt. Hierzu kann ich Falk Schachts Vortrag empfehlen: Wie hat Hip Hop angefangen? in welchem er auch die breit anerkannte Ideologie von Hip Hop über Hip Hop kritisch betrachtet und darauf hinweist, dass die Industrie von Anfang an am Start war. Richtigen Hip Hop, so wie ich ihn gerne hätte, gibt es noch bei Rap am Mittwoch und ganz Wu-Tang-Posse-mäßig mit der 187 Straßenbande, die richtig Spaß machen und zeigen, dass Hip Hop nichts mit actionfilmmäßigen Hochglanzvideos zu tun hat.

Kool_Savas_2002 by Lipstar

Deutschrap und so #13: King Kool Savas – Lutsch mein Schwanz

Irgendwann Hochsommer, Herbst 2000. Ich stehe in einer Kleinstadt, in der ich mein Abi machen werde, an einer Bushaltestelle, an der ich die nächsten ein bis anderthalb Jahre, notwendig stehen muss, bis ich irgendwann das Auto meiner Mutter bekomme. Dunkelblauer Opel Astra, der im Winter immer beschlagene Scheiben hat, sodass man regelmäßig bis durchgängig bei leicht geöffnetem Fenster fahren und auch öfter wischen muss, vor allem wenn man kein Bock hat im Winter regelmäßig bis durchgängig bei leicht geöffnetem Fenster zu fahren. Andere Geschichte. Ich warte also an dieser Bushaltestelle vermutlich mit nem Kumpel auf den Bus. Wir müssen an fünf Tagen die Woche anderthalb Stunden mit irgendwas füllen bis der verfickte Bus kommt und uns aus der Stadt mit den Hassfressen in unsere Kackdörfer zu den Kacknasen bringt. Irgendwann kommt, heute würde man sagen, mein Brudi, und hier verschwimmt meine Erinnerung. Entweder ist es so, dass er irgendwas redet über irgendwelche drei Buchstaben, oder er drückt mir eine gebrannte CD in die Hand auf der in schlechter fettrunder Hip Hop Schrift diese drei Buchstaben stehen, oder dass diese besagten drei Buchstaben irgendwo in der Nähe als schlechtes Graffiti zu sehen waren: KKS. Es ist gut möglich, dass all das sich nicht voneinander ausschließt, sondern all das der Fall ist.

Dynamite Deluxe hatte mich, wie gesagt, aus der zehnten Klasse entlassen. S-A-V empfängt mich nicht nur in der Abistufe, sondern in eine komplett neu Welt an Raps, Flows, Styles, Mode, Unterhaltung, Spaß. Die Wörter verändern sich. Jeder bis dahin gehörte deutsche Rap war plötzlich whack, weil das alles überhaupt nicht tight war. Man ist jetzt nicht mehr im Haus, sondern im Gebäude. Man geht nicht einfach irgendwo hin, man stept.

Savas ist der erste Act dieses aufkeimenden Untergrundraps, den ich entdecke, oder eben entdeckt bekomme. Es sollen viele Folgen. Die Berliner Szene ist dabei so präsent, dass wir alle Künstler, die nicht explizit ihre Stadt representen für Berliner halten, Westberliner natürlich. Berlins Vormachtstellung in unseren Gefilden mag auch daran liegen, dass wir uns in unmittelbarer Nähe befinden, eine halbe Stunde Zugfahrt.

Androiden träumen von elektrischen Schafen

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Vielleicht irgendwann. Das ist eine andere und philosophische Frage. Jedenfalls hat ein Google-Forschungsteam, dass Künstliche Intelligenz, insbesondere künstliche neuronale Netze erforscht, herausgefunden, dass Computer, genauer: künstliche neuronale Netze, in der Lage sind Bilder zu imaginieren.

Wenn ich es richtig verstehe: Ein künstliches neuronales Netz, bestehend aus 30 Ebenen, wurde mit Millionen Bildern bespeist, wobei eine jeweilige Ebene ein jeweiliges Bild nur nach spezifischen Informationen analysiert, wie zum Beispiel “Gibt es Rundungen? Wenn ja wo?” usw.. Die gewonnenen Informationen werden an die nächst höhere Ebene weitergegeben, die ihrerseits nach spezifischen Informationen sucht usw. Kurz das Netzwerk “lernt” Objekte erkennen. Und nun ist es wohl so, dass es mit diesem eigenen “Wissen” Bilder generiert, sich also “Vorstellungen” macht von zum Beispiel einer Banane. Philosophisch betrachtet ist das ein ziemlich großer Schritt in Richtung künstliches Bewusstsein. Von außen betrachtet, also mit menschlichen Begriffen, sieht es so aus als ob die KI eine eigene Phänomenologie entwickelt, weil sie in der Lage ist Phänomene, also Dinge, vorzustellen.

Die Forscher haben dann noch andere Experimente gemacht. Zum Beispiel haben sie, einer jeweiligen neuronalen Ebene, die auf das Erkennen spezifischer Informationen spezialisiert war, befohlen, das was sie erkennt zu verstärken, wie zum Beispiel “Kanten”. Das führte dann zu einer Feedbackschleife und erzeugte trippige Bilder. Dies wurde dann auch mit höheren Ebenen, die komplexere Dinge erkennen können als Kanten oder Rundungen durchgeführt. Dann interpretiert das System zum Beispiel Natur into Architektur und ähnliches.

