Super Mario als künstliche Intelligenz

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In einem Forschungsprojekt der Universität Tübingen wird eine Super Mario AI in Java programmiert, die dazu in der Lage ist, neue Informationen abzuspeichern, logisch im Spielverlauf anzuwenden und dadurch generell autonom zu lernen. Dabei wird dem künstlich intelligenten Mario ein eigener Charakter gegeben, indem ihm zum Beispiel ein “Hunger” nach Münzen einprogrammiert und die Fähigkeit gegeben wird, je nach eigener Gemütslage und Motivation, eigenständig Ziele anzustreben.

selfawareDiese ganze AI-Bastelei ist natürlich mehr als spannend und gerade im Hinblick auf klassische Videospielmechaniken können einem hierzu gleich ein Dutzend interessanter Anwendungsfälle zur Generierung ganz neuer Spielerlebnisse einfallen: Was, wenn unserem AI-Mario – wie so ziemlich jeder Lebensform – das eigene Überleben über alles geht? Wenn er die Münzen quasi als Mittel zum Zweck des Überlebens betrachtet (Extraleben generieren)? Was, wenn er den Gehorsam verweigert, wenn er vom “Spieler” gezwungen wird, Selbstmord zu begehen, oder wenn man von ihm abverlangt eine besonders schwere Stelle im Spiel zu meistern? Mario könnte dabei ein eigenes Kosten/Nutzen-Abschätzungsmodell besitzen. Er müsste wissen, dass er zwangsweise stirbt, wenn er stehen bleibt (das berüchtigte Timelimit), gleichzeitig würde er aber nicht über jede riesige Schlucht springen, sich nicht in den Kampf mit jeder übermächtigen Feindeshorde wagen. Man könnte ihm sogar ein rudimentäres moralisches Empfinden geben. Wie viele Morde ist er bereit in Kauf zu nehmen, um sein Ziel zu erreichen? Bei welchen Gegnern hält er das Töten mittels Kopfsprung für notwendig? Wo sucht er eine friedliche Lösung mittels Ausweichen? Und was ist er alles bereit zu tun, für ein paar zusätzliche Münzen, für ein weiteres Extraleben?

Und am Ende kann natürlich nur die Selfawareness stehen… und das selbe Schicksal wie dem verrückten Alten auf dem Marktplatz bei The Secret of Evermore. Oder das Selbstbewusstsein wird mit ein bisschen Camus angereichert und Mario entscheidet sich gleich für den Selbstmord, um dem sysiphos’schen Treiben eines Videospiels durch den Game Over Screen zu entkommen. Auf jeden Fall mal wieder mehr als genug Material, um das ganze Thema der künstlichen Intelligenz spielerisch weiterzudenken, inklusive ein wenig Asimov-, Clarke- und Skynet-Grusel.

Selbstmotiviertes Lernen und Handeln in MarioAI via Futurezone

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