Die 90er: Die besten Emo-Alben des Jahrzehnts II

windfetzen

Ich war ehrlich gesagt etwas sehr hart mit dem 00er-Jahre-Emo und irgendwie verorte ich viele der guten Alben aus diesem Jahrzehnt merkwürdigerweise in der vorausgehenden Dekade. Natürlich will ich hier nicht die Großartigkeit von Bands New End Original oder Talking Back Sunday diskreditieren, aber irgendwann drehten die 00er doch in den wenig guten Kram, der einer ganzen Szene einen Schlag verpasste, von dem sie sich lange nicht mehr erholte.

So, nun aber wieder zurück zu den 90ern. Die Get Up Kids leiten also auch den zweiten Teil ein: Okay, genauer gesagt nur ein Teil von Ihnen mit dem nicht minder tollen Sideproject The New Amsterdams. Etwas mehr auf die Ohren gibt es von New Found Glory, denen wir vielleicht auch etwas Blink 182 und viele andere Pop-Punker zu verdanken haben. Mineral und Cristie Frint Dive versuchen derweil ihren Ruf wiederherzustellen und zeigen sich als Innovatoren.

The New Amsterdams – Never You Mind
(Vagrant, 19.09.2000)

MI0002014942Das Thema Akustik und Emo hatten wir bereits bei Dashboard Confessional. Das Seitenprojekt The New Amsterdams von Get Up Kids-Sänger Matt Pryor gründete sich ungefähr zu gleichen Zeit, konnte aber nicht den kommerziellen Erfolg von DC erreichen. Was wahrscheinlich auch gar nicht im Sinne der Band war, die einfach eine nette Indie-Band sein wollte, mit einfach herzerwärmendem Songwriting im Angebot. Die Coverversionen von Afghan Wings und Boilermaker unterstreichen zudem die klare Positionierung als Band, die sich nicht dem Mainstream anpassen will, sondern einfach das Talent zu gutem Songwriting und herzerwärmenden Akustik- Gitarren Liedern hat.

Mineral – The Power of Failing
(Crank!, 28.01.1997)

hwuffwuff2014 hat dieses großartige Album endlich seinen verdienten Re-Release bekommen und wurde glatt von Pitchfork mit dem Best New Re-Issue geadelt. Ihr seht, wir bewegen uns mit Emo nicht bei pinken Würfeln und Playmobil-Frisuren, sondern in einem damals noch jungen 90’s Indie-Movement, dem auch heute noch Anerkennung von beinharten Indie-Mags entgegen gebracht wird.

Mineral aus Houston hatten ein Problem. Besser als dieser grauenhafte Wortwitz war The Power of Failing allemal. Ich bin nach all den Jahren immer noch schwer verliebt in das Debüt-Album, das meiner Meinung nach auch in die Hall Of Fame neben den Großtaten von Jimmy Eat World gehört, mit denen Mineral zusammen mit Sense Field 1997 eine 7″ raus brachten.

2014 kam diese Band wieder zu einer Reunion zusammen, hoffen wir mal auf eine weiteres Meisterwerk

Samiam – Clumsy

(Vagrant, 23.08.1994)

Clumsy_(Samiam_album)Hmja, auch das Album hätte ich ja rüber in die Punk-Ecke schieben können. Ich finde aber, dass es sich auch im Emo-Kontext großartig macht und vielleicht nun wieder hier die Leser mitholt, denen der Einstieg hier bisher ein wenig zu harmlos war. Samian bringen zusammen mit Jawbreaker den Mut zu Emotionen bei, wurden damals aber auch bei den Support-Auftritten für unter anderem Bad Religion gefeiert. Wen wundert das bei seitenweise Lyrics zum Faust gen Himmel Strecken und Losschreien.

I hate you still, yet I imitate you
You’re in my dreams, pushing me around
I move my mouth, I watch her cry
It’s killing me and you wonder why

Genau das richtige Album für den Übergang von Trauer zu Wut an miesen Tagen.

Elliott – False Cathredals

(Relevation Records, 22.08.2000)

Elliott_False_CathedralsDie einen schreien “Ach Mist, die habe ich ja total vergessen!” die anderen zucken nur mit den Schultern. Eigentlich sehr schade um die hochtalentierten Elliott, die für mich irgendwie schon ein wenig den Emo-Post-Hardcore von Thursday vorweg nehmen. Herausragend auch die Stimme von Chris Higdon, die sich genau gut in den punkigen Momenten wie in den halb-balladesken Momenten macht. Ich werde jetzt angegiftet, wenn ich bei Songs wie Calm Americans an die guten Songs von den frühen Keane oder die Brit-Popper von Embrace erinnert werde, aber muss das nun schlecht sein?

Wahnsinn, wie sich Pop, Balladen, Punk und Hardcore hier verstehen und zu einem rundum homogenen Album werden.

Christie Front Drive – Christie Front Drive

(Caulfield Records, 1996)

R-1671203-1264096961.jpegZurück zu den Pionieren und ich behaupte mal: Außer den Oldschool-Emo-Fans dürfte die hier auch leider kaum noch einer kennen. Dabei waren Christie Front Drive äußerst innovativ, wie ihr selbstbetiteltes Debüt zeigt, auf dem natürlich klar Emo zu hören ist, aber auch Einflüsse aus Electronic oder Post-Rock.

Wo vielleicht Dashboard Confessional so am anderen Ende der Emorock-Skala mit ihren radiofreundlichen Akustik-Songs stehen, zähle ich Christie Front Dive durchaus zur einer auch über die Emo-Schublade hinaus interessanten Band. Wem hier nicht klar wird, wie sehr Emo eine interessante neue Musik-Richtung war und ist, der will es auch einfach nicht verstehen und wird immer wieder versuchen ein ganzes Genre mit Ausfällen wie Fall Out Boy bloß zu stellen.

Auch diese Band tauchte letztes Jahr urplötzlich wieder aus der Versenkung auf. Steht vielleicht ein Revival an? Ich würde mich darüber sehr freuen!

New Found Glory – New Found Glory

(MCA, 20.09.2000)

51f9g2-zmyLIrgendwie bezeichnend das die Innovatoren der Szene sich doch irgendwann in den 00er Jahren auflösten, während sich eine Band wie New Found Glory damit rühmen darf, dass sie Emo hin zum Pop-Punk öffnete und damit Bands wie Blink 182 weit die Tür aufschlug. Das letzte Mal als ich diese Band noch einmal auf Youtube recherchierte stand zudem ein Duett mit der Paramore-Sängerin Haley Williams an. Es wird also in der späteren Band-Historie richtig fies, aber zumindest das Debüt hat gleich ein Dutzend an schmissigen Hits.

Sicherlich, solche Alben haben für den wenig guten Ruf von Emo gesorgt, so ganz wollte ich es dann aber auch nicht unter den Tisch fallen lassen. Ich hatte damals meinen Spaß, warum also nicht auch ihr?

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