Hörenswertes: Suede, SSIO, Rihanna, Beach Slang, Hey Ruin

abendhafen3

Lange Zeit, kurze Ansage. Ich liefere euch den feinsten Stoff mit SSIO, auch wenn er mal wieder neue Nummern hat. Suede waren mal eine große Nummer im Britpop und könnten es dank einem tollen Album wieder werden. Rihanna hat wahrscheinlich mehr Nr1.-Hits als Suede, aber möchte jetzt Anti sein. Beach Slang haben die Melodien, Hey Ruin trauen sich noch nicht und sind zu wütend.

Suede – Night Thoughts
(Rhino / Warner, 22.01.2016)

night thoughtsSuede? Wer? Tja,hättet ihr Schweinchen doch mal die Liste der besten Britpop-Alben durchgelesen, dann könntet ihr nun müde lächeln und betont lässig “Jaja…Dog Man Star, schon nicht schlecht” sagen.

Aber nun ja, ist auch alles schon 40 oder 100 Jahre her oder so und die Vorzeige-Dandys haben sich gerade nach ihrer Hochzeit in den 90ern auch nicht wirklich mit Ruhm bekleckert; seien es maue Alben wie A New Morning oder die allesamt eher mittelprächtig verlaufenen Solo-Karrieren von dem Gespann Anderson/Butler.

So ganz wollten die ehemaligen Ikonen aber dann doch nicht als altes Zirkuspferd aus der Manege getragen werden. Das letzte Album war zwar nicht gerade ein Paukenschlag, aber doch ein vitales Lebenszeichen, welches nun mit Night Thoughts einen Nachfolger bekommt. Es scheint also kreativ wieder zu fließen, und gleich nach dem herrlich pompösen Einstieg stellt der Hörer verwundert und später begeistert fest: Es fließt nicht nur, es läuft, aber richtig.

Ich hatte Suede ehrlich gesagt schon längst als Überbleibsel der 90er abgehakt, aber was sie hier liefern, ist die beste Tat seit dem bereits erwähnten Großwerk Dog Man Star. Es ist wieder so sexy, düster, kaputt und dramatisch wie damals als Brett Anderson für eine kurze Zeit die glamouröseste Figur im Indie-Rock war.

Night Thoughts ist jedenfalls das große Comeback, das der Vorgänger schon sein sollte. Es suhlt sich wieder im Weltschmerz und man könnte meinen, es handele hier nicht um ältere Herren in ihren späten 40ern sondern um ein paar Jungs, die aus London heraus die Welt im Sturm erobern möchte.

No Tomorrow wäre damals ein Hit gewesen, da bin ich mir sicher. Ich bin mit leider auch sicher, dass dieses Album außerhalb der Heimat England nichts mehr reißen wird, doch selbst wenn sie mit Erfolglosigkeit abtreten hat sich Suede hier einen grandiosen Abgang von der Bühne verschafft und hinterlässt die Musikkenner und Fans in Wehmut, was so bei dieser Band auch sein sollte.


SSIO – 0,9

(Alles Oder Nix , 29.01.2016)

SSIO-612x612Hrmpfbrgmblfluch, das Thema deutscher Rap sollte eigentlich zumindest von meiner Seite gar kein Thema mehr sein, so unfassbar habe ich die Schnauze von der ganzen Chose voll.

Außer Boxerhaarschnitt (darf nur Hafti), und Ghetto-Träumchen kommt da leider mal gar nichts, auch wenn die Azzlackz solide abliefern. Das zweite Label, das nicht der Scheißigkeit der Szene anheim gefallen ist, dürfte dann Alles Oder Nix aus Frankfurt sein.

Die Künstler wie Schwester Ewa oder Labelboss Xatar sind zwar nicht die Innovatoren oder Heilsbringer, aber ich habe deren Releases doch zustimmend abgenickt. Mit SSIO kommt der in meinen Augen spannendste Act, auch wenn der sich erstmal musikalisch und inhaltlich nicht von dem 90er-G-Funk/Dirty South-Produktion der Labelkollegen und dessen Gangster/Straßenstrich-Themen abgrenzt.

Es kommt aber was hier rein, was sehr selten geworden ist und zwar eine große Portion Koks..äh..Selbstironie, die man den herrlich bescheuerten Videos zu Nulllkommaneun und SIM-Karte anschauen kann. SSIO ist also gleichzeitig König und Hofnarr im einem, nimmt sich selber nicht ernst, dafür aber seine Musik, die geschmeidig aus den Boxen wummert und mit guter Produktion überzeugt.

Auch wenn es die Zuhälter-Thematik vermuten lässt, ist SSIO viel näher an KIZ als an dem ganz und gar lächerlichen Trash von Banger-Musik. Ich weiß nur nicht, wie lange SSIO den hier noch freshen Witz wiederholen kann. Es darf also für den nächste Release gerne mehr sein als Drogen, Nutt(ön)n und Money, denn auch mit Augenzwinkern wird es ab einem gewissen Punkt nicht weniger eintönig.


Rihanna – Anti
(Universal,  05.02.2016)

rihanna-anti-back-coverAnti. Große Worte von einer Frau, die ziemlich jeden Trend mitgenommen hat und mir in letzter Zeit primär wegen Fotos von ihrem Hintern auf Instagram in Erinnerung geblieben ist, neben ein paar ganz netten und ziemlich vielen schrecklichen Radiohits.

