Und dann waren da noch die eingemauerten USB-Sticks von Aram Bartholl, die bei der Kölner Polizei für ziemlichen Wirbel sorgten…

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Bei den so genannten Dead Drops handelt es sich um eine Idee von Aram Bartholl, der schon seit einigen Jahren mit spannenden Kunstaktionen an der Schnittstelle zwischen Digitalität und Realität, Mensch und Maschine unterwegs ist. Dazu gehören unter anderem seine BYOD (Bring your own disk and crush it) Installation, mit der er Museumsbesucher dazu einlud, ihre eigenen Festplatten bis zur Unlesbarkeit zu zerstören, der Kill Your Phone Workshop, dessen Ziel es ist, jedes Signal unterdrückende Phonecases zu bauen, oder Forgot your Password?, ein achtbändiges literarisches Epos, bestehend aus 4,7 Millionen gehackten LinkedIn-Passwörtern in alphabetischer Reihenfolge. Die Stoßrichtung dürfte damit ungefähr klar sein. Jeder, der sich für die Vermengung von Kultur, digitaler Technik und Philosophie interessiert, sollte sich näher mit Bartholls faszinierendem Werk auseinandersetzen. Die Dead Drops selbst gehören nicht zu seinen neusten Arbeiten (genau genommen gibt es sie sogar bereits seit 2010), aber zu denen, die in jüngster Zeit in Deutschland den meisten Wirbel verursachten…

…Im Grunde genommen sind Dead Drops nichts anderes als USB-Sticks, die von Bartholl und seiner Gefolgschaft auf der ganzen Welt in Straßen und Gassen, in Mauern und Gemäuern installiert werden, so dass sie von jeder Person, die sich im öffentlichen Raum bewegt, erreicht werden können. Hat man seinen Laptop (oder ein anderes USB-kompatibles Device) dabei, kann man sich mit dem aus dem Stein lugenden Stick verbinden, nachschauen, was andere Menschen darauf hinterlassen haben, die Daten downloaden oder selbst etwas hinterlassen: Quasi eine Mischung aus digitalem Tagebuch, Social Network und Datentauschbörse, oder – wie Bartholl es in seinem Manifest ausdrückt: “Dead Drops is an anonymous, offline, peer to peer file-sharing network in public space.”

Einen solchen Dead Drop hat Bartholl auch, bereits im Jahr 2011, in die Außenwand der Kölner Gallerie eingemauert, als er dort eine Ausstellung hatte. Und auf eben jenem Stick wurde dann Ende Februar dieses Jahres eine Anleitung zum Bombenbasteln, sowie ein Kochrezept für Crystal Meth (beides wohl zusammen in einer PDF) entdeckt, all das was man in Online-Tauschbörsen halt so findet. Die Polizei wurde benachrichtigt, rückte an und entfernte den Stick aus dem Gemäuer, wodurch er anscheinend so stark beschädigt wurde, dass mittlerweile das LKA-Düsseldorf damit beschäftigt ist, die dadurch zerstörten Daten zu rekonstruieren.

Im Interview mit der Süddeutschen vergleicht Bartholl die Zerstörung des USB-Sticks mit der Entfernung von Beuys’ Fettecke. Eine ziemlich stimmige Analogie: Auch in diesem Fall wurde das Kunstwerk mit einer Autorität außerhalb des künstlerischen Raums konfrontiert. Auch in diesem Fall führte dies zur scheinbaren Zerstörung des Kunstwerks. Und auch in diesem Fall wurde das Kunstwerk eben doch nicht einfach nur zerstört, sondern viel mehr durch den Austausch mit dem Raum des Realen ergänzt, erweitert, vielleicht sogar verbessert. Nicht nur, dass das 5 Jahre alte Kunstprojekt plötzlich wieder im Fokus der Aufmerksamkeit steht, zudem wurde es ungewollt zur Parabel auf den Umgang der Obrigkeit mit der Unkontrollierbarkeit des Netzes. Während dieser eine USB-Stick aus der Wand gebrochen wurde, gibt es weltweit noch tausend anderer solcher Sticks, die ebenso illegales, amoralisches, gefährliches Datenmaterial beinhalten könnten. Und so wie hier ein Hydrakopf abgeschlagen wurde, könnten durch die dadurch entstehende Publicity tausend andere Hydraköpfe nachwachsen. Ganz zu schweigen davon, dass Dead-Drops-Nutzer auf der ganzen Welt auf die Idee kommen könnten, im Zuge der Ereignisse weitere Bastelanleitungen für Bomben oder Kochrezepte für Drogen auf den Datenträgern zu speichern; einfach nur um die Parabel zu erweitern, nach dem Motto: “Ihr könnt dem weltweiten Datenfluss nichts anhaben. Deal with it!”

Bartholl selbst nahm die Aktion übrigens ziemlich locker. Mit einem Augenzwinkern twitterte er:

https://deaddrops.com/

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