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Um noch mal auf die Schafe zurückzukommen:

via SingularityHub

Genaueres auf dem Google Research Blog

Alle Bilder bei Google Fotos

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Difficult Questions from a mixed-race Son

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Mira Jacob hat auf Buzzfeed 37 Difficult Questions From My Mixed-Race Son collagiert. Als Aufhänger benutzt sie Michael Jackson, der an Vitiligo erkrankte wodurch sich die Pigmentierung seiner Haut zu weiß veränderte. (Winnie Harlow) Die Frage im drobigen Beispiel hat es mir besonders angetan. Sie evoziert eine ganze Reihe anderer Fragen. Ist es eine philosophische, politische oder soziale Frage? Ist die Antwort auf die Frage nicht egal? Wäre sie gestellt worden, wenn es diesen (“weißen”) Rassismus nicht gäbe? Rassismus was ist das? Wo kommt das her? Ist das die in Hass, zumindest aber in Ablehnung verwandelte Form von Xenophobie, die Angst vor dem Fremden? Wie ist die Urgeschichte von Rassismus. Kennen/ Kannten Urvölker sowas?

Die Art und Weise mit der Mira Jacob hier mit diesem Thema umgeht ist so herzlich herzig, was vermutlich dem Narrativ der Intimität (Mutter-Kind-Beziehung) geschuldet ist. Da gehören eben Gedanken darüber ob diese oder jene Menschen okay oder nicht okay sind gar nicht hin.

via nerdcore

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Wenn bekannte Regisseure Architekten wären – Federico Babina: Archidirector

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Federico Babina schafft bezaubernde Grafiken, bei denen Cineasten das Herz aufgeht. In seiner Reihe Archidirector entwirft er, ausgehend von der Filmästhetik eines spezifischen Regisseurs, architektonische Grafiken. Das ganze ist dann so eine Art Hybrid aus Filmposter und minimalistisch-geradlinigem Designporn. Auf seiner Seite gibt es noch mehr davon und andere Architektur-Something-Flicks.

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via this isn´t happiness

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Deutschrap und so #8: Azad – Napalm

Azads “Napalm” erscheint im Jahr 2000 und ist gewissermaßen ein Einschnitt in der deutschen Rapgeschichte. Sowohl inhaltlich als auch videoästhetisch sprengt der Track das Gewohnte. Er ist härter, dunkler, militanter, wütender. Azad spielt eine wichtige Rolle bei der Etablierung eines neuen Styles, der Hip Hop als Kultur ernster nimmt als die 90er Pop Hip Hop Sachen. Diese etwas nuschelnde Raptechnik hat vorher auch noch niemand so gemacht. 2000 jedenfalls ist das etwas, was so noch nie da war. Ich weiß noch, dass ich dieses Video irgendwann nachts in meinem alten Zimmer sehe, und es mich total flasht. (Ich glaube aber, es war 2001.) Sowas lief immer auf Viva Zwei, wo es zu vorgerückter Stunde so unendlich viel mehr zu entdecken gibt, als auf den anderen beiden Musiksendern, auf denen mehr kommerziell ausgerichtete Popsachen laufen.

Azad, den ich erst durch dieses Video kennen- und schätzen lerne, ist eigentlich ein Hip Hop Urgestein. Ich kenne mich in den Anfangsjahren des Deutschraps nicht wirklich aus, sondern konsumiere bis dahin nur das Musiksender- und Bravoangebot, eben die typischen 90er “Hits”. Es gab ja schon in den Achtzigern eine aufkeimende Hip Hop Bewegung, von der auch Azad Teil war. Er machte sozusagen eine Hip Hop Bilderbuchkarriere, in dem Sinne, dass er diese Kultur wirklich gelebt hat. Er hat die berühmten 4 Säulen des Hip Hops, ja ich würde sagen gemeistert. Angefangen mit Breakdance, über Graffiti und DJing hin zum Rappen. Ich habe ja schon in #1 erklärt, dass die bekannteren deutschen Rapproduktionen bis 2000 einfach sehr glatt, nett und auf-schön produziert waren. Azads Beats waren eben nicht so, sie waren wie hier mit Napalm nicht nett sondern wütender, rauer, fast schon bedrohlich. Zu diesem Zeitpunkt, vor allem mit seinem 2001 erscheinendem Album “Leben”, hat Azad definitiv die fettesten Beats. Einerseits. Anderseits schafft er es aber auch allein mit seinen Beats schon soviel zu erzählen, weil sie eben nicht darauf abzielen möglichst nett oder Pop zu sein, sondern was komplett anderes, neues erzählen. Da hört man die Stadt und die Straße, die Hip Hop Geschichte in den Scratches, Azads Verbundenheit mit dieser Geschichte und man hört echte Melancholie, anstatt den Effekt “Melancholie” wie in den üblichen Popproduktionen. Im Zusammenhang mit dem Video ist dieser Track einer derjenigen die so verdammt gut gealtert sind, weil er auch heute noch genauso funktioniert wie vor 15 Jahren. Sein 2001er Album “Leben” sei ausdrücklich zur Anschaffung empfohlen, das war definitiv ein Meilenstein und viele heutige Rapper schwärmen zu Recht davon.