Schade um eine auch mittlerweile gar nicht mehr so junge Künstlerin, die über eine gute Stimme verfügt und als damals spannende Newcomerin irgendwann in Social Media-Bedienung und schnellem Chart-Ruhm verloren hat.

Das ich bei Anti erstmal passend zum Albumtitel in Abwehrhaltung verfalle, sollte mir also nachgesehen werden. Meine Erwartung an das mittlerweile achte(!) Album Rihannas sehen kurz umschrieben folgendermaßen aus: Wieder krachige Dance-Nummern, die sich da bestimmt an Guetta oder sonstigen Fast Food-Lieferanten für das Autoradio orientieren.

Doch die verhältnismäßig lange Wartezeit auf dieses Werk ließ schon verwundern, da für gewöhnlich die Hitmaschine aus Barbados in den letzten Jahren auf allen Kanälen heiß lief. Die Zeit wurde für eingehende Introspektive und neue Standortbestimmung genutzt.

Der Grundton des Albums ist getragen von düsteren Tönen und hat sicherlich die wenigste Anzahl an Danceflloor-Fillern auf einem Rihanna-Album überhaupt. Need Me erinnert sogar an den dekronstruktivistischen Sound von Über-Produzent Arca, der gerade von Kayne West bis Björk überall seine kantigen Beats produziert.

Rihanna reckt also den Mittelfinger raus und gibt einen Fick auf alles und jeden? Nein, es ist letztendlich doch eher der längst überfällige Versuch, sich wieder aus dem Käfig zu befreien, den sie sich selber mit gebaut hat. Der komplette Ausbruch gelingt nicht, weil es eben auch ganz einfach gute Songs für einen solchen braucht. Gerade in der zweiten Hälfte gibt es wieder zuckrige Rückhol-Versuche für die Mainstream-Hörer, denen sie davor möglicherweise ein wenig zu grimmig gekommen ist.

Anti ist nicht radikal, wie es das Artwork vermuten lässt. Es bewegt sich zwar noch anfangs vorsichtig aus der Komfort-Zone, streckt kurz die Zunge heraus, möchte aber dann doch letztendlich von allen gemocht werden. Das ist dann weit weg von einem radikalen Werk wie Yeezus und seinem Erschaffer Kanye West, der Spott und Häme eine Haltung entgegen bringt und sich auch in seiner Exzentrik treu bleibt.


Beach Slang – We Do Things To Find People
( Al!ve, 30.10.2015)

homepage_large.02e4b4c430.! Oktober! 2015! Jajajaja, ich habe die tatsächlich übersehen und gehöre dafür nackt an den nächsten Baum gebunden und ausgepeitscht.

Was Beach Slang doch für eine feine und auch einfach mal geile Punk-Band sind! Ok, nicht der Assi-Punk im Sinne von unguten Saufbands, sondern dieser hymnenhafte Rock in der Tradition von Bands wie den Thermals, die Angekotztheit auch immer mit Pop zu verbinden wussten.

Eine Wucht von einem Album, das auch erfrischend direkt den Hörer am Kragen packt, mitten in den Moshpit wirft und dessen Energie man sich eigentlich gar nicht entziehen kann, es sei denn man ist vollkommen der um sich greifenden Anästhesie der aktuellen Indie-Musik anheim gefallen.

Ich bin jedenfalls nach dem Album gefühlt mindestens 10 Jahre jünger, fröhlich-betrunken greife ich nach der Weltherrschaft und bin ein Gott. Ist das nicht schön?


Hey Ruin – Irgendwas mit Dschungel
(Cargo, 11.03.2016)

hey Ruin CoverFjort waren hier schon zu Gast, nun kommen Hey Ruin. Die haben mich mit 90er-Emo-Rock in ihrem Promotext geködert. Höre ich erstmal nicht so wirklich raus, eher wird mir von Anfang an was entgegen gekeift, was dann doch eher nach Turbostaat, Love A oder vielleicht auch nach neuen Hardcore-Bands wie Fjort klingt.

Ich weiß ja auch nicht, irgendwie bin ich mittlerweile die falsche Baustelle oder bin etwas müde von der “Alles Scheiße, die Anderen blöd”-Attitüde von “Tut das Not”. Da finde ich den tatsächlich an Emorock erinnernden Appetite for Destruction interessanter, der mich selig grinsend an Emo-Größen wie Jawbreaker oder Mineral erinnert.

“Die Melodien bleiben hängen” wird mir auch noch als Info mitgegeben. Nee, leider nicht so, wie ich das gerne hätte. Dabei wäre ein zünftiges Emo-Rock-Revival in dem ganzen aktuellen Aufkochen alter Genres mal wirklich was Nettes.

Der Geist lebt auch in Bands wie Hey Ruin weiter, das muss ich den ambitonierten Platte Irgendwas mit Dschungel zugute halten, aber es findet leider einfach zu wenig abseits des Pfades von den bereits erwähnten Bands statt.

Deswegen: Traut euch das nächste Mal noch mehr an Melodien und glaubt mehr an euer durchaus hörbares Talent. “Arthur und die Diaspora” lässt mich jedenfalls schon mal hoffen. Ich jedenfalls glaube an Hey Ruin, hoffentlich bekommt man es mit einem Nachfolger dann komplett zurück gezahlt.

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