Deutschrap und so #2: Äi-Tiem – All das mag ich

Ich habe ja in den 90ern echt wenig Hip Hop gehört (war damals eher so auf der Gitarrenschiene), aber Äi-Tiem habe ich in meiner anarchischen Phase sehr abgefeiert. Feinster, minimalistischer Rap mit Zecken-Attitüde und weit entfernt von den Hochglanzprodukten der fantastischen Vier. All das mag ich verzichtet zumindest vordergründig auf die Zeckenattitüde und liefert stattdessen puren musikalischen Sex mit einem fetten Augenzwinkern; einen solchen Song feiert man dann als pubertierender Teenie ebenso ab; halt nur aus anderen Gründen als das Anarchozeug; und selbst wenn mann nicht so ganz verstanden hat worum es geht.

Also hier kurz die poststudiale Nachlese zu meinem pubertären “Hihi”: All das mag ich räumt derbe auf mit dem maskulinen Sex(ismus) im Genre, lange bevor dieser in der deutschen Szene ein großes Thema sein wird. Wenn die orgasmisch herrlich egozentrische SONY-A den imaginären Zuhörer zu diversen sexuellen Handlungen auffordert und ihren Genuss mit den Worten “All das mag ich. Und ganz doll mich!” kommentiert, erlebt der genreimmanente Sexismus nicht nur einen fetten Twist, sondern wird auch gleich pervertiert, bis mann sich in den 5 Minuten von Sodom wähnt. Feinste Line: “Ich mag’s wenn du mich zärtlich beißt, während ich dir auf den Brustkorb scheiß.” So geht gerapptes, sexuelles Empowerment.

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