Konzertbericht: Primus in der Live Music Hall, 20.06.2015

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Ach Live Music Hall, so sehen wir uns also wieder. Du bist wirklich keine Schönheit und doch warst du mein erstes Mal! Hier habe ich tatsächlich mein erstes, allererstes Live-Konzert gesehen, und wenn ich mich recht erinnere, waren das The Gathering mit ihrem sehr schönen Album “How To Measure A Planet” und einer komischen Vorband, in der ein Jüngling mit blonden wallenden Haaren Dosenbier in Rekordzeit killte und sich für keine Poserei zu schade war. Und wo ich schon wieder anfange zu ranten: Einen schöneren Ort für meine Entjungerferung hätte ich mir ehrlich gesagt auch gewünscht, da es sich hierbei um eine dieser komischen Stahlträger-Hallen handelt, die für manche rostigen Hinterhof-Charme haben, für mich aber einfach nur komplett austauschbar sind.

Der erste Blick durch die Halle lässt vermuten, dass sich nicht viel verändert hat und die Kaugummi-Wall vor dem Eingang immer noch existiert. Ich bin mir sicher, dass man hier in nicht all zu ferner Zukunft aus den Resten des mittlerweile steinharten Bubblegum einen Klon zeugen kann, dessen Erzeuger heute wahrscheinlich im Publikum stehen. Das wiederum besteht zu einem großen Teil aus Menschen, die berauschenden Kräutern nicht abgeneigt sind und so schaue ich gezwungenermaßen in die ein oder anderen geweiteten Spiralaugen, während ich über DNS-Mutanten nachdenke.

Wohl kaum eine andere Band ist für ein solches Setting geeigneter als Primus, die Menschen meiner Generation noch wegen ihren durchgeknallten Videos von MTV kennen, natürlich allen voran Wayonas Big Brown Beaver. Dass dabei im Primus-typischen Humor über Intimbehaarung gesungen wurde, war mir übrigens nicht bewusst.

Kids der 00er Jahre sind evtl. durch einen falsch verstandenen Namedrop von Eminem drauf gekommen – ich habe immer “Hey Kids, do you like Primus” anstatt Violence verstanden – Viele sind sicher über Southpark auf die Band gestoßen, da ihre Musik bis heute die durchgeknallte Zeichentrick-Serie einleitet. Hey komm doch in den Southpark…

Man merkt, die Band hat in den Staaten einen großen Bekanntsheitsgrad, der ihr in Deutschland leider immer verwehrt blieb. So bleibt sie hier die Kultband der Weirdos, Kiffer und Mucker, die das wahnsinnige Bass-Spiel von Les Claypool bewundern und sich auch die nächsten Jahrzehnte daran versuchen werden.

Dass bei der Band nichts normal ist, merkt man schon an dem überraschenden Beginn um 19 Uhr, den wohl außer mir auch noch einige andere Menschen nicht haben kommen sehen, wodurch man erstmal nur die Hälfte der Halle mit Fans gefüllt sieht. Auch anders als angekündigt eröffnet nicht das letzte Album der Band den noch sehr jungen und hellen Sommer-Abend, sondern ein kleines Best-Of, inklusive dem bereits angesprochenen Beaver-Song. Die Akustik ist wie in meinen Erinnerungen nicht die großartigste, aber anscheinend gab es hier auch schon weitaus schlimmere Abende.

Les Claypool sieht mittlerweile nicht mehr so kantig aus wie früher, was an der formschönen Nerdbrille liegen dürfte, aber ist immer noch ein Dirigent des Wahnsinns, der Primus einfach besonders macht. Wo andere progressive Bands durch allzu viele Poserei und Selbstverliebtheit zur Fremdscham nötigen, ist der Mann der ruhende Pool inmitten seiner hervorragenden Musiker… und ja..auch Riesenzwerge, aber dazu gleich mehr.

Die Penisbilder im Backstage-Bereich scheinen dem Frontmann übrigens sehr imponiert zu haben, immerhin sind sie Thema einer sehr raren Ansprache im ersten Teil des Sets, und so wird sogar die Einladung zur einer Begutachtung im Backstage rausgehauen. Ob wir eigentlich mal Vagina-Bilder von Frauenbands sehen werden? schießt mir als Gedanke durch das eh schon heute abend sehr geforderte Kleinhirn, als nach dem letzten Song ein schwarzer Vorhang vor die Bühne gezogen wird und sich zu viele Menschen durch einen zu kleinen Ausgang quetschen.

Draußen auf dem Vorhof hat man erstmal Zeit durchzuschnaufen und bereits Erlebtes mit allerhand fachkundigem Mitzuschauern zu besprechen. Enttäuschung und Kritik kann ich nicht vernehmen und überhaupt scheine ich auf einer Art Klassentreffen zu sein, bei dem Leute zueinander finden, die sich fast schon seit 10 Jahren nicht mehr gesehen haben. Um ehrlich zu sein, hoffe ich auch, dass mein nächster Besuch hier…ach nee, nicht wieder motzen.

Der zweite Teil ist nun das Konzept-Album, das eine Hommage an den Film “Willie Wonka” ist und gerade als Meme seine Auferstehung feierte. Der Film hat ja aufgrund seiner Farben und überdrehten Story unter Kiffern schon längst Kultstatus. Diverse Ausschnitte laufen auf einer in der Pause aufgebauten Wand, vollkommen unnötig eigentlich mit Loops und Effekten bearbeitet, da schon das Bühnenbild aus Riesenpilz und überhaupt die Musik natur-stoned macht und mich überlegen lässt, wie das hier aufgeführte auf bestimmten Drogen bis zur Paranonia verstärkt sein muss. Da hat der Frontmann mittlerweile eine lange Pinoccio-Nase auf, da kommen Roadies im roten Pagen-Kostüm auf die Bühne und während im Hintergrund der Keyboarder eine merkwürdige Opa-Maske trägt kommen zwei Riesenzwerge nach vorne gestampft. True Story, genau so hat es sich zugetragen.

Ich würde übrigens noch gerne was zu der eigenartigen Slap-Technik von Les sagen, oder zu Takten im tollen Drumspiel, aber mit meinem fast nie benutzten elektronischen Schlagzeug und beim Blockflöten-Unterricht war ich so miserabel, dass die Hunde in der Nachbarschaft bestimmt noch heute ein Trauma mit sich herumtragen.

Das vollständige Konzert wird dann noch mal durch ein weiteres Best-Of abgerundet, inklusive dem von meinem Konzertbegleiter schon lange geforderten Hush of The Puppies. Der Gang zum Merchstand offenbart dann noch Erstaunliches: Mondpreise für Shirts um die 30 Euro… und passend zum Album Schokoladentafeln. Ich entscheide mich tatsächlich für die Sorte “Peanut Butter” und weil ich eine ordentlich Erdnuss-Allergie habe komme ich so nicht in die Versuchung, diesen doch mal sehr ausgefallenen Merch-Artikel anzufassen. Ich fordere überhaupt alle Bands auf, diesem Beispiel zu folgen, Blur bringen dieser Tage ja eine eigene Eissorte mit auf die Konzerte.

In der Schokolade könnte vielleicht ja das Goldene Ticket sein, aber das werde ich wohl nie erfahren. Sehr viel schöner als dieser Abend kann es aber ohnehin nicht werden, es sein denn man kann die Bühne noch aufessen und gleich die blöde Live Music H…

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