Deutschrap und so #19: Bushido – Electrofaust/ Bei Nacht

Der deutsche Hip Hop der Neunziger war bunt, leicht sophisticated und gerade nach der großen Welle im Jahr 1999 auch ganz dick im Geschäft. Die Budgets wurden größer, die Videos aufwendiger und wie bei den Ami-Vorbildern immer mehr auf Hochglanz produziert.

Doch irgendwann sah ich – nomen est omen – einen simpel produzierten Videoclip auf Viva, der so rau und düster produziert wie der zugehörige Track selbst war. Da war nichts mehr mit Chillen und durch ein ödes Schwabenkaff cruisen, stattdessen harte und dumpfe Electro-Beats, auf die Bushido martialische Lyrics rappte. Dreckige Hauptstadt-Atmo gegen Spaß-Rap aus der Mittelschicht.

Alter, wie ich habe ich diesen Song und auch schon das legendäre Carlo Coxx Nutten-Album mit Fler hart gefeiert! Pop-Rap, wie zum Beispiel von den Massiven Tönen und ihr saudämlicher Cruisen-Song war 2003 so durch wie es nur ging und hatte sich schon längst Richtung Radio-Hit verabschiedet.

Bei Nacht war also das dringend benötigte, schwer aus Frankreich infizierte, frische Blut für die Szene, die sich danach krass verändern und den Rest der Rappublik für Jahre in die Bedeutungslosigkeit bugsieren sollte.

Heute, mit 36 Jahren, finde ich das alles nach der drölfmillionsten Wiederholung des Mutterfickers-Filmes natürlich ermüdend und fernab meiner jetzigen Lebensrealität; war es aber nicht für den kleinen Rinko in seinen beginnenden 20ern. Ich wollte den neuen, den realeren und krasseren Scheiß, den mir Aggro Berlin dann auch ein paar Alben gegeben haben, jedenfalls so lange bis der einstmals harte Untergrund-Sound vom Mainstream assimiliert und alles zu der mauen Realsatire, die Azzlacks um Haftbefehl ausgenommen, von heute wurde.

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