Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Vierte: Jean-Luc Godards „Week End" (1967)

Godards Week End (eines der wenigen Anglizismen im Französischen) ist zweifellos ein gewagtes Experiment der Geschichte des erzählenden Kinos. In erster Linie ist Week End ein filmisches, kaputtes Etwas. Es gibt wenige selbstreferenzielle Elemente und man könnte meinen, dass Selbstreflexivität nicht im Vordergrund steht. In Wahrheit aber ist dieser Film auf einer poetisch-avantgardistischen Ebene durchaus selbstreflexiv. Godard untersucht hier nicht den Film, sondern stellt die Frage nach dem Sinn von Filmkunst in der zerstörerischen und ausbeuterischen Kapitalgesellschaft der westlich zivilisierten Welt.

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Kurzfilm der Woche: The Black Hole

Ab sofort jeden Montag, ein kleiner Short Movie für den Wochenstart:

The Black Hole (GB 2008)

Drehbuch und Regie: Phil & Olly

Darsteller: Napoleon Ryan

Produktion: Diamond Dogs

http://www.hsilondon.co.uk

Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Dritte: Dennis Hoppers „The Last Movie“ (1971)

Bekanntlich beendete bereits Godard 1967 mit „week-end“ das Kino. „The Last Movie“ von 1971 ist nun die finite Sicht eines US-amerikanischen Künstlers auf das Medium Film. Mit „Easy Rider“ konnte Dennis Hopper 1969 einen ersten großen Erfolg des New-Hollywood-Kinos verbuchen. „Bonnie und Clyde“ von Arthur Penn und „Die Reifeprüfung“ von Mike Nichols, beide erschienen 1967, waren nicht ganz so erfolgreich. Mit „The Last Movie“ zieht Hopper einen Schlussstrich unter die goldene Ära des klassischen Hollywoods. Sein Hauptaugenmerk liegt nicht, wie im europäischen Kino, auf der Psychologie. Bei ihm pendelt die Betrachtung des Mediums zwischen der Darstellung eines oberflächlichen Regel- und Machwerks, also wie ein Film funktioniert und gemacht wird und der Tiefenwirkung auf diejenigen, die den Film sehen.

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Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Zweite: Jean-Luc Godards – „Die Verachtung“ (1963)

Neben Fellinis „Achteinhalb“ ist „Die Verachtung“ („Le mépris“) von Jean-Luc Godard der zweite große Klassiker des selbstreferentiellen Kunstkinos Europas. Während Godard hier den Film, sein Zustandekommen und die Wünsche der am Zustandekommen Beteiligten untersucht, erklärt er ein paar Jahre später in seinem Werk „week-end“ das Kino für tot. Der für seine Progressivität bekannte Godard machte diese Erklärung, zu unserem Glück, für sein Werk nicht  wahr. „Die Verachtung“ zeigt warum Godard nicht anders kann und weitermachen muss. Es dreht sich alles um die Begierde.

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Klassiker des selbstreflexiven Kinos – Klappe die Erste: Federico Fellinis „Achteinhalb“ (1963)

Da Rob Marshall das Publikum mit seiner Musicalverfilmung „Nine“ das Publikum offensichtlich zu Tode langweilt, fühle ich mich dazu gezwungen daran zu erinnern, woher Marshall den Stoff zu seinem Film-Musical bezog und warum dieser Stoff so unendlich viel schöner, besser und wahrer ist. Die Rede ist von Fellinis Film „Achteinhalb“, einem Klassiker des selbstreflexiven (1) Kinos. 1963 erschienen, noch immer diskutiert und großartig, wurde der Film bereits 1982 verwurstelt und tauchte als „Nine“ am Broadway auf und auch schnell wieder unter. So ist Marshalls „Nine“ der Aufguss eines Aufgusses. Willkommen in Hollywood! Darum soll es in diesem Artikel jedoch nicht gehen. Es geht um das verspielt-intellektuelle und wunderschöne Kunstkino Europas der sechziger Jahre. weiterlesen

Unerhört! Dramatiker entdeckt dass Menschen Frauen sind II – Henrik Ibsens “Hedda Gabler”

Ebenso wie Nora ist auch Hedda Gabler eingesperrt, doch Hedda ist von ganz anderem Kaliber. Sie ist, oder vielmehr war ein wildes Mädchen, eine Laura Palmer. Bevor sie sich mit dem sie langweilenden Kulturhistoriker Jörgen Tesman verheiratete, hatte sie einige Liebesbeziehungen. Eine Laura Palmer also, die versucht eine Lady Macbeth zu sein, wie wir sehen werden. Doch sie hat eben mehr gemein mit ersterer, der schönsten Wasserleiche der Welt aus „Twin Peaks“, als mit Lady Macbeth. Vor allem ist sie am Ende genauso tot.

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Unerhört! Dramatiker entdeckt dass Menschen Frauen sind I – Henrik Ibsens “Nora”

Mit „Stützen der Gesellschaft“ entwickelte Henrik Ibsen 1877 das naturalistische Gesellschaftsdrama. „Nora oder Ein Puppenheim“ (1879) und „Hedda Gabler“ (1890) entsprechen nicht ganz den Regeln des naturalistischen Dramas, weisen jedoch naturalistische Züge auf. Allen voran das kritisch- analysierende Moment.

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