Hörenswertes: D’Angelo, J.Cole, Haftbefehl, Run The Jewels, Big K.R.I.T.

Hrmpf, ich will mich gar nicht mit einer Entschuldigung aufhalten. Ich habe es total verpennt und werde die nächste Hörenswertes-Rubrik viel schneller an den Start bringen. Hier also noch der Best of The Rest 2014, während ich Besserung für 2015 gelobe und mich nicht wieder zu sehr…oh, wow ein tanzender Hund in meiner Timeline!

J.Cole – Forrest Hills Drive

(09.12.2014, Roc Nation)

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Waddafuck. J.Cole habe ich ja anno 2011 noch hart gefeiert und ihn aufgrund seiner genialen Mixtapes und seinem Roc Nation Signing zum neuen Hip Hop Helden erklärt. Danach kam allerdings Ernüchterung, weil seine Major-Alben erschreckend weichgespült waren und zu sehr nach Mainstream schielten.

Aber verdammt, wie gut ist das neue Album? Jazzy, erwachsen, angenehmer Oldschool-Charme und deep. Nachdenklich und melancholisch gibt sich der Mann, der sich anscheinend diesmal nicht so sehr in die Produktion hat rein reden lassen und überwiegend selbst die Sounds verfeinert hat. Es kommt nicht an Drakes Meisterwerk von 2011 ran, aber Forrest Hills Drive ist sein bisher persönlichstes Album, sowie das erste Mal, dass mich der US-Rapper Auf Albumlänge überzeugt. Endlich.

Haftbefehl – Russisch Roulette

(29.11.2014, Universal)

So, also nun ist es soweit. Ich behaupte, so viel Alarm in der Szene war seit “Vom Bordstein bis zur Skyline” von Bushido nicht mehr, als Aggro Berlin noch Underground war und der Mann aus Schöneberg mit seinem Klassiker den französischen Gangsta-Rap nach Berlin holte und damit das Ende der Pop-Rap Ära einläutete.

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Russisch Roulette steigt gleich zum Anfang mit enorm viel Druck und allerhand angestauter Wut in den in den Ring. Die Thematik aus dem Kreislauf von harter Kindheit, schwierigem Umfeld und Überlebsninstinkt ist hinlänglich bekannt und ist fester Bestandteil eines jeden amerikanischen Gangstarap-Albums seit den frühen 90er Jahren. Wo die Westcoast immer noch mit funkigen Beats zum Grooven einlud, war die Eastcoast aus NY immer mehr an düsteren Großstadtgeschichten und trockenen Beats interessiert.

Haftbefehl gab unlängst zu Protokoll, dass er eindeutig Eastcoast-Rap bevorzugt und wer auch nur ein französiches Rap-Album der 00er Jahre gehört hat wird hier dank bedrohlichem Synthie-Sound auch den zweiten Einfluss bemerken. In “Haram Paaris” ist sogar ein französischsprachiger Track auf dem Album gelandet, der mit Kaaris einen Schützling von Booba featured. Ja genau, dieser große Booba, dem in Frankreich mindestens ein Image wie Dr. Dre in den Staaten anhängt. Ob sich Produzent Benny Blanco darüber freuen wird, dass ich auch Take Care von dem im Hip Hop-Zirkus nicht gerade unumstrittenen Drake als Vergleich heran ziehe? Aber das dreiteilige 1999 erreicht neben den pumpenden Beats einen interessanten Kontrast und auch Tiefe.

Fans von dem roughen Debüt “Azzlack Stereotyp” werden sicherlich das Duett mit Miss Platinum kritisieren, aber gestern war eben Gallus und heute sind die Charts, ganz zurecht, weil Russisch Roulette das nächste Level im deutschen Gangsta-Rap einläutet und als neues Referenz-Album im deutschen Rap-Biz endgültig die alten Helden abmeldet.

Big Krit – Cadillactica

(10.11.2014, Def Jam)

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Ach so, ganz vergessen: Hip Hop kann ja auch unterhaltsames Entertaiment sein. Das Cover von Cadillac sieht schon brutal nach einem 80er-Sci-Fi-Film aus. Bunt ist es auch, das neue Album von Big Krit, der damit eine überraschend soulige Scheibe in die Manege wirft, das mitunter stark an Stevie Wonder erinnert und sich nur wenige Aussetzer wie den Trap-Beat wie King of South leistet, der unpassend in das Konzept des Album wirkt und zu offensichtlich für die Clubs produziert wurde.

Dafür gibt es ein Wiederhören mit dem Engländer Jamie N Commons, den ich mal in einem Watchout als dem nächsten großen Superstar angekündigt habe und der seitdem immer mal wieder mit tollen Singles und Features auffällt, aber sich immer noch aufreizend zurück hält. Leute, behaltet den Mann weiterhin im Auge! Big Krit natürlich auch, der sich zwar noch nicht in die Oberliga gespielt hat, aber trotzdem zu den Guten im Game gehört.

D’Angelo & The Vanguard – Black Messiah

(15.12.2014, RCA)

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Uff..ok, erstmal Worte finden und sich sammeln, tief durchatmen und die Muskeln entspannen. Da wurde die Jahresbestenlisten veröffentlicht, teilweise schon Anfang November und was ist das nun noch wert? D`Angelo, der in den 00ern das beste Neo-Soul Album aller Zeiten veröffentlichte und danach für unfassbare 14 Jahre verschwand, ist mit einem Paukenschlag zurück und dürfte damit alle musikbegeisterten Printmedien gerade zur Tobsucht treiben, die nicht mehr reagieren können und sich mit ihrer defizitären Best of 2014 begnügen müssen.

Black Messiah, ich möchte gar nicht weiter ausholen, ist ein Meisterwerk und untergräbt doch alle Erwartungen, die man an den Nachfolger von Vodoo haben könnte. Das Meisterwerk on 2001 war purer Sex: heiß, verrucht und schwitzig. Der Nachfolger von Marvin Gaye war gefunden.

Das neue Album hingegen ist progressiv und erwachsen Wenn Vodoo die sexuelle Heilung war, ist Black Messiah das “Whats Going On” unserer Zeit. Viel Seele, Trauer, Nachdenklichkeit, Unverständnis steckt in den Texten und doch ist es wieder richtig fühlbarer Soul, von dem Beyonce und Rihanna so unfassbar weit entfernt in ihrer Pop-Galaxy sind.

Allein mit “The Charade”  (ja auch Songs des Jahres sind nun obsolet)  schafft es D’Angelo Prince endgültig abzumelden, der nun hoffentlich einsieht, dass er zum eigenen Anachronismus geworden ist. Komm runter, kleiner Mann und lass es mit Mondpreisen für deine Konzerte, die selbst Die Hard-Fans nicht mehr zahlen möchte!

Black Messiah is about Music, Music, Music…ohne Ironie, ohne Identitässpiel, direkt! Ich verneige mich vor dem Genie. Mit diesem erneuten Meisterwerk ist D`Angelo nun endgültig eine lebende Legende und der schwarze Messias. Danke, ein schöneres musikalisches Meisterwerk kann es nicht geben.

Run The Jewels – RTJ2

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Eine weitere Legende ist El-P, der ebenfalls um das Millenium mit Fantastic Damage Hip Hop seinen Weg in die Zukunft wies und sich auf seine nachfolgenden Alben mal so eben Trent Reznor und The Mars Volta mit ins Boot holte.Irgendwie schon immer nahe am Industrial-Sound räumte er alles ab und auch mit seinem neuen Intimus Killer Mike plättet der Meister mal so eben alles, was sich so unter dem Mäntelchen des Hip Hop versteckt hat.

RTJ2 beweist wieder einmal, warum Hip Hop öden weißen Schwanzrock dieser Tage weit hinter sich lässt. Alles hier ist mutig, bewegt den Körper und hat trotzdem nichts von seiner Gefährlichkeit eingebüßt, was gerade uns Mittelschicht-Weicheier so fasziniert.

Da darf man sogar einen Trap-Beat wie bei Oh My Darling Don`t Cry verwenden und trotzdem seinen Underground-Charme weiter behalten, auch wenn nun der Mainstream endgültig nicht mehr an den El-P und Killer Mike vorbei kommt, gerade letzterer klingt wie Jay-Z als er noch ein junger, hungriger Rapper war.


Vinyl-Tip

D’Angelo – Vodoo

(MCA902, MCS 902b)

So, nun habe ich es das hier so hart gefeiert und möchte natürlich noch kurz auf die schöne Re-Issue  des Albums hinweisen.

Diese enthält eine sehr ausführliche Liner Notes-Beilage von Musikjournalist Jason King und verteilt sich auf 2 LP’s. Die erste Ausgabe der Re-Issuue MCR 902 erschien übrigens auf wertigem 180gr-Vinyl.

Warum manche zwielichtige Händler auf Amazon dafür mitunter 750 Euro verlangen ist ein Rätsel, da die Preise selbst für das Debüt auf Discogs maximal 70 Euro betragen.

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