Konzertbericht: Kula Shaker im Gloria, Köln, 06.11.2016

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Rauch steigt empor, auf und vor der Bühne. Das eine ist Begleiterscheinung einer jeden Rockband, während Räucherstäbchen klarmachen, dass es doch noch etwas exotischer wird. Der süßliche Geruch verbreitet sich im Raum und ummantelt ein Publikum, das sich mit Pilzkopf-Frisuren und Blümchenhemden perfekt in die Szenerie einfügt.
Kula Shaker waren 1997 noch einmal das letzte große Aufflackern der Britpop-Hysterie und schafften mit 60er-Jahre-Psychedelica und einem Hitalbum namens “K” ihren Durchbruch. Fast 20 Jahre später, inklusive längerer Bandpause, bewegt man sich auf der Hipness-Skala eher im unteren Mittelfeld, und trotzdem ist das Kölner “Gloria” heute Abend brechend voll und ausverkauft.

Die Band hatte mit “K” einen zu großen Paukenschlag gelandet, um in Vergessenheit zu geraten. Dazu kommen solide Comeback-Alben und eine Nische, die niemand sonst so konsequent zu füllen weiß, weder damals noch heute. “Hey Dude” ist mit seinem nervös flirrenden Intro immer noch ein Genuss, die Menge reagiert wohlwollend mit ersten Tanzschritten. Crispian Mills sieht kaum gealtert aus, erst beim späteren Durchquetschen vor die Bühne bemerkt man ein paar Fältchen, aber wie der Sound hat sich auch der Sänger dann doch erstaunlich gut gehalten. Zu den Songs wird sich immer noch akrobatisch verrenkt, auf den Boden geworfen oder die Gitarre in der Luft gedreht.
Mit Kommunikation tut man sich hingegen schwerer. Kurze Danksagungen werden ins Mikro gehaucht und schon geht es schnell weiter durch die Bandhistorie, die auch Jahre nach dem kommerziellen Erfolg noch Perlen wie “Let Love B (With U)” hervorbringt, allesamt dem Spirit des Summer of ’69 verpflichtet. So werden rundherum selig die Hände gefaltet und versucht, die teilweise komplett fremdsprachigen Texte, wie in “Govinda”, mitzusingen. Ja, so muss das damals gewesen sein, dachte man sich auch schon damals in den Neunzigern und fühlte sich wie im London der Swinging Sixties.
Kula Shaker sind letztendlich auch nur Rock-Traditionalisten und Kopisten einer Kultur – aber man glaubt es ihnen, weil sie wiederum fest an ihren ewigen Summer of Love glauben. 1966, 1996 oder eben 2016 macht da keinen Unterschied, und genau so wird es auch weitergehen. Wie für den Hare-Krishna-Jünger, der am nächsten Morgen freundlich im Regional-Express grüßt und Flyer loswerden möchte. Den Vergleich mit einem sehr gelungenen Konzertabend verliert er zumindest an diesem Tag.

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