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Die 00er: Die besten elektronischen Alben des Jahrzehnts III

Kurzes Intro: Es geht weiter mit Listen! Heute dabei: Hercules & Love Affair die Begründer des neuen Disco-Sounds feiern oder mit Mylo noch einmal Doctor Beat bestellen. Ruhiger wird es mit Royksopp, Ulrich Schnauss und The Field. Es war nicht alles besser, aber vieles entschleunigter vor Deadmau5 und Guetta.

Hercules & Love Affair – Hercules & Love Affair
(DFA, 10.03.2008)

Anthony macht nun als Disco-Künstlerin Anohni auf Disco? Ein lautes Gähnen seitens des Autors. 2008 taucht schon die androgyne Stimme des Ausnahmekünstlers/der Ausnahmekünstlerin auf dem Zweitling des New Yorker Post-Disco-Kollektivs auf. Disco-Sound, einst auch gerade queeren Szene entstanden, war plötzlich zu dem Zeitpunkt plötzlich wieder ein hipper Underground-Trend. Schuld daran ist natürlich das großartige zweite Album von Hercules & Love Affair, in dem verschwitzter Club-House-Sound auf 70er-Lässigkeit trifft.

Während Daft Punk später doch sehr poliert und konservativ dem Disco-Sound fröhnen, ist das selbstbetitelte Album schwitzig, dreckig, sexsüchtig und so tanzbar, dass einem schwindelig wird. Ein sensationeller Paukenschlag und eines der wichtigsten Electro-Alben der 00er.

Mylo – Drop The Pressure
(Breastfed, 24.05.2004)

Bastard-Pop. Ein großes Wort Anfang der 00er Jahre und natürlich nach dem Album “Too Many Djs” von Too Many Djs. Das Seitenprojekt der Indie-Band Soulwax mixte frecherweise einfach bekannte Songs aneinander, um daraus neue tanzbare Songs zu erschaffen.

Für den weltweiten Hit mixte Mylo einen seiner Hits mit dem 80er-Hit Doctor Beat. Was folgte war ein kurzer, aber sehr großer Ruhm, dem aber leider eine Erkrankung des Künstlers folgte, der erst vor einem Jahr wieder mit einem Album zurück kehrte.

Den Knall von Drop The Pressure wird man schwerlich wiederholen. 2004 setzte sich der schottische DJ weit nach vorne in die Dance-Szene, mit einem herrlichen Mash-Up aus allem, was zu dem Zeitpunkt heiß war. Ein brillianter Dieb, dieser Mylo, der danach leider, auch wegen Krankheit, länger abtauchte und erst wieder seit kurzem wieder ein Lebenszeichen von sich gibt.


Röyksopp – Melody A.M.
(Wall of Sound, 03.11.2001)

Die Musik der Morgenstunden und des Sonnenaufgangs, dazu noch in dem frisch-kühlen Norwegen. Ja, das bezeichnet die Musik von Röyksopp sehr gut, die zwar mit Poor Leno einen Song mit höherem Tempo auskoppelten, es aber ansonsten mit Understatement angingen.

Das sich die Kings of Convenience, die Pioniere des Quiet Is The New Loud-Movement, hier auch ein Stelldichein gaben ist nur logisch. Melody A.M. ist nicht der Sound für die exzentrische Nacht und der Extrovertiertheit, sondern genau für den Moment, wenn die Sonne durch deine überteuerte Großstadt-Wohnung scheint und sich an den beschlagenen Fenstern die Strahlen brechen.


Ulrich Schnauss – Far Away Trains Passing By
(City Centre Offices, 14.11.2001)

Knuddelmaus heißt der erste Song des Albums. Was unser erwartet, ist damit klar. Fiesester Black Metal, oder? Natürlich nicht, sondern der Soundtrack für die Entrücktheit, eine Ode an das Umherschweifen in der Landschaft und gegen jeglichen Druck.

Sicher, das versprechen Meditations-Alben für 10 Euro auch, aber will man lieber warme Synthesizer-Klänge und minimale Elektronik oder Shanti-Chöre von der Stange? Schaut man sich den Zustand des Planeten derzeit an, sind solche Alben für die Ruhe im Kopf wichtiger denn je.


The Field – Yesterday & Today
(Kompakt, 24.04.2009)

Augen zu! Sommer! Kopfhörer! Dem Flirren der Stadt zuschauen und dabei zu The Field die Rolle des Beobachters einnehmen. Windspiel-Sound könnte man das hier nennen, aber meint es nicht böse.

Die Korgis-Nummer “Everybody`s Got To Learn Sometime”, schon im Original nicht gerade  ein laute Stampf-Nummer, wird noch mehr entschleunigt, auch die anderen Sounds folgen dem Konzept des Albums einfach mal alles langsam anzugehen.

Die letzte Minimal-Ruhe vor dem EDM-Sturm, der den Kommerz-Techno nun 20 Jahre später auch den Kids der 10er verfügbar macht. Es war wirklich besser im Sommer 2009.

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