Deutschrap und so #16: Deichkind – Limit

2002: Ich weiß gerade selber nicht, warum ich die Abschlussprüfung geschafft habe und kann es mir nur so erklären, dass meine Klassenlehrerin mit Aussicht auf ein weiteres Jahr meiner Anwesenheit die nackte Panik ergriffen hat. So stehe ich also mit einem dicken Kopp (vor der Prüfung noch zusammen mit einem Mitschüler einen Kasten vernichtet) und wenig Ambitionen meine Zukunft betreffend vor dem Schulgebäude. Und genau so entsteht auch aus einer unheiligen Mischung aus “Mir doch egal” und “Bloß nicht auf der Straße landen” eine Bewerbung, die ich nach Duisburg schicke und die mein Leben noch nachträglich verändern wird.

Eine Ahnung, was ich mir da aus Faulheit eingebrockt habe, beschleicht mich schon beim Vorstellungsgespräch und einer kurzen Stippsvisite in der City, die ich in den Schimanski-Folgen als spannender in Erinnerung hatte und die außerhalb des Fernsehers wie eine Mischung aus Todesstern und Stadtplanung für Misanthropen aussieht.

Mir wieder unerklärlich schaffe ich auch diese Hürde und befinde mich keine 30 Tage später in einem kleinen Zimmer, das illegal untervermietet wird. Die erste und wirklich langjährige Freundschaft vor Ort ensteht zu meinem Fernseher, auf dem immer wieder das neue Deichkind-Video zu “Limit” läuft. Die empfand ich bis dahin als so eher mittelmäßige Trittbrettfahrer, die den auch nicht mehr so tollen Hamburg-Hype für sich geschickt ausnutzen.

Bämmmm! War ich nach dem Song geflasht (sagte man damals so und heute wieder)! Keine doofen Pop-Funk-Beats aus Stuttgart, sondern ein dreckiger 80er-Synthie-Bastard mit viel Wahnsinn in den Lyrics und immer wieder die Frage “Bin ich schon am Limit?”. Nee damals noch lange nicht und auch heute noch nicht, auch wenn mich diese komische Pottsache bis dahin bringt, während die Innenstadt immer noch wie ein Shake aus Kotze und real dahinsiechendem Sozialismus aussieht.

Jedenfalls war dieser sträflich unterbewertete Track damals seiner Zeit voraus und der Grundstein für Deichkind als Electro-Projekt mit dem auch heute noch gleichen Hang zum eskapistischen Wahnsinn. Ob das noch Hip Hop war? Ja, und zwar ganz am Limit!

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