Warum Love von Judd Apatow einiges falsch macht und trotzdem toll ist

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Die Ankündigung einer Serie von Judd Apatow hat mich erstmal nicht in Euphorie versetzt. Das Thema Liebe hat der Mann nun mehrfach durchgespielt und hat dabei in den letzten Jahren Filme produziert, die genau so öde und aufgesetzt cool wirken wie alle Ü40 Paare in den letzten überflüssigen Komödien à la Dating Queen.

Love hat aber zum Glück wieder diese Typen, die man sich zum besten Freund oder zur besten Freundin wünscht und mit denen man mindestens einmal in der Woche abhängen möchte. Phil Rudd als neurotischer Woody Allen-Lookalike Gus ist schon rein optisch die perfekte Besetzung für den lebensfremden Nerd und Gillian Jacobs als Macken-Mädchen mit einer Liste an psychischen Disfunktionalitäten trotz aller Arschigkeit liebenswert genug, dass man ihr als Zuschauer dann doch alles Gute wünschen will. Der Eine lässt sich von einem zwölfjährigen Mädchen anschreien, die Eine von ihren Süchten und Ängsten.

Apatow findet in Love zum Glück zurück zu der Entspannung seiner ersten Filme und vor allem dem immer noch wegweisenden Freaks & Geeks, der den Outsidern damals Anfang der 00er Jahre den Durchbruch verschaffte. Es gibt nur ein Problem: So wunderbar hilflos Gus anfangs auch wirkt, als jemand der mit Kiffer-Kumpels jammt und einen lockeren Beruf am Set eines Hollywood-Drehorts hat, taugt er nicht als der Loser, mit dem man sich komplett identifizieren kann. Das Schicksal scheint dem Typ mit der großen Brille auch stets gnädig und so findet er sich plötzlich in einem Dreier mit zwei Schwestern wieder oder bekommt einen Blowjob von der nicht unattraktiven, wenn auch herzlich untalentierten, Seriendarstellerin backstage verpasst. Ein wenig realistischer ist dagegen Mickey die sich als egoistische Zicke gar nicht um Sympathie beim Zuschauer bemüht, sondern irgendeine Form von Drogenabhängigkeit mit sich rumschleppt, dabei aber verdammt niedlich wirkt und auch nach einem Besäufnis beeindruckend wenig abgefuckt aussieht. Was so wirklich der Hintergrund der beeindruckend langen Liste an Problemen sein soll, wird dabei nicht ausführlich erklärt.

Ok, bisher ein schöner Rant und eigentlich wenig Gründe sich Love anzuschauen. Ich habe die Serie aber trotzdem gebingewatchet (das Wort habe ich mir ausgedacht), weil es mich doch gut unterhalten hat. Es bleibt eh ein kleines Wunder, wie die Drehbücher von Apatow auf gerade mal einen Bierdeckel passen und trotzdem zum Schluss solide zufrieden stellen können. Der Mann mag kein großer Dramaturg sein, aber hat trotzdem immer wieder den richtigen Riecher für sein Cast und versteht es auch den Zeitgeist einzufangen. Die Schludrigkeit, die in so vielen anderen Filmen nicht passte, wird hier zum passendem Stilmittel. Wie Gus und Mickey ziellos durch den Tag leben, sich ihren Gefühlen nicht sicher sind und selbstmitleidig agieren, ist das perfekte Generationenporträt: Diese merkwürdige Großstadt-Generation, die nicht in der Lage ist einfach jemand zu sagen wie sehr sie in liebt und um sich herum eine Distanz schafft, die auf der manischen Suche nach Geliebtwerden sich selbst keine Zeit gibt, mit übertriebenen Vorstellungen alles kaputt macht und am Schluss mit dem kleinsten Kompromisse im Bett landet, Hauptsache es liegt nachts jemand neben einem.

Keine Ahnung, ob das Apatows Plan war, aber Love weiß selbst nicht, was es eigentlich sein möchte, und ist dann doch irgendwie eine Liebeskomödie, die keine sein will. Ist das gar schon selbstfrefentielles Meta-Kino? Mit der ganzen Serie verhält es sich – ACHTUNG SPOILER – wie mit ihrem Ende. Am Schluss steht Mickey vor der vielleicht ersten großen Liebe ihres Lebens und lässt alle Masken fallen, in dem sie alle ihre Problemenbeichtet. Wenn Sie dann Gus bittet ihr ein Jahr Zeit zu geben und fragt, ob er sie dann vielleicht immer noch lieb hat, bricht auch endlich die eigene Distanz des Zuschauers zu der Serie. Und wie Gus sagt man dann gar nichts mehr. Dann nimmt man die Serie in die Arme und küsst sie, egal ob alles falsch war oder falsch sein wird.

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