Endlich? – Ryan Adams covert “Summer of 69″ von Bryan Adams

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Wenn es eine Frage gibt, die den wahren Songwriter-Fan vom uninformierten Radiohörer separiert, dann ist es wohl diese: “Was ist dein Lieblingssong von Ryan Adams?”. Es müssen die ersten Buchstaben des Vornamens nicht einmal genuschelt werden, um dem Banausen ein wie aus der Pistole geschossenes “Summer of 69″ zu entlocken. 30 Jahre Konditionierung durch einen großen Radiohit können leider so einiges ausmachen.

Während die unfreiwillige Namensgleichheit den meisten Musikexperten ein amüsiertes Lächeln entlockt, dürfte der Fast-Namensvetter von Bryan Adams damit in den letzten Jahrzehnten weniger Spaß gehabt haben. Obwohl Ryan Adams seit guten 20 Jahren ein hervorragendes Singer/Songwriter Alternative Country Album nach dem anderen veröffentlicht, muss er wohl auf ewig damit leben, dass die englischsprachige Wikipedia seinem Artikel mit einem schelmischen Lächeln ein “Not to be confused with Bryan Adams.” voranstellt und dass irgendwelche Spaßvögel auf seinen Konzerten immer noch Forderungen nach Bryan Adams Hits skandieren. Dies führte 2002 sogar zu dem in Folk-Kreisen berüchtigten “Summer of 69 Incident”, bei dem Ryan einen den Bryan-Hit fordernden Fan nonchalant aus der Halle warf (Tatsächlich weigerte er sich weiterzuspielen, bis der Rüpel gegangen war, drückte ihm aber immerhin als Entschädigung 30 Dollar in die Hand).

Und jetzt ist es doch passiert. “Endlich!” werden manche rufen, viele andere – inklusive mir – wohl eher “Wieso?”. Ryan Adams ist schwach geworden und hat “Summer of 69″ von Bryan Adams gecovert. Im Ryman, am 28. April 2015. Und… es… klingt … FANTASTISCH! Ohne Scheiß, eines der schönsten Live-Cover aus dem Singer/Songwriter-Bereich der letzten Jahre: So macht man aus einem Poprocksong eine sensible, fragile Folk-Ballade. Ryan Adams verzichtet dabei auf jedes Augenzwinkern, auf sämtliche Faxen und ist einfach nur er selbst: Der großartige Barde, dem wir so wundervolle Alben wie Heartbreaker oder Cold Roses zu verdanken haben. Okay, ganz so überraschend kommt das Beinahe-Namensvetter Cover dann doch nicht: Immerhin hat Ryan Adams bereits letztes Jahr zusammen mit The Shins Bryan Adams’ “Run to you” gecovert und damit anscheinend bereits früher seinen Frieden mit der tragischsten Pop-Namensverwechslung aller Zeiten geschlossen.

Anyway, sollte ich jemals auf einem Bryan Adams Konzert landen (Wahrscheinlichkeit gering), werde ich allein schon aus meinem Gerechtigkeitsempfinden heraus lautstark “New York, New York” oder “Magnolia Mountain” fordern. Hören will ich das dann aber auch nicht unbedingt; um ehrlich zu sein schüttelt es mich sogar bei dem Gedanken, die spannenden, mit Ecken und Kanten versehenen Folksongs von Ryan Adams durch den Poprock-Mixer von Bryan Adams gedreht zu hören. Denn wer der besser klingende, kreativere und vitalere Musiker ist, ist meiner Meinung nach nicht einmal eine Diskussion wert.

Ryan Adams finally covered Bryan Adams’ “Summer of ’69”, and it was beautiful